Staatenhaus am Rheinpark, Saal 2

Im weißen Rössl

Uwe Theimer | Dirigent
Foto: Bühnen der Stadt Köln
Uwe Theimer | Dirigent
Foto: Bühnen der Stadt Köln

Singspiel in drei Akten
Operette - Ralph Benatzky

Musikalische Leitung Uwe Theimer
Inszenierung Eike Ecker
Bühne Darko Petrovic
Kostüme Ulrich Schulz
Licht Nicol Hungsberg
Choreografie Giorgio Madia
Chorleitung Rustam Samedov
Dramaturgie Tanja Fasching

Personen der Handlung:
Josepha Vogelhuber, Wirtin zum "Weißen Rössl"
Leopold Brandmeyer, Zahlkellner
Wilhelm Giesecke, Fabrikant
Ottilie, seine Tochter
Dr. Erich Siedler, Rechtsanwalt
Sigismund Sülzheimer
Prof. Dr. Hinzelmann
Klärchen, seine Tochter
Der Kaiser
Der Piccolo
Der Reiseführer
Kathi, Briefträgerin

Zur Handlung:

1. Akt
Das Hotel „Zum weißen Rössl“ ist ein herrlicher Ort um Urlaub zu machen. Direkt am Wolfgangsee gelegen, im Herzen des Salzkammerguts, ist es ein wahrer Touristenmagnet. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es hier in der Hochsaison drunter und drüber geht. Der Ansturm ist groß und das Personal ist überfordert, doch der charmante Zahlkellner Leopold weiß die quengelnden Gäste zu beruhigen. So erfolgreich er mit seinem Charme bei den Urlaubern ist, so wenig erfolgreich ist er, wenn es darum geht das Herz der hübschen, aber sehr resoluten Wirtin Josepha Vogelhuber zu erobern. Diese hat nur für einen Mann Augen: Sie ist verliebt in den Berliner Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler, der schon seit vielen Jahren im Rössl ein- und ausgeht und der just am Nachmittag wieder für seinen Urlaub erwartet wird. Als er erscheint begrüßt die Wirtin ihn aufs Herzlichste, was Leopold natürlich gar nicht gutheißen kann. Aber auch der Fabrikant Wilhelm Gieseke, der auf Drängen seiner Tochter Ottilie seinen Urlaub im Rössl verbringt, hat etwas gegen Siedler. Unlängst hat er gegen dessen Mandaten, Giesekes Erzkonkurrenten Sülzheimer, einen Prozess in der Heimat verloren. Was Gieseke nicht weiß: Siedler macht Ottilie Avancen, was diese aber auch nicht weiter stört. Als es plötzlich zu regnen beginnt stürmen alle ins Hotel und der erste Akt endet in einem wilden Durcheinander.

2. Akt:
Es kommt zum Disput zwischen Leopold und seiner Chefin Josepha: Er weigert sich partout einen Blumenstrauß der Wirtin als Willkommensgruß auf das Zimmer Dr. Siedlers zu bringen. Im Eifer des Gefechts gesteht Leopold ihr seine Liebe. Es kommt zum Streit zwischen den beiden, der damit endet, dass Leopold die Kündigung erhält. Inzwischen ist auch Sigismund Sülzheimer eingetroffen, der ebenfalls auf Wolke sieben schwebt, hat er sich doch auf der Fahrt nach St. Wolfgang im Zug in das lispelnde Klärchen verliebt. Als ob das nicht alles schon genug wäre kündigt sich zu allem Überfluss auch noch der Kaiser höchstpersönlich an. Bei soviel Trubel bleibt Josepha nichts anderes übrig als die Kündigung gegen Leopold zu widerrufen und ihn wieder in Lohn und Brot zu nehmen. Als der Kaiser dann erscheint und Leopold ihn begrüßen soll droht ein handfester Eklat: Josepha erscheint am Arm Dr. Siedlers und Leopold platzt vor Eifersucht beinahe der Kragen. Als der Kaiser und alle anderen im Hotel sind bleibt Leopold allein zurück und bricht in Tränen aus.

3. Akt
Der Kaiser hat das Dilemma zwischen Josepha und Leopold durchschaut und er spricht mit der Wirtin. Er rät ihr doch lieber den sie aufrichtig liebenden Leopold zu nehmen, als nach einem Glück zu streben, das es so nicht gibt. Josepha wird nachdenklich. Kurzentschlossen beschließt sie Leopold erneut zu kündigen. Sie feuert ihn als Zahlkellner, um ihn gleich darauf als „Ehemann auf Lebensdauer“ neu zu engagieren. Gieseke ist derweil immer noch bemüht Tochter Ottilie an den Mann zu bringen, namentlich an den Sohn seines Konkurrenten, den schönen Sigismund Sülzheimer. Doch sie hat sich anders entschieden und ist bereits längst mit Dr. Siedler liiert. Auch Sigismund hat freilich kein Interesse an der von Gieseke angestrebten Verbindung, hat er wiederum doch schon um die Hand Klärchens angehalten. Sülzheimer bietet Gieseke an den Streit zwischen den Unternehmern beizulegen und so kommt es vor dem „Weißen Rössl“ zum großen Happy End mit einem zufriedenen Gieseke und drei glücklichen, frisch verliebten Paaren.

Zum Stück:

Ralph Benatzkys „Weißes Rössl“ ist im besten Sinne eine musikgewordene Urlaubspostkarte aus dem Salzkammergut und gehört zu den wenigen Revueoperetten ihrer Zeit, die es bis heute regelmäßig auf die Bühnen der Theater schafft. Von Erik Charell wurde das Werk als Intendant 1929 für sein Berliner Schauspielhaus, ein damals rund 5000 Plätze umfassendes Theater im Herzen der Hauptstadt, in Auftrag gegeben. Nach den Erfolgen historisch anmutender Operetten („Casanova“, „Die drei Musketiere“) plante man nun mit einer Operette aus der Zeit Kaiser Franz-Josephs das Publikum zu erobern. So nahm man sich dem Schwank von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg aus dem Jahr 1898 an und bürstete ihn auf ein gefälliges Stück bester Unterhaltung. Benatzky, der wegen seiner eingängigen Melodien geschätzt wurde und später auch Hits für Zarah Leander schreiben sollte, schien der geeignete Komponist zu sein. Er schuf für das Werk eine Reihe unvergesslicher und unverwüstlicher Melodien wie etwa „Im Salzkammergut da kann man gut“ oder „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“. Benatzky nutzte, sich um das österreichische Kolorit bemühend, dabei durchaus immer wieder Anspielungen auf die Volksmusik, wie etwa den Schuhplattler oder griff auf typisch österreichische Melodien zurück, wie etwa den Radetzky-Marsch. Doch war das Werk letztendlich ein Produkt verschiedener musikalischer Handschriften, denn Benatzky kam mit der ihm zur Verfügung stehenden Zeit nicht aus. So sprangen ihm andere Komponisten zur Seite: Robert Stolz fügte zwei Nummern bei, die nicht minder zur Popularität des Werks beitragen sollten („Die ganze Welt ist himmelblau“ und „Mein Liebeslied, das muss ein Walzer sein“). Dies geschah sehr zum Ärger Benatzkys und sorgte in späterer Zeit noch für rechtliche Auseinandersetzungen, da Stolz immer wieder probierte an den Tantiemen des „Rössl“ beteiligt zu werden. Eduard Künneke schließlich arbeitete an den Chören, aber letztendlich wurde alles fertig und das Stück erlebte am 8. November 1930 seine Uraufführung. Die Besetzung war hochkarätig und so wirkte unter anderem der junge Paul Hörbiger mit. Von Berlin trat das Stück seinen Siegeszug an und eroberte schon bald London, wo es über 600 Mal lief. In den USA, um genau zu sein am Broadway, lief das „White Horse Inn“ immerhin stolze 223 Mal. Der Erfolg in Deutschland fand aber mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein jähes Ende. Das Mitwirken jüdischer Autoren und Komponisten, das Einbringen von missliebiger Tanzmusik und schließlich die als anstößig empfundene Badeszene führten dazu, dass dem Werk das Stigma der „entarteten Musik“ angehaftet wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg ging der Erfolg jedoch weiter. Eine auf den Klavierauszügen, die den Krieg überstanden hatten, basierende Fassung wurde schon bald wieder gespielt, allerdings fehlten hier Informationen zur ursprünglichen Instrumentierung und auch die Tanznummern fehlten teilweise. Schließlich nahm sich das Kino dem Werk an. Legendär ist bis heute die Verfilmung mit Peter Alexander als Zahlkellner Leopold. Freilich wurde hier viel an der Musik Benatzkys gearbeitet, denn man bemühte sich aus den Operettenmelodien gefällige Schlager im Stil der 1960er Jahre zu machen. So falsch lag man mit dieser Absicht gar nicht, denn das, was in den Wirren des Krieges teilweise verloren gegangen war, war eben genau das, was man heute als Unterhaltungsmusik bezeichnen würde. Man wusste,dass es hier eine Jazz-Combo gab, Swing und Foxtrott und eine Zither-Gruppe, die das österreichische Kolorit liefern sollte. Man begab sich Mitte der 2000er Jahre verstärkt auf der Suche nach den Originalnoten und wurde – wer weiß, wie sie da hingekommen sind – in einem Archiv in Zagreb fündig. Die Staatsoperette Dresden nahm sich der Urfassung schließlich an und brachte sie 2009 erstmals auf die Bühne.


frei nach dem Lustspiel von Blumenthal und Kadelbu

Sebastian Jacobs

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Letzte Aktualisierung: 22.07.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln