Kölner Philharmonie

Chamber Orchestra of Europe

Chamber Orchestra of Europe
Foto: Richard Haughton
Chamber Orchestra of Europe
Foto: Richard Haughton

Konzert - Fauré, Berlioz, Mozart

Robin Ticciati, Dirigent

Magdalena Kožená, Mezzosopran


Gabriel Fauré (1845-1924)
Pelléas et Mélisande op. 80 (1898)
Suite für Orchester

Schon früh wurde die musikalische Begabung des jungen Gabriel Fauré erkennbar. Auf Vermittlung des Parlamentsabgeordneten seines Heimatdepartements Ariège, Midi-Pyrénées, erhielt er ein Stipendium an der angesehenen École Niedermeyer für kirchliche und klassische Musik in Paris. In der als Internat geführten Schule wurde neben der musikalischen Ausbildung ebenfalls die humanistische Bildung der Zöglinge gepflegt. Zu Faurés Lehrern an dieser Schule gehörte auch der junge Camille Saint-Saëns, dessen Klavierunterricht er genoss und mit dem ihn später eine lebenslange Freundschaft verband. Mit dem Preis für sein alle Konventionen sprengendes „Cantique de Jean Racine“ beendete er seine musikalische Ausbildung an der École Niedermeyer. In der Folgezeit übernahm er verschiedene Organistenstellen in Rennes und Paris. Seit den 1870er Jahren unterrichtete er gleichzeitig Komposition an derselben Schule, in der er seine Ausbildung erfahren hatte. 1892 übernahm er das Amt eines Inspektors für die Konservatorien in der Provinz. 1896 wurde er als Nachfolger von Jules Massenet an das Conservatoire in Paris berufen, zu dessen Direktor er 1905 gegen den erbitterten Widerstand eines Teils der Professoren ernannt wurde. Die von ihm in dieser Funktion sofort eingeleiteten Reformen fanden hingegen breite Zustimmung. Bis 1920 behielt er diese Position inne. Als Direktor des Conservatoire, als Kompositionslehrer und als musikalischer Experte des „Figaro“ besaß Fauré jahrelang einen außergewöhnlich großen Einfluss auf das französische Musikleben. Zu seinen bedeutendsten Schülern zählen Nadia Boulanger, George Enescu, Maurice Ravel, Florent Schmitt und Jean-Jules Roger-Ducasse. Faurés kompositorisches Oeuvre ist vielgestaltig: Es umfasst Opern, Bühnenmusiken, geistliche und weltliche Chorwerke, Orchesterwerke, Kammermusik, Klavierwerke und Lieder. Die Bühnenwerke des flämischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862-1949) erregten von Anfang an Aufsehen. Das Schlichte und doch absichtlich Verschleierte der poetischen Sprache Maeterlincks, der bloß angedeutete Symbolcharakter von Szenen und Handlungen, das Rätsel, das um die Figuren bleibt, die oft traumhaften Situationen – all das forderte die Musik geradezu heraus, diese Dinge zu veranschaulichen. Das Drama „Pelléas et Mélisande“, dessen Premiere 1892 in Paris stattfand, gilt als Hauptwerk des französischen Symbolismus. Neben Fauré wurden u.a. Debussy zu einer Oper, Schönberg zu seiner frühen Tondichtung und Sibelius zu einer Schauspielmusik inspiriert. Zum Inhalt: Im Schauspiel weint das junge Mädchen Mélisande an einer Quelle im Wald. Golaud erscheint und bringt sie zu seinem Schloss, damit sie seine Frau werden soll. Golauds jüngerer Bruder Pelléas sieht, wie Mélisande ihre Haare kämmt und verliebt sich in sie. Golaud findet Pelléas und Mélisande, wie sie sich gerade küssen. Von Eifersucht überwältigt tötet er Pelléas. Dann versucht er vergeblich, Selbstmord zu begehen. Am Ende des Stücks stirbt Mélisande, während sie eine Tochter gebärt. Fauré schrieb 1898 innerhalb weniger Wochen die Musik zu Maeterlincks Drama „Pelléas et Mélisande“ im Auftrag des Londoner Prince of Wales Theatre. Im Jahr 1901 stellte er dann vier größere sinfonische Fragmente aus der Bühnenpartitur zu einer Orchestersuite zusammen: Das zarte, nostalgisch gefärbte Prélude umschreibt die Grundstimmung des Dramas, die magische Atmosphäre des Märchenwaldes, in dem der verirrte Golaud der geheimnisvollen Mélisande begegnet. Der folgende Satz „La Fileuse“ (Die Spinnerin), der an Faurés Lehrer Saint-Saëns erinnern soll, prägt dennoch in seinen fließenden Melodielinien und seiner kreisend schwingenden Harmonik Faurés eigene musikalische Sprache charakteristisch aus. Beschrieben wird hier, wie Mélisande wartend am Spinnrad sitzt. An dritter Stelle erscheint eine „Sicilienne“, die Fauré einer früheren Komposition entnommen hat. Das Hauptstück der Orchestersuite ist das Finale, ein „Molto Adagio“, die Todesszene von Mélisande. Fauré bringt hier eine poetische Traummusik, die die gesamte Stimmung des Dramas resümiert.

Hector Berlioz (1803-1869)
Les Nuits d'été op. 7 (1840–41)
Sechs Lieder für Singstimme und Orchester. Text aus "La comédie de la mort" von Théophile Gautier

Der in Côte St. André geborene Sohn eines Landarztes sollte nach dem Willen seines Vaters selbst Mediziner werden. Doch während des 1821 begonnenen Medizinstudiums in Paris sattelte Berlioz zur Musik um, verlor dadurch jede materielle Unterstützung durch das Elternhaus und musste sich mühsam als Chorist seinen Lebensunterhalt verdienen. Da ihm der akademische Lehrbetrieb am Konservatorium missfiel, bildete er sich zunächst autodidaktisch fort, kehrte jedoch später an das Konservatorium zurück, weil er sich am Wettbewerb um den berühmten „Prix de Rome“ beteiligen wollte. Er errang diese Auszeichnung auch im Jahre 1830 mit einer Kantate und gewann damit einen dreijährigen Aufenthalt in Italien. Nach der Rückkehr aus Italien 1832 begann der entbehrungsreiche Kampf um eine angemessene materielle Existenz von neuem. Als praktischer Musiker konnte Berlioz nicht reüssieren, da er als einziges Instrument nur die Gitarre beherrschte – und seine Kompositionen waren zu revolutionär, als dass sie die Anerkennung der das Musikleben im damaligen Frankreich bestimmenden konservativen Kräfte hätten finden können. So wurde Berlioz zum Musikkritiker. 28 Jahre lang kämpfte er als Kritiker an einer renommierten Pariser Tageszeitung für Neuerungen in der Musik. Musikalische Anerkennung fand er nur außerhalb Frankreichs als erster Gastdirigent europäischen Formats während der Jahre 1843 bis 1861 auf Konzertreisen nach Belgien, Deutschland, Österreich, Russland und England. Überall führte er seine Werke selbst auf. Schließlich erhielt Berlioz am Pariser Konservatorium doch noch eine Stelle, zunächst als Konservator und dann als Bibliothekar, nicht jedoch die von ihm so ersehnte Professur. Berlioz' kompositorisches Schaffen umfasst bedeutende sinfonische Werke sowie eine Reihe von Opern. Berlioz‘ Werk „Les Nuits d’été“ („Sommernächte“) erschien 1841 in der Klavierfassung, 1856 in der Version für Orchester: Ursprünglich für Mezzosopran oder Tenor mit Begleitung geschrieben, wurden die sechs Lieder nach Gedichten des französischen Romantikers Théophile Gautier (1811-1872) aus dessen 2. Gedichtband „Poésies diverses“ (1838) in der 15 Jahre später entstandenen Orchesterfassung zum wohl ersten Zyklus von Orchesterliedern überhaupt. In dieser Form wies Berlioz die Gesänge sechs verschiedenen Sängern – weiblichen und männlichen Stimmfächern – zu, die er auf seinen Konzertreisen in Deutschland kennen- und schätzen gelernt hatte. Damit hat er bereits in der Besetzung eine eigenartige Brechung des zyklischen Zusammenhangs vorgenommen, die sich auch in der Reihenfolge der Lieder widerspiegelt: Im Gegensatz zum narrativen Zug der großen Liederzyklen Schuberts handelt es sich hier – auch darin die späteren Orchestergesänge Gustav Mahlers vorwegnehmend – um die Gruppierung einzelner Stücke um ein gemeinsames Grundthema, nicht um eine durchgehende Handlung. Es ist das Thema der romantischen Liebe unter den verschiedenen Aspekten und vor allem literarischen Brechungen, denn das letzte Lied greift nur scheinbar, damit einen formalen Bogen des Zyklus suggerierend, auf das erste zurück, in dem es den gesamten inzwischen gewonnenen Erfahrungsreichtum mit reflektiert und die überschwängliche Leidenschaft des Tonfalls als trügerisch entlarvt. Die stilistische Originalität der sechs Lieder, die Bandbreite ihrer Tonfälle und die Fülle der orchestralen Feinheiten – so etwa das geradezu hypnotische Schreiten auf dem nächtlichen Friedhof im fünften Lied („Au cimetière: Clair de lune“) und die irisierenden Klangeffekte bei der Stelle „dans un rayon tremblant“ („in schwankendem Lichtstrahl“) – machen diesen ersten bedeutenden Zyklus von Orchestergesängen zu einem musikhistorischen Fall obersten Ranges. Heute ist es üblich geworden, den Zyklus einheitlich von einem Sänger vortragen zu lassen und dabei die Tonarten der ursprünglichen Klavierfassung zu benutzen. Die sechs Lieder tragen die Titel: „Villanelle“ – „Le spectre de la rose“ – „Sur les lagunes“ – „Absence“ – „Au cimetière (Clair de lune)“ – „L’île inconnue“.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Sinfonie C-Dur KV 425 (1783)
"Linzer Sinfonie"

Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren. Er war der Sohn des Violinisten, Komponisten und Lehrers Leopold Mozart. Wolfgang begann als Dreijähriger, Klavier zu spielen und begab sich bereits mit sechs Jahren, gemeinsam mit seiner elfjährigen Schwester Nannerl, auf Konzertreisen nach München und Wien. Von 1763 an unternahmen Vater Leopold und Sohn Wolfgang eine dreieinhalbjährige Konzertreise durch Europa, auf der sie große Erfolge feierten. Zwischen 1769 und 1773 folgten weitere Reisen durch Italien, jedoch mit zunehmend weniger Erfolgen. Die Zeiten zwischen den Reisen nutzte Mozart zum Komponieren. Nach 1773 nahm er in Salzburg die Stellen als Hoforganist und Kaiserlicher Kammerkomponist an. Er starb verarmt in Wien am 5. Dezember 1791. Von den über 50 Sinfonien Mozarts entstand der weitaus größte Teil vor 1774, und diese Werke zeigen auf faszinierende Weise die Auseinandersetzung des jungen Komponisten mit den Vorbildern – die Reiserouten der Mozart-Familie durch Europa haben gerade in dieser Werkgruppe unmittelbar ihre Spuren hinterlassen. Viele von Mozarts Sinfonien stellen allerdings Gelegenheitsarbeiten dar und stehen im Stil den älteren Serenaden, Suiten und Ouvertüren nahe. 41 seiner Sinfonien sind erhalten geblieben. Vornehmlich die letzten zehn sind fester Bestandteil der Konzertprogramme. Die Sinfonie C-Dur KV 425 („Linzer“) entstand zwischen dem 30. Oktober und dem 4. November 1783 – in Linz, wo sich das Ehepaar Mozart auf der Durchreise nach Wien aufhielt. Graf Thun, ein Freund der Familie und Oberhaupt des Wiener Adelsgeschlechts Thun, organisierte recht kurzfristig dem Besuch zu Ehren eine Akademie im Linzer Theater. Mozart war darauf offensichtlich nicht vorbereitet, also schrieb er „Hals über Kopf“ eine neue Sinfonie. Der erste Satz beginnt wie eine Haydn-Sinfonie mit einem langsamen, aus feierlichen Akkorden bestehenden Thema. Nach einer Moll-Wendung folgt ein Allegro, zuerst Piano, dann aber zu einem Marsch geformt. Eine kurze Überleitung führt zum zweiten Thema, das unvermittelt in e-Moll „alla turca“ einfällt, darauf im Piano wiederholt wird und einer strahlenden Durchführung weicht. Der zweite Satz ist kantabel-pastoral, ein drohendes Bassmotiv setzt dramatische Akzente. Das Menuett ist kraftvoll, aber heiter, und das Finale wirkt anfangs naiv fröhlich. Ernste Akkordthemen zwingen aber zu dramatischen Auseinandersetzungen, so dass das sieghafte Ende erkämpft werden muss.


Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 23.03.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln