Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

Pekka Kuusisto | Violine
Foto: Sonja Werner
Pekka Kuusisto | Violine
Foto: Sonja Werner

Le sacre du printemps
Konzert - Lindberg, Strawinsky

Dirigent: Jukka-Pekka Saraste

Pekka Kuusisto, Violine


Magnus Lindberg (geb. 1958)
Konzert Nr. 1 für Violine und Orchester

Nach seinem Studium an der Sibelius-Akademie in seinem Geburtsland Finnland studierte Magnus Lindberg später privat Komposition bei Gérard Grisey und bei Vinko Globokar in Paris. In Gesprächen betont Lindberg stets den „großen Schatten Sibelius“, der Finnlands Musik bis in die 1970er Jahre in seinen Bann gehalten, romantische Vorstellungen vom einsamen, in der Natur wandelnden, sich selbst genügenden Künstler genährt und letzten Endes den Blick auf die neueren Entwicklungen des Auslands versperrt habe. Lindberg hingegen schwärmt von der „phantastischen Sprache der elektronischen Musik“, zu der er, als mit ausrangierten Computern aufgewachsener Sohn eines IBM-Angestellten, einen gleichsam natürlichen Weg gefunden habe. Er verteidigt den Kontrapunkt und weiß gleichzeitig biografisch Angereichertes über Rock- und insbesondere Post-Punk-Musik zu erzählen, die er als Stipendiat in Berlin kennengelernt hat: als Nachmieter der Wohnung von Nina Hagen und Freund eines senegalesischen DJs, der ihm zuliebe schon mal Musik von Stockhausen und Strawinsky auf den Plattenteller legte. Von sich selbst und seiner Musik sagt Lindberg: „Erfolg ist mir nicht wichtig.“ Und: „Das Letzte was ich möchte ist, dass das Publikum ein Stück von mir langweilig findet.“ Magnus Lindberg war von 2009 bis 2012 Composer-in-Residence des New York Philharmonic Orchestra. 2015 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Das Violinkonzert schrieb Lindberg 2006 für die in München lebende Geigerin Lisa Batiashvili, die bei der erfolgreichen Uraufführung am 22. August 2006 in der New Yorker Avery Fisher Hall auch den Solopart übernahm. Das Konzert ist mit seinen großräumigen Legati und einer dramaturgisch ausgewogenen Anordnung von Klangflächen sehr emotional, wobei vor allem im lyrischen und zuweilen arabesken Solopart die Randbereiche von höchster und tiefster Lage umfassend ausgekostet werden. Außerdem gelingt es dem Komponisten, mit einem verhältnismäßig kleinen Ensemble (die Orchesterbesetzung mit zwei Oboen, zwei Fagotten, zwei Hörnern und Streichern geht damit über die der meisten Mozart-Violinkonzerte nicht hinaus) eine schier überwältigende Klangvielfalt zu erzeugen, indem die Instrumente in wechselnde Klanggruppen aufgeteilt werden, was insgesamt zu großer struktureller Dichte der musikalischen Ereignisse führt. Der Kopfsatz des Werkes („I. Satz Viertel = 60 attacca“) wird von der Solovioline, die von flirrenden Flageolettklängen der ersten und zweiten Geigen begleitet wird, in höchster Lage eingeleitet, bevor sich dialogische Strukturen nicht nur zwischen Solist und Orchester entfalten, sondern auch zwischen verschiedenen Orchesterstimmen. Im Mittelsatz („II. Satz Viertel = 60 Cadenza {senza misura} attacca“), der sich attacca anschließt, wird das musikalische Geschehen erst einmal von der Solovioline bestimmt. Dann steuert die Musik jedoch auf einen orchestralen Höhepunkt zu, dem eine hochvirtuose Solokadenz folgt, an deren Ende die Violinstimme ungewöhnlicherweise von einem Kontrabass-Solo begleitet wird. Im Finale („III. Satz Achtel = 162) , das ebenfalls attacca folgt, entfalten sich rhythmisch bewegte, vielfarbige Klangkaskaden, deren Motivik mit Sicherheit nicht zufällig an Jean Sibelius’ berühmtes Violinkonzert denken lässt. Die Musik wird in einer schillernden Klangfläche gebündelt, bevor das Werk nach einem letzten Aufstieg der Solovioline abrupt endet.
Spieldauer: ca. 30 Min.

Igor Strawinsky (1882 - 1971)
Le sacre du printemps
Bilder aus dem heidnischen Russland in zwei Teilen

Der in Oranienbaum bei Petersburg Geborene erhielt frühe musikalische Eindrücke durch den Vater, einem bekannten Bassisten der Kaiserlichen Oper in Petersburg. Während des 1901 begonnenen Jurastudiums nahm Strawinsky Klavier- und Kompositionsunterricht. Ein Jahr später wurde er Privatschüler von Nikolaj Rimskij-Korsakow, mit dessen Sohn er während des Studiums bekannt geworden war. Und in den Folgejahren veröffentlichte er seine ersten Kompositionen und pflegte intensiven Umgang mit einem Kreis junger Künstler in Petersburg, die sich um eine von Serge Diaghilew herausgegebene avantgardistische Zeitschrift gruppierten. Diaghilew war es auch, der den jungen Komponisten in Westeuropa bekannt machte. 1910 wurde das innerhalb von knapp sechs Monaten von Strawinsky komponierte Ballett „Der Feuervogel“ in Paris von den berühmten „Ballets Russes“ uraufgeführt. 1911 folgte das Ballett „Petruschka“, und am 29. Mai 1913 kam es zur berühmt-berüchtigten Uraufführung von „Le sacre du printemps“, in deren Verlauf es im Zuschauerraum zu tumultartigen Szenen kam. Mit diesen drei Balletten hatte sich Strawinsky innerhalb weniger Jahre als der führende junge russische Komponist in Westeuropa etabliert. Die Uraufführung des „Frühlingsopfers“ im Jahre 1913 bescherte Paris einen der heftigsten Skandale der Theatergeschichte. Und es war vor allem die wilde rhythmische und als barbarisch empfundene Musik dieses Balletts, durch die sich das Publikum der Uraufführung so provoziert fühlte. Valentine Gross, eine journalistische Zeugin, berichtete damals nach London:
Das Theater schien von einem Erdbeben heimgesucht zu werden. Es schien zu erzittern. Leute schrien Beleidigungen, buhten und pfiffen, übertönten (!) die Musik. Es setzte Schläge und sogar Boxhiebe [...]. Ich sah Maurice Delage [den Komponisten], der vor Entrüstung puterrot angelaufen war, den kleinen Maurice Ravel, der sich aufplusterte wie ein Kampfhahn, Léon-Paul Fargue [den Dichter], der die zischenden Logeninsassen mit vernichtenden Bemerkungen überschüttete. Ich weiß nicht, wie es möglich war, daß dieses Ballett in einem solchen Aufruhr zu Ende getanzt wurde... Ich stand zwischen den beiden mittleren Logen, fühlte mich im Auge des Hurrikans ganz wohl und klatschte mit meinen Freunden.“ Heute gehört „Le sacre du printemps“ längst zu den Klassikern des Aufführungs- und Konzertrepertoires in aller Welt, was wiederum beweist, wie sehr sich Hörgewohnheiten im Laufe der Zeit ändern. Das Ballett „Le sacre du printemps“ führt - wie der Untertitel sagt - Bilder aus dem heidnischen Russland vor. Strawinsky selbst hat zu seinem Werk eine Einführung verfasst: „Im ‘Frühlingsopfer’ habe ich den äußersten Aufschwung der immer sich erneuernden Natur darstellen wollen [ ... ] In der ‘Introduktion’ (Lento) [ ... ] habe ich meinem Orchester die Furcht anvertraut, die jeden fein empfindenden Geist vor der Macht der Elemente überkommt. Die ganze Introduktion ist in mezzo forte gehalten. Die Melodie entwickelt sich in einer horizontalen Linie, die nur die Masse der Instrumente, die intensive Dynamik des Orchesters und nicht die melodische Linie selbst steigert oder abschwächt.[ ... ]“
1. Teil: Anbetung der Erde (im Russischen: Kuss der Erde): Die Vorboten des Frühlings, Tanz der Jünglinge (Tempo giusto): „Jünglinge treten mit einer uralten Frau auf. [ ... ] Sie kennt die Geheimnisse der Natur und lehrt die Jünglinge deren Mysterien. [ ... ] Die Jünglinge nehmen den Rhythmus auf, sie erheben sich allmählich und tanzen stampfend, sie stampfen die Erde, sie stampfen das Leben aus der Erde heraus. Nun kommen die Mädchen vom Fluss herauf. Sie bilden einen Kranz, der sich mit dem der Jünglinge vereint.“ Entführungsspiel bzw. -ritual (Presto): Die Jünglinge jagen den Mädchen nach und erobern sie. Frühlingsreigen (Tranquillo): vier Paare von Jünglingen und Mädchen tanzen zunächst in inniger Glückseligkeit, die sich bis zum Rausch steigert (Vivo), um schließlich jedoch in einen Kampf der Geschlechter umzuschlagen. Kampfspiel der streitenden Stämme (Molto allegro): Die Mädchen ziehen sich zurück. Die Männer treten zu einem Kampfspiel an, in das ein alter weiser Mann eingreift. Beim ekstatischen Höhepunkt des Tanzes betet der alte Weise mit beschwörenden Gesten die Erde an (Anbetung der Erde / Der Weise, Tanz der Erde). 2. Teil: Das Opfer: Largovorspiel, Mystischer Reigen der jungen Mädchen (Andante con moto): Eines der Mädchen wird ausgewählt, um der Erde geopfert zu werden. Sie wird von den anderen an der vorgesehenen Opferstelle so eingekreist, dass ihr ein Entkommen unmöglich ist. Verherrlichung der Auserwählten (Vivo): Im Mittelpunkt des Kreises verharrt bewegungslos die zum Opfer Auserwählte, während sie von den jungen Männern und den jungen Mädchen in einem wilden Tanz verherrlicht wird, der sich bis zu Raserei steigert. Anrufung der Ahnen: Die Geister der Vorfahren werden zur Vorbereitung der Opferhandlung herbeibeschworen. Sie tanzen einen weihevollen Ritualtanz (Weihetanz der Geister der Vorfahren). Ihm folgt der sakrale Opfertanz des auserwählten Mädchens, das so lange tanzt, bis es tot zusammenbricht (Danse sacrale). Die Tote wird von den Männern wie ein Samenkorn „im Schoß der Erde geborgen“ (Strawinsky).
Spieldauer: ca. 35 Min.


19 Uhr Konzerteinführung

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 21.06.2018 19:30 Uhr     © 2018 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln