Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1

Tosca

Tosca (Takesha Meshé Kizart), Cavaradossi (Calin Bratescu)
Foto: Bernd Uhlig
Tosca (Takesha Meshé Kizart), Cavaradossi (Calin Bratescu)
Foto: Bernd Uhlig
Baron Scarpia (Oliver Zwarg), Der Mesner (Tiziano Bracci), Ensemble
Foto: Bernd Uhlig
Baron Scarpia (Oliver Zwarg), Der Mesner (Tiziano Bracci), Ensemble
Foto: Bernd Uhlig
Baron Scarpia (Oliver Zwarg), Ensemble
Foto: Bernd Uhlig
Baron Scarpia (Oliver Zwarg), Ensemble
Foto: Bernd Uhlig

Melodramma in drei Akten Gefährliches Intrigenspiel um Liebe, Freundschaft und Verrat
Oper - Giacomo Puccini

Musikalische Leitung Alfred Eschwé / Inszenierung Thilo Reinhardt / Bühne Paul Zoller / Kostüme Ulli Kremer / Licht Andreas Grüter / Chorleitung N. N. / Dramaturgie Birgit Meyer


Zur Entstehung
Schon im Jahre 1889, zur Zeit der Uraufführung seiner Oper "Edgar" an der Mailänder Scala, hatte Puccini die erste Bekanntschaft mit Victorien Sardous fünfaktigem Schauspiel Tosca gemacht. Auch in Mailand gastierte damals die große Tragödin Sarah Bernhardt in der für sie wie maßgeschneiderten Titelrolle des einstigen Erfolgsstücks. Ähnlich wie später bei einer Londoner Aufführung von David Belascos Madame Butterfly erkannte Puccini auch hier trotz aller Sprachbarrieren die Eignung des Stoffes für die Opernbühne. In einem Schreiben an Giulio Ricordi bat er den Verleger inständig, die Zustimmung Sardous für eine Opernbearbeitung einzuholen. Doch vielleicht war der geschäftstüchtige französische Dichter nicht gewillt, die Opernrechte einem noch wenig bekannten Komponisten zu überlassen. Für Jahre jedenfalls war von dem einstigen Projekt keine Rede mehr. Erst 1895 setzte dann ein ausgedehnter Briefwechsel zwischen Puccini, dem Seniorchef des Mailänder Verlagshauses Ricordi und den bei den Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica ein. Nach "Manon Lescaut" und "La Boheme" war das Tosca-Projekt erneut in Puccinis Blickfeld getreten. Noch bevor er im Oktober 1895 - diesmal in Florenz - Zeuge eines weiteren Tosca-Gastspiels Sarah Bernhardts wurde, hatte er seinen Entschluss zur Komposition gefasst.

Wie schon bei "Manon Lescaut" und "La Boheme" hatte sich jetzt auch bei der Tosca die "Heilige Trinität" Giacomo Puccini - Luigi lllica - Giuseppe Giacosa zusammengefunden. Illica lag dabei sein schon für Alberto Franchetti geschriebener Prosaentwurf vor. Während Sardou in seinem weitschweifigen fünfaktigen Schauspiel nicht weniger als 23 Akteure auf die Bühne brachte - unter ihnen selbst Königin Maria Carolina und den Komponisten Giovanni Paisiello- begnügte sich
Illica in seinem auf drei Akte zusammen gestrichenen Libretto mit nur neun Personen. Ohne Einbuße an sorgfältiger Charakterisierung und schlüssiger Motivation ging es dabei nicht ab. Gezielte Einwände gegen das Libretto kamen in dem damaligen "Kleinkrieg" von Giuseppe Giacosa, dem wie schon bei "La Boheme" die Versifizierung des Textbuchs zufiel. In einem Brief vom 23. August 1896 gab er Giulio Ricordi unmissverständlich zu verstehen, dass die Oper mit ihrer vermeintlich ermüdenden Abfolge an Duetten bei einer "Überfülle an Aktion" der echten Poesie ermangele. Und auch Puccini hielt mit detaillierter Kritik nicht zurück. Im 3. Akt beispielsweise hatte lIIica dem todgeweihten Cavaradossi ein feuriges. idealistisches Bekenntnis zu Kunst und Vaterland in den Mund legen wollen. Bei einer Zusammenkunft im Pariser Haus Victorien Sardous hatte sich der anwesende Verdi gerade für diese Szene entflammt. Puccini jedoch bestand darauf, dass Cavaradossis "Hymne" durch eine weniger rhetorische, eher realistische Arie ersetzt würde.

Um die Arbeit an der Partitur voranzutreiben, hatte sich Puccini im Sommer 1898 nach Monsagrati, einem Bergdorf in der Nähe von Lucca, zurückgezogen.
"Ich bin in einer scheußlichen, hassenswerten Gegend, wo Wälder und Pinien jede Aussicht verdecken, man ist zwischen Bergen eingesperrt, von der Sonne bestrahlt, ohne jeden Windhauch. Doch die Abende sind erquickend und die Nächte wundervoll. Ich arbeite bis vier Uhr morgens, ab 10. Alles in allem bin ich sehr zufrieden, mich in dieser öden Gegend geflüchtet zu haben, wo menschliche Wesen Ausnahmen darstellen."
Am 29. September 1899,nur 15 Wochen vor der Uraufführung im römischen Theatro Costanzi, setzte Puccini dann den Schlussstrich unter die Partitur.
Nach seinen eigenen Worten hatte Puccini bei der Arbeit an seiner Oper Boheme wie ein Kind geweint, als er - von Schmerz überwältigt - am Schluss der Oper seine Mimi geradezu kreatürlich ihr Leben aushauchen ließ.
Auch in der Partitur Tosca spürt man, wie rückhaltlos er mit den Geschöpfen seiner Phantasie litt. Nicht für "kleine" Leute wie die Näherin Mimi, wie später die verlassene Cho Cho San, die Klosterschwester Angelika oder die Sklavin Liu schlägt hier sein Herz. Doch auch aus der Tosca tönt - um mit Richard Specht einen der ersten Puccini-Biographen zu zitieren - die "Bruderstimme", die "Vox humana".



Die Handlung
Erster Akt
Rom zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Cesare Angelotti, ein politischer Häftling, ist aus dem Kerker der Engelsburg entflohen und sucht in der Kirche Sant'Antrea della Valle Zuflucht. In der Nähe des Weihwasserbeckens findet er den von seiner Schwester Gräfin Attavanti verborgenen Schlüssel der Familienkapelle, wo er sich bis zum Einbruch der Dunkelheit verstecken will. Da erscheint der murrende Küster, um die auf dem Boden verstreuten Pinsel und Farben aufzuräumen. Hinzu tritt der Maler Mario Cavaradossi, der sein von ihm begonnenes Gemälde einer Maria Magdalena vollenden will. Er betrachtet sein Werk, in dem er die "verborgenen Züge" zweier Schönheiten darzustellen versucht. Als Anregung dienten ihm eine unbekannte, in Andacht versunkene Adlige und die von ihm heiß geliebte Sängerin Floria Tosca. Nachdem der Sakristan Ordnung geschaffen hat, entfernt er sich. Nun tritt Angelotti aus seinem Versteck hervor und gibt sich Cavaradossi zu erkennen. Der Maler erinnert sich an ihn und reicht dem erschöpften Freund seinen Speisekorb zur Stärkung. Gleichzeitig verspricht er ihm seine Hilfe. Das geheime Gespräch der beiden wird durch den plötzlichen Besuch Toscas gestört. Die Verlegenheit Marios macht sie misstrauisch. Ihr Verdacht und ihre Eifersucht werden noch stärker, als sie auf dem Bild die Gesichtszüge der Attavanti entdeckt, welche dem Künstler als Modell gedient hatte, während sie, nach außen hin im Gebet versunken, Fluchtpläne für ihren Bruder schmiedete. Mario versucht mit der Beteuerung seiner Zuneigung und Liebe Tosca zu besänftigen, welche sich nun beruhigt verabschiedet. Nun kann sich der Maler wieder ungestört mit dem entwichenen Häftling unterhalten und bietet ihm als Unterschlupf seine Villa an, zu der er ihn persönlich begleitet. Ein Kanonenschuss aus der Engelsburg macht klar, dass der Ausbruch entdeckt worden ist. Cavaradossi und Angelotti eilen davon. Allmählich füllt sich die Kirche mit Gläubigen. Man feiert mit einem Te Deum den irrtümlich gemeldeten Sieg über Napoleon. Doch die feierliche Stimmung wird sofort unterbrochen, als Scarpia, der Chef der Polizei, in Begleitung von Gendarmen erscheint, um den ausgebrochenen Angelotti zu verfolgen. Er schickt alle Anwesenden aus dem Gottesraum und beginnt mit der Durchsuchung. Er findet die Familienkapelle der Attavanti geöffnet und stößt auf den leeren Speisekorb. Als er dann noch den Fächer mit dem Wappen der Gräfin entdeckt, erkennt auch er deren Gesichtszüge auf dem Gemälde Cavaradossis wieder. Nach einem Verhör des Sakristans zeigt er sich über Marios Abwesenheit gekränkt. Der skrupellose Baron nutzt ihre Eifersucht aus, um seinen Plan zu verwirklichen. Er muss Angelotti finden und will zudem die anmutige Sängerin für sich gewinnen. Vom Verdacht getrieben eilt Tosca in die Villa Cavaradossis, wo sie Mario in Gesellschaft seiner Geliebten vermutet. Der Gottesraum füllt sich wieder mit Gläubigen zum feierlichen Te Deum.

Zweiter Akt
Im Farnese-Palast: Im Salon seines Palast wartet Scarpia beim Abendessen auf die Rückkehr seiner Gendarmen, die er Tosca nachgeschickt hatte. Durch das offene Fenster dringen die Töne eines Festes, das aus Anlass des Sieges über Napoleon gefeiert wird. Schließlich erscheint Spoletta abgehetzt und berichtet, dass man zwar keine Spur Angelottis entdeckt habe, er aber dafür Cavaradossi unter der Anklage des Staatskomplotts und der Beihilfe zur Flucht verhaftet habe. Scarpia beginnt mit einem strengen Verhör des Malers, der ihm nur ungehalten antwortet und alle Vorwürfe zurückweist. Tosca, welche auf dem Fest gesungen hatte, wird auf Scarpias Befehl hereingebracht. Als sie Mario in die Arme fällt, vermag ihr dieser noch heimlich zuzuflüstern, keinerlei Aussagen zu machen. Dann führt man ihn ab in eine Folterkammer. Aber auch Torturen können ihm kein Geständnis entreißen. Während Tosca zuerst den hinterhältigen Fragen und den widerwärtigen Zudringlichkeiten Scarpias widersteht, wird sie bei den Schmerzensrufen des gefolterten Geliebten schwach und verrät Angelottis Versteck. Scarpia gibt den Befehl, mit den Torturen aufzuhören und schickt Spoletta sofort in Cavaradossis Villa, wo der im Brunnenschacht verborgene Angelotti festgenommen werden soll. Mario hat begriffen, dass Tosca ihr Schweigen gebrochen hat. Mit einem Fluch auf sie sinkt er erschöpft zu Boden. Er kommt wieder zu sich, als Spoletta zurückkehrt und beichtet, dass die Österreicher bei Marengo eine Niederlage erlitten haben. Um sich der Auslieferung zu entziehen, hatte Angelotti Selbstmord verübt. Die Schergen führen den Maler ins Gefängnis, wo er auf Scarpias Befehl hingerichtet werden soll. Verzweifelt versucht Tosca den Polizeichef umzustimmen und zu bestechen. Aber Scarpia will kein Geld, er verlangt eine andere Entlohnung. Er will Mario nur dann retten, wenn die Künstlerin seinen Wünschen nachgibt. Tosca willigt zum Schein ein. Scarpia gibt ihr zu verstehen, Cavaradossi solle zum Schein hingerichtet werden. In Wirklichkeit gibt er jedoch Spoletta den Erschießungsbefehl in die Hand. Dies sollte sein letztes Verbrechen werden: nachdem er den Geleitbrief für die beiden Liebenden zum Verlassen Roms unterzeichnet hat, schließt er Tosca in seine Arme, die ihm einen tödlichen Stich mit dem Messer versetzt. Sterbend sinkt Scarpia zu Boden.

Dritter Akt
Auf der Plattform der Engelsburg. In das Morgengrauen hinein ertönt das Aveläuten. Man vernimmt den Gesang eines Hirten, der seine Herde auf die Weide führt. Die Wache begleitet Cavaradossi zur Kasematte. Seine letzte Stunde ist angebrochen. Er schreibt noch einen verzweifelten Abschiedsbrief. Er denkt an die glücklichen Tage zurück und an das verflossene Leben, das sich dem Ende zuneigt, das er nie so heiß wie gerade jetzt geliebt hat. Plötzlich erscheint Tosca mit der Meldung, dass Scarpia tot ist. Sie zeigt ihm den Geleitbrief und erklärt ihm die Scheinhinrichtung. Aber Mario glaubt nicht daran. Da beichtet ihm Tosca den Mord an Scarpia, nachdem sie ihren Pakt mit ihm geschlossen hatte. Sie bittet Mario, bei der Erschießung mitzuspielen und natürlich zu fallen. Wenn die Wache dann abgezogen sei, öffne sich für sie das Tor in die Freiheit und ins Glück. Das Hinrichtungskommando nimmt die Erschießung vor, aber Mario bleibt unbeweglich auf dem Boden liegen. Nun begreift Tosca den grausamen Betrug und wirft sich verzweifelt über die Leiche Cavaradossis, als könne sie die Wirklichkeit nicht fassen. In der Zwischenzeit wurde die Ermordung Scarpias entdeckt und man versucht die Sängerin zu ergreifen. Doch Tosca wählt den Freitod und stürzt sich von der Brüstung der Engelsburg in die Tiefe.


nach dem Schauspiel 'La Tosca' von Victorien Sardo

Eckhardt Kruse-Seiler

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Letzte Aktualisierung: 23.07.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln