Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

Jukka Pekka Saraste | Dirigent
Foto: Westdeutscher Rundfunk Köln
Jukka Pekka Saraste | Dirigent
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Pastorale
Konzert - Beethoven

Dirigent: Jukka-Pekka Saraste


Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 "Pastorale"

Ludwig van Beethoven wurde am 16. Dezember 1770 in Bonn geboren. Er stammte aus einer aus dem Flämischen eingewanderten Musikerfamilie und wurde sehr früh zunächst vom Vater musikalisch ausgebildet, später dann von Christian Gottlob Neefe (ab 1782). Sein erstes öffentliches Konzert gab er - wie Mozart als "Wunderkind" angepriesen - 1778 in einem Kölner Akademiekonzert, ab 1783 veröffentlichte er erste Werke und arbeitete als Organist und Cembalist bei der Bonner Hofkapelle. 1787 begegnete er Mozart während eines Aufenthaltes in Wien, wohin Beethoven auch 1792 übersiedelte. Seit 1793 nahm er u.a. Unterricht bei Joseph Haydn. Parallel zu seinem steigenden Ruhm stellte sich ab 1798 ein rasch wachsendes Gehörleiden ein, welches 1819 zur völligen Ertaubung führte. Er starb am 26. März 1827 in Wien. Beethoven komponierte die sechste Sinfonie zeitgleich mit der fünften, und beide Werke gelangten am gleichen Abend zur Uraufführung. Diese gemeinsame Entstehungszeit gab Anlaß, von "Zwillingsschwestern" zu sprechen. Beide Werke stellen jeweils ganz eigene Welten dar, die einander kontrastieren, jedoch in ihren gegensätzlichen Gestaltungsweisen zugleich komplementär aufeinander bezogen sind. Während die fünfte Sinfonie das demonstrative Beispiel für einen neuen Status des Individuums und für die von ihm ausgehende Entscheidungsgewalt darstellt, so sieht Beethoven in der 6. Sinfonie den Mensch in den Zusammenhang der Natur gestellt. Nicht die aktive Entfaltung ist hier Zielsetzung, sondern die Einordnung in eine dem Menschen übergeschaltete Ordnung. Dabei fallen durchaus korrespondierende Gesichtspunkte auf: Beide Sinfonien zeigen eine Entwicklungskurve, die auf ein Ziel hin gerichtet scheint. Die jeweils letzten Sätze zeigen so etwas wie einen "Erfüllungszustand". In beiden Sinfonien hat Beethoven zum ersten und auch zum letzten Mal innerhalb seines Schaffens den Finalsatz aus dem vorangehenden dritten Satz unterbrechungslos herausentwickelt, wobei er in der 6. Sinfonie als Zwischenphase noch einen Gewitter- und Sturmsatz einfügt. Als "Programmsinfonie" steht die "Pastorale", wie die sechste Sinfonie genannt ist, im Schnittpunkt zweier Bestimmungslinien. Musikalische Naturportraits zu komponieren war zu der Zeit modern, die Pastorale fügt sich auch durchaus in diese Tradition, wenngleich ihre "Eigensinnigkeit" unverkennbar ist. Entscheidende Voraussetzung aber war Beethovens religiös geprägte Naturverbundenheit, die zusammen mit der von Jean Jaques Rousseau ausgelösten allgemeinen Naturbegeisterung der Zeit eine große Motivation bedeutet haben mag, die sechste Sinfonie zu komponieren. Beethovens Anspruch lautete "Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei". Tatsächlich gibt es außer der Gewitterszene und den Vogelstimmen am Ende des zweiten Satzes keine konkret-programmatischen Anspielungen auf Vorgänge der Natur. Entscheidend im Sinne von Beethovens Devise ist es, Wirkungen auf den Hörer hervorzubringen, die gleichsam die Idee der Natur und nicht das, was man mit ländlichem Leben an konkreten Eindrücken verbindet, nahezubringen. Charakteristisch für die Pastorale ist eine thematische Gestaltbildung, die in den ersten Sätzen latent, im Schlußsatz ganz offen auf den Dreiklang abgestellt ist. In Verbindung mit der häufigen Anwendung von Halteklängen bedeutet dies eine entsprechend entspannte, in sich ruhende Klangatmosphäre. Dem entsprechen geringe Kontrastbildungen und eine motivische Arbeit, die weniger zu drängenden und dynamischen musikalischen Entwicklungen als vielmehr zu statisch angelegten Klangeffekten verwandt wird. So kommt es, daß der überwiegende Teil des ersten Aktes durch Wiederholungen des zweiten Motivs des Hauptthemas bestritten wird. Die harmonischen Wechsel nach jeweils vier Takten wirken wie Farb- und Lichtwechsel. Der Reichtum, der in einem kleinen Detail wie diesem Motiv verborgen ist, zeigt sich in unablässig neuen Beleuchtungen. Eine ähnliche Aufdeckung "inneren Reichtums" läßt sich am zweiten Akt feststellen, dessen Kern ein Gesangsthema ist, das geradezu behaglich ruhig entfaltet wird, indem Beethoven es in immer neuen und leichten Varianten ausspinnt. Auch am Finalsatz ist diese Form des Sich-Auswachsens zu beobachten. Dieser Satz läßt sich schwer in ein Formschema zwängen. Vom Charakter her gleicht er am ehesten einem liedhaften Rondo, wobei die Seiten- und Zwischengedanken dazu dienen, das Wachsen und Aufblühen des Hauptthemas zu unterstreichen und zu fördern. Auf eine exemplarische Weise demonstriert der Satz die Einheit der Grundstimmung, denn alle Gedanken beziehen sich letztlich auf ein Grundelement. So werden alle weiteren Gedanken aus dem Alphornmotiv entwickelt, das zu Beginn von der Klarinette und vom Horn exponiert wurde. Der Satz erscheint als Sinnbild des natürlichen Wachsens und einer ganzheitlich begriffenen Naturordnung. Beethoven hat seine sechste Sinfonie als "Sinfonia caracteristica" bezeichnet. Dies ist als ein Hinweis darauf zu sehen, daß das Werk ebenso wenig nur absolute Musik ist, man also auf die Überschriften nicht verzichten kann, wie es andererseits auch nicht Programmusik im Sinne des 19. Jahrhunderts verkörpert. Die Pastorale gehört vielmehr in den Bereich des "charakteristischen Instrumentalstücks", vergleichbar vielleicht mit Haydns Werk "Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze" für Orchester aus dem Jahre 1786. Jeder Satz der Pastorale ist einem einzigen Thema und Stimmungsbereich verpflichtet. Damit entspricht das Werk den Forderungen des "charakteristischen Instrumentalstücks", das sich zwischen 1750 und 1830 als eine eigenständige Gattung zu etablieren suchte. Beethovens sechste Sinfonie geht aber zugleich über diese Gattungsordnung hinaus, indem sich die fünf Sätze dadurch zu einem Gesamtwerk verbinden, daß durch die verschiedenen Eindrücke von ländlichem Leben hindurch auf ästhetischer Ebene eine innere Anschauung von der Natur vermittelt wird und das Werk die Bedeutung eines Sinnbildes für die innere Kohärenz zwischen Mensch und Natur erlangt. Was die fünfte Sinfonie gewissermaßen vergessen machte, indem diese von der Kraft und Allmacht menschlich-individuellen Vermögens sprach, rückt Beethoven mit der Pastorale wieder ins Bewußtsein, daß Forderungen und Ansprüche des Ichs nicht absolut sind, sondern ihr Maß und ihren Bezugsrahmen in der "göttlichen Natur" haben. So notierte der Komponist 1815: "Allmächtiger im Walde! Ich bin selig, glücklich im Walde; jeder Baum spricht durch dich. O Gott, welche Herrlichkeit! In einer solchen Waldgegend, in den Höhen ist Ruhe, Ruhe ihm zu dienen."

Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Beethoven komponierte seine siebte Sinfonie während der Jahre 1809 bis 1812. Die Uraufführung fand am 8. Dezember 1813 in der Aula der Wiener Universität "zum Besten der in der Schlacht bei Hanau invalid gewordenen österreichischen und bairischen Krieger" statt. In diesem und anderen Konzerten erlangte Beethoven erstmals nach den Mißerfolgen der vorhergehenden Sinfonien überwältigende Erfolge. Der zweite Satz der Sinfonie mußte in allen Aufführungen wiederholt werden. Zahlreiche Bearbeitungen zeugen ebenfalls von der Beliebtheit des Werkes. Louis Spohr, der in der Uraufführung in den Violinen mitwirkte, beschrieb die Dirigierweise des damals fast völlig tauben Beethoven als sehr exzentrisch: "Beethoven hatte sich angewöhnt, dem Orchester die Ausdruckszeichen durch allerlei sonderbare Körperbewegungen anzudeuten. Bei dem Piano bückte er sich nieder, und um so tiefer, je schwächer er es wollte. Trat dann ein Crescendo ein, so richtete er sich nach und nach wieder auf und sprang beim Eintritt des Forte hoch in die Höhe." Spohr beklagte sich ebenfalls über Beethovens Unvermögen, das Orchester dazu zu bringen, mit ihm Takt zu halten. Die siebte Sinfonie besitzt die längste Einleitung aller Sinfonien Beethovens. Zwei freundliche Themen bestimmen die romantisch-schwärmerische Grundhaltung der gedanklich selbständigen Einleitung. Nach einer witzigen Überleitung zum Hauptthema wird der Satz von einem hüpfenden Rhythmus beherrscht. Starke dynamische Schwankungen, dramatische Generalpausen und auffallende Modulationen verstärken den Eindruck des Sprunghaften und Wilden. In der Durchführung werden zahlreiche Varianten des Hauptthemas gebildet. Die kontrast-betonte Reprise wiederholt alle Elemente des Satzes und fügt sie schließlich ineinander. Ähnlich wie in seiner fünften Sinfonie verarbeitete Beethoven in diesem Satz kleinste Motive der Melodie. Der zweite Satz ist mit seinem schmerzvollen Thema ein wahrhafter Gegensatz zum ersten Satz. Das Hauptthema, das zunächst von den tiefen Streichern intoniert wird, entwickelte Beethoven aus einem Gedanken, der ursprünglich für das Streichquartett op. 59, Nr. 3 von 1806 bestimmt war. Es erlebt durch den ständigen Impuls der Streicher eine fortlaufende Weiterführung und wird später mit dem zweiten Thema verwebt. Das übermütig tänzelnde Hauptthema des dritten Satzes verdeutlicht seine unbändige Fröhlichkeit durch eine eigenwillige Rhythmik, starke dynamische Schwankungen und gewagte Modulationen. Das Trio im ruhigeren Zeitmaß erhielt sein Thema angeblich aus einem österreichischen Wallfahrtslied. Seine dritte Wiederholung wird durch Orchesterschläge aufgehalten. Das Hauptthema des Finales basiert auf einer irischen Volksmelodie mit Betonung auf den schwachen Taktteilen.

19 Uhr Konzerteinführung

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Die Termine

Sa.

24

Feb

Kölner Philharmonie | 24.02.2018 | 20.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 22.02.2018 08:30 Uhr     © 2018 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln