Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

WDR infonieorchester | Lizenz: Creative Commons
Foto: Micha Salevic
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Konzert - Widmann, Mozart

Dima Slobodeniouk, Leitung

Christina Landshamer, Sopran
Marie Henriette Reinold, Alt
Martin Mitterrutzer, Tenor
Franz-Josef Selig, Bass
Yefim Bronfman, Klavier

WDR Rundfunkchor
Robert Blank, Einstudierung


Jörg Widmann (*1973)
Trauermarsch für Klavier und Orchester

Der 1973 in München geborene Jörg Widmann studierte Komposition bei Hans Werner Henze, Wilfried Hiller und Wolfgang Rihm, außerdem Klarinette an der Münchner Musikhochschule sowie an der New Yorker Juilliard School. 2001 wurde er Professor für Klarinette an der Freiburger Musikhochschule und betreut dort mittlerweile auch eine eigene Kompositionsklasse. Widmann, der zu den interessantesten deutschen Komponisten seiner Generation zählt, hat stets auch seine zweite Begabung als Instrumentalist gepflegt, und zwar im klassischen wie im modernen Repertoire. Er komponiert auch Konzertwerke und Kammermusik für sein eigenes Instrument und brachte ebenso Werke anderer Komponisten zur Uraufführung. Seit 2007 ist Jörg Widmann Mitglied der Deutschen Akademie der darstellenden Künste. Widmanns „Trauermarsch“ ist ein einsätziges Klavierkonzert und stammt aus dem Jahre 2014. Es handelt sich um ein Auftragswerk der Berliner Philharmoniker, gemeinsam mit dem Toronto Symphony Orchestra und der San Francisco Symphony. Ursprünglich hatte Widmann ein mehrsätziges Werk geplant. Als er aber an einer langsamen Einleitung zum ersten Satz komponierte, begann sich der Trauermarschrhythmus so zu verselbstständigen, dass sich alle weiteren Sätze erübrigten. „Anfangs schwebte mir eine mehrsätzige Anlage vor“, sagte Widmann selbst im Vorfeld der Uraufführung seines Werkes. „Doch dann stellte ich fest, dass das ganze Stück um diesen archaischen Trauermarsch und seine Abwandlungen kreisen muss. Die Idee des schnellen Satzes scheint später immer wieder durch, denn es gibt diese eskapistischen Momente, wo es dann doch losbricht.“ Damit meint er musikalische „Entladungen“, die mit perkussiver Kraft immer wieder in die elegischen Klangfelder der Musik einbrechen. Das knapp 20 Minuten dauernde Stück gleicht also eher einem Sinfoniesatz mit obligatem Solopart, als der traditionellen Konzertform. Denn der Wechsel zwischen Solo- und Tutti-Passagen ist weitgehend aufgehoben. Stattdessen ist der Pianist – von fünf Takten am Ende einmal abgesehen – unentwegt beschäftigt. Das Klavier ist sozusagen fest integriert, es hebt sich nur selten solistisch ab. Gegen Ende sinkt die Musik fast resignativ in die tiefsten Tiefen und kommt auf einem leicht eingetrübten cis-Moll-Akkord zum Stillstand. „Mutig ist das, eine so sinnliche, emotionsgeladene Partitur abzuliefern“ urteilte der „Tagesspiegel“ nach der Uraufführung.
Spieldauer: ca. 22 Min.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Requiem d-Moll für Soli, Chor und Orchester KV 626 Fragment

Um Mozarts Tod ranken sich eine Reihe von Legenden. Besonders populär ist die Vermutung, Mozarts Konkurrent Antonio Salieri habe ihn umgebracht. Diese Theorie hat, auch wenn sie sehr gewagt ist, tatsächlich einige historische Bezüge: Mozart selbst soll auf dem Totenbett von einer Vergiftung mit aqua toffana, einer Mischung aus Arsen und Bleioxyd, gesprochen und Salieri verdächtigt haben. Dazu passend soll Salieri, der allerdings in geistiger Umnachtung endete, den Mord an seinem Rivalen gebeichtet haben. Doch die Salieri-Theorie ist nicht der einzige Erklärungsversuch für den frühen Tod des Komponisten: Man verdächtigte auch Mozarts Logenbruder Hofdemel, mit dessen Frau der Komponist eine Affäre gehabt haben soll. Dieses Gerücht nährte sich vor allem aus der Tatsache, dass Hofdemel seine Frau am Tag nach Mozarts Tod mit einem Messer attackierte und anschließend Selbstmord beging. Ebenso wollte man von einer Beziehung zwischen Mozarts Frau und Süßmayr wissen, der seinen Lehrer aus dem Weg schaffen wollte. Allein die Tatsache, dass Mozarts Todesursache nicht eindeutig geklärt werden konnte, ließ solche Legenden entstehen. Doch zu den Fakten: Mozart komponierte das Requiem auf Bestellung. Im Frühsommer 1791 kam ein maskierter, in schwarz gekleideter Mann zu ihm, nannte weder seinen noch den Namen seines Auftraggebers und bestellte die Komposition. Dieser geheimnisvolle Auftritt, die dunkle Kleidung und die gewünschte Totenmesse hinterließen bei Mozart ein ungutes Gefühl. Nach Angaben seiner Frau soll er geglaubt haben, er arbeite an seinem eigenen Requiem. Der in der Tat etwas merkwürdige Auftritt des Boten hat dabei aber einen ziemlich banalen Hintergrund. Der Mann kam im Auftrag von Franz Graf von Walsegg-Stuppach, einem Musikliebhaber und dilettantischem Komponisten. Die Frau des Grafen war unlängst gestorben und Walsegg-Stuppach wollte ihr zu Ehren ein Requiem aufführen lassen. Des Öfteren bestellte er bei anerkannten Komponisten Werke, die er dann unter eigenem Namen aufführen ließ. Aufgrund dieses geistigen Diebstahls wollte er unerkannt bleiben und lies seinen Boten anonym auftreten, wahrscheinlich handelte es sich dabei um seinen Gutsverwalter Franz Anton Leitgeb. Mozart wollte den Auftrag zuerst nicht annehmen, doch man bot ihm ein gutes Entgelt, das er in seiner finanziell misslichen Lage nicht ausschlagen konnte. Seine Frau Constanze schätze vor allem die Anzahlung und drängte ihren Mann zur Komposition. Noch in schwerkrankem Zustand arbeitete Mozart am Requiem, konnte es aber nicht mehr vollenden. In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember 1791 starb Mozart 35jährig nach mehrmaligem, damals üblichem, Aderlass. Constanze Mozart bat zunächst Franz Eybler, das Requiem zu vollenden. Eybler, ein von Mozart geschätzter Komponist, willigte zunächst ein, schickte die Partitur aber wenig später wieder zurück. Auch andere Musiker lehnten die Arbeit an Mozarts Fragment ab und Constanze, in Sorge, den Vorschuss des Grafen zurückzahlen zu müssen, überredete schließlich Süßmayr und verkaufte dem mysteriösen Boten später das fertige Requiem als ein komplett von Mozart komponiertes Werk. Süßmayr nutzte zum Teil die von Mozart bereits verwendetem Themen und Motive, war aber auch auf eigene musikalische Ideen angewiesen. Dass Süßmayr, dessen Kompositionen heute völlig vergessen sind, das Werk nicht auf dem Niveau eines Mozart vollenden konnte, hat im Verlauf der Geschichte zu einer ambivalenten Einstellung diesem Requiem gegenüber geführt. Bis heute gibt es Versuche, Mozarts Fragment besser zu ergänzen, doch die Süßmayr-Fassung ist immer noch die verbreitetste. Das Requiem wurde schon bald zur bekanntesten sakralen Komposition Mozarts, wozu sicher auch die biografischen Umstände beigetragen haben. Doch vergisst man einmal die ganzen Legenden, Gerüchte und auch die Fakten und betrachten allein die Musik, so rechtfertigt schon die schöpferische Leistung den Ruhm des Werkes. Kaum eine Komposition Mozarts ist so reich an Kontrasten, kaum ein Werk so innig und kaum eine Musik nimmt den Zuhörer von Anfang an so gefangen. Im Vordergrund des Requiems steht durchweg der vierstimmige Vokalsatz. Es gibt nur kurze rein instrumentale Partien, das Orchester hat mit wenigen Ausnahmen eher dienende Funktion. Auch die Vokalsolisten treten hinter dem Chor deutlich zurück und werden (außer im Tuba mirum) im Wesentlichen als Ensemble eingesetzt. Arien und vergleichbare Formen solistischer Virtuosität fehlen ganz, anders als in anderen kirchenmusikalischen Werken oder gar Opern Mozarts und seiner Zeitgenossen. Der Chor erhält hingegen erheblichen Raum zur Glanzentfaltung.
Spieldauer: ca. 40 Min.

19:00 Uhr Einführung

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 19.04.2019 16:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln