Staatenhaus am Rheinpark, Saal 2

Street Scene

Street Scene | Staatenhaus
Foto: Bühnen der Stadt Köln
Street Scene | Staatenhaus
Foto: Bühnen der Stadt Köln

an American Opera in zwei Akten
Oper - Kurt Weill

Koproduktion mit dem Teatro Real und der Opéra de Monte-Carlo

Musikalische Leitung Tim Murray
Inszenierung John Fulljames
Bühne & Kostüme Dick Bird
Szenische Einstudierung Lucy Bradley
Choreografie Arthur Pita

Ort der Handlung
Vor einem Mietshaus in Manhattan, Sommer 1946

Bewohner des Hauses / Personen der Handlung
Frank und Anna Maurrant mit ihren Kindern Willie und Rose
Abraham Kaplan mit seinen Kindern Sam und Shirley
Die deutsche Greta Fiorentino mit ihrem italienischen Ehemann Lippo
Daniel Buchanan
Emma und George Jones mit ihren Kindern Mae und Vincent
Carl und Olga Olsen aus Schweden
Laura Hildebrandt mit ihren Kindern Jennie, Charlie und Mary
Henry Davis, der Hausmeister und seine Tochter Grace
Außerdem:
Dick Mc Gann
Harry Easter, der Chef von Rose Maurrant
Steve Sankey, ein Milchmann
Zwei Kindermädchen

Zur Handlung

1. Akt
Es ist schwül an diesem Abend in Manhattan. Die Großstadt New York hat die Hitze angestaut und die Nachbarinnen in einem Mietshaus stehen auf den Balkonen und tratschen. Sie beklagen sich über die Hitze und kommen ganz nebenbei auf die Affäre zu sprechen, die Anna Maurrant angeblich mit dem Milchmann Sankey haben soll. In ihren angeregten Unterhaltungen werden die Damen von David Buchanan gestört, dessen Frau ein Kind erwartet. Mit seiner Aussage, dass Kinderkriegen – wenn es so wie bei ihm ist – wohl für den Mann schwerer sei, als für die Frau, sorgt für großes Gelächter. Als Frank Maurrant von der Arbeit heimkehrt erzählt er seiner Frau von einer bevorstehenden Dienstreise. Anna reagiert verhalten und flüchtet sich in ihre Gedanken, in denen sie ihre unerfüllten Wünsche Revue passieren lässt von denen sie auch weiter träumen will, auch wenn sie im tristen Alltag dieser Mietskaserne gefangen ist. Schließlich zieht Anna los, denn ihr Sohn Willie ist noch nicht nach Hause gekommen. Die Nachbarinnen sind sich sicher, dass sie zu ihrer Affäre geht und man fragt sich, wie Frank Maurrant wohl darauf reagieren wird, wenn er von dieser Angelegenheit endlich Wind bekommt. Lippo Fiorentino kehrt von der Arbeit heim und das einzige Mittel gegen die unerträgliche Schwüle zur Hand: Alle bekommen ein Eis und damit unterbricht er das Tratschen der Nachbarinnen. Die Freude ist groß und als dann noch eine Gruppe Schulmädchen mit ihren Zeugnissen nach Hause kommt, steht eine kleine, spontane Feier ins Haus. Auch Milchmann Sankey kommt vorbei, der von Frank Maurrant argwöhnisch beäugt wird. Als es dämmert wird es ruhiger und alle Nachbarn sind in ihren Wohnungen. Rose Maurrant kehrt mittlerweile auch von der Arbeit zurück, begleitet von Mr. Easter, ihrem Chef. Dieser macht ihr Avancen und verspricht ihr eine Karriere am Broadway, doch Rose lehnt das ab, denn sie wünscht sich so sehr eine echte Beziehung. Dennoch reizt sie das Angebot und sie willigt ein darüber nachzudenken. Die Szene wird von dem aufgeregten Mr. Buchanan gestört, dessen Frau in den Wehen liegt. Rose soll einen Arzt holen. Als sie zurückkehrt, lauert ihr Vincent Jones auf, der zudringlich wird. Sam Kaplan eilt ihr zur Hilfe und als sie sich in die Augen schauen, gestehen sie sich ihre Gefühle füreinander ein.

2. Akt – 1. Bild
Am nächsten Morgen ist die Freude groß als die Nachbarn von der Geburt der Tochter der Buchanans erfahren. Einzig der angetrunkene Frank Maurrant stört die Szene. Es kommt zum Streit zwischen ihm und seiner Frau. Rose möchte zwischen ihren Eltern vermitteln doch mit der Bitte ihr Vater möge netter zu ihrer Mutter sein stößt sie auf taube Ohren. Trotz eines gewissen Pegels bricht Frank zu seiner Geschäftsreise auf. Rose und Sam treffen aufeinander und sie erzählt ihm von dem Angebot von Mr. Easter. Sie spielt mit dem Gedanken es anzunehmen, um mehr Geld für die Familie zu haben. Sam ist entsetzt und schlägt ihr vor gemeinsam zu fliehen und irgendwo gemeinsam neu anzufangen. Da kommt Mr. Easter vorbei, um Rose für einen gemeinsamen Termin abzuholen. Sankey kommt am Haus vorbei und Mrs. Maurrant bittet ihn hinauf. Wider Erwarten hat Frank Maurrant seine Dienstreise nun doch nicht angetreten und kommt nach Hause zurück. Er sieht die geschlossenen Fensterläden und er stürmt wutentbrannt in die Wohnung. Man hört zwei Schüsse. Sankey versucht durch ein Fenster zu entkommen, Frank zieht ihn jedoch wieder nach innen und erschießt ihn. Großer Trubel bricht mit Polizei und Schaulustigen los. Als Rose zurückkehrt muss sie erleben, wie ihre tote Mutter gerade aus dem Haus getragen wird. Frank Maurrant flüchtet.

2. Akt – 2. Bild
Rose trifft vor dem Haus auf einen Polizisten, den sie nach dem Verbleib ihres Vaters fragt. Als man aus der Ferne zwei Schüsse hört, sind sich die Nachbarn sicher, dass es sich um die Festnahme von Frank handeln muss. Schließlich erscheint er auch, begleitet von Polizisten, um letztmalig mit seiner Tochter sprechen zu können. Bevor er abgeführt wird beteuert er seine Frau immer geliebt zu haben. Als Sam erscheint eröffnet ihm Rose, dass sie hier nicht bleiben kann. Sie will mit ihrem Bruder Willie an einen anderen Ort ziehen – ohne Sam. Durch den tragischen Tod ihrer Mutter hat sie den Glauben an eine wahre Liebe verloren. Nachdem beide gegangen sind, erscheinen wieder die Nachbarinnen auf den Balkonen. Sie tratschen wie üblich, dieses Mal aber über Rose und ihre vermeintliche Affäre mit Mr. Easter und beschweren sich über die Schwüle der Großstadt.

Zum Werk
Mit Street Scene erfüllte sich Kurt Weill einen Traum: Den Traum einer amerikanischen Oper. Weill war bereits in den 1930er Jahren aufgrund seiner jüdischen Abstammung von Deutschland, über Frankreich in die USA emigriert. Hatte er vor dem Beginn der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in der kongenialen Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht noch große Erfolge gefeiert und Werke wie „Die Dreigroschenoper“, „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ und auch „Die sieben Todsünden“ hervorgebracht, konnte er nun in Deutschland nicht bleiben. In den USA angekommen faszinierte ihn die die Welt des Broadways. Auch in seinen Werken waren ja bereits immer wieder die Anklänge von Jazz und Swing zu hören, mit seinen Songs (wie beispielsweise der Moritat von Mackie Messer) hatte er ja bereits veritable Hits geschrieben. Was Weill aber reizte, das war der Traum eine Symbiose von Broadway und europäischer Operntradition zu entwickeln. „Street Scene“, das mit dem Pulitzer-Preis gekrönte Stück des Schriftstellers Elmer Rice schien ihm eine ideale Vorlage zu sein. Rice lehnte eine erste Anfrage Weills ab, stimmt letztendlich aber doch zu und so kam das Werk 1947 in New York erstmals auf die Bühne. Weill reizte an der Vorlage das „Alltägliche“, ein Portrait des Zusammenlebens im großen Schmelztiegel New York. Menschen unterschiedlicher Herkunft (sicherlich auch ein wichtiger Identifikationspunkt für Weill) mit alle ihren Hoffnungen an den „Big Apple“, mit all ihren Sehnsüchten leben zusammen unter dem Dach einer Mietskaserne in Manhattan. Was machte aber nun diese Art der Oper aus? Für Weill war es wichtig eine einfache, gut singbare Sprache im Libretto vorzufinden, eine Sprache „die auch einfache Leute“ verstehen. Sein Anspruch war es hier eine Echtheit und Natürlichkeit zu erzeugen, die die Leichtigkeit des Musicals bediente. Die Musik sollte da beginnen, wo die Sprache aufhört. Auf der anderen Seite sah er die formalen Traditionen der europäischen Oper mit Arien und Ensembles. So fügte er schließlich genau diese Bestandteile zusammen und kreierte eine Musik, die den großen Broadway-Musicals von Porter oder Gershwin in nichts nachsteht. Eingängige Melodien, große Ensembles und eine Handlung, mit der „irgendwie jeder etwas anfangen kann“, waren die Rezeptur für das Werk. Dabei entstand eine Oper, die auf der einen Seite ganz Alltägliches zeigte, die „echte“ Menschen, mit all ihren Hoffnungen, ihrem Sehnen, ihren kleinen und großen Freuden, auf der anderen Seite aber auch eben große Dramatik entwickeln konnte – auch hier wieder eine Symbiose zwischen dem Unterhaltenden des Musicals und dem Dramatischen der großen Oper. So entstand schließlich die von Weill ersehnte „American Opera“, die auch als „Broadway Opera“ bezeichnet wird. Allerdings erlebte „Street Scene“ seine Uraufführung als „Dramatic Musical“ – man wollte dem Broadway-Publikum mit dem Terminus „Oper“ keine Angst machen.


Kölner Erstaufführung

Sebastian Jacobs

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Letzte Aktualisierung: 23.07.2019 09:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln