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Slowakische Philharmonie Bratislava

Slowenische Philharmonie Ljubljana | Philharmonie
Foto: Slowenische Philharmonie Ljubljana
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Konzert - Smetana, Dvorak


Rastislav Štúr, Dirigent


Bedrich Smetana (1824 - 1884)
Vltava (Die Moldau)
Vyšehrad
Sárka
aus: Má Vlast (Mein Vaterland) (1872–79)

Bedrich Smetanas Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“ ist wohl die umfangreichste und bedeutendste Orchesterkomposition aus der Feder des Komponisten. Ein Hymnus an die Lebenskraft seines Volkes und die Schönheit seines Landes, beschworen aus Geschichte und Mythos.
Um 1860 wurden in Prag die nationalen Elemente immer lauter und machten ihr Recht auf kulturelle Eigenständigkeit deutlich. Smetana fühlte sich als Patriot verpflichtet seinen Beitrag zu leisten und so gab er die zufriedenstellende Arbeit in Schweden auf (er war von 1856 bis 1861 Leiter der Konzerte der „Harmoniska Sällskapet“ in Göteborg) und kehrte nach Prag zurück. Dort schaffte er sich nach anfänglicher Schwierigkeiten eine zentrale Stellung im Musikleben der Stadt. In dieser Zeit entstanden die sechs Tondichtungen mit dem Titel „Mein Vaterland“, die jeweils aus Geschichte, Landschaft und Sagenwelt seines Vaterlandes erzählen. Der folgenschwere Morgen des 20. Oktober 1874 sollte seine kompositorische Arbeit nicht behindern: Smetana stellte fest, dass er über Nacht das Gehör verloren hatte. Nach einer Unterbrechung, er schrieb in der Zwischenzeit zwei Opern („Der Kuss“ und „Das Geheimnis“) und das Quartett „Aus meinem Leben“, vollendete er schließlich 1878 seine sinfonische Dichtung. Die „Moldau“, die 2. Dichtung des Zyklus, ist schon sehr oft Gegenstand musikalischer Betrachtungen gewesen, und ist wohl das berühmteste Werk unter der Gattung der „Programmusik“. Hier wird der sagenumwobene Fluss vom Ursprung („Quellenmotiv“) bis zur Landeshauptstadt Prag („Vyšehrad-Motiv“) dargestellt. Zwischendurch wohnt man einer Bauernhochzeit bei, sieht Nymphen einen Reigen tanzen, kommt in Stromschnellen, um im strahlenden Dur an Prag vorbeizurauschen und in der Ferne zu verschwinden. Die Satzfolge der Moldau lautet: Die beiden Quellflüsschen der Moldau – kalte und warme Moldau: Allegro comodo non agitato – Waldjagd – Bauernhochzeit: L’istesso tempo ma moderato – Mondschein, Nymphenreigen: L’istesso tempo – Tempo I – St. Johann-Stromschnellen – Die Moldau strömt breit dahin : Più moto. Die „tschechische Akropolis“ ist eine Burg namens „Vyšehrad“, Stammsitz der legendären ersten böhmischen Herrscher. Der Vyšehrad (auch Prager Hochburg genannt) ist einer der bekanntesten frühmittelalterlichen Burgwälle in Böhmen. Er liegt südlich der Prager Neustadt auf einem Hügel, der sich an der Mündung des Botic steil über dem rechten Ufer der Moldau erhebt. Als zweite Prager Burg der Premysliden bereits im 10. Jahrhundert gegründet, wurde er in der Romanik und Gotik mehrfach ausgebaut. Die heutige Gestalt wird jedoch wesentlich durch den Umbau zu einer barocken Festung bestimmt. Vyšehrad steht eigentlich als 1. Sinfonische Dichtung des Programmzyklus „Mein Vaterland“ und erzählt vom Glanz vergangener alter Zeiten. Zwei Harfen präsentieren das wehmütige und bald vom ganzen Orchester ins Heroische gewendete Hauptthema und stellen den sagenhaften Sänger Lumir vor. Das Harfenthema kehrt nach Bildern von ritterlich-festlichem Treiben, von Kampf und Untergang der Burg wieder, verklingend wie der Widerhall des Glanzes vergangener Zeiten. Die Tondichtung beschwört also düster prunkende Bilder aus mythischer Zeit, als Ritter und Krieger die alte Prager Burg über der Moldau belebten.. Sie schildert die auf der Burg und im Lande ausbrechende Auseinandersetzung: ein gewaltiger Kampf, der letztlich zur Zerstörung des Vyšehrad führt. Volkstümliche friedliche Stimmen, die zu vernehmen sind, können sich nicht durchsetzen. Am Ende steht der resignative Rückblick auf eine entschwundene ruhmreiche Zeit. Die Satzfolge von Vyšehrad lautet: Lento – Largo maestoso – Grandioso poco largamente – Allegro vivo non agitato – Lento ma non troppo. „Šárka“, die dritte Dichtung des programmatischen Zyklus, bezeichnet die böhmisch-mythische Schwester der Amazone Phentesilea, die den Helden Ctirad aus Hassliebe töten muss. Mit Šárka bewegt sich Smetana in die Tiefe der tschechischen Sagenwelt. Šárka war eine Führerin jener böhmischen Jungfrauen, die in wildem Kampfe gegen die böhmischen Ritter lagen. Sie hat sich an einen Baum binden lassen, um die Gegner zu überrumpeln. Ein Ritter findet das Mädchen, bringt es auf seine Burg und trinkt sich aus Freude mit seinen Gefährten einen Rausch an. Šárka holt ihre Mitkämpferinnen (als alles schläft, bläst sie mit ihrem Horn ein Signal, sehr gut musikalisch dargestellt und erkennbar), die schließlich in einem wahren Blutrausch über die Schlafenden herfallen und sie töten. Die Satzfolge von Šárka lautet: Allegro con fuoco ma non agitato – Più moderato assai, a la Marcia – Moderato, ma con calore – Moderato – Molto vivo – Più vivo.
Noch heute wird in Prag mit der Aufführung von „Mein Vaterland“ traditionsgemäß am 12. Mai, dem Todestag Smetanas, das internationale Musikfest „Prager Frühling“ eröffnet.
Spieldauer: ca. 45 Min.

Antonín Dvorák (1841 - 1904)
Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 B 178 (1893)
"Aus der Neuen Welt"

Antonín Dvorák gilt neben dem um eine knappe Generation älteren Bedrich Smetana als wichtigster Vertreter der tschechischen Nationalmusik im 19. Jahrhundert. Er wurde 1841 in Nelahozeves geboren, einem kleinen an der Moldau gelegenen Dorf nördlich von Prag. Nach einer zweijährigen Ausbildung an der Prager Orgelschule erhielt er das Abschlussdiplom und fand in Prag Unterkommen bei Verwandten. Seinen Unterhalt verdiente er als Mitglied einer Musikkapelle, die hauptsächlich Unterhaltungs- und Tanzmusik spielte. Mit der ganzen Kapelle wechselte Dvorák nach einiger Zeit zum Prager Interimstheater, spielte dort zwölf Jahre die erste Bratsche und lernte dabei die damals gängige Opern- und Konzertliteratur kennen. Auch die Uraufführung der „Verkauften Braut“ erlebte Dvorák als Bratscher im Orchestergraben. Seit 1862 komponierte er Kammermusik, Opern, Kantaten und Sinfonien – seit Ende der Siebzigerjahre auch mit zunehmendem äußeren Erfolg, der es ihm erlaubte, sich ein Sommerhaus in Südböhmen zu kaufen, in dem er mit seiner Familie die Sommermonate zu verbringen pflegte. Seit 1891 wirkte Dvorák als Kompositionslehrer am Prager Konservatorium, im gleichen Jahr erhielt er sowohl von der tschechischen Universität Prag wie auch von der Universität Cambridge die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Von 1892 bis 1895 weilte Dvorák als Direktor des New Yorker Konservatoriums in den Vereinigten Staaten und komponierte dort unter anderem seine berühmteste Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Während der Proben zu seiner letzten Oper „Armida“ erkrankte Dvorák; am 1. Mai 1904 starb er in seiner Prager Wohnung an einem Gehirnschlag und wurde vier Tage später unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in einem Ehrengrab auf dem Prager Vyšehrad-Friedhof hoch über der Moldau beigesetzt. Dvoráks letzte Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der Neuen Welt“ verdankt ihren originalen Untertitel nicht nur dem Umstand, dass sie das erste Werk ist, das der Komponist während seines Amerika-Aufenthaltes komponierte, sondern auch ihrem programmatischen Charakter, den Dvorák in einem Brief an einen Freund folgendermaßen bestimmte: „Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir, vor allem soll ich ihnen den Weg ins gelobte Land und in das Reich der neuen, selbstständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Kunst schaffen.“ Grundlage dieser nationalen Kunst müssten die Lieder der Indianer und vor allem der schwarzen Bevölkerung Amerikas sein. Wie sehr Dvorák die Erwartungen des amerikanischen Publikums erfüllte, zeigt die Reaktion der Presse auf die enthusiastisch aufgenommene Uraufführung der neunten Sinfonie am 16.12.1893 in der Carnegie Hall in New York. Von einer „Studie nationaler Musik“ war die Rede, „deren Themen durchdrungen sind vom Geist der Neger- und Indianermelodien“. Zweifellos wird amerikanisches Kolorit in manchen Themen deutlich: in der Pentatonik der Melodien, in den synkopierten Rhythmen der Folklore-Anleihen, in bestimmten harmonischen Wendungen. Ebenso sehr bleibt Dvorák aber auch in seiner „amerikanischen“ Sinfonie seiner böhmischen Heimat und ihrer Volksmusik verpflichtet. Vielleicht verdankt die Sinfonie ihren fortdauernden Erfolg gerade der Tatsache, „dass der Komponist es verstanden hat, in seine unverwechselbare böhmische Muttersprache - sozusagen als Lehnwörter - das folkloristische Vokabular des Gastlandes zu integrieren“ (Kohlhase). Formal bietet die Sinfonie wenig Besonderheiten. Als Formmodell bleibt die Sonatenhauptsatzform für den Kopfsatz und das Finale bestimmend, während die Mittelsätze die übliche dreiteilige Gliederung aufweisen. Ungewöhnlich ist allerdings die im Kopfsatz (Adagio - Allegro molto) vorangestellte langsame Einleitung (Adagio), die den melancholischen Tonfall mancher späteren Teile der Sinfonie vorwegnimmt. Durch Themenwiederholungen erhalten Exposition und Reprise einen großen Umfang, während der Durchführungsteil des Kopfsatzes demgegenüber relativ knapp ausfällt. Mit am stärksten zur Popularität der neunten Sinfonie hat der zweite Satz (Largo) beigetragen. Die elegische Melodie des Englischhorns, das hier als führendes Instrument figuriert, der exponierte Einsatz der weich gestimmten Hörner, ein Mollteil, der eine von Seufzermotiven geprägte Melodik aufweist, all dies verdichtet sich zu einer stimmungsgeladenen Musik, die immer wieder auch Erklärungen einer programmatisch gemeinten Bedeutung provoziert hat. Von eigenem Reiz ist der Beginn des dritten Satzes, eines Scherzos (Molto vivace). Ein kurzes Thema wird viele Takte hindurch allein durch ein rhythmisches Ostinato der Streicher begleitet, vielleicht die kompositorische Imitation eines Indianertanzes. Der zweite Themenabschnitt und das Trio hingegen kehren ganz die böhmischen Charakteristika der Sinfonie hervor. Im Finalsatz (Allegro con fuoco) wird die thematische Verknüpfung der einzelnen Sätze noch einmal besonders sinnfällig, denn in dem Durchführungsteil dieses Satzes werden die Hauptthemen aller drei vorangegangenen Sätze einbezogen. Gegen Ende des Satzes werden sie sogar alle noch einmal ausdrücklich zitiert, so dass der Zuhörer damit eine Rekapitulation der wundervollen Sinfonie erhält.
Spieldauer: ca. 42 Min.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln