Kölner Philharmonie

Concerto Köln

Kent Nagano
Foto: Benjamin Ealovega
Kent Nagano
Foto: Benjamin Ealovega

Konzert - Wagner, Paganini, Berlioz

Kent Nagano, Dirigent

Shunske Sato, Violine
Nils Mönkemeyer, Viola


Richard Wagner (1813-1883)
Siegfried-Idyll E-Dur WWV 103 (1870)
für Orchester

Sieht man einmal von den Frühwerken Richard Wagners ab, so findet man kaum noch selbstständige Instrumentalmusik unter seinen Kompositionen. Die meisten Arbeiten dieses Genres waren Gelegenheitswerke, die aber kaum Bedeutung haben. Gewicht hat jedoch, ungeachtet seiner filigranen Struktur, vor allem ein Werk. Wagner komponierte es im Dezember 1870 nach der Geburt seines Sohnes und anlässlich des ersten Geburtstages, den er mit seiner Frau in der gemeinsamen Ehe feierte. Gemeint ist das aus Themen des ersten und zweiten Aktes der Oper „Siegfried“ entstandene „Siegfried-Idyll“. Eine wunderschöne, klein besetzte Sinfonische Dichtung, in der sich der Komponist als sensibler Klangmaler von hohem Niveau erweist. Obwohl es ursprünglich als intime Kammermusik gedacht war, verträgt das Werk auch eine zurückhaltend-chorische Streicherbesetzung, in der der Komponist das Idyll 1871 in Mannheim selber aufführte. Der thematische Zusammenhang des Werkes wird durch den Hintergrund des Musikdramas wie ein durchgehaltener Ton leiser Wehmut und weich verhangener Klänge gegeben, die bisweilen fast impressionistisch anmuten. Höchst ungewöhnlich entpuppt sich Wagner, sonst bekanntermaßen ein Freund der übergroßen Klänge, in diesem wirklich bezaubernden Kammermusikstück als begabter Miniaturist.
Spieldauer: ca. 20 Min.

Niccolò Paganini (1782 - 1840)
Konzert für Violine und Orchester Nr. 4 d-Moll (1829/30)

Paganini, geboren 1782 in Genua, zeigte schon in der Jugend eine besondere Begabung für das Geigenspiel. Den ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater, der, obwohl er beruflich im kaufmännischen Bereich tätig war, als Mandolinenspieler Ansehen genoss. Sein zweiter Lehrer war Giacomo Costa, ein Kirchenmusiker, der als maestro di capella an der Kathedrale von San Lorenzo wirkte. Paganinis erstes öffentliches Auftreten fand 1793 statt und auf Costas Anregung begann der junge Paganini die Violinsoli während der Sonntagsmessen zu spielen. Es folgten weitere Studien in Parma sowie seine ersten Konzertreisen. Wieder zurück in Genua begann er auch mit den ersten Kompositionen für sein Instrument. In den Jahren zwischen 1801 und 1804 widmete er sich in der Toskana hauptsächlich dem Komponieren, und zwar nicht nur für die Violine, sondern auch für die Gitarre. In der Folgezeit stand er im Dienste von Elisa Bacciochi, einer Schwester Napoleons und Prinzessin von Lucca und Piombo. Seit 1813 unternahm Paganini ausgedehnte Konzertreisen. Paganini starb 1840 in Nizza. Paganini gilt bis heute als der Inbegriff des romantischen Virtuosen. Seine Ausstrahlung und sein für damalige Verhältnisse stupendes technisches Können waren so überwältigend, dass sich hartnäckig das durch mancherlei fantastische Geschichten untermauerte Gerücht hielt, er sei mit dem Teufel im Bunde. Aus Furcht vor Nachahmern seiner Geigenkunst verzichtete Paganini weitgehend auf eine Veröffentlichung seiner Kompositionen, die deswegen meist erst nach seinem Tode erschienen. Sein überaus effektvolles und brillantes Spiel begeisterte jedoch nicht nur das große Publikum, sondern auch eine Reihe von zeitgenössischen Komponisten, die sich durch ihn zu eigenen Werken inspirieren ließen. Paganinis Konzert für Violine und Orchester Nr. 4 in d-Moll entstand in den Jahren 1829/30 und wurde wie seine 5 anderen Violinkonzerte, erst nach seinem Tod veröffentlicht. Das erst spät entdeckte Konzert gilt unter Kennern als eine Art „Geheimtipp“ unter Paganinis Violinkonzerten. Entstanden ist es während einer Europatournee, zu der Paganini 1828 aufgebrochen war und die sechs Jahre dauern sollte. Dabei kam es in Nürnberg zu einer schicksalhaften Begegnung mit der 20-jährigen Baronin Helene von Dobeneck, die dort sein Konzert besuchte. Paganini schrieb selbst darüber: „Nachdem sie mich gesehen und gesprochen hatte, hat sie sich so sehr in mich verliebt, dass sie keine Ruhe mehr fand und zugrunde ginge, wenn sie mich nicht besitzen könnte. Die Gefühle dieser Frau trafen mich so tief, dass ich sie achten und lieben musste. Sollte ich diese junge Frau heiraten, hätte ich eine gute Ehefrau.“. Doch da gab es ein Problem, die Baronin war bereits verheiratet. Durch die Begegnung mit Paganini aber hatte sie erkannt, dass ihre Ehe ein Fehler gewesen war. Auch Paganini hatte sich in sie verliebt und so entstand sein Violinkonzert in d-Moll, das eine einzige Liebeserklärung an sie ist, aber auch die Unmöglichkeit dieser Liebe beinhaltet. Bis heute ist ungeklärt, warum Paganini bald nach der Uraufführung des Werkes in Frankfurt im April 1830 die schöne Helene für immer verlässt, aber dessen ungeachtet ließ sich die Baronin bald darauf von ihrem Mann scheiden. Das Konzert für Violine und Orchester Nr. 4 in d-Moll ist bis heute ein klingender Liebesbeweis an die Baronin geblieben. Der Geiger Ingolf Turban bezeichnete das Werk gar als „Oper für Violine solo und Orchester“, dem es nicht an Dramatik fehle und dessen Sätze den Charakter von Opernarien hätten, bei denen die Singstimme von der Violine ersetzt würde. Die Palette der technischen Herausforderungen ist enorm und reicht von schmachtenden Kantilenen, rasenden Läufen, Arpeggien und weiten Sprüngen bis hin zu Springbogentechnik, Flageoletts und Doppelgriffen. Aber neben den technischen Herausforderungen ist es auch der innewohnende Liebesschmerz, der das Werk so herausragend macht. Speziell im Mittelsatz, dem „Adagio flebile“, ist der große Abschiedsschmerz zu vernehmen, äußerlich laut Paganini der Abschied von Frankfurt, aber innerlich wohl der Abschied von seiner Geliebten.
Spieldauer: ca. 35 Min.

Hector Berlioz (1803 - 1869)
Harold in Italien op. 16 (1834)
Sinfonie in vier Teilen mit obligater Viola

Den Winter 1833/34 verbrachte Niccolò Paganini in Paris und bestellte bei Hector Berlioz ein Konzert für seine Stradivari-Viola. Das Honorar war überaus großzügig bemessen und kam dem ständig in Geldnöten lebenden Komponisten-Kollegen überaus gelegen. Das aus diesem Auftrag entstandene Werk „Harold in Italien“ fand aber nicht das Wohlgefallen des Auftraggebers, weil es ihm zu wenig virtuose Aufgaben bot. Paganini hat das Werk denn auch nie gespielt. Berlioz' erst wenige Jahre zurückliegende Begegnung mit Italien, seinen Naturschönheiten und seinem kraftvollen Volksleben, bilden den autobiografischen Hintergrund der Komposition, während der literarische Bezug auf Lord Byrons Versepos „Childe Harold's Pilgrimage“ (1812-18) unverbindlich bleibt. Keine der Szenen der Sinfonie erscheint im Versepos vorgeformt. „Harold als poetisches Subjekt der Sinfonie ist eine halb autobiographische und zugleich Byronsche Gestalten paraphrasierende Figur.“ (W. Dömling). Trotz des ausgewiesenen Soloinstrumentes handelt es sich bei „Harold en Italie“ nicht um ein Konzert, sondern um eine Sinfonie. Die Solobratsche verleiht dem Werk zum einen eine besondere Klangfärbung, und sie verkörpert zum anderen Harold, den melancholischen Träumer, der die Szenen der Sinfonie erlebt. Das Harold-Thema, das in allen Sätzen der Sinfonie fast unverändert wiederkehrt, ist denn auch vorzugsweise dem Soloinstrument zugeordnet. Der Kopfsatz mit der Überschrift „Harold aux montagnes. Scènes de mélancolie, de bonheur et de joie“ (Harold in den Bergen. Szenen der Melancholie, des Glückes und der Freude) beginnt mit einer langen Einleitung (Adagio), die das Harold-Thema breit entfaltet. Der Hauptteil des Satzes (Allegro) und die breitausladende Schlusscoda variieren mehrmals zwei unterscheidbare Themen sowohl im Tempo wie auch im Ausdruck. Im zweiten Satz, „Marche de pélerins, chantant la prière du soir“ (Marsch der Pilger, die das Abendgebet singen), nähert sich in marschähnlicher Bewegung ein Pilgerchor, dessen ständig lauter werdendem Gesang das Harold-Thema, im Adagio-Tempo von der Solobratsche vorgetragen, kontrastiert. Der Mittelteil des Satzes bringt ein canto religioso der Pilger in der Art Palestrinas, bevor im Schlussteil der Pilgerchor weiterzieht, verdeutlicht durch ein Wiedererscheinen der anfänglichen Melodie, nun allerdings im „decrescendo“. Umrahmt von Allegro-Passagen im Charakter einer Siciliana, steht im Mittelpunkt des dritten Satzes, „Sérénade d'un montagnard des Abruzzes à sa maitresse“ (Abendständchen eines Abruzzenbewohners für seine Geliebte), die Melodie einer Serenade, zu der wiederum das Harold-Thema den Kontrast abgibt. Der Schlussteil des Satzes verknüpft überaus kunstvoll die verschiedenen Elemente des Satzes: die Melodie der Serenade, das Harold-Thema und den punktierten Grundrhythmus der Siciliana.
Der Finalsatz, „Orgie de Brigands. Souvenirs de scènes pré-cédentes“ (Gelage der Räuber. Erinnerungen an vergangene Szenen), beginnt mit einer weitausholenden Einleitung, bei der die Entwicklung des Themas in verschiedenen Anläufen immer wieder unterbrochen wird durch Reminiszenzen an die vorangegangenen Sätze. Nach fast 120 Takten beginnt der Hauptteil des Satzes, der Form nach eine Exposition ohne Durchführung, dem Charakter nach eine wilde orgiastische Musik, die an das Finale der „Symphonie fantastique“ erinnert. Im Hauptteil des Finalsatzes tritt der Solist überhaupt nicht mehr in Erscheinung; Harold soll – so die spätere Erklärung Berlioz' hierfür – vor der „Orgie der Briganten“ erschrocken die Flucht ergriffen haben.
Spieldauer: ca. 40 Min.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 22.07.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln