Außenspielstätte am Offenbachplatz

Der Kaiser von Atlantis

Nikolay Borchev | Bariton
Foto: Oper Köln
Nikolay Borchev | Bariton
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oder die Tod-Verweigerung
Oper - Viktor Ullmann

Spiel in einem Akt von Peter Kien
Musik von Viktor Ullmann (1898 - 1944)

Personen der Handlung

Der Lautsprecher
Kaiser Overall (Kaiser von Atlantis)
Der Tod
Harlekin
Ein Soldat
Bubikopf (ein weiblicher Soldat)
Ein Trommler

Zur Handlung

Der Lautsprecher verkündet im Prolog, dass man nun eine Art Oper sehen werde. Er leitet zur eigentlichen Handlung über und berichtet, dass man Kaiser Overall, den Kaiser von Atlantis schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe, da dieser sich in seinen Palast zurückgezogen habe um besser regieren zu können.Tod und Harlekin sitzen zusammen und sinnieren über bessere Zeiten. Der Harlekin beklagt, dass keiner mehr über ihn lacht, der Tod denkt an die Kriege zurück, in denen die Menschen extra für ihn prachtvolle Uniformen anlegten. Da erscheint der Trommler und verkündet im Namen des Kaisers den Krieg "alle gegen alle". Der Tod solle hier sein prunkvolles Banner wieder tragen können und so dem Kaiser viel Ehre bereiten. Der Tod fühlt sich allerdings verhöhnt und verweigert diese Zusammenarbeit. Die Konsequenz aus dieser Entscheidung: niemand kann mehr sterben. Der Kaiser sitzt in seinem Palast und telefoniert. Er muss erfahren, dass Staatsfeinde, die er zum Tode verurteilt hat nicht sterben können und dass auch Soldaten nicht mehr auf den Schlachtfeldern fallen, sondern einfach immer weiterkämpfen. Kurzerhand verkündet der Kaiser, er habe ein geheimes Mittel für seine Soldaten, das ihnen das ewige Leben beschere. Ein Soldat und Bubikopf stehen sich gegenüber und obwohl sie es müssten, können sie sich nicht töten. Der Soldat erinnert sich an seine Kindheit und an ein Mädchen mit hellen Augen, mit der er einst am Fluss spazieren ging. Er küsst sie und beide träumen von einer Zeit ohne Krieg, die von der Liebe bestimmt ist. Im kaiserlichen Palast ist ob des Krieges und des "Nichtsterbenkönnens" Chaos ausgebrochen. Der Kaiser erblickt im Spiegel den Tod anstelle seines eigenen Spiegelbildes. Der Tod schlägt dem Kaiser vor, ihm zu folgen, denn dann würde er, der Tod, wieder seine Arbeit aufnehmen und die Menschen könnten wieder sterben. Einzige Bedingung sei es eben, dass der Kaiser als erster vorausgehe. Der Kaiser willigt ein, folgt dem Tod in der Hoffnung wiederkehren zu können durch den Spiegel hinaus und alles geht wieder seinen gewohnten Weg. Der Tod lässt die Menschen wieder sterben und bietet ihnen "das warme Nest" in das man sich aus dem "angstgehetzten Leben" flüchten kann.

Werk und Entstehung

Man kann es sich kaum vorstellen, dass in Zeiten größter Barbarei dennoch Kunst entstehen kann, dass Menschen, die unter schlimmsten Repressalien zu leiden haben und denen die Ermordung droht, an Musik denken können. Aber vielleicht ist es auch die Flucht in eine Welt, die schöner ist als die Realität, die so etwas möglich macht. Viktor Ullmann, der Komponist des "Kaisers von Atlantis", verfasste diese Kammeroper unter den Eindrücken der Naziherrschaft im Ghetto Theresienstadt. Und mit dem Wissen um diesen Hintergrund muss man sicherlich auch das Werk betrachten, dessen Handlung auf den ersten Blick doch recht ungewöhnlich erscheint. Ullmann war 1942 nach Theresienstadt gebracht worden. Zu Propagandazwecken gab es dort den Bereich "Freizeitgestaltung", der den Internierten gewisse Freiheiten bot und im Rahmen dessen das Werk aufgeführt werden sollte. Man probte mit dort ebenfalls inhaftierten Musikern und Sängern und nach der Generalprobe wurde die Aufführung dann doch von den Nazis verboten. Schaut man sich an um was es hier geht, so ist das durchaus logisch, denn ein Werk, das die Barbarei des Krieges und des Tötens so absurd aber doch treffend anprangert, das eine Botschaft vermittelt, in der die Liebe der Grundkern tiefster Menschlichkeit ist und in der ein Herrscher, dessen Name uns schon anzeigt, dass dieser Machthaber überall zugegen ist, der den "totalen Krieg" verkündet und am Ende als erster stirbt, den Nazis nicht gefallen konnte, liegt auf der Hand. Nicht zuletzt der Handlungsort "Atlantis", also der sagenumwobene, aber im Meer versunkene paradiesische Ort, ist als Metapher für das gewesene deutsche Reich zu verstehen, dass es so nicht mehr gibt und das nun von einem größenwahnsinnigen Autokraten beherrscht wird. Ullmann selbst erlebte die Uraufführung des Werkes nicht mehr, da ihn die Nazis 1944 in Auschwitz ermordeten. Und so gerieten neben diesem viele seiner Werke, so sie denn erhalten sind, leider nach dem Krieg auch in Vergessenheit. Erst 1975 wurde "Der Kaiser von Atlantis" erstmals aufgeführt. Seitdem steht das Werk immer mal wieder auf dem Spielplan einzelner Häuser und erkämpft sich langsam seinen Platz im Repertoire.

Der Komponist und seine Musik

Das Oeuvre Ullmanns ist vielfältig und umfangreich: Symphonien, ein Klavierkonzert, Kammermusik, Lieder, Chorsätze und Opern dokumentieren ein großes Spektrum künstlerischen Schaffens und immer wieder finden sich Werke auch auf den Spielplänen namhafter Orchester und Musiker. Viktor Ullmann besuchte 1918/1919 das Kompositionsseminar Arnold Schönbergs in Wien und sammelte unter Alexander von Zemlinsky als Kapellmeister erste Theatererfahrung. Neben diesen beiden großen Namen war aber auch die Musik der Zeit prägend für den Komponisten und so entsteht eine spannende Mischung ganz unterschiedlicher Stile. Barocke Formen wie Passacaglia oder Choral stehen im Kontrast mit jazzigen Klängen, mit Foxtrott oder Blues. Die ungewöhnliche Instrumentierung, die der Situation in Theresienstadt geschuldet ist, verstärkt diese Einflüsse noch, denn obwohl von den Nazis verboten sind Saxophon und Banjo als Instrumente der von den Machthabern so gehassten "Negermusik", Bestandteil des Orchesters und kontrastieren mit Cembalo und Streicherklängen. Interessant ist, wie Ullmann musikalische Zitate nutzt. So hört man Klänge aus "Der Trunkene im Frühling" aus Gustav Mahlers "Lied von der Erde", es erklingt in beängstigender Verfremdung das Deutschlandlied, wenn der Kaiser zum totalen Krieg aufruft und der Schlusschoral bedient sich an Martin Luthers Choral "Ein feste Burg ist unser Gott", ein Choral, der auch von den Nazis gerne zu Propagandazwecken genutzt wurde. In der Tonsprache bewegt sich Ullmann in einem sehr weit gefassten Bereich der Tonalität, die Einflüsse des frühen 20. Jahrhunderts sind klar zu hören, bereits die eröffnende Tritonusfanfare zeigt an, dass hier etwas aus den "harmonischen" Fugen geraten ist. Komponist und Librettist Peter Kien, der ebenfalls mit Ullmann in Theresienstadt interniert war, lieferte ein Libretto, dass der Zeitoper der 20er und 30er Jahre nahesteht. Große philosophische Themen werden angegangen, Ullmann interessierte sich sehr für die Schriften Rudolf Steiners, und reflektieren die Zeit und ihre
Geschehnisse.

Sebastian Jacobs

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Letzte Aktualisierung: 15.10.2019 09:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln