Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

WDR Funkhausorchester Köln
Foto: Westdeutscher Rundfunk Köln
WDR Funkhausorchester Köln
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Konzert - Debussy/Altinoglu, Dubignon, Rimski-Korsakow

Alain Altinoglu, Leitung
Jeffrey Kant, Posaune


Claude Debussy (1862-1918)
„Pelléas et Mélisande“ (1893-1902) – Drame lyrique in fünf Akten. Libretto von Maurice Maeterlinck
Suite für Orchester, zusammengestellt von Alain Altinoglu

Ohne sonderliche Unterstützung durch das eher amusische Elternhaus musste Debussy mancherlei Enttäuschungen hinnehmen, bis er als Musiker anerkannt wurde. Misserfolge bei verschiedenen Konservatoriumswettbewerben ließen den noch nicht Zwanzigjährigen alle Ambitionen auf eine Karriere als Klaviervirtuose aufgeben. Erfolgreicher war er wenige Jahre später als Komponist: Seiner Kantate „L’enfant prodigue“ wurde der begehrte Rom-Preis zuerkannt, der verbunden war mit einem dreijährigen Stipendium in der Villa Medici. Nach dem sensationellen Erfolg des 1894 uraufgeführten „Prélude à l'après-midi d'un faune“ war er als Komponist und Begründer des musikalischen Impressionismus anerkannt. Es geht bei ihm um die Aufwertung von Klangfarbe, um eine differenzierte Rhythmik und um eine nichtfunktionelle Harmonik, um Ornament und Arabeske gegenüber der traditionellen motivisch-thematischen Gestaltung, die in Debussys Stil deutlich zurücktritt. Er starb nach langer und schwerer Krankheit in Paris.

Die Bühnenwerke des flämischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862-1949) erregten von Anfang an Aufsehen. Das Schlichte und doch absichtlich Verschleierte der poetischen Sprache Maeterlincks, der bloß angedeutete Symbolcharakter von Szenen und Handlungen, das Rätsel, das um die Figuren bleibt, die oft traumhaften Situationen – all das forderte die Musik geradezu heraus, diese Dinge zu veranschaulichen. Das Drama „Pelléas et Mélisande“, dessen Premiere 1892 in Paris stattfand, gilt als Hauptwerk des französischen Symbolismus. Neben Debussy wurden u.a. Fauré zu einer Bühnenmusik, Schönberg zu seiner frühen Tondichtung und Sibelius zu einer Schauspielmusik inspiriert. Zum Inhalt: Im Schauspiel weint das junge Mädchen Mélisande an einer Quelle im Wald. Golaud erscheint und bringt sie zu seinem Schloss, damit sie seine Frau werden soll. Golauds jüngerer Bruder Pelléas sieht, wie Mélisande ihre Haare kämmt und verliebt sich in sie. Golaud findet Pelléas und Mélisande, wie sie sich gerade küssen. Von Eifersucht überwältigt tötet er Pelléas. Dann versucht er vergeblich, Selbstmord zu begehen. Am Ende des Stückes stirbt Mélisande, während sie eine Tochter gebärt.

Debussy schrieb ab 1893 an seiner Oper „Pelléas et Mélisande“. In den folgenden zehn Jahren arbeitete er daran, immer wieder unterbrochen durch Pausen und Zweifel – bis sie schließlich am 30. April 1902 in der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt wurde. Der Uraufführung voraus ging ein Konflikt zwischen Debussy und Maeterlinck, der sich an der Frage der Besetzung der Mélisande entzündete. Maeterlinck wollte seine Freundin in der Hauptrolle sehen, Debussy entschied sich aber für die Schottin Mary Garden. Dies führte zur Ablehnung des Werkes durch Maeterlinck und einer Spaltung der Öffentlichkeit in „Pelléas“-Gegner und -Befürworter. Die Uraufführung ging trotzdem recht ruhig über die Bühne. Eine Oper mit großen Arien, Chören, Ensembles, Koloratursopranen und Heldentenören im klassischen Sinn ist das Werk nicht. Ausgehend von der Diktion der französischen Sprache ist die ganze Oper eher wie ein Rezitativ gehalten. Das Orchester sorgt für die nötigen und oft faszinierenden Klangfarben und benutzt Leitmotivtechnik: Jeder Person ist ein bestimmtes musikalisches Motiv zugeordnet, das aber immer nur im Orchester erscheint. Diese Leitmotive prägen auch die magisch flirrende Orchestersuite, die der Dirigent Alain Altinoglu 2017 zusammengestellt hat. Ausgangspunkt für sein Arrangement waren dabei die Orchesterzwischenspiele, die Debussy in großer Zeitnot kurz vor der „Pelléas“-Premiere komponierte, damit die langen Umbaupausen auf der Opernbühne musikalisch gefüllt werden konnten. Altinoglu war es vor allem wichtig, die Atmosphäre und den Charakter der Oper beizubehalten – und so orientiert sich die Suite am Ablauf der Oper von den düsteren Anfangstönen bis zum flirrenden Cis-Dur-Ende, das dem Tod Mélisandes folgt.

Richard Dubugnon (*1968)
„Tombeau de Napoléon“ op. 81 (2016) für Posaune und Orchester

Richard Dubugnon, 1968 in Lausanne geboren, studierte zunächst Geschichte, bevor er sich für eine musikalische Ausbildung entschied. Er wurde am Pariser Konservatorium aufgenommen, wo er Auszeichnungen in den Fächern Kontrapunkt und Kontrabass erhielt, und setzte sein Studium dann an der Royal Academy of Music in London fort, wo er 1997 seinen Master-Abschluss in Komposition erlangte. 2003 kehrte er nach Frankreich zurück und erhielt mehrere Preise, darunter ein Stipendium der Stiftung „Nadia et Lili Boulanger“. 2014 erhielt er den Kulturpreis Musik des Kantons Waadt. Die Musik von Richard Dubugnon – von der „New York Times“ 2011 charakterisiert als „von einer spielerischen, modernen Empfindsamkeit geleitet“ – wird von namhaften Interpreten auf der ganzen Welt aufgeführt. So spielte Janine Jansen 2008 in Paris sein ihr gewidmetes Violinkonzert, und auch in das Repertoire der Schwestern Labèque fand er Eingang – mit der Uraufführung seines Konzerts „Battlefield“ für zwei Klaviere 2011 in Los Angeles. Der Franzose und Schweizer hat sich ebenso in seinem Geburtsland einen Namen gemacht: Insbesondere schuf er zwei Auftragswerke für das Festival de Vernier (2011 und 2013) und war ein Jahr lang Composer-in-residence beim Kammerorchester Lausanne (2013/14). Nach regelmäßigen Einladungen des Orchestre de la Suisse Romande hat er dort 2018, zum Hundert-Jahr-Jubiläum des Klangkörpers, ein Jahr als Composer-in-residence verbracht. Darüber hinaus widmet sich Richard Dubugnon zahlreichen pädagogischen Projekten und hat oft als Kontrabassist in Kammerkonzerten mitgewirkt.

Am heutigen Abend findet die deutsche Erstaufführung von Dubugnons „Tombeau de Napoléon“ für Posaune und Orchester statt. Das Werk entstand im Auftrag von De Munt / La Monnaie, dem WDR Köln und dem Orchestre National de Lyon. Die Uraufführung fand am 25. November 2018 in Brüssel statt – mit Jan Smets als Solisten und dem Orchestre Symphonique de La Monnaie unter der Leitung von Alain Altinoglu. In dem Werk bringt Richard Dubugnon Triumph und Fall des französischen Imperators auf die Klangbühne (bitte beachten Sie für weitere Informationen das Programmheft des Veranstalters).

Nikolaj Rimskij-Korsakow (1844-1908)
„Šecherazada“ („Scheherazade“) op. 35 (1888) – Sinfonische Suite für Orchester

Bevor er das Komponieren zu seinem Beruf machen konnte, war Rimskij-Korsakow als Marineoffizier tätig. Doch schon während seiner Ausbildung an der Marineschule in St. Petersburg erhielt er seinen ersten Musikunterricht. Und während einer Weltumsegelung mit der russischen Flotte beendete er 1865 seine erste Sinfonie, die zugleich die erste russische Sinfonie überhaupt war und die noch im selben Jahr uraufgeführt wurde. 1873 quittierte er den aktiven Offiziersdienst und wurde Inspekteur der Marinekapellen. Seit 1871 lehrte Rimskij-Korsakow als Professor am Konservatorium in St. Petersburg. Eine besondere Bedeutung erlangte er als Kompositionslehrer: Zu seinen Schülern gehörten später so bekannte Komponisten wie Sergeij Taneev, Anatolij Ljadow, Antonij Arenskij, Alexandr Glasunow, Ottorino Resphigi, Igor Strawinsky und Sergeij Prokofjew.

Wenn die Petersburger „Novatoren“ um Balakirew seit der Mitte des 19. Jahrhunderts der durch und durch westlich geprägten Musikkultur Russlands eine „östliche Musik“ entgegenzusetzen suchten, so meinte das ein Interesse, das über die russische Folklore weit hinausreichte und die Ideen- und Klangwelt des Orients mit einschließen sollte, wie sie seit Glinkas Oper „Ruslan und Ljudmilla“ in der russischen Musik lebendig geworden war. Die Entstehungsgeschichte der sinfonischen Suite „Scheherazade“ von Rimskij-Korsakow, die von der Faszination der Märchen aus „Tausendundeiner Nacht“ zeugt, spiegelt die Fragestellung „Programmmusik oder absolute Musik“ wider, die charakteristisch ist für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zunächst sollten die vier Sätze ganz inhaltsneutrale Bezeichnungen tragen, nämlich „Prélude“, „Ballade“, „Adagio“ und „Finale“. Davon rieten Freunde ab, und Rimskij-Korsakow gab nun genauere Hinweise zu den einzelnen Sätzen, die lauteten: „Das Meer und Sindbads Schiff“ / „Die Erzählung des Prinzen Kalender“ / „Der junge Prinz und die junge Prinzessin“ / „Fest in Bagdad; Das Meer; Das Schiff zerschellt an den Felsen mit dem ehernen Reiter; Epilog“.

Um allzu detaillierte Interpretationen des Inhalts seiner Musik abzuwehren, entschloss sich der Komponist schließlich, diese Angaben wieder zu löschen und zu Beginn der Partitur lediglich die Rahmenhandlung zu notieren: „Der Sultan Schahriar, überzeugt von der Falschheit und Untreue der Frauen, hatte geschworen, jede seiner Frauen nach der ersten Nacht töten zu lassen. Aber die Sultanin Scheherazade rettete ihr Leben, indem sie sein Interesse fesselte durch die Märchen, die sie ihm während 1001 Nacht erzählte. Unter dem Eindruck der Spannung schob der Sultan von Tag zu Tag die Vollstreckung des Todesurteils an seiner Frau auf, und endlich ließ er seinen grausamen Beschluss völlig fallen.“
Diese Rahmenhandlung ist es, die die Einleitung des Werkes darstellt. Die Bläser und tiefen Streicher intonieren im Unisono das wuchtige Thema des Sultans. Dem wird das Thema der Scheherazade als anmutige Arabeske der Soloviolinen zu Harfenakkorden entgegengestellt. Diese taucht in ähnlicher Form noch einmal zu Beginn des zweiten und vierten sowie in der Mitte des dritten Satzes auf und umschließt so die einzelnen Episoden, ganz im Sinne der Programmsinfonie von Berlioz, die dem Protagonisten eine „idée fixe“ zuordnet, welche sich im Laufe der Handlung und mit unterschiedlichen Erfahrungsbereichen verändert. Rimskij-Korsakow wollte sich klar von der Leitmotivtechnik eines Richard Wagner distanzieren und abgrenzen, der damals in weiten Teilen der Musikwelt noch große Ablehnung erfuhr. Rimskij-Korsakow meinte selber: „Leitmotive, die durchgehend stets mit ein und denselben poetischen Ideen und Vorstellungen verbunden sind, wird man in meiner Suite vergeblich suchen. Die vermeintlichen Leitmotive sind vielmehr nichts anderes als rein musikalisches Material oder Motive zur sinfonischen Verarbeitung“.

Der erste Satz zeigt innerhalb seines Verlaufes, was damit gemeint ist: Das Thema des Sultans wird zum Hauptgedanken, während das Scheherazade-Thema als Seitenepisode auftaucht, die sich mit dem Hauptgedanken auf immer innigere Weise verbindet. Der zweite Satz tritt an die Stelle des Scherzos. Vom Fagott werden burleske Themen in immer neuem Klanggewand intoniert und wiederholt. Dazwischen sind aber auch rhapsodisch-rezitative Partien und Trompetensignale zu hören. Der dritte, langsame Satz erklingt als eine zarte Idylle im pastoralen Gewand und einem 6/8-Takt. Prinz und Prinzessin haben fast die gleiche Melodie und werden von einer rhythmischen Hintergrundmusik begleitet. Das Finale wird mit einem heftigen Zwist zwischen Sultan und Scheherazade eröffnet. Der Wirbel eines orientalischen Festes, zunächst nur im Hintergrund zu hören, dann aber immer mehr in den Vordergrund tretend, reißt die Streithähne auseinander. Es kommt zu einer Zusammenfassung aller wichtigen Gedanken und Themen der vorangegangenen Sätze, die Rimskij-Korsakow aber nicht inhaltlich, sondern rein dramatisch gedeutet wissen möchte. Alles strebt auf einen dramatischen Höhepunkt zu, Wirbel signalisieren eine nahende Katastrophe. Der Epilog schließlich zeigt den Sultan besänftigt, Scheherazade hat es mit weiblicher Raffinesse erreicht, das letzte Wort zu behalten.


19:00 Uhr Einführung

Heidi Rogge

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Die Termine

Sa.

02

Feb

Kölner Philharmonie | 02.02.2019 | 20.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 19.01.2019 13:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln