Kölner Philharmonie

Rotterdams Philharmonisch Orkest

Yannick Nezet-Seguin | Dirigent
Foto: Marco Borggreve
Yannick Nezet-Seguin | Dirigent
Foto: Marco Borggreve

Konzert - Mozart, Lizst, Tschaikowsky

Yannick Nézet-Séguin, Dirigent
Yefim Bronfman, Klavier


Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Sinfonie D-Dur KV 385 (1782)
"Haffner-Sinfonie"
Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren. Er war der Sohn des Violinisten, Komponisten und Lehrers Leopold Mozart. Wolfgang begann als Dreijähriger, Klavier zu spielen und begab sich bereits mit 6 Jahren, gemeinsam mit seiner elfjährigen Schwester Nannerl, auf Konzertreisen nach München und Wien. Von 1763 an unternahmen Vater Leopold und Sohn Wolfgang eine dreieinhalbjährige Konzertreise durch Europa, auf der sie große Erfolge feierten. Zwischen 1769 und 1773 folgten weitere Reisen durch Italien, jedoch mit zunehmend weniger Erfolgen. Die Zeiten zwischen den Reisen nutzte Mozart zum Komponieren. Nach 1773 nahm er in Salzburg die Stellen als Hoforganist und Kaiserlicher Kammerkomponist an. Er starb verarmt in Wien am 5. Dezember 1791. Zur „Haffner-Sinfonie“ gelangte Mozart eigentlich nur zufällig, als sein Vater ihm im Februar 1783 die Partitur einer im Sommer 1782 geschriebenen Serenade zurückschickte. Er hatte diese neue Serenade wenige Tage nach der Uraufführung seines Singspiels „Die Entführung aus dem Serail“ im Auftrag der in Salzburg ansässigen und hoch angesehenen Familie Haffner geschrieben. Der Anlass war die Erhebung des Sohnes Sigmund Haffner in den Adelsstand. Mozart hatte sie in aller Eile geschrieben: „Ich muß die Nacht dazu nehmen, anders kann es nicht gehen [...] und ich werde so viel möglich geschwind arbeiten – und so viel es die Eile zuläßt – gut schreiben“. Als „neu“ musste diese Serenade deswegen gelten, weil Mozart bereits sechs Jahre zuvor anlässlich der Hochzeit der Tochter der Familie eine Serenade komponiert hatte, nämlich das später als „Haffner-Serenade“ bekannt gewordene Stück KV 250. Durch Weglassen des einleitenden Marsches und eines (verlorengegangenen) Menuetts arbeitete Mozart die neue sechssätzige Serenade dann ein halbes Jahr später um. Gleichzeitig steigerte er die Bedeutung der Ecksätze durch Hinzunahme von Klarinetten und Flöten und gewann so die „Haffner-Sinfonie“ in der bekannt gewordenen Form. Die Sinfonie zeigt einen Sprung Mozarts in eine ganz neue Region der Aussagekraft. Das Neue bekundet sich in der Konsistenz der musikalischen Gedanken. Die Eröffnungswendung nimmt jetzt eine charakteristische Gestalt an. Ebenso scheint der folgende Piano-Kontrast den Anfang sofort in Frage zu stellen, ihn jedoch gleichzeitig sowohl inhaltlich als auch musikalisch zu ergänzen. Als wäre es selbstverständlich, wird nun diese Anfangswendung zum zentralen Gedanken des Satzes, von dem alles Weitere ausgeht. So baut das einleitende „Allegro con spirito“ nach dem Vorbild Haydns im Wesentlichen auf einem einzigen Thema auf, das von einigen Nebengedanken umspielt wird. Flöten und Klarinetten werden in erster Linie zur Unterstützung der festlichen Grundstimmung des Satzes eingesetzt. Über den Kopfsatz schrieb der Komponist selber: „Das Erste Allegro muß recht feurig sein“. Der im Autograph erst von späterer Hand als „Andante“ bezeichnete langsame zweite Satz trägt ebenfalls Haydnsche Züge; „die serenadische Frohlaune offenbart sich in den tänzelnden Geigen-Figuren, die wie im heimlichen Dialog die Melodie verspinnen und weitertragen“. Die Heiterkeit des Wiener Liedes prägt das fröhlich auftrumpfende „Menuetto“, besonders sein lyrisch-zarter Trio-Teil. Das lustige Thema des übermütigen Finales („Presto“) steht der kurz zuvor entstandenen „Entführung“ nahe, indem es auf die bekannte Arie des Osmin „Ha, wie will ich triumphieren“ zurückgreift. Ungestüm drängt dieses Schlussrondo in wirbelnder Achtelbewegung dahin. Nur ein einziger Seitengedanke bildet einen gewissen Kontrast, ohne indes die Lebensfreude dieses schier überquellenden Satzes zu schmälern. Dieses Finale muss – so schrieb Mozart – „so geschwind als es möglich ist“ erklingen.

Franz Liszt (1811-1886)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 A-Dur S 125 (1839, rev. 1849–61)
Franz Liszt wurde am 22. Oktober 1811 in Raiding, Ungarn geboren. Bereits während der Schulzeit wurde er von seinem Vater im Klavierspiel ausgebildet. Nach ersten Erfolgen wurde er von dem italienischen Hofkomponisten Antonio Salieri weiter ausgebildet. 1823 zog er mit seinen Eltern nach Paris, wo er bereits als junger Klaviervirtuose gefeiert wurde. Zwölf Jahre lebte er in Paris und fand als Klavierlehrer der Hautevolee die Freundschaft zu den Komponisten Berlioz und Chopin, über die er auch Victor Hugo und Heinrich Heine kennenlernte. 1831 war Liszt bei einem Auftritt von Paganini derart angetan, dass er den Wunsch hegte, das gleiche „transzendentale“ Niveau der Technik für das Klavier zu erreichen, das Paganini auf der Violine beherrschte. 1833 machte Liszt mit der französischen Schriftstellerin Gräfin Marie d’Agoult Bekanntschaft, die unter dem Pseudonym Daniel Stern arbeitete. Beide wurden ein Paar und lebten bis 1844 zusammen. Die Tochter Cosima heiratete den deutschen Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow und nach der Trennung Richard Wagner. 1839 begab sich Liszt auf Europareise. Er lernte die russische Fürstin Carolyne Sayn-Wittgenstein kennen, in der er fortan eine enge Gefährtin fand. Unter ihrem Einfluss widmete er sich insbesondere der Komposition. Ab 1848 wurde Liszt Hofkapellmeister des Großherzogs Sachsen-Weimar. 1861 verließ er die Stadt und zog nach Rom, wo er die nächsten 10 Jahre Theologie studierte und die niederen Weihen empfing. 1855 und 1856 entstanden auf dem Höhepunkt seines Schaffens Kompositionen wie die „Ungarische Rhapsodie“ und die „Faust-Sinfonie“. 1859 wurde er geadelt. Ab 1871 bereiste er regelmäßig Weimar und Budapest, wo er dirigierte, unterrichtete, komponierte und die Arbeit Wagners unterstützte. Während der Wagner-Festspiele in Bayreuth starb Liszt am 31. Juli 1886. Der Nachwelt ist Liszt vornehmlich als Klaviervirtuose bekannt geblieben, der „Paganini des Klaviers“. Daneben ist sein zeitgenössischer Ruhm als Komponist, Dirigent oder als Organisator verblasst. Allenfalls als Repräsentant der Programmmusik ist er mit einigen seiner Sinfonischen Dichtungen in Konzerten noch gelegentlich vertreten. Liszt hat zwei Konzerte für Klavier komponiert. Beide wurden in den Jahren 1839/40 entworfen, aber nur teilweise ausgeführt, weil der Komponist sich während der nächsten 10 Jahre ganz seiner Virtuosentätigkeit widmete. Während dieser Jahre hatte er dem Klavier damals unerhörte und ungeahnte Spieltechniken und Klangmöglichkeiten erschlossen, wobei er sich sowohl vom Vorbild Paganinischer Virtuosität leiten ließ als auch von dem Wunsch, auf „seinem“ Instrument sinfonische Wirkungen zu erzielen. Erst 1849 wurde die Komposition der beiden Klavierkonzerte zunächst beendet, wobei Liszt die Instrumentation der Werke teilweise seinem Schüler Raff anvertraute und wenigstens das erste Konzert bis 1856 noch zweimal umänderte. Das zweite Klavierkonzert in A-Dur vollendete er 1861. Es realisiert durch seine Einsätzigkeit die Idee der zyklischen Form noch konsequenter, als es schon das erste Klavierkonzert wollte. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat das Werk einen eher empfindsam-verinnerlichten Grundcharakter und ist differenzierter in den Orchesterfarben. Das lyrische Hauptthema wird zuerst in der „Adagio sostenuto“-Einleitung von den Holzbläsern vorgestellt und dann in den sechs ineinander fließenden Formteilen auf mannigfachste Weise verwandelt. Dazu wird es mit neuen, zum Teil kontrastierenden Gedanken konfrontiert, die streckenweise auch dramatische Entwicklungen bis hin zur großartig-pompösen Steigerung auslösen.

Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893)
Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36 CS 24 (1876/77)

Erst 1862 nach einer Ausbildung an der Rechtsschule in Petersburg und nach einer Tätigkeit als Verwaltungssekretär im Justizministerium begann Tschaikowsky mit seinen musikalischen Studien am Petersburger Konservatorium, u.a. bei Anton Rubinstein. 1865 schloss Tschaikowsky seine Studien ab und begann im folgenden Jahr eine Tätigkeit als Kompositionslehrer am neu gegründeten Konservatorium in Moskau, die er zwölf Jahre lang ausübte. Während dieser Zeit entstand eine Reihe von Kompositionen, die Tschaikowsky viel Anerkennung eintrugen. Nach dem Scheitern seiner Ehe fand der Komponist die Unterstützung einer Verehrerin, Nadeshda von Meck. Die von ihr ausgesetzte Jahresrente bot dem Komponisten zwischen 1877 und 1890 die materielle Sicherheit, die es ihm erlaubte, sich fortan ganz seiner Kunst zu widmen. Als Dirigent unternahm Tschaikowsky seit 1888 mehrere Konzertreisen durch verschiedene europäische Länder und nach Amerika. Wenige Tage nach der von ihm selbst geleiteten Uraufführung der sechsten Sinfonie starb er in Petersburg bei einer Choleraepidemie. Die zwischen März 1877 und März 1878 entstandene vierte Sinfonie gilt als das erste aus der Reihe der großen sinfonischen Werke Tschaikowskys. Kurz vor Vollendung schreibt der Komponist in einem Brief an seine Gönnerin von Meck, dass er „an starker Schwermut“ leide und dass die „Sinfonie [...] ein Widerhall dessen“ sei – aber auch nicht mehr. Nadeshda von Meck ist auch die Widmungsträgerin des Werkes, allerdings ohne dass ihr Name ausdrücklich genannt würde (gewidmet „Meinem besten Freunde“). Immer wieder wird die Frage erörtert, ob dieser wie auch anderen Sinfonien Tschaikowskys „Programme“ zugrunde lägen. Auch dazu äußerte sich der Komponist: „Wenn man mir über ein sinfonisches Werk diese Frage vorlegt, so pflege ich mit einem Nein zu antworten [...]. Wie soll man in Worten jene unbestimmten Empfindungen wiedergeben, die den Komponisten bei der Niederschrift eines Instrumentalwerks durchfluten, das an sich keinen bestimmten Vorwurf hat? [...] Doch ich habe mich von Ihrer Frage ablenken lassen. Ja, unsere Sinfonie besitzt ein Programm [ ...]. Ihnen, aber auch nur Ihnen, kann und will ich die Bedeutung des Ganzen wie auch der einzelnen Sätze erklären [...]. Die Einleitung ist das Samenkorn der ganzen Sinfonie, der Haupteinfall, von dem alles abhängt [...]. Dies ist das Fatum, das Schicksal, das unser Streben nach Glück nicht Wirklichkeit werden läßt. [...] Der zweite Satz drückt eine andere Art der Schwermut aus. Es ist jenes wehmütige Gefühl, das uns des Abends ergreift, wenn wir einsam sind [...]. Der dritte Satz drückt keine bestimmten Empfindungen aus. Es sind nur Bilder, die durch unseren Sinn schweben, so als wenn wir ein Glas Wein getrunken hätten und leicht berauscht wären [...]. Der vierte Satz: Wenn Du in Dir selbst keinen Anlaß zur Freude findest, so suche ihn bei anderen Menschen! Geh ins Volk, sieh zu, wie es heiter ist [...]. Freue Dich an fremder Freude! Man kann das Leben doch ertragen [...]. Das ist alles, meine liebe Freundin, was ich Ihnen zur Erläuterung der Sinfonie sagen kann. ‘Wo die Worte aufhören, beginnt die Musik’.“ In ihrer Viersätzigkeit entspricht die Sinfonie der tradierten Gattungsnorm. Der Kopfsatz („Andante sostenuto – Moderato con anima“), der fast so lang ist wie die drei anderen Sätze zusammen, beginnt mit einer Introduktion, die ein mottoartiges Thema enthält, das verschiedentlich im Fortgang des Satzes und des gesamten Werkes wiederkehrt. Tschaikowskys Art der Behandlung des Sonatenhauptsatzes, der das formale Muster für die Anlage der sinfonischen Einleitungssätze abgibt, weicht vom konventionellen Schema deutlich ab. Das liedhafte Hauptthema setzt sogleich Abspaltungsprozesse in Gang. Demgegenüber bleibt das Seitenthema eher motivische Episode. Die Kombination der Themen, die normalerweise erst in der Durchführung zum Tragen kommt, erfolgt hier bereits in der ausgedehnten Exposition, die durch zusätzliche thematische Entwicklungen auf mehr als ein Drittel des Satzes anwächst. Die Durchführung wird durch die knappe Erinnerung des Introduktionsthemas eingeleitet, gleiches geschieht zu Beginn von Reprise und Coda. Dabei ist die Reprise sehr knapp gehalten. Dafür nimmt der virtuos gesteigerte Schlussteil des Satzes, die Coda, breiten Raum ein. Die beiden mittleren Sätze der Sinfonie weisen eine ähnliche formale Struktur auf. Beide, sowohl das „Andantino in modo di canzona“ wie auch das „Scherzo“ (Pizzicato ostinato) sind dreiteilig gebaut nach dem A-B-A-Schema. Besonders eindrucksvoll gibt sich das Scherzo, dessen Rahmenteile allein von den pizzicato aufspielenden Streichern ausgeführt werden. Im mittleren Teil, dem Trio, treten dann die Holz und Blechbläser auf. Erst die knappe Coda vereinigt die verschiedenen Orchestergruppen. In dem formal komplizierten und virtuosen Finale („Allegro con fuoco“) lassen sich drei Themen unterscheiden. Das zweite verwendet ein bekanntes russisches Volkslied. Kurze durchführungsähnliche Abschnitte führen Kombinationen und Variationen dieser Themen vor. Wiederum markiert das Auftreten des Introduktions-Mottos den Beginn der Coda, die sich vom Tempo und der Lautstärke her auf einen applausfordernden Schluss hin steigert.





Heidi Rogge

DruckenSpielstätteninfo

TERMINE

Momentan sind leider keine Termine in unserer Datenbank hinterlegt.

Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.




Letzte Aktualisierung: 20.01.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln