Staatenhaus am Rheinpark, Saal 3

La scuola de' gelosi

La scuola de' gelosi | Staatenhaus
Foto: Bühnen der Stadt Köln
La scuola de' gelosi | Staatenhaus
Foto: Bühnen der Stadt Köln

Die Schule der Eifersucht Charakterstudie über Eifersucht, Treue und Untreue mit rasantem Schlagabtausch und leichtfüßigem Witz
Oper - Antonio Salieri

Dramma giocoso in zwei Akten (1778/83)
Musik von Antonio Salieri
Libretto von Caterino Mazzolà
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Nach der Neuproduktion des Theater an der Wien in der Kammeroper aus dem Jahre 2017

Wer heute den Namen „Salieri“ hört oder liest, vor dessen innerem Auge entsteht möglicherweise das Bild eines völlig verwahrlosten alten Mannes in einem Spital, der sich, mit allen Symptomen des Wahnsinns geschlagen, des Giftmordes aus Neid an seinem erfolgreicheren Kollegen Mozart bezichtigt. Dieses Bild des alten und todgeweihten Salieri verdankt sich dem bekannten und seinerzeit sehr erfolgreichen Film „Amadeus“ des tschechoslowakisch-amerikanischen Regisseurs Milos Forman von 1984. Die Mord-Hypothese des Films wiederum geht zurück auf das gleichnamige Theaterstück des englischen Dramatikers Peter Shaffer (1926 – 2016) aus dem Jahre 1979. Und Shaffer wiederum hat sich anregen lassen von „Mozart und Salieri“, einer Oper in einem Akt und zwei Szenen mit der Musik des russischen Komponisten Nikolai Rimski-Korsakow, der sich auch das Libretto selbst geschrieben hatte, und zwar nach dem gleichnamigen Versdrama von Alexander Puschkin von 1830. Der zu Lebzeiten hoch angesehene Komponist Antonio Salieri ist also das Opfer eines infamen Rufmordes, der wenige Jahre nach seinem Tode von Russland seinen Ausgang nahm und sich, ein zähes Leben bewahrend, über mehrere Stationen bis in unsere Zeit über ganz Europa ausbreitete. Es hat tatsächlich den Anschein, als sei der russische Dichter Alexander Puschkin der „Erfinder“ der Mord-Hypothese. Der Text selbst legt allerdings die Vermutung nahe, als habe diese Erfindung nichts mit der Biographie der Protagonisten zu tun. In Puschkins kleiner Tragödie „Mozart und Salieri“ geht es nämlich um den tragisch endenden Konflikt zwischen zwei einander diametral entgegengesetzten und unvereinbaren Auffassungen über das Wesen der Kunst und die Berufung des Künstlers, die - aus welchen tieferen Gründen auch immer – mit den Namen Mozarts und Salieris belegt werden. Außerhalb solcher literarischen Fiktionen und in der Wirklichkeit war Antonio Salieri einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit. Als langjähriger Hofkapellmeister am Kaiserhof in Wien zählte er zu den einflussreichsten Musikerpersönlichkeiten Europas. Geboren 1750 im norditalienischen Legnago, erhielt er in seiner Heimatstadt und später in Venedig eine gründliche musikalische Ausbildung. Im Gefolge seines väterlichen Freundes F.L. Gaßmann gelangte er nach Wien und pflegte dort bald enge Kontakte zu Metastasio, C.W. Gluck und zu Kaiser Joseph II.. Dank dessen Wohlwollen und Unterstützung konnte Salieri bald als Opernkomponist reüssieren, sowohl auf dem Gebiet der ernsten Oper als auch beim Genre der komischen Oper. Der Kaiser vermittelte ihm darüber hinaus auch Aufträge bei seiner kaiserlichen und königlichen Verwandtschaft in Frankreich und Italien. 1788 übertrug Kaiser Joseph II. Salieri das Amt des Hofkapellmeisters, und Salieri verblieb bis zu seiner Pensionierung 1824 in diesem Amt, womit er die längste Amtszeit überhaupt in der Geschichte der Hofmusikkapelle erreichte. Spätestens ab 1790 war Salieri somit eine der zentralen Figuren des Wiener Musiklebens. Auch dem Unterrichten galt seine stete Aufmerksamkeit. Zu seinen Kompositionsschülern gehörten u.v.a. Beethoven, Hummel, Liszt, Meyerbeer, Moscheles und Schubert.
Handlung der Oper:

Bei den Handlungsabläufen vieler komischer Opern des 18. Jahrhunderts verliert man leicht den Überblick. Dem wirkt entgegen, wenn man die Grundkonstellation der Protagonisten im Blick behält: Im Zentrum von Salieris Oper La Scuola de’ Gelosi stehen zwei Paare, die das Thema Eifersucht spiegelbildlich vertauscht ausbuchstabieren. Auf der einen Seite steht das bu¨rgerliche Paar, der Kornhändler Blasio und seine Gattin Ernestina. Blasio ist rasend eifersüchtig, ohne dass es dafür den geringsten Anlass gäbe. Ihnen gegenüber steht das adlige Paar. Hier ist es die Gräfin, die den Part der Eifersüchtigen innehat. Sie hat freilich allen Grund zur Eifersucht. Denn ihr Gatte macht nicht einmal Anstalten, seine Frauengeschichten vor seiner Gattin geheim zu halten. Zwischen diesen beiden Paaren stehen drei weitere Personen: ein Lieutnant und ein Bedienstetenpaar.

1. Akt
Blasio schleicht im Morgengrauen in seinem Haus umher, weil er den vermuteten Liebhaber seiner Frau zu ertappen hofft. Doch da es diesen gar nicht gibt, scheucht er nur seine Dienerschaft auf. Die Eifersucht treibt Blasio so weit, dass er ernsthaft gewillt ist, seine Frau während seiner Abwesenheit im Haus einzusperren. Genau diese Absicht aber macht seine Ehefrau dafür empfänglich, sich vielleicht doch auf eine außereheliche Affäre einzulassen. Dafür kommt ihr ein Brief des Grafen gerade recht. Um ihrem eifersüchtigen Gatten eine Lektion zu erteilen, gibt sie vor, einen soeben erhaltenen Liebesbrief zu lesen. Tatsächlich aber handelt es sich nur um ein Stück Zeitung. Im Garten des Grafen sucht dessen verschleierte Gattin inzwischen das Gespra¨ch mit ihrem Mann, der sie nicht mehr zu lieben scheint. Wie in der Komödie so üblich, erkennt der Graf seine Gattin zunächst nicht, und als er sie dann doch erkennt, ist er enttäuscht, und die beiden geraten in Streit. Der Streit eskaliert, als der Lieutnant auftritt und beginnt, der Gräfin den Hof zu machen. Nachdem die Gräfin sich zurückgezogen hat, vertraut der Graf dem Lieutnant sein Vorhaben an, Blasios Frau Ernestina zu verführen. Dabei macht er kein Hehl aus seiner Überzeugung, die Frauen notorisch eifersüchtiger Ehemänner seien am leichtesten zu erobern. Um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, begibt sich der Graf unter einem Vorwand in Blasios Haus. Dieser hätte eigentlich dringende Geschäfte außer Haus zu erledigen, doch um keinen Preis will er seine Frau mit dem Grafen alleine zurücklassen. Nachdem der Graf endlich doch verschwunden ist, schließt Blasio vorsichtshalber seine Frau ein. Doch Ernestina besitzt längst einen Zweitschlüssel. Als nun der Graf wieder erscheint, kann er Ernestina zu einem Ausflug der besonderen Art überreden. Er soll in ein Spital für Eifersüchtige führen. Blasio, inzwischen wieder nach Hause zurückgekehrt, muß die Flucht seiner Frau feststellen und ist entsetzt. Er will ihr folgen, ebenso wie auch die Gräfin beschlossen hat, ihren Mann zu verfolgen. Als Ernestina und der Graf das Spital der Eifersu¨chtigen besuchen, ahnen sie nicht, dass Blasio sie dort schon erwartet, um sie heimlich zu belauschen. Zwei Zigeunerinnen kommen hinzu. Es sind die verkleidete Gräfin mit ihrer Dienerin Carlotta. In ihrer Verkleidung lesen sie dem Grafen und Ernestina als seiner neuen Favoritin aus der Hand, und sie treffen es, wie könnte es auch anders sein, so genau, dass Blasio voller Wut sein Versteck verlässt. Als sich nun auch noch die Gräfin zu erkennen gibt, kommt es zwischen den Beteiligten zu einem fürchterlichen Streit. Dieser nimmt solche Formen an, dass das Wachpersonal des Spitals die Streitenden am liebsten sofort kasernieren möchte.

2. Akt
Während die Bediensteten Carlotta und Lumaca ein wenig miteinander schäkern, erscheint Blasio im Haus des Grafen, um diesem, in dem er ja den Liebhaber seiner Frau vermutet, im Beisein der Gräfin und des Lieutnants ordentlich die Meinung zu sagen. Um seinem Kontrahenten eine Lehre zu erteilen, führt der Graf ihn und seine Frau in seine Gemäldegalerie. Hier hängen zwei Bilder mit Darstellungen von Göttern, die wegen ihrer Eifersucht nur noch lächerlich erscheinen. Das eine zeigt den Gott Vulkanus, den gehörnten Gattin der Venus, das andere Juno, die ewig betrogene Gattin des Göttervaters Zeus. Beim Anblick dieser Bilder kommt dem Lieutnant eine Idee, und er rät Blasio zu folgender List: Er solle Ernestina selbst eifersüchtig machen, indem er ihr zunächst zum Schein alle Freiheiten einräumt und sie dann sogar noch in das Haus des Grafen lockt. Dort solle er in ihrem Beisein scheinbar zufällig das Bild einer Dame verlieren, die – so soll es Ernestina wenigstens vermuten – seine, also Blasios neue Geliebte sei. Blasio lässt sich auf diesen Vorschlag des Lieutnants ein, und tatsächlich scheint die List zu funktionieren. Denn Ernestina wendet sich sofort ihrem vermeintlich untreuen Ehemann zu, sehr zum Missvergnügen des an ihr interessierten Grafen. Doch damit nicht genug der Intrige! Der erfinderische Lieutnant hat nämlich der Gräfin einen ganz ähnlichen Vorschlag gemacht, der ihr von neuem das Interesse ihres Gatten zuwenden soll. Sie solle ihrem Gatten nämlich mit ihm eine Affäre vorspielen. Die Schlußszene bringt die Verwicklungen zum Höhepunkt und führt sie dann genretypisch zu einem glücklichen Ende: Unter dem Vorwand, Blasio mit seiner Geliebten zu ertappen, hat der Graf Ernestina in den Garten gelockt, um sich dort mit ihr zu vergnügen. Gemeinsam mit seinem Diener Lumaca ist der immer noch eifersüchtige Blasio den beiden gefolgt. Aus einem Versteck heraus macht er das Echo fu¨r den Grafen und Ernestina solange, bis diese ihn auf der Suche nach dem Ursprung des Echos entdecken. Zugleich erscheinen die Gräfin und der Lieutnant in Begleitung von Carlotta als Schäferin und Schäfer verkleidet auf der Szene. Sie besingen gemeinsam die Vergnügungen der Flatterhaftigkeit. Doch bevor die beteiligten Eheleute nun erneut aufeinander losgehen können, klärt der Lieutnant die doppelte Intrige der beiden von ihm eingefädelten Scheinliebschaften auf. Und – wie es die Komödie verlangt – versöhnen sich alle am Ende mit ihren jeweiligen Partnern.

„Das Dramma giocosa erlebte seine Uraufführung in der Karnevalssaison 1778/79 in Venedig und wurde daraufhin mit dem größten Erfolg in ganz Europa gespielt, so auch 1783 in einer revidierten Fassung am Wiener Burgtheater. Mit seinem leichtfüßigen Witz und überbordender Spielfreude ist dieses sprühende Werk ein Paradebeispiel für die Opera buffa um 1780, gleichzeitig aber auch eine überzeugende Charakterstudie über Eifersucht, Treue und Untreue. Nicht umsonst war etwa Dichterfürst Goethe ein großer Verehrer dieser Komödie, in der so manches an Mozarts zehn Jahre später entstandene Così fan tutte erinnert.“ (aus der Inhaltsangabe der Kammeroper des Theaters an der Wien). Bleibt noch nachzutragen: In der Rückschau betrachtet, ist Mozart im Vergleich mit Salieri sicherlich der bedeutendere Komponist, doch der in seiner Zeit erfolgreichere war – das ist ebenso unbestritten – Antonio Salieri. Wer von den beiden hätte also, so gesehen, eher Grund gehabt, den anderen aus dem Wege zu räumen? Die Wahrheit ist jedoch – wie so oft – weitaus prosaischer: Wie er selbst gefördert worden war, so hat Salieri wiederum seinen jüngeren Kollegen nach Kräften gefördert.

Musikalische Leitung: Arnaud Arbet
Inszenierung: Jean Renshaw
Bühne und Kostüme: Christof Cremer
Licht: Nicol Hungsberg

Graf Bandiera: William Goforth
Gräfin Bandiera: Kathrin Zukowski
Blasio, Getreidehändler: Matteo Loi
Ernestina, Blasios Ehefrau: Alina Wunderlin
Lumaca, Blasios Diener: Matthias Hoffmann
Carlotta, ein Kammermädchen: Arnheidur Eiriksdóttir
Der Lieutnant, Blasios Cousin und Freund des Grafen: Anton Kuzenok





























Kölner Erstaufführung

Dr. Hans-Gerhard Neugebauer

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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln