Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

Christiane Karg
Foto: Gisela Schenker
Christiane Karg
Foto: Gisela Schenker

Konzert - Mahler u.a.

Jukka-Pekka Saraste, Leitung



Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 5 cis-Moll

„Oh könnt ich meine Symphonien fünfzig Jahre nach meinem Tode uraufführen!“ Diese Bemerkung aus der Zeit der Proben zur Uraufführung seiner fünften Sinfonie zeigen, wie tief Mahler von der Überzeugung durchdrungen war, daß seine Musik „unzeitgemäß“ sei und daß erst spätere Generationen seine Werke verstünden. Die seit etwa drei Jahrzehnten andauernde „Mahler-Renaissance“ scheint diese Überzeugung zu bestätigen. Im Frühjahr 1901 begann Mahler mit der Komposition seiner „Fünften“. Eingespannt zwischen den vielfältigen Verpflichtungen des Hofoperndirektors in Wien, dem damals vielleicht bedeutendsten Musikinstitut überhaupt, und den Ambitionen des in allen Musikzentren Europas gastierenden Dirigenten, blieben dem Komponisten Mahler nur die kurzen Wochen zwischen zwei Opern- bzw. Konzertspielzeiten. In den beiden folgenden Jahren wurde die 1901 begonnene Arbeit fortgeführt, und im September 1903 konnte Mahler von den Kopierarbeiten und den Plänen für die Drucklegung der fünften Sinfonie berichten. Mit Köln ist diese Sinfonie in besonderer Weise verbunden, weil Mahler sich auf der Suche nach einer Uraufführungsstätte, deren Publikum und Kritik noch nicht durch frühere Mißerfolge mit seinen Werken voreingenommen sei, für Köln entschied. Doch auch das damalige Kölner Publikum war der Modernität Mahlerscher Musik nicht gewachsen. Bereits bei der Generalprobe war abfälliges Zischen zu vernehmen, so daß Mahler später diese Entscheidung für Köln bedauerte. Die Uraufführung der „Fünften“ fand am 18. Oktober1904 im Gürzenich statt. Mahlers Konzeption der „Fünften“ brach mit sinfonischen Gepflogenheiten des 19. Jahrhunderts auf verschiedenen Ebenen. Die Fünfsätzigkeit an sich genommen war nicht so neu wie die gesamte formale Anlage des Werkes. Der erste Satz (Trauermarsch. In gemessenem Schritt. Streng wie ein Kondukt) ist wie eine große Introduktion zum zweiten Satz (Stürmisch bewegt. Mit größter Vehemenz), in dem sich erst die eigentlich sinfonische Exposition vollzieht. Wie die beiden ersten Sätze zusammengehören und gewissermaßen eine Abteilung bilden, so verbinden sich auch der vierte (Adagietto) und fünfte (Rondo-Finale) Satz zu einer eigenen Einheit. Dazwischen steht als ein eigener Block das Scherzo Kräftig, nicht zu schnell von einer alle bisher gewohnten Dimensionen sprengenden Ausdehnung. Neu ist auch, daß diese Sinfonie kein harmonisches Zentrum mehr hat, so daß eine Tonartenbezeichnung des Werkes - wie sie bis heute immer wieder versucht wird - eigentlich nicht möglich ist. 1904 schreibt Mahler an seinen Leipziger Verleger Peters: „Es ist [ ... ] schwer möglich von einer Tonart der ganzen Symphonie zu sprechen, und bleibt, um Misverständnißen vorzubeugen, lieber eine solche besser unbezeichnet [ ... ].“ Neu ist schließlich eine ungewohnte Art der Polyphonie (Vielstimmigkeit), die jeder einzelnen Orchesterstimme Bedeutsamkeit zuweist. Durch zahlreiche Partiturangaben versucht Mahler eine größtmögliche Individualisierung der aufeinander bezogenen Stimmen zu erreichen. Er schreibt: „Die einzelnen Stimmen sind so schwierig zu spielen, daß sie eigentlich lauter Solisten bedürften. Da sind mir [ ... ] die kühnsten Passagen und Bewegungen entschlüpft.“ Die Sinfonie beginnt mit einem Trauermarsch, der - mit Ausnahme der beiden eingeschobenen Trios - gleichsam entwicklungslos auf der Stelle verharrt. Umso wirkungsvoller kontrastiert der im Sonatenhauptsatzschema angelegte zweite Satz mit seiner vorwärtsdrängenden Dynamik, dessen Allegro-Teile aus dem Hauptthema entwickelt werden, während die langsamen Teile thematisch den einleitenden Trauermarsch wiederaufnehmen. Im Verlaufe der Durchführung kristallisiert sich allmählich ein weiteres Thema heraus, das zunächst den Eindruck erweckt, als könne es dem Satz eine qualitativ neue Wendung geben. Nach Abschluß der Reprise mündet der Satz ein in einen Choral. Doch schon nach wenigen Takten wird dieses Choralthema zurückgenommen, und an seine Stelle tritt eine Coda, die wie schon zuvor der Trauermarsch quasi musikalisch „zerrinnt“. Der dritte Satz ist formal als ein großangelegtes Scherzo mit zwei Trios und ausgedehnten Durchführungspartien gestaltet, das vielfältige Reminiszenzen an überlieferte musikalische Formen weckt: Ländler und Walzer klingen an, doch in der für Mahler typischen ironisch oder sarkastisch gebrochenen Gestalt. Die dritte Abteilung nimmt den Grundriß der ersten wieder auf. Auf das einleitende Adagietto mit seinen leicht sentimentalen Melodien, oft charakterisiert als „Lied ohne Worte für Harfe und Streichorchester“, folgt der Finalsatz, der in eigentümlicher Weise auf das Choralthema des zweiten Satzes zurückgreift, diese zur motivischen Grundlage nimmt, dabei aber das Thema seines Choralcharakters „entkleidet“. Die Musikwissenschaft spricht von einer „Säkularisierung“ des Choralthemas, die am Ende des Satzes noch einmal überraschenderweise umschlägt: Am Ende präsentiert sich der Choral noch einmal in seiner ursprünglichen Gestalt, jedoch nur, „um in dem überaus irdischen Wirbel einer Schluß-Stretta seine Verweltlichung zu vollenden“ (Sponheuer).
Spieldauer: ca. 65 Min.


und andere Werke

Der Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters verabschiedet sich auf eine sehr persönliche Weise: Er setzt eine Auswahl seiner Lieblingsstücke auf das Programm. Es wird sicher überraschend sein, mit welch’ klingendem Destillat Saraste das Konzert gestaltet. Eines ist sicher: So viel Nähe gewährt ein Dirigent seinem Publikum selten.

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Fr.

05

Juli

Kölner Philharmonie | 05.07.2019 | 20.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln