SOLARIS | Oper am Dom

Solaris
Foto: Bernd Uhlig
Solaris
Foto: Bernd Uhlig

Zu „Solaris“ meint der Komponist Detlev Glanert zwar, dass „kein Takt der Oper gestrig“ ist, dennoch badet die Musik zeitweilig in Klangrausch und Dur-unterfütterter Sanftheit, als habe ihm Richard Strauss über die Schulter geschaut.

Die Story basiert auf einem 1961 entstandenen Science-Fiction-Roman des Polen Stanislaw Lem. Reinhard Palm hat ihn für die Oper auf die zentrale Handlung komprimiert, freilich philosophische Reflexionen eingefügt.

Auf dem Planeten Solaris soll der Psychologe Kelvin ein Forschungsteam aufstocken. Wie seine Kollegen Snaut und Sartorius wird er bald mit einem Wesen konfrontiert, welche das Plasmameer aus menschlichen Hirnströmen generiert. Kelvin begegnet auf diese Weise seiner Freundin Harey, die sich auf Erden das Leben nahm. Sie ist Rekonstruktion, kein Klon, verfügt über ein seltsames Sensorium. Der Gedanke an eine neue gemeinsame Zukunft greift vorübergehend Platz. Harey findet am Schluss jedoch den Tod. Kelvin bleibt zurück, "ohne Hoffnung, aber in Erwartung". Ein offenes Finale.

Patrick Kinmonth (Regie) und Darko Petrovic (Bühne) verfallen nicht in den Fehler der Bregenzer Uraufführung (2013, Dirigent: Markus Stenz), die Inszenierung auf malerisches Science Fiction zu begrenzen. Petrovic hat eine auf Stelzen montierte Spielfläche gebaut, bei welcher man eine aufgebrochene Eierschale oder auch den Teil eines Schiffskörpers assoziieren mag. Bewegte Wände sorgen geschickt für überraschende, geheimnisvolle Auftritte. Dass der den Solaris-Ozean verkörpernde Chor entgegen Glanerts Vorschrift real auftritt, mutet hingegen etwas fragwürdig an. Gänzlich fatal ist die Idee, das Plasmameer durch echtes Wasser zu visualisieren, welches die gesamte Spielfläche bedeckt. Prinzipiell aber führt Kinmonth, der vor Ort mit Puccinis "Butterfly" ins Regiefach einstieg und danach mit Schrekers "Gezeichnete" beeindruckte, die Darsteller mit gestischer Expressivität und poetischer Ausdruckskraft.

Unter den Sängern ist die junge irische Sopranistin Aoife Miskelly hervorzuheben, welche im Opernstudio begann und nun zum Ensemble gehört. Ihr Gesang leuchtet die Partie der Harey (welche am Schluss übrigens gewollt der Bombadierung des Planeten durch Sartorius zum Opfer fällt) wundervoll aus. Schlanke Figur, intensives Spiel.
Nikolay Borchvs kraftvoll-kerniger Bariton besitzt genügend lyrische Farben, um Kelvin auch als sensiblen Liebhaber glaubhaft sein zu lassen. Attraktives Äußeres, vehemente Bühnenpräsenz.
Gleiches gilt für Martin Koch, welcher den Snaut bereits in Bregenz verkörperte. Seine Stimme geht mittlerweile über seine bisherigen, buffonesk geprägten Charakterpartien hinaus.
Aus Sartorius macht Bjarni Thor Kristinsson - prägnant, leicht skurril, mit erzenem Bass - einen Verwandten des Doktors in Bergs "Wozzeck".
Auch die Darsteller der kleineren Partien überzeugen.
Als Meister im Bereich zeitgenössischer Musik erweist sich neuerlich Lothar Zagrosek, in Köln kein Unbekannter. Er lenkt das Gürzenich-Orchester mit souveränem Klangsinn.

CZ

Mittwoch, 10.12.2014

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