Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

Marek Janowski - Dirigent
Foto: Felix Broede
Marek Janowski - Dirigent
Foto: Felix Broede

Alpensinfonie
Konzert - Haydn, Hindemith, Strauss

Dirigent: Marek Janowski

Frank Peter Zimmermann, Violine


Joseph Haydn
Sinfonie B-Dur Hob I:85
"Die Königin"

„Haydn ist der Liebling unserer Nation, dessen sanfter Charakter sich jedem seiner Stücke aindrücket. Sein Satz an Schönheit, Ordnung, Reinheit, eine feine und edle Einfalt, die schon eher empfunden wird, als die Zuhörer noch dazu vorbereitet sind. Es ist in seinen Cassationen, Quattro, Trio ein reines und helles Wasser, welches ein südlicher Hauch zuweilen kräuselt, zuweilen hebt, in Wellen wirft, ohne daß es seinen Boden und Abschluß verläßt. Die monotonische Art der Stimmen und gleichlautenden Oktaven hat ihn zum Urheber, und man kann ihr das Gefällige nicht absprechen. In Symphonien ist er ebenso männlich stark als empfindsam, in Kantaten reizend, einnehmend und natürlich.“ Dieses zeitgenössische Zitat (von De Luca) ist weniger wissenschaftlich, doch gibt es einen Eindruck der großen Beliebtheit Haydns, die ihn zum größten Komponisten seiner Zeit machte. Haydns etwa 104 Sinfonien, die ihm allerdings nicht alle mit Sicherheit zugeschrieben werden können, sind Ausgangspunkt und erster Höhepunkt dieser Gattung; ohne ihn sind Mozarts und Beethovens sinfonische Anfänge nicht zu denken. Die Bezeichnung „La Reine“ („Die Königin“) für die Sinfonie Nr. 85 sei, so berichten Zeitgenossen, darauf zurückzuführen, dass Marie Antoinette, Tochter Maria Theresias und Gattin Ludwigs XVI., dieses Werk besonders geliebt haben soll. Das einleitende „Largo“ ist pompös-festlich; das folgende „Vivace“ unterstreicht noch diesen Eindruck. Anstelle eines 2. Themas wird eine transponierte Variante des Hauptthemas verwendet und somit auf den in der Klassik üblichen Themendualismus verzichtet, was durch eine verstärkte Verdichtung der Linien aufgewogen wird. Der 2. Satz bringt eine Variationenfolge über das französische Volkslied „La gentille et jeune Lisette“. Das „Menuett“ ist knapp und energisch, dafür bietet das Finale unbeschwerte Fröhlichkeit an, die weder durch die ernsten Klänge des Mittelteils noch durch die eigenwillige Harmonik und Rhythmik beeinträchtigt werden kann. Komponiert hat Haydn dieses Werk 1786 in Eszterháza, die Uraufführung war im selben Jahr in Paris.
Spieldauer: ca. 24 Min.

Paul Hindemith
Kammermusik Nr. 4 für Violine und Kammerorchester op. 36,3

Der deutsche Komponist Paul Hindemith begann früh, sich für Musik zu interessieren. In seiner Heimatstadt Hanau am Main spielte er im damals noch stummen Kino und auf Dorfhochzeiten Geige. Später war er als Bratschist an der Frankfurter Oper beschäftigt und gründete das Amar-Hindemith-Streichquartett. Ab 1924 übernahm er die Leitung der Donaueschinger Musiktage, die als Experimentierfeld neuer Musik bekannt sind. Als einer der in der Zwischenkriegszeit meistgenannten, vielgespielten und hart umstrittenen Komponisten erhielt Hindemith 1927 eine Professur an der Berliner Hochschule. Der Nationalsozialismus zwingt ihn jedoch ins Exil, zuerst in die Schweiz, Anfang 1940 in die USA, wo er die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Erst 1953 kehre Hindemith endgültig nach Europa zurück und ließ sich in der Schweiz nieder. Er starb 1963 in Frankfurt am Main. Die insgesamt acht „Kammermusiken“ zählen zu den erfolgreichsten Instrumentalwerken aus der Feder Hindemiths der 1920er Jahre. Allerdings führt der Titel ein wenig in die Irre, denn die einzelnen Werke tragen vielmehr konzertant-solistische Züge, statt sich in der kammermusikalischen Tradition zu bewegen. Die Kammermusik Nr. 4 stammt aus dem Jahre 1925 und ist sozusagen das „Violinkonzert“ dieser Werkreihe. Das Werk zeigt im Vergleich zu den vorangegangenen „Kammermusiken“ eine veränderte stilistische Haltung, obwohl das Werk nur wenige Monate nach der Kammermusik Nr. 3 entstand. Dieses Werk hat Hindemith, wie er selbst in seinem Werkverzeichnis kommentierte, sehr gerne gemacht. Hindemith vergrößert nun die Kammerorchesterbesetzung, besetzt jedoch die extremen Lagen mit zwei kleinen Flöten und der Es-Klarinette einerseits, dem Kontrafagott, der Basstuba und vier Kontrabässen andererseits, besonders stark, so dass ein greller, scharf akzentuierter Tuttiklang resultiert. Fast alle Stücke, die Hindemith unter dem Begriff „Kammermusik“ zusammenfasste, sind für Ensembles geschrieben, die man richtigerweise als Orchester – wenngleich von mäßiger Größe – bezeichnen kann. Dennoch sind ihre Besetzungen gewiss „kammermusikalisch“ , verglichen mit den extravaganten Orchestern, die die Musik vor 1914 verlangte. Überdies erlebte das erste Stück der Serie seine Premiere bei den Kammermusikaufführungen zur Förderung zeitgenössischer Tonkunst, die 1921 erstmals in Donaueschingen veranstaltet wurden. Die Kammermusik Nr. 4 wurde für Hindemiths Freund Licco Amar geschrieben hat, den Primarius des Amar Quartetts, in dem er selbst die Bratsche spielte. Mit ihren fünf Sätzen ist diese Musik das ambitionierteste Werk der Reihe. Die Uraufführung fand am 13. März 1931 in der Münchener Tonhalle statt. Der Dirigent Adolf Mennerich leitete die Münchner Philharmoniker. Die Solistin damals war Elisabeth Bischoff. Die Satzfolge lautet: I. Signal: breite majestätische Halbe; II. Sehr lebhaft; III. Nachtstück: mäßige schnelle Achtel; IV. Lebhafte Viertel; V. So schnell wie möglich.
Spieldauer: ca. 22 Min.

Richard Strauss
Eine Alpensinfonie op. 64
Tondichtung für großes Orchester

Die Alpensinfonie op. 64 ist Strauss‘ letzte, und in formaler und instrumentaler Sicht auch seine aufwendigste Tondichtung. Sie ist das Ergebnis einer Kompositionsarbeit von nur 100 Tagen (entstanden 1914/ 1915 in Garmisch), wenngleich die ersten Skizzen in das Jahr 1911 zurückgehen. Strauss, ein leidenschaftlicher Bergfreund, wurde angeregt durch das Panorama seiner Wohnung in Garmisch, das den Blick auf die Zugspitze und den Wetterstein freigab. Solchermaßen inspiriert schuf er eine illustrative musikalische Bergtour, die einen Orchesterapparat erfordert, der seinesgleichen sucht: neben doppelter Bläserbesetzung fordert die Partitur noch Orgel, Windmaschine, Donnermaschine, Glockenspiel, Herdenglocken und Tamtam. Hinter der Bühne werden noch zusätzlich 12 (!) Hörner verlangt. „Ich hab einmal komponieren wollen, wie die Kuh Milch gibt“. Aus dieser ganz naiven, unreflektierten Einstellung heraus ist auch eine gewisse Unbekümmertheit der thematischen Erfindung zu erklären: Anders als in Beethovens 'Pastoralsinfonie' rangiert in Strauss' Alpensinfonie die (Ton-) Malerei vor der Empfindung. Strauss hat den einzelnen Abschnitten der durchkomponierten Riesenpartitur Überschriften beigefügt, so dass die Deutung der musikalischen Bilderfolge nicht zu verfehlen ist: Nacht: In Fagotten und zwanzigfach geteilten Streichern sinkt stufenweise bei liegenbleibenden Tönen die b-Moll Tonleiter herab. Der folgende Sonnenaufgang mit seinem Sonnenthema erinnert an Giordanos Caro mio ben. In Der Anstieg entfaltet sich das bisher nur vage angedeutete Wanderthema, ein sehr lebhaft und energisch vorgeschriebenes, in punktiertem Rhythmus nach oben strebendes Gebilde, das als motivische Klammer das ganze Werk durchzieht. Ein Gegenmotiv veranschaulicht die drohenden Gefahren. Ferne Hörner und rauschende Streicherarpeggien verlebendigen den Eintritt in den Wald. Figurierte Streicher und Holzbläser malen später die Wanderung neben dem Bach. Dann wird Der Wasserfall erreicht: Springbogenfiguren und Glissandi der Streicher, Holzbläserläufe, Harfen, Triangel, Glockenspiel. Die Oboe zeichnet eine Erscheinung hinter diesem Wasserspiel. Das Horn intoniert eine neue Weise, die das Themenmaterial abrundet. Auf blumigen Wiesen hört man den Vogelgesang. Dann ist der Wanderer Auf der Alm. Die Holzbläser suggerieren lustige Jodler, und an- und abschwellende Herdenglocken lassen an der Örtlichkeit keinen Zweifel. Ein Fugato lässt das Wanderthema sich Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen vorwärtskämpfen. Die Blechbläser intonieren das Bergmotiv. Paukengrundiert erscheint gellend das synkopierte Gefahrenthema in Trompeten und Es-Klarinette, das von den Violinen hochgetrieben wird: wir sind Auf dem Gletscher. Aber noch drohen Gefahrvolle Augenblicke. Schließlich kündet das Gipfelmotiv in den vier Posaunen an, dass wir Auf dem Gipfel angekommen sind. Stockender Oboengesang weckt zunächst Beklemmung. Kraftvolle Hornrufe erinnern an die Erscheinung des Wasserfalls. Die verschiedenen Themen verflechten sich zu einer Vision. Feierliches Fugato, leuchtende Triller des Sonnenthemas, dazu das Gipfelmotiv in hoher Lage, Sonnenthema in den Posaunen und Trompeten gewaltig auftürmend: Gipfelsieg! Aber dann: Nebel steigen auf. Das Bild trübt sich. Die Sonne verdüstert sich allmählich. Die Alt-Oboe rekapituliert als Elegie das nun matt und grau klingende Sonnenthema. Fernes Donnergrollen der Pauke suggeriert beklemmend die Stille vor dem Sturm. Dann brechen Gewitter und Sturm im Höllenlärm des ganzen Orchesters mit durchscheinenden zerfetzten Themen los. Nach allmählicher Beruhigung scheint das Bergmotiv auf: Sonnenuntergang. Trompeten, Posaunen und Harfen intonieren einen feierlichen Gesang. Die Orgel führt ihn fort. Erinnernd tauchen als ruhiger Ausklang die verschiedenen Themen der Wanderung auf. Wie zu Beginn kündigt die absteigende b-Moll Skala wiederum die Nacht an. Schattenhaft ertönen noch einmal Berg- und Wanderthema. Strauss erreicht in diesem Werk seinen Höhepunkt raffinierter Instrumentationskunst. „Jetzt habe ich endlich instrumentieren gelernt“, sagte er nach der Berliner Generalprobe.
Spieldauer: ca. 55 Min.





19 Uhr Konzerteinführung

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 20.05.2018 19:30 Uhr     © 2018 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln