Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

Michael Nagy | Philharmonie
Foto: David Maurer
Michael Nagy | Philharmonie
Foto: David Maurer

Ernste Gesänge
Konzert - Schubert, Glanert, Bruckner

Dirigent: Gustavo Gimeno

Michael Nagy, Bariton


Franz Schubert (1797-1828)
Ouvertüre zu "Rosamunde" D 797
Musik zum Schauspiel von Helmina von Chézy

Franz Schubert wurde am 31. Januar 1797 in Lichtental bei Wien als Sohn eines Lehrers geboren. 1808 gelangte er als Chorsänger an die Hofburg und als Schüler an das städtische Konvikt in Wien. Um 1801 entstanden seine ersten Versuche in der Komposition, die ihn u.a. Antonio Salieri lehrte. Nach einer Ausbildung am Lehrerseminar wurde er 1814 Hilfslehrer. 1818 und 1824 war er Musiklehrer beim Grafen Esterházy in Ungarn. Schubert starb am 19. November 1828 in Wien. Er hinterließ in seinem kurzen Leben neben zahlreichen Liedern und Kammermusik an Orchesterwerken acht Sinfonien, Ouvertüren, die Musik zu "Rosamunde" und einzelne konzertante Stücke. Im Jahre 1823 komponierte Schubert ein Bühnenwerk - die Musik zu Helmina von Chézys "Großem romantischem Schauspiel in vier Aufzügen, mit Chören, Musikbegleitung und Tänzen" mit dem Titel "Rosamunde, Fürstin von Zypern" (D 797). Die Musik zu diesem Schauspiel umfasst eigentlich neun Nummern mit Instrumentalmusiken, Balletten und chorischen Stücken. Das am 20. Dezember 1823 aufgeführte Werk war wegen seines schlechten Textbuches ein derartiger Misserfolg, dass es bereits nach der zweiten Vorstellung abgesetzt wurde - und damit gerieten auch die Chöre, Tänze und die übrige Musikbegleitung, die Schubert geschrieben hatte, völlig in Vergessenheit, obwohl bereits 1824 einige Nummern als Opus 26 veröffentlicht wurden. Als die Zwischenaktmusiken 1867 unter dem Wiener Hofkapellmeister Johann Herbeck wiederaufgeführt wurden, wusste man über den Ursprung dieser Musik nichts mehr. Die 1820 zu dem Zauberspiel "Die Zauberharfe" veröffentlichte Ouvertüre trug den Titel "Ouvertüre zum Drama Rosamunde". Im Konzertsaal ist die aus dieser Ouvertüre, den Zwischenaktmusiken und den Balletten zusammengestellte Folge unter dem Titel "Rosamunde-Musik" zu einem der beliebtesten Stücke Schubertscher Orchestermusik geworden. Den pathetischen Einleitungstakten der Ouvertüre folgt ein fast schwermütig anmutendes, von Klarinetten und Oboen vorgetragenes Thema, das in tänzerischer Weise von den Streichern abgelöst wird. Alles endet in einem strahlenden "Vivace".

Detlev Glanert (*1960)
Vier Präludien und Ernste Gesänge nach einer Skizze von Johannes Brahms für Bariton und Orchester

Detlev Glanert wurde am 6. September 1960 in Hamburg geboren. Mit zwölf Jahren unternahm er erste Kompositionsversuche und erhielt ersten Instrumentalunterricht. Von 1981 bis 1988 studierte er bei Diether de la Motte, Günter Friedrichs und Franck Michael Beyer, sowie vier Jahre lang in Köln bei Hans Werner Henze. 1985 wurde Glanerts erste Sinfonie op. 6 im Rahmen des "Forums junger Komponisten" durch das Berliner Philharmonische Orchester uraufgeführt. 1986 wurde er zu den Sommerkursen nach Tanglewood/USA eingeladen, 1987 erhielt er das Bachpreis-Stipendium der Hansestadt Hamburg, 1988 ein Stipendium des Berliner Senats für Berliner Künstler in der Türkei und 1989 ein Förderstipendium des Rolf-Liebermann-Opernpreises. Von 1989 bis 1993 war er ständiger Mitarbeiter des Cantiere Internazionale D'Arte in Montepulciano (Italien) und erteilte unter anderem auch Kompositionsunterricht. Bekannt wurde er vor allem durch seine Opern, darunter "Der Spiegel des großen Kaisers", die mit dem Rolf-Liebermann-Opernpreis ausgezeichnet wurde, "Joseph Süß" und "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" (Bayerischer Theaterpreis 2001), seine (Kinder-)Oper "Die drei Rätsel" und die 2006 in Frankfurt unter der Leitung von Markus Stenz uraufgeführte Oper "Caligula". Im April 2008 wurde in Aachen die Kammeroper "Nijinskys Tagebuch" uraufgeführt. Außerdem schrieb Glanert zahlreiche Kammermusik, Sinfonien, Solokonzerte für Klavier und Violine sowie andere Orchesterwerke. In seinen Kompositionen versteht er es, die musikalische Tradition mit der Moderne zu verbinden. Zu seinen Vorbildern zählt er Gustav Mahler und Maurice Ravel. Brahms hatte sein Spätwerk, die "Vier ernsten Gesänge" op.121, 1896 - ein knappes Jahr vor seinem Tod - beendet. Danach komponierte er nur noch die 11 Choralvorspiele für Orgel op. 122, die allerdings nicht mehr zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden. In beiden Werken nimmt der Gedanke an die Endlichkeit des menschlichen Lebens und an den Tod eine bedeutende Stellung ein. Für die "Vier ernsten Gesänge" wählte Brahms drei Texte aus dem Alten Testament (Prediger Salomo / Jesus Sirach) und einen aus dem Neuen Testament. In düsterem Moll und fallenden Motiven besingt er die Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit des Daseins bis hin zur Resignation. Er weist aber auch auf einen positiven Aspekt hin: die Befreiung, die der Tod mit sich bringt. Der letzte Gesang überrascht auf verschiedene Arten: Einerseits durch den Wechsel von Tonart und Charakter - ein strahlendes Es-Dur mit aufstrebenden Melodien, teils kraftvoll, teils innig. Andererseits ist die Textwahl erstaunlich, denn Brahms gibt nicht die zu erwartende Antwort der Auferstehung, des Lebens nach dem Tode, sondern weist auf das hin, was ihm in diesen schweren Gedanken Halt geben kann: "Glaube, Hoffnung, Liebe". Klangraum, in dem sich die Lieder bewegen. Die Vorspiele aber erweitern den Zeit- und Reflexionsraum für die Gedanken, die in den Stücken enthalten sind. Sie dienen gleichsam als Zonen der Vorbereitung und des Nachdenkens und verstärken damit den liturgischen Charakter des Werkes." (Habakuk Traber)

Anton Bruckner (1824-1896)
Sinfonie Nr. 1 c-Moll
(Wiener Fassung)

Der am 4. September 1824 im oberösterreichischen Dörfchen Ansfelden als Sohn eines Schulmeisters geborene Anton Bruckner kam als Sängerknabe am Augustiner-Chorherrenstift St. Florian erstmals intensiv mit der Musik in Kontakt. Er war zunächst bei seiner musikalischen Ausbildung auf das Selbststudium angewiesen, bevor er 1855 - damals immerhin bereits 32 Jahre alt - Schüler des bedeutenden Wiener Musiktheoretikers Simon Sechter wurde. Dieser verschaffte ihm auch die Stelle eines Organisten am Dom zu Linz, und nach Sechters Tod 1868 wurde Bruckner als Nachfolger seines Lehrers als Professor für Orgel, Harmonielehre und Kontrapunkt an das Wiener Konservatorium berufen und gleichzeitig zum Organisten an der Hofkapelle ernannt. 1875 wurde er Lektor für Musiktheorie an der Universität Wien, die ihm 1891 auch die Würde eines Ehrendoktors verlieh. Andere Ehrungen kamen hinzu, doch galt diese Anerkennung mehr dem Organisten und Lehrer Bruckner als dem Komponisten, dessen Werk zu Lebzeiten weitaus mehr Ablehnung als Zustimmung fand. Bruckner widmete sich in besonderem Maße der Kirchen- und der sinfonischen Musik. Er starb am 11. Oktober 1896 in Wien. Nach mehreren Messen und zwei zunächst unveröffentlichten Sinfonien veröffentlichte Bruckner mit 42 Jahren sein erstes Werk, die Sinfonie Nr.1. Schon hier sind sein Personalstil und die Brucknersche Sinfonieform deutlich zu erkennen. Als besonders typisch sind die nicht enden wollenden Spannungsbögen und Steigerungen sowie die abrupten Unterbrechungen zu bezeichnen, die nichts als eine Leere hinterlassen oder aber in ekstatischen Höhepunkten explodieren. Weiterhin zählt die Erweiterung des Sonatensatzprinzips um ein drittes Thema zu Bruckners Neuerungen in der Sonatensatzform. Die Uraufführung der ersten Sinfonie am 9. Mai 1868 in Linz unter der Leitung Bruckners "fand bei dem zahlreichen, sehr gewählten Publikum wie bei der Kritik eine außerordentlich günstige Aufnahme", wie Hanslicks "Neue Freie Presse" wenige Tage später berichtete. Bruckner selbst sagte über seine Sinfonie: "So kühn und keck bin ich nie mehr gewesen, und ich komponiere eben wie ein verliebter Narr." 1890/91 entstand eine zweite Fassung der Sinfonie, die Bruckner der Wiener Universität als Dank für die Verleihung des Doktortitels widmete. Das Hauptthema des ersten Satzes ("Allegro molto moderato") entsteht aus einem Pianissimo in den Streichern. Dominierend ist sein Marsch-Charakter für den gesamten Satz. Schroffe Wechsel mit äußersten dynamischen Stärkegraden bestimmen auch die weiteren Themen in ihrer weiten Gespanntheit und in der kühnen Harmonik. Eine Gruppe von eigenwilligen Nebenmotiven leitet zum zweiten, sanglichen Thema über. Es blüht unversehens im Duett zwischen den Geigen auf und wird ausdrucksvoll von Bratschen und Celli fortgeführt. Eine bedeutsame Steigerung folgt, an deren Höhepunkt die Bläser ein kühnes, trotziges drittes Thema vortragen. Das vorgestellte Themenmaterial wird ohne dramatische Zuspitzung in der Durchführung verarbeitet. Auch in den Nebenstimmen erscheinen abgespaltene Motive und deren Umkehrungen. Die regelmäßige Reprise wiederholt die Themen mit machtvoller Schlusssteigerung. Das dreiteilige Adagio beginnt mit einem getragenen Hauptthema, das anfangs harmonische Kühnheiten zeigt. Die Klagetöne von Hörnern werden von einer schwermütigen Begleitung der tiefen Streicher untermalt. Eine innige Melodie von Klarinette und Violinen leitet zum lebhafteren Andante über, dessen liedhaftes Thema harmonisch eindeutig gestaltet ist. Nach der fast unmerklichen Rückführung zum ersten Teil ziehen alle Gedanken noch einmal vorüber, nun allerdings reicher und farbiger instrumentiert. Das etwas schwärmerische Hauptthema des Scherzos erinnert an österreichische Tanzweisen. Seine ungleiche Periodenbildung gemahnt an die ebenfalls unregelmäßig aufgebauten Scherzi Joseph Haydns. Im liedhaften Trio begleiten Streicher ein weiteres Thema im Horn, das die Oboe weiterführt. Fortissimo beginnen die Bläser das Hauptthema des Finales ("Bewegt und feurig"). Die Holzbläser leiten zu einem ruhigen Gesangthema über, das zunächst von Streichern, später von Bläsern und endlich im gesamten Orchester vorgetragen wird. Ein drittes, choralartiges Thema tritt vor allem in den Bläserstimmen hervor. Der kunstvollen Durchführung folgt eine frei gestaltete Reprise. In der Coda wendet sich das Hauptthema zu strahlendem C-Dur.



19 Uhr Konzerteinführung

Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 20.05.2018 19:30 Uhr     © 2018 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln