Kölner Philharmonie

Deutsche Streicherphilharmonie

Lena Neudauer | Violine
Foto: Lena Neudauer
Lena Neudauer | Violine
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Konzert - Haydn, Schostakowitsch, Mozart, Vivaldi


Wolfgang Hentrich, Dirigent
Lena Neudauer, Violine

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur BWV 1048 für drei Violinen, drei Violen, drei Violoncelli und Basso continuo

Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Händel verbrachte Johann Sebastian Bach sein ganzes Leben in der Provinz. In Lüneburg, wo er auch seine musikalische Ausbildung vollendete, verdiente er sich sein erstes Geld als Musiker bei Gottesdiensten oder als Leiter eines Schülerchors. Von 1703 bis 1707 war er bereits als Organist in Arnstadt tätig. Nach vorübergehender Organistentätigkeit in Mühlhausen ging er 1708 an den Hof des Herzogs Wilhelm Ernst von Weimar. Zunächst war er als Cembalist und Violonist, später als Hofkonzertmeister tätig. Bis 1723 war er Hofkapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. Ende 1722 bewarb sich Bach um das Amt des Thomaskantorats in Leipzig. Von nun an, für das gesamte Musikleben Leipzigs verantwortlich, musste er für den Rest seines Lebens nicht nur komponieren, sondern auch unterrichten und spielen. Er starb am 28. Juli 1750. Die Brandenburgischen Konzerte entstanden zu Beginn von Bachs Zeit in Köthen. Sie verdanken ihre Bezeichnung der Widmung an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg, den Bach vermutlich bei einem Besuch in Berlin um 1718 kennengelernt hatte. Die Konzerte zeigen Bach als weltgewandten Kenner aristokratischen Musikgeschmacks, den versierten Kapellmeister, der das Metier des eleganten, weltlichen Instrumentalkonzerts mit gleicher Souveränität beherrschte wie das der geistlichen Musik. Der Form nach handelt es sich um Concerti grossi nach italienischem, namentlich Vivaldischem Vorbild. Es zeigt sich in ihnen die Entwicklung vom gemeinschaftlichen Musizieren ohne deutlichen Tutti-Solo-Kontrast hin zum Konzert mit individuell gestalteten Solopartien. Ihr originaler Titel „Six concerts avec plusieurs instruments“ bezeichnet das Konzept treffend: eine abwechslungsreiche Besetzung mit verschiedenen Streichern, Bläsern oder Solocembalo für das Concertino. Das dritte Konzert in G-Dur zeigt allerdings mehr die Züge des älteren Gruppenkonzerts als des Concerto grosso. Zum einen umfasst es nur zwei Allegro-Sätze (verbunden durch eine kurze Adagio-Kadenz), zum anderen wird auf Soli (Concertino) verzichtet. Hier konzertieren vielmehr drei gleichberechtigte Streichergruppen verschiedener Lagen, nämlich Violinen, Bratschen und Violoncelli, miteinander.

Joseph Haydn (1732-1809)
Konzert für Violine und Orchester C-Dur Hob. VIIa:1 (ca. 1761–65)

Joseph Haydn wurde 1732 in Rohrau (Niederösterreich) geboren. Als Sohn eines Wagenbauers erhielt er ersten Musikunterricht bei seinem Vetter, dem Schulrektor Johann Franck in Hainburg. Später holte ihn der Kapellmeister des Stephansdoms als Sängerknaben nach Wien. Nach dem Stimmbruch musste er sich als Begleiter bei den Gesangsstunden von Nicola Porpora durchschlagen und erhielt hier wahrscheinlich auch Kompositionsunterricht. In den frühen 50er-Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden Haydns erste Kompositionen, Kirchenmusik und Divertimenti. 1759 verschaffte ihm Baron von Fürnberg eine Stelle als Musikdirektor des Grafen Morzin in Lukavec bei Pilsen, und hier entstand die erste seiner ca. 106 Sinfonien. Nach Auflösung der Kapelle wurde Haydn 1761 neben Gregor Joseph Werner Vizekapellmeister beim Fürsten Esterházy in Eisenstadt. 1766 starb Werner und Haydn wurde sein Nachfolger. 1769 verlegte der Fürst die Residenz nach Esterháza am Neusiedler See und mit ihr die ca. 30 Musiker umfassende Kapelle. 1790 starb Fürst Nicolaus Joseph und sein Sohn Anton löste die Kapelle auf, bewilligte Haydn aber eine Jahrespension von 1400 Gulden, die ihn wirtschaftlich weitgehend unabhängig machte. Haydn zog schließlich nach Wien und reiste zweimal nach London. Das C-Dur-Violinkonzert ist „fatto per il luigi“ („für Luigi gemacht“). Angesprochen wird damit der aus Pesaro gebürtige Luigi Tommasini, ein ehemaliger Kammerdiener des Fürsten Paul Anton Esterházy, der nach einer Musikausbildung in Italien 1761 als erster Violinist und Konzertmeister an den Hof zu Eisenstadt zurückgekehrt war. In diesem frühen Werk ist Haydn noch sehr stark barocken Vorbildern verpflichtet; zu beobachten ist allerdings auch das Experimentieren mit den überlieferten Formen und erste Ansätze zu deren individueller Weiterentwicklung auf dem Weg zum Formmodell des Sonatensatzes. Schon im Streichervorspiel des einleitenden „Allegro moderato“ herrschen die kantablen Manieren des „galanten Stils“ vor: lombardische Rhythmen, weiche, „weibliche“ Endungen, singende Phrasen. Zusammengehalten werden diese Figuren durch das prägnante Hauptthema. Die Sologeige greift es in Doppelgriffen auf und leitet alsbald zu virtuosen Passagen über, in denen auffällig die hohen Lagen bevorzugt werden, was damals im Violinkonzert noch keineswegs selbstverständlich war. Zehn Minuten währt der ausgiebige Dialog zwischen Solovioline und Streicher. Das Adagio bietet eine spektakuläre Einleitung: Die Sologeige steigt über pochenden Achteln der Streicher die gesamte C-Dur-Tonleiter in die Höhe wie ein Sonnenaufgang. Danach spielt sie eine himmlisch schöne Melodie über dem Pizzicato des Streichorchesters. Am Ende dieser dreiminütigen Arie erhält der Solist die Gelegenheit zur Kadenz. Das Finale ist ein munterer Tanz im Dreiertakt: Zwischen den Tanzmelodien der Streicher ließ Haydn seinen Konzertmeister in wahrhaft brillanten Passagen glänzen, von denen manche an die Violinkonzerte eines Vivaldi oder Tartini denken lassen

Max Bruch (1838-1920)
„Nordland-Suite“ (1906) für Streichorchester. Zweite Suite mit freier Benutzung schwedischer Volksmelodien

Max Bruch wurde am 6. Januar 1838 als Sohn des stellvertretenden Polizeipräsidenten in Köln geboren. Er war ein Wunderkind: Nach einer musikalischen Grundausbildung durch seine Mutter erhielt er von 1853 bis 1857 ein Stipendium der Mozartstiftung. Bruch begann bereits mit neun Jahren zu komponieren. Als Elfjähriger schrieb er ganze Orchesterwerke. Mit 14 Jahren brachte er bereits in Köln eine Sinfonie zur Aufführung und galt als „Wunderknabe Kölns“. In der „Rheinischen Musikzeitung“ von 1852 verglich man Bruch sowohl mit Mozart als auch mit Mendelssohn. 1858 führte er erfolgreich „Scherz, List und Rache“ op. 1 nach einem Text von Goethe auf. Anschließend arbeitete er als Musiklehrer in Köln und unternahm ab 1861 Studienreisen, unter anderem nach Berlin, Wien, Dresden und München. Von 1865 bis 1867 war er Musikdirektor in Koblenz, später Hofkapellmeister in Sondershausen, Dirigent des Stern'schen Gesangsvereins in Berlin und der Philharmonic Society in Liverpool, Leiter des Breslauer Orchestervereins und der akademischen Meisterschule an der Kompositionsabteilung der Berliner Akademie. Aus Anlass seines 70. Geburtstages kehrte Bruch am 7. Januar 1908 einmalig nach Köln zurück und dirigierte im Gürzenich eigene Werke. Der voll besetzte Saal zollte dem Komponisten stürmischen Beifall, er wurde sogar mit Lorbeerkränzen bedacht. Max Bruch starb am 2. Oktober 1920 in Berlin. Bruchs Vorliebe für einfache, schlichte Melodien fanden ihren Widerhall in der Benutzung von Volksliedern, die er eifrig studierte und für seine Werke adaptierte. So entstand im Jahr 1903 eine Sammlung von neun Liedern und Tänzen nach russischen und schwedischen Melodien für Violine und Klavier op. 79. Einige Jahre später entschloss sich Bruch, aus dem Material zwei jeweils fünfsätzige Suiten für groß besetztes Orchester zu erstellen. Es handelte sich dabei nicht nur um eine reine Instrumentierung, sondern um eine umfangreichere Bearbeitung, die auch neues musikalisches Material beinhaltete. Während die erste Suite die russischen Liedelemente aufgriff, war die zweite Suite den schwedischen Liedern vorbehalten. Zwischen 1904 und 1906 stellte Bruch die zwei Suiten fertig, doch es kam nur zur Veröffentlichung der ersten Suite – die zweite wurde am 10. März 1906 in Barmen uraufgeführt, doch ihre Spur verlor sich danach lange Zeit. Erst 1956 erschien eine Druckfassung unter dem Titel „Nordland-Suite“.

Dmitrij Schostakowitsch (1906-1975) / Rudolf Barschai
Kammersinfonie op. 110a (1960) – Bearbeitung des Streichquartetts Nr. 8 c-Moll op. 110 für Streichorchester

Schostakowitsch erhielt früh privaten Musikunterricht und besuchte das Konservatorium in St. Petersburg, wo er Klavier und Komposition studierte. Noch währenddessen hatte er sensationellen Erfolg mit seiner ersten Sinfonie. Eine vielversprechende Pianistenkarriere begann. Während der vorstalinistischen Jahre bis ca. 1930 lernte er die vorherrschenden westlichen Stile, aber auch die modischen Strömungen des Jazz und der Music-Halls, kennen. Von 1937 bis 1957 lehrte er an den Konservatorien in Leningrad und Moskau. 1935/36 wurde er erstmals durch das Zentralkomitee gemaßregelt. Der Vorwurf war der eines abstrakten Rationalismus und Schostakowitsch wurde zu den massenwirksamen Grundsätzen des „Sozialistischen Realismus“ ermahnt. 1940 wurde ihm dann wieder der Vorwurf übermäßiger Komplikation der musikalischen Sprache gemacht. Doch bereits 1941 erhielt er einen ersten Stalinpreis für seine siebte Sinfonie. Neue Angriffe folgten, als seine Opernkonzeption ins Schussfeld der Parteikritik geriet. Im gleichen Jahr rehabilitierte er sich mit dem Oratorium „Das Lied der Wälder“. Dann nahm er eine Reihe von hohen offiziellen Ämtern wahr, was mit einem wesentlichen Einfluss auf das sowjetische Musikleben verbunden war. Er starb am 9. August 1975 in Moskau. Das Werk op. 110 entstand 1960 als Streichquartett und ist ein subjektives Bekenntniswerk, da es dem Andenken der Opfer des Faschismus und des Krieges gewidmet ist. Das „Largo“ des ersten Satzes beginnt mit der persönlichen Klangdevise des Komponisten (D-S-C-H = Anfangsbuchstaben seines Namens in Umschrift) und greift auf Thementeile der zehnten, ersten und fünften Sinfonie zurück. Der zweite Satz („Allegro molto“) schließt sich rasch an und bringt einen unvollständigen Sonatensatz mit einem jüdischen Thema. Der dritte Satz ist ein grotesker Rundtanz, der vierte Satz ein breiter Trauermarsch mit Themen aus dem Finalakt der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“. Der fünfte Satz, ein „Largo“, drückt schmerzliche Erinnerungen aus, die in einer ostkirchentonalen Kadenz verklingen. Das Streichquartett wird – wie in diesem Konzert – auch als Kammersinfonie für Streicher gespielt.

Antonio Vivaldi (1678-1741)
Concerto für Violine, Streicher und Basso continuo g-Moll op. 8,2 RV 315 – „L'Estate“ („Der Sommer“)

In Venedig geboren, erhielt Antonio Vivaldi ersten Musikunterricht bei seinem Vater. Erste Anerkennung erlangte Vivaldi als Violinvirtuose. 1703 wurde er zum Priester geweiht. Wegen seiner rotblonden Haarfarbe erhielt er den Beinamen „Il prete rosso“. Im gleichen Jahr erfolgte seine Anstellung als „Maestro di violino“ und später als Hauskomponist am „Ospedale della Pietà“ in Venedig, einer der vom Magistrat unterstützten Anstalten für verwaiste Kinder. Das dortige Orchester zog er zu einem der besten Ensembles ganz Italiens heran. Als Komponist von Instrumental- und Vokalmusik gleichermaßen erfolgreich und anerkannt, reiste Vivaldi in den folgenden Jahrzehnten durch Europa, organisierte Aufführungen seiner Konzerte und Opern und pflegte die Bekanntschaft mit adligen Gönnern. Eine letzte Reise führte ihn 1740 nach Wien, wo er ein Jahr später in großer Armut starb.
Im Schaffen Vivaldis stehen die „Vier Jahreszeiten“ als Programmmusik nicht vereinzelt da. Die Sammlung Opus 8 enthält noch weitere Konzerte mit Überschriften. Nirgendwo sonst allerdings ist Vivaldi in der Darstellung des Außermusikalischen so detailliert, realistisch, ja fast Naturalistisch. Vor jedes Konzert ist ein Gedicht in Sonettform gestellt, die der Komponist wahrscheinlich sogar selber verfasst hatte und deren einzelne Zeilen noch einmal im Notentext über dem zugehörigen Part erscheinen. Das Programm ließe sich so mit einer bereits vorgeprägten Form, dem sogenannten Rondo-Konzert verknüpfen, in dem charakteristischerweise die Grundstimmung und Grundsituation des Satzes sofort am Anfang vorgestellt werden, während die Details von wechselnden Solostellen bestimmter Instrumente übernommen werden. Das erste Ritornell im „Sommer“ stellt das „Erschlaffen unter der Hitze“ dar. Der Atem der winzigen herabsinkenden oder aufseufzenden Figuren geht stockend. Dazwischen meint man, Vogelstimmen zu vernehmen. Auch der sanfte Wind weht, muss allerdings bald dem Nordwind weichen, der den gesamten Streicherapparat in heftige Erschütterung versetzt. Der langsame Satz schildert die Angst des Hirten vor dem bevorstehenden Unwetter, so dass der ruhige Gesang der Solovioline immer wieder unterbrochen wird von heftigen Tremoli. Im letzten Satz dann endlich bricht das Unheil, dargestellt in wilden auf- und niederfahrenden Streicherpassagen los. Es ist keinerlei thematische Gestalt mehr zu erkennen, sondern vielmehr nur noch dramatische Gebärde.



Heidi Rogge

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02

Juni

Kölner Philharmonie | 02.06.2019 | 11.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln