Kölner Philharmonie

Camerata Salzburg

Camerata Salzburg | Philharmonie
Foto: Andreas Hechenberger
Camerata Salzburg | Philharmonie
Foto: Andreas Hechenberger

Konzert - Mozart

Gregory Ahss, Konzertmeister und Leitung

Janine Jansen, Violine
Henning Kraggerud, Viola


Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

Sinfonie B-Dur KV 319 (1779)

Das Autograf der Sinfonie Nr. 33 D-dur KV 319 von Wolfgang Amadeus Mozart ist auf den 9. Juli 1779 datiert. Leider fehlen im Tagebuch der Komponisten-Schwester Nannerl Eintragungen aus dieser Zeit, auch sonst ist nirgendwo aufgeführt, für welchen Zweck diese Sinfonie geschrieben wurde. Ursprünglich enthielt sie nur drei Sätze; das Menuett fügte Mozart erst später in Wien hinzu, vielleicht für eine der 1782er Akademien. Jedenfalls hatte er vor, sie mit fünf anderen Sinfonien 1784 zu veröffentlichen. Sie erschien aber erst im folgenden Jahr. Dieses Werk war eine von zwölf Kompositionen, die Mozart dem Fürsten von Fürstenberg „eigenst nur für ihren Hof allein“ anbot. Ein zweifacher Betrug: das angeblich neue Werk war bereits sieben Jahre alt und sogar schon veröffentlicht worden. Das wurde ruchbar. Trotzdem nahm der Fürst den Standpunkt „noblesse oblige“ ein, er zahlte Mozart das vereinbarte Honorar aus. Das eröffnende „Allegro assai“ der Sinfonie ist ein Sonatensatz ohne Wiederholungen, dessen lebhafte Themen sich viel stärker an Konventionen halten als in vorangegangenen Sinfonien. Der anschließende kantable langsame Satz „Andante moderato“ mit seinen sorgfältig angegebenen dynamischen Nuancen wirkt fast kammermusikalisch, dank der wichtigen Rolle, die den Streichern eingeräumt ist. Das „Menuetto“ bleibt konventionell, aber im Finale „Allegro assai“ wartet Mozart mit einigen Kunstgriffen auf. So ist die Durchführung das Musterbeispiel eines Pseudokontrapunktes, der nie mehr als zwei Stimmen führt, aber trotzdem den Eindruck einer vielschichtigen Polyphonie erweckt. Überraschend ist dann das Ende des Werkes, das mit einem relativ abrupten Schluss aufwartet.
Spieldauer: ca. 25 Min.

Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 (320d) (1779–80)
für Violine, Viola und Orchester

Die „Sinfonia concertante“ setzt die Tradition des barocken „Concerto grosso“ mit seinen Kontrasten von Tutti- und Solopartien fort, bereichert sie aber um die galanten Merkmale des klassischen Stils. Wolfgang Amadeus Mozart entwickelte sie zu einem echten Doppelkonzert, in dem zwei gleichberechtigte Soloinstrumente mit- und gegeneinander konzertieren. Das Orchester steht ihnen dabei als relativ homogener Klangkörper gegenüber. In den Tuttipartien führt dieser ein reiches Eigenleben und übernimmt auch als Begleiter anspruchsvolle Aufgaben. Mozart schrieb die Sinfonia concertante für Violine und Viola höchstwahrscheinlich unter der Aufsicht seines Vaters 1779 in Salzburg. Es bestehen keine handschriftlichen Hinweise über ihre Entstehung oder Bestimmung. Ebenso ungewiss ist, ob Mozart das Violinsolo selbst gespielt hat. Verglichen mit den anderen Violinkonzerten stellen die beiden Solostimmen deutlich höhere Ansprüche an das technische Können der Solisten und erfordern darüber hinaus eine genaue gegenseitige Feinabstimmung. Die Solobratsche hat Mozart im Original in D-Dur notiert mit der Maßgabe, alle Saiten um einen halben Ton nach oben zu stimmen. Hierdurch wird ihr Klang heller und schärfer und vermischt sich besser mit der Violine. Die Farbpalette des Orchesters erweitert sich mit den zweigeteilten Bratschen dagegen nach der Tiefe hin und nimmt an Fülligkeit zu. Der erste Satz (Allegro maestoso) der Sinfonia concertante beginnt mit einer langen Orchesterexposition, dessen tonale und thematische Einheitlichkeit ebenso überrascht wie der Kunstgriff, die Soloinstrumente erst nach einer längeren Trillerkette betont unauffällig in den Formablauf zu integrieren. Die Soloinstrumente bringen neues Material, das zuerst in der Violine erscheint, später von der Viola übernommen und schließlich in parallelem oder kontrapunktischem Zwiegesang weitergeführt wird. Die regulär beginnende Reprise ist in
ihrem Tutti-Teil stark verkürzt. Eine von Mozart ausgeschriebene und auf Dreiklangsbrechungen und Skalen aufbauende Kadenz leitet in die Orchestercoda über, die den Satz mit einem nochmaligen dramatischen Aufbegehren beschließt. Der kantable Klagegesang des zweiten Satzes (Andante), der von den Violinen eingeführt wird, erscheint in diminuierter Auszierung zuerst in der Solovioline. Er wird von der Bratsche übernommen und mit einem Zwiegesang im Sinne einer Durchführung fortgesetzt. Auch das Seitenthema wird nach einem kurzen sequenzartigen Tutti von den Soloinstrumenten verarbeitet. In der folgenden erweiterten Durchführung übernimmt das Orchester einen neuen Gedanken, der von den Soloinstrumenten eingeworfen wurde. Wiederum schließt der Satz mit einer Originalkadenz von Mozart, die die Solisten auf äußerst kunstvolle Weise gegeneinander führt. Mit ihrer kammermusikalischen Kontrapunktik gehört sie zu den musikalischen Höhepunkten der Sinfonia concertante. Das abschließende Finale (Presto) ist dem Ton anspruchsvoller „Unterhaltungsmusik“ verpflichtet. Es zieht in rauschender Heiterkeit am Hörer vorbei.
Spieldauer: ca. 32 Min.

Allegro und Andante (Fantasie) f-Moll KV 608 (1791)
für eine Orgelwalze
Bearbeitung für Kammerorchester

Obwohl Mozart während seiner Konzertreisen auch ab und zu die Orgel spielte, hat er für dieses Instrument keine eigentlichen Werke komponiert. Die Fantasie in f-Moll KV 608 mit den Sätzen Allegro und Andante entstand vielmehr für die zu seiner Zeit beliebten mechanischen Musikinstrumente mit eingebautem Pfeifenwerk, dessen Spiel von einer Stiftwalze gesteuert wird. Obwohl es kein Autograf des Werkes gibt, ist die Urheberschaft unbestritten, weil Mozart es in Briefen erwähnt hat. Das Werk war sehr beliebt, so dass es auch in zahlreichen Bearbeitungen erschien. Eine davon, die Version für Kammerorchester, ist heute im Konzert zu hören.
Die Fantasie ist im Stil einer altertümlichen „Französischen Ouvertüre“ gehalten. Sie beginnt mit einem Allegroteil, in dem druckvolle Akkorde und punktierte Figuren abwechseln. Später setzt eine schulgerecht aufgebaute vierstimmige Fuge ein, die dann in eine Wiederaufnahme des Anfangs mündet. Einer Generalpause folgt das As-Dur-Andante im ¾-Takt des 2. Teils, das von Seufzermotiven und chromatischen Wendungen durchdrungen ist. Danach erklingen abermals die Französische Ouvertüre und die Fuge. Letztere ist dabei kunstvoll zur Doppelfuge erweitert.
Spieldauer: ca. 12 Min.


Sinfonie D-Dur KV 297 (300a) (1778)
"Pariser Sinfonie"

So enttäuschend die große Mannheim-Paris-Reise der Jahre 1778/79 in persönlicher Hinsicht durch den Tod der Mutter, in künstlerischer durch das Ausbleiben einer festen Anstellung oder auch nur eines lukrativen Kompositionsauftrags verlief – ein offensichtlich überwältigender künstlerischer Erfolg scheint sich mit der Aufführung der „Pariser“ Sinfonie in den „Concerts spirituels“ im Juni 1778 eingestellt zu haben. Zumindest kann Mozart in seinen Briefen an den Vater mit Wendungen wie „... wurde sie mit allem Applauso aufgeführt“, „ ... und war ein großes Applaudissement“, oder „ ... das Forte hören und die Hände zu klatschen war Eins“ die Wirkung der Musik nicht eindringlich genug schildern. Mag Mozart übertrieben haben, sei es um den eigentlichen Misserfolg der Reise zu übertünchen, sei es, um Bedenken des Vaters über Lebenswandel und mangelnde Arbeitsmoral zu zerstreuen – sichtbar gearbeitet hat Mozart an dieser Sinfonie wie an keiner anderen: es gibt kaum eine Seite der Partitur, auf der nicht radiert, gestrichen und verbessert worden wäre. Weil dem Veranstalter der „Concerts spirituels“ der 2. Satz missfiel, wurde sogar ein neuer (heute kaum mehr aufgeführter) langsamer Satz geschrieben. Da das Pariser Orchester neben den Mannheimern zu den besten Klangkörpern der damaligen Zeit gehörte, weist die Sinfonie nicht nur die bislang umfangreichste Besetzung auf, sondern kommt Mozart dem Orchester mit einer virtuosen Führung entgegen. Dazu zählt die majestätische Eröffnung mit dem schwungvollen Lauf (über diese Forte-Eröffnung, als eindrucksvoller „coup d'archet“ in Paris geschätzt, macht sich Mozart in einem Brief nicht nur mit den Worten „sie fangen halt auch zugleich an – wie in anderen Orten“ lustig, sondern er vermied sie im Finale geradezu ostentativ) und ein Seitenthema, das durch seine polyfone Verarbeitungsmöglichkeit den Instrumentalisten die Möglichkeit des sukzessiven Hervortretens gibt. Von der flächigen, klangprächtigen Welt der schnellen Sätze hebt sich das Andante wohltuend ab. Sein Schwergewicht liegt auf kurzen Gliedern, die in kaleidoskopartiger Reihung, auch mit ernsten Tönen versetzt, vorüberziehen. Satzfolge: I. Allegro assai; II. Andante; III. Allegro
Aufführungsdauer: ca. 21 Min.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 18.06.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln