Kölner Philharmonie

Orchestre Philharmonique du Luxembourg

Orchestre Philharmonique du Luxembourg
Foto: Blitz
Orchestre Philharmonique du Luxembourg
Foto: Blitz

Konzert - Strawinsky, Tschaikowsky

Gustavo Gimeno, Dirigent

Leonidas Kavakos, Violine


Igor Strawinsky (1882 – 1971)
Jeu de cartes (1936)
Ballett in drei Runden für Orchester. Szenenfolge von Igor Strawinsky in Zusammenarbeit mit Nikita Malaev

Das lange Leben des 1882 bei St. Petersburg geborenen und 1971 in New York gestorbenen Komponisten umfasst nicht nur verschiedene geografische Stationen, sondern auch verschiedene Schaffensperioden, in denen sich Strawinsky ganz unterschiedlicher Kompositionsweisen bediente. Strawinsky gilt als der bedeutendste Ballettkomponist der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Entdeckt wurde er von Serge Diaghilew, dem berühmten Impresario der in Paris ansässigen „Ballets Russes“, für die der Komponist die meisten seiner Ballettkompositionen zwischen 1910 und 1928 schrieb. Dabei kann man – grob vereinfachend – eine russische und eine neoklassizistische Periode unterscheiden: „Le Sacre du Printemps“ von 1913 und „Apollon Musagète“ von 1928 markieren die Höhepunkte dieser beiden Perioden. Eine dritte Periode im Schaffen Strawinskys, in der er sich mit der seriellen Kompositionstechnik auseinandersetzt, gipfelt in dem 1957 uraufgeführten Ballett „Agon“. Die Ballettmusik „Jeu de cartes“ („Kartenspiel“) leitete eine der produktivsten Arbeitsgemeinschaften der modernen Ballettkunst ein, nämlich die zwischen dem Komponisten Strawinsky und dem Choreografen Balanchine. 1936 bat Balanchine Strawinsky um ein neues Ballett für das American Ballet (der Vorläufer des später so berühmt gewordenen New York City Ballet). Bei einer Strawinsky-Feier aus Anlass des 55. Geburtstages des Komponisten im Jahr 1937 sollte das Werk uraufgeführt werden. Die Wahl des Stoffes wurde dem Komponisten freigestellt, und er wählte ein in drei Runden variiertes Pokerspiel. Pro Runde sind jeweils fünfzehn durch Tänzerinnen und Tänzer verkörperte Karten ausgeteilt, wobei das Agieren des jeweils unter den ausgeteilten Karten befindlichen Jokers den besonderen Witz der Choreografie ausmacht. „Jeu de cartes“ ist eines der Hauptwerke aus Strawinskys neoklassizistischer Periode. Formale Klarheit und klangliche Schlankheit zählen ebenso zu seinen ästhetischen Grundsätzen wie das parodistische Zitat klassischer Vorbilder und fremder Stile.
Spieldauer: ca. 23 Min.

Igor Strawinsky (1882 – 1971)
Concerto en Ré (1931)
für Violine und Orchester

Der legendäre Patriarch des Schottverlags in Mainz, Willy Strecker, bat Igor Strawinsky 1930 um ein Violinkonzert, was dieser jedoch zunächst ablehnte, da Strawinsky sich als Pianist nicht genügend vertraut mit der Violine und deren Spielweisen sah. Doch so schnell gab Strecker nicht auf. Daher machte er 1931 in seinem Wiesbadener Haus den Geiger Samuel Dushkin und Strawinsky miteinander bekannt, damit ihm dieser bei der Komposition beratend und unterstützend zur Seite stehen konnte. Das Werk wurde daraufhin im Frühjahr 1931 in Nizza komponiert und bereits im Herbst desselben Jahres in Berlin uraufgeführt – ein Meisterwerk im „neoklassizistischen“ Stil, das trotz der Mithilfe Dushkins ganz Strawinskys eigene Handschrift trägt. Es zählt heute zu den großen Violinkonzerten des 20. Jahrhunderts. Das Werk hat vier Sätze. Deren Satzbezeichnungen verweisen unzweideutig auf die Musik der Barockzeit, die dem Stück in formaler Hinsicht und in Rhythmus und Besetzung Pate stand. Eine druckvoll-rhythmische „Toccata” steht zu Beginn, geprägt von harten Tonwiederholungen und typisch barocken Rhythmen. Als Binnensätze folgen Aria I und II. Strawinsky dachte dabei offenkundig an die versonnen-ausdrucksvollen Vorbilder dieses Typus bei Johann Sebastian Bach wie die „Air” aus der 3. Orchestersuite oder die „Aria” der „Goldbergvariationen”. In der ersten Aria in d-Moll wird man an die 2. Cellosuite des Thomaskantors erinnert, in der zweiten Aria in D-Dur an seine reich ausgezierten „Allemanden“. Das abschließende „Capriccio” gibt seinem Namen alle Ehre: als kapriziöses Feuerwerk aus Läufen und barockisierenden Tanzrhythmen. Der Solist, bzw. die Solistin, hat hier endlich Raum, sich auch bravourös zu entfalten – ein brillanter virtuoser Schlusssatz.
Spieldauer: ca. 22 Min.

Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 - 1893)
Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 CS 26 (1888)

Im Jahre 1888 vollendete Tschaikowsky seine 5. Sinfonie in e-Moll. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein umjubelter Komponist. Doch seine Berühmtheit stellte den zurückhaltenden Künstler vor einige Probleme. Gerade die Aufführungen neuer Werke weckten in Tschaikowsky häufig Zweifel, ob er den hohen Ansprüchen gerecht werden könne. Dazu gesellte sich eine große Nervosität, wenn er selbst als dirigieren musste. So geriet die Uraufführung der 5. Sinfonie am 5. November 1888 in St. Petersburg unter seiner Leitung zu einem Misserfolg. Tschaikowsky spielte daraufhin mit dem Gedanken, sein Werk zu vernichten, bis sich der Dirigent Arthur Nikisch der Sinfonie annahm. Dessen Aufführungen fanden schließlich großen Zuspruch. Einer inhaltlichen Ausdeutung seiner Musik hat Tschaikowsky selbst Vorschub geleistet, indem er in seinem Tagebuch notierte: „Programm des ersten Satzes der Symphonie, Introduction: Völlige Ergebung in das Schicksal, oder, was dasselbe ist, in den unergründlichen Ratschlag der Vorsehung. Allegro I: Murren, Zweifel, Klagen, Vorwürfe.“ Und zum zweiten Satz notierte er: „Soll ich mich dem Glauben in die Arme werfen?“ Eine kompositionstechnische Betrachtung zeigt allerdings, dass diese Sinfonie „eine völlig korrekt gearbeitete 'autonome' viersätzige Instrumentalsymphonie“ darstellt, „eine der am stärksten durchgeformten Arbeiten Tschaikowskys überhaupt, der Kopfsatz das Muster eines nach allen klassischen Regeln ausgeführten Sonatensatzes“ (Csampai). Die vier Sätze Sinfonie sind durch einen Grundgedanken miteinander verknüpft. Dieses Thema wird in einer langsamen Andante-Einleitung von den Klarinetten mit Streicherbegleitung vorgetragen. Es weckt durch seinen trauermarschartigen Charakter und die dunkle Klangfarbe die Assoziation mit einem „Schicksalsthema“. Tschaikowsky bezeichnete es selbst in einer Randnotiz seines Entwurfes als solches. Welche konkrete Intention er tatsächlich verfolgte, ließ sich allerdings auch nach seinem Tode lange nicht nachvollziehen. Der Musikkritiker Eduard Hanslick bemerkte dazu 1896 in einer Rezension: „[…] hier lauert ein verschwiegenes Programm im Hintergrund; zu manchen befremdenden Kontrasten, geheimnisvollen Vor- und Rückblicken fehlt uns der poetische Schlüssel; der musikalische schließt da nicht auf.“ Doch der starke emotionale Ausdruck und der weitere Verlauf des Werkes machten eine Interpretation als schicksalhaftes Thema sinnfällig. Das leichtere aber dennoch verhaltene Hauptthema des schnellen Teils des ersten Satzes, „Allegro con anima“, beginnt in Klarinette und Fagott, einer häufig auftretenden Instrumentation bei Tschaikowsky. Es wird vom Orchester aufgenommen und zu einem ersten Höhepunkt gesteigert. Nach einer Rückführung setzt das zweite Thema in den Violinen ein, das durch eine Verschiebung gegen die Taktschwerpunkte sehnliche Züge trägt. In der anschließenden Durchführung steht das Hauptthema mit seinem Rhythmus im Vordergrund. Die Reprise beider Themen geht nach einer großen Steigerung in eine Coda über, die das Hauptthema am Schluss des Satzes verklingen lässt. Der 2. Satz („Andante cantabile, con alcuna licenza“) beginnt mit einer getragenen Melodie in den tiefen Streichern. Über dieser Klangfläche erklingt eine ausgedehnte besinnlich-melancholische Weise im Solohorn. Eine weitere Melodie, das zweite Thema des Satzes, wird danach von der Oboe intoniert. Dieses hellt die Stimmung des Satzes auf. Beide Themen werden nacheinander vom Orchester aufgenommen und umspielt. Der Mittelteil des Satzes wird durch eine unbeschwerte Episode in Klarinette und Fagott eingeleitet, die das Orchester wieder übernimmt. In diese beschauliche Stimmung bricht unvermittelt das Grundthema aus der langsamen Einleitung des ersten Satzes ein. Statt der Klarinetten schmettern es nun die Trompeten. Nach diesem Höhepunkt kehrt das melancholische Thema in den Streichern wieder und wird vom gesamten Orchester euphorisch gesteigert. Wiederum stört das „Schicksalsthema“ diese Entwicklung. Mit der hellen Melodie des zweiten Themas in den Streichern lässt Tschaikowsky den zweiten Satz wie den vorangegangenen ausklingen. Der 3. Satz („Valse: Allegro moderato“) ist ein Walzer, der bei Tschaikowsky gerne benutzt wird. Das tänzerische Thema der Violinen bildet den Rahmen des Satzes. Der Mittelteil ist von schnellen Läufen geprägt. Kurz vor Schluss ertönt in Klarinette und Fagotten das verbindende Grundthema der Sinfonie. Es bildet gleichzeitig den Übergang zum letzten Satz. Das Finale des 4. Satzes („Andante maestoso - Allegro vivace“) beginnt wie der erste Satz mit dem ‘Schicksalsthema’ in einer langsamen Einleitung. Doch im Gegensatz zum düsteren Beginn der Sinfonie tritt es nun in Dur zum Positiven gewendet auf. Der folgende Teil, Allegro vivace, geizt nicht mit Virtuosität und drängt mit seinem schwungvollen Rhythmus vorwärts. In der triumphal-majestätischen Schlusscoda dominiert der Grundgedanke der Sinfonie. Dessen Wandlung zum Positiven wird dadurch noch einmal besonders hervorgehoben. Heute gehört die fünfte Sinfonie, zusammen mit der vierten und sechsten Sinfonie Tschaikowskys, zu dessen beliebtesten sinfonischen Werken.
Spieldauer: ca. 50 Min.



17:00 Uhr, Empore: Einführung in das Konzert

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 19.04.2019 16:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln