Kölner Philharmonie

Concentus Musicus Wien

Concentus Musicus Wien | Philharmonie
Foto: Joachim Baumann
Concentus Musicus Wien | Philharmonie
Foto: Joachim Baumann

Konzert - Purcell, Rameau


Stefan Gottfried, Dirigent


Henry Purcell (1659-1695)
Suite aus „The Prophetess or The History of Dioclesian“ Z 627 (1690) für Orchester

Henry Purcell, über dessen kurzes Leben wenig bekannt ist, kam aus einer weit verzweigten Musikerfamilie. Er begann seine Laufbahn als Chorknabe in der Chapel Royal in London. Seit seinem achten Lebensjahr scheint er komponiert zu haben. Mit 20 Jahren wurde er Organist der Westminster Abbey als Nachfolger von John Blow; 1682 folgte er Edward Lowe als einer der Organisten der Chapel Royal. 1683 wurde er zum „Keeper of the King’s Instruments“ ernannt. In diesen Ämtern, in denen er auch Kompositionen für höfische Feste zu liefern hatte, blieb er bis zu seinem Tod am 21. November 1695. Er wurde in der Westminster Abbey beigesetzt. Drei Jahre nach seinem Tod veröffentliche Henry Playford eine Anthologie von Purcells Liedern unter dem seitdem sprichwörtlich gewordenen Titel „Orpheus Britannicus“. Purcell zählt ohne Zweifel zu den größten Komponisten des Barock und ist auch der größte, den England hervorgebracht hat – in der Bedeutung, Fülle und Vielseitigkeit seines einem allzu kurzen Leben abgewonnenen Werkes Mozart vergleichbar. Er begann als vergleichsweise konservativer Komponist, vor allem in seiner Vokalmusik, nahm aber schnell französische und immer mehr italienische Anregungen auf und entwickelte gleichzeitig das „besondere Genie, die Kraft der englischen Sprache so auszudrücken, daß er damit das Gefühl aller Hörer bewegte“ (Playford). Purcells erste Semi-Oper, mit vollem Titel „The Prophetess or The History of Dioclesian“ genannt, entstand 1690. Das Libretto schrieb Thomas Betterton, ein Schauspieler, Dichter und Impresario, den Charles II. Jahre zuvor nach Paris geschickt hatte, damit er sich dort mit den Techniken der Opernproduktion vertraut machen konnte. Betterton ging von dem Drama „The Prophetess“ aus, das John Fletcher und Philip Massinger bereits 1622 auf die Bühne gebracht hatten. Und dieses Schauspiel wiederum orientierte sich grob am mythischen Aufstieg und Fall des römischen Kaisers Diokletian: Durch eine erfüllte Verheißung der Prophetin Delphia wird der Soldat Diocles Kaiser Roms. Er bricht jedoch sein Versprechen, Delphias Schwester Drusilla zur Frau zu nehmen. Erst durch von der Prophetin herbeigeführte Schicksalsschläge erfährt er Läuterung von seinem Hochmut. Die Semi-Oper wurde Ende Mai 1690 im Londoner Queens Theatre uraufgeführt und hatte großen Erfolg. Zu ihm trugen zweifellos die aufwändigen Effekte und üppigen Tanzszenen bei, nicht weniger jedoch Purcells Musik. Der Komponist fand sogar genügend Subskribenten, um sein Werk im folgenden Jahr veröffentlichen zu können – als erste komplett gedruckte Partitur einer Semi-Oper.

Jean-Philippe Rameau (1683-1764)
- Suite aus „Les Indes galantes“ (1735) – Ballet héroïque mit einem Prolog und drei Entrées. Libretto von Louis Fuzelier
- Suite aus „Zaïs“ (1748) – Ballet pastorale-héroïque mit Prolog und vier Akten. Libretto von Louis de Cahusac

Der französische Komponist und Musiktheoretiker Jean-Philippe Rameau erhielt seine erste Musikausbildung von seinem Vater, der Organist an der Notre Dame von Dijon gewesen war. Dort wurde Jean-Philippe 1709 auch sein Nachfolger, bevor er 1722 für immer nach Paris übersiedelte. Rameau eröffnete hier u.a. eine private Musikschule, die „École de composition de musique“. In einer seiner Schülerinnen, Thérèse de La Poupelinière, fand Rameau eine Gönnerin. Ihr Mann war einer der wohlhabendsten Pariser Financiers, der in seinem Privattheater berühmte musikalische Soireen gab. Er machte Rameau zu seinem Musikmeister und erschloss ihm den Zugang zur Opéra. Rameaus erste Tragédie lyrique „Samson“ nach einem Text von Voltaire wurde abgelehnt, weil der Operndirektor De Thuret keine biblischen Sujets auf der Bühne duldete. Dagegen hatte „Hippolyte et Aricie“ (1733) großen Erfolg. Das Werk fand jedoch keine ungeteilte Anerkennung: Es entfachte sich ein Parteienstreit zwischen den „Lullistes“, den Anhängern der traditionellen Opern im Sinne Lullys, die den zunehmenden Einfluss der italienischen Oper kritisierten, und den „Ramistes“, den Verfechtern einer Erneuerung der französischen Oper, wie Rameau sie vornahm. Dabei stieg Rameaus Ruhm immer mehr. 1745 ernannte ihn Ludwig der XV. zum „Compositeur de musique de la chambre“. Rameau starb am 12. September 1764 in Paris. Zu Rameaus Leistungen gehörte die Ausweitung der von Lully begründeten national-französischen Opernform. Er verknüpfte sie enger mit Elementen des Balletts, der Tragikomödie und der Tragödie zu einer Art barockem Gesamtkunstwerk. Er benutzte differenzierte Rhythmen und Figuren, vor allem aber experimentierte er mit dem Orchesterkolorit: Blasinstrumente verstärken bei Rameau nicht mehr nur die Streicher, sondern entfalten eine eigene Stimmführung. Er entwickelte außerdem eine graduierte Dynamik in Verbindung mit melodischen und harmonischen Steigerungen. Zu seinen bekanntesten Kompositionen gehören die „Pièces de Clavecin en Concert" von 1741, obwohl der umfangreichste Teil seines Schaffens Bühnenwerke umfasst. Außerhalb Frankreichs waren vollständige Aufführungen von Opern Lullys und Rameaus selten. Umso häufiger erklangen bei Hoffesten zwischen Wien und Petersburg die Tänze, Fantasie- und Programmstücke, je nach Bedarf für Tafelmusiken, Maskeraden, Ballettpantomimen und ähnliches variantenreich zusammengestellt. Rameau, der seine ersten Berufsjahre in Dijon und Lyon verbrachte, bevor er sich 1722 in Paris niederließ, befasste sich zunächst mehr mit der Theorie der Musik und gab bis 1726 zwei wegweisende Traktate dazu in Druck. Gleichzeitig blieb er aber als Komponist hellhörig für die Ereignisse in der französischen Musikmetropole – darunter für die Ankunft zweier Tänzer aus Louisiana, amerikanische Ureinwohner, die mit ihren Darbietungen am 10. September 1725 im Théâtre-Italien für Aufsehen sorgten. Rameau inspirierte dieser Auftritt zu dem Cembalostück „Les Sauvages“. Knapp zehn Jahre später weitete er die Idee zusammen mit seinem Librettisten Louis Fuzelier zu einer Ballett-Oper mit dem Titel „Les Indes galantes“ aus. Eigentlich handelt es sich hier um vier Kurzopern; auf einen Prolog folgen „Der großmütige Türke“, „Die Inkas in Peru“, „Die Blumen in Persien“ und „Die Wilden“. Das übergreifende Thema der Oper ist die Liebe. Rameau gelang die charakteristische Deutung der Szenen mit je eigenen musikalischen Mitteln. Rhythmische Verve, farbige Harmonik und eine effektvolle Orchestrierung entfalten ihre volle Wirkung auch in der konzertanten Suite. Rameau besaß eine ausgesprochene Begabung für tänzerisch-prägnante Rhythmen. Nach 1745 arbeitete er mit dem Tanztheoretiker und Librettisten Louis de Cahusac zusammen, der einen in die Bühnenaktion integrierten Tanz propagierte. Im Zeitraum zwischen 1748 und 1753 entstanden eine Reihe von sog. „Pastorales héroiques“; sie unterscheiden sich von den berühmteren „Tragédies lyriques“ Rameaus durch ihre galanten Stoffe, ihren leichteren Charakter und formal durch ihre Dreiaktigkeit. In diese Zeit fällt auch die Uraufführung von Rameaus heroischer Pastorale „Zaïs“; sie ging am 29. Februar 1748 in Paris über die Bühne. Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Liebender (Zaïs) stellt seine Geliebte (Zélidie) auf die Probe, um sie hernach nur umso höher zu schätzen. Die Ereignisse bieten Anlass für unzählige Divertissements und Tänze, eine Steilvorlage für Rameaus musikalischen Esprit und magischen Klangzauber. Die Suite daraus offenbart das ganze Genie Rameaus – darunter die packende Ouvertüre: Die Musik will die Entstehung der Elemente aus dem Urchaos darstellen, beginnt dazu überraschend mit zerklüfteten Trommelschlägen, gefolgt von fragmentarischen Streicher- und Bläsereinwürfen und steigert sich schließlich zu einer ebenso rasanten wie brillanten Parforcejagd.

Henry Purcell
Suite aus „King Arthur or The British Worthy“ Z 628 (1691) für Orchester. Semi-Opera in fünf Akten. Libretto von John Dryden

Nachdem sich Purcell mit seinem „Dioclesian“ 1690 für die Bühne empfohlen hatte, überließ ihm der bedeutende Dramatiker John Dryden seinen ausdrücklich als Semi-Oper oder „dramatische Oper“ bezeichneten „King Arthur“, nicht ohne seinen fünf Jahre alten Text umzuarbeiten und so die Identifikation von König Arthur und Wilhelm III. zu ermöglichen. Die Semi-Opern verwendeten als Grundlage meist Schauspiele aus der elisabethanischen Zeit, verarbeiteten sie zu einer komisch-ernsten, revueartigen Handlung, in der Tanz, Musik und Sprechtexte gleichberechtigt nebeneinander stehen, der Handlungsverlauf aber einzig durch die Sprechtexte vermittelt wird. „Musik und Dichtung können auch für sich bestehen, aber die eindrücklichste Wirkung werden sie hervorbringen, wenn sie vereinigt sind, Geist und Schönheit in einer Person“, forderte John Dryden. Auch in Purcells „King Arthur“ waren ursprünglich nur zwei Rollen reine Gesangspartien. Die meisten Hauptrollen wurden von Schauspielern interpretiert, die auch bescheidene Gesangspartien übernehmen konnten. Die Uraufführung fand 1691 im Londoner Dorset Gardens Theatre statt, dem damals größten und prächtigsten Theater Englands. „King Arthur“ gehörte zu den großen Erfolgen des englischen Theaters und wurde noch im 18. und 19. Jahrhundert, wenn auch oft in verstümmelter Form, aufgeführt. Das Werk entführt die Zuhörer in eine Welt voller Könige, Zauberer und verwunschener Wälder. Merlin, der sagenumwobene Zauberer, ist darin ebenso verwickelt wie König Arthur, der für seine legendären Ritter der Tafelrunde den runden Tisch erfunden haben soll. Merlin steht im Dienst des britischen Königs; außer ihm sind weitere Zauberer, Luft- und Erdgeister involviert, göttliches Personal von Cupido über Venus bis zu Pan sowie Chöre der Sachsen und der Briten. Denn die Braut Arthurs, Emmeline von Cornwall, ist von Oswald, dem König der Sachsen, entführt worden. Purcells Musik gelingt es, den überbordenden Patriotismus und Kampfgeist des Stückes ironisch zu brechen. Das abschließende Maskenspiel und die zahlreichen Divertissements, die aus den ca. 1670-1710 für alle Londoner Schauspielaufführungen komponierten Tanzfolgen entstanden, sind in die Handlung integriert.




Heidi Rogge

DruckenSpielstätteninfo
Die Termine

Di.

28

Mai

Kölner Philharmonie | 28.05.2019 | 20.00 Uhr


Info
Concentus Musicus Wien

Konzert - Purcell, Rameau



Weitere TermineBestellen

Unsere Datenbank wird durchsucht.




Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.




Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln