Kölner Philharmonie

Kölner Kammerorchester

Christop Prégardien - Tenor
Foto: Marco Borggreve
Christop Prégardien - Tenor
Foto: Marco Borggreve

Schubert for ever
Konzert - Haydn, Schubert, Mahler

Christoph Poppen, Dirigent

Christoph Prégardien, Tenor


Joseph Haydn (1732 - 1809)
Sinfonie d-Moll Hob.I:26
»Lamentatione«

Joseph Haydn wurde 1732 in Rohrau (Niederösterreich) geboren. Als Sohn eines Wagenbauers erhielt er ersten Musikunterricht bei seinem Vetter, dem Schulrektor Johann Franck in Hainburg. Später holte ihn der Kapellmeister des Stephansdoms, Georg Reutter, als Sängerknaben nach Wien. Nach dem Stimmbruch musste er sich als Begleiter bei den Gesangsstunden von Nicola Porpora durchschlagen und erhielt hier wahrscheinlich auch Kompositionsunterricht. In den frühen 50er Jahren des 18. Jh. entstanden Haydns erste Kompositionen, Kirchenmusik und Divertimenti. 1759 verschaffte ihm Baron von Fürnberg eine Stelle als Musikdirektor des Grafen Morzin in Lukavec bei Pilsen, und hier entstand seine erste von über 100 Sinfonien. Nach Auflösung der Kapelle wurde Haydn 1761 neben Gregor Joseph Werner Vizekapellmeister beim Fürsten Esterházy in Eisenstadt. 1766 starb Werner, und Haydn wurde sein Nachfolger. 1769 verlegte der Fürst die Residenz nach Schloss Esterházy am Neusiedler See und mit ihr die ca. 30 Musiker umfassende Kapelle. 1790 starb Fürst Nicolaus Joseph, und sein Sohn Anton löste die Kapelle auf, bewilligte Haydn aber eine Jahrespension von 1400 Gulden, die ihn wirtschaftlich weitgehend unabhängig machte. Haydn zog schließlich nach Wien und reiste auf Einladung des Geigers Johann Peter Salomon zweimal nach London, wo die zwölf berühmten „Londoner Sinfonien“ entstanden. Kennzeichen der in den 1760er Jahren entstandenen Sinfonien Haydns ist die erste experimentelle Phase, in der die Form noch keinem Gattungsschema unterworfen war, sondern Elemente des Concerto grosso wie des Divertimento, der konzertanten Sinfonie wie der Opern-Sinfonia noch bunt durcheinander gemischt wurden. Die Sinfonie Nr. 26 besteht aus drei Sätzen und wurde auch „Weihnachtssinfonie“ genannt, obwohl dem 1. und 2. Satz eine Melodie des Gregorianischen Chorals zugrunde gelegt wurde, auf der die Lamentationen der Karwoche gesungen werden. Der dritte Satz bringt ein Menuett mit Trio, dessen tänzerischer Rhythmus allerdings wenig fröhlich wirkt. Pastorale Klänge kommen überhaupt nicht vor, so dass es schwerfällt, eine Verbindung zum Weihnachtsfest herzustellen.
Spieldauer: ca. 19 Min.

Franz Schubert (1797 – 1827)

Greisengesang op. 60,1 D 778, Text von Johann Wolfgang von Goethe

Romanze D 797/3b, Text von Helmina von Chézy

Der Wegweiser op. 89,20; Text von Wilhelm Müller

"Du bist die Ruh" D 776, Text von Friedrich Rückert

Erlkönig op. 1 D 328, Text von Johann Wolfgang von Goethe

Nacht und Träume op. 43,2 D 827, Text von Matthäus von Collin (Bearbeitungen für Singstimme und Orchester)

Franz Schubert gilt als der Hauptkomponist des deutschsprachigen Kunstliedes. Als Sohn eines Volksschullehrers wurde Franz Schubert 1797 in Wien geboren, wo er im Jahr 1828 an einer Typhuserkrankung starb. In seinem kurzen Leben hinterließ Schubert über 660 Lieder, die sich ganz im Stile der sich ansagenden Romantik in Klang und Melodieführung dem Text der Vorlage angleichen, und von einer bis dahin nicht gehörten Expressivität der Singstimme leben, die das starke psychologische Motiv als Gestaltungsmittel in die Liedkunst einführt. Somit gelingt es Franz Schubert, das Kunstlied in den Formenkanon der Musik einzuführen. Durch ihn angeregt, komponieren Mitte des 19. Jahrhunderts Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Carl Loewe und Carl Maria von Weber eigene Liederzyklen. „Die Art und Weise, wie Vogl singt und ich accompagniere, wie wir in einem solchen Augenblicke Eins zu sein scheinen, ist ...etwas ganz Neues, Unerhörtes.“ So beschreibt Schubert den gemeinsamen Vortrag mit dem ersten großen Interpreten seiner Lieder, dem Sänger Johann Michael Vogl, der seinerseits das Wesen des Schubertschen Liedes als „Dichtung in Tönen, Worte in Harmonien, in Musik gekleidete Gedanken " charakterisiert. Im Zentrum des kompositorischen Werkes von Schubert stehen die Vertonungen großer Dichter, unter denen sowohl die schlichten, volksliedartigen Strophenlieder als auch die großen Gesangsszenen zu finden sind. Das heutige Konzert bringt einen Querschnitt dieser Vertonungen in Form von Bearbeitungen für Singstimme und Orchester.
Spieldauer: unbekannt

Gustav Mahler (1860 - 1911)
Lieder eines fahrenden Gesellen

Neben Hugo Wolf (1860-1903) gilt Gustav Mahler als der letzte herausragende Repräsentant einer mit Franz Schubert beginnenden deutsch-romantischen Liedtradition. Doch zugleich gerät im Liedschaffen Mahlers dieses Genre an die Grenze zur Gattung Sinfonie und überschreitet sie auf vielfache Weise. Das zeigt sich etwa an der Vielzahl der Fälle, in denen Lieder gewissermaßen als Vorstudien und Vorstufen sinfonischer Sätze fungieren, aber auch daran, dass es zu sämtlichen der nach den frühen „Liedern und Gesängen“ entstandenen Zyklen („Kindertotenlieder“, „Lieder eines fahrenden Gesellen“, „Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert“) sowohl Klavier- wie auch Orchesterfassungen gibt, wobei die orchestralen Fassungen teilweise die ursprünglichen sind. Dies hat dann wiederum zur Folge, dass der Klavierpart häufig den Charakter einer Orchestertranskription annimmt. Wie schon Mahlers Opus 1 „Das klagende Lied“ basieren auch seine späteren Lieder entweder auf der frühromantischen Volkslieddichtung, vor allem natürlich auf der Sammlung „Aus des Knaben Wunderhorn“, oder auf Gedichten des heute als selbstständiger Lyriker kaum noch bekannten Friedrich Rückert (1788 - 1866), einem Professor für orientalische Sprachen und meisterhaften Übersetzer indischer, arabischer und persischer Dichtungen, oder auf Texten, die der Komponist sich selbst schrieb. Das Letztere gilt für die Texte zu den „Liedern eines fahrenden Gesellen“, die allerdings eine starke Affinität zu den Texten der „Wunderhorn-Sammlung“ von Achim von Arnim und Clemens Brentano erkennen lassen. Komponiert wurde der vierteilige Zyklus, zu dem ursprünglich noch weitere Lieder gehörten, in einer Fassung für Singstimme und Klavier vermutlich im Jahre 1885, als Mahler in Kassel als Kapellmeister wirkte. Anfang der neunziger Jahre entstand eine erste Orchesterfassung, die dann bis zur Drucklegung im Jahre 1897 noch mehrfach überarbeitet wurde. Unverkennbar bildet die „Winterreise“ von Franz Schubert das „Modell“ für Mahlers Zyklus. Deren zentrale Inhaltsmotive: Abschied, Verlassenheit und Wanderschaft bestimmen auch die vier Lieder Mahlers. Es gibt aber auch musikalische Entsprechungen zwischen den beiden Zyklen. Über weite Strecken prägt ein gleichmäßig pulsierender Rhythmus, gewissermaßen ein Wanderrhythmus, die Bewegung der Musik, in der sich die Suche nach neuer Liebeserfüllung und die Flucht vor dem erfahrenen Leid verschränken. Im letzten Lied mit seinen deutlichen Anklängen an den „Lindenbaum“ und den „Frühlingstraum“ aus Schuberts Zyklus kündigt sich mit der im Lied selbst vollzogenen Entgegensetzung von Realität und Traum, Alltagswelt und Natur ein zentrales Motiv von Mahlers späterem sinfonischen Werk an. Die Wandermelodie des zweiten Liedes wird wieder aufgenommen im ersten Satz der ersten Sinfonie, und die Schluss-Strophe des letzten Liedes („Auf der Straße steht ein Lindenbaum“) bildet den Motivkern des langsamen Satzes dieser ersten Sinfonie. Die Überschriften der vier Lieder lauten: 1. Wenn mein Schatz Hochzeit macht ...; 2. Ging heut’ morgen übers Feld ...; 3. Ich hab’ ein glühend Messer ...; und 4. Die zwei blauen Augen ...
Spieldauer: ca. 18 Min.

Franz Schubert (1797 – 1828)
Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759
»Unvollendete«

Schuberts siebte Sinfonie umgibt eine ganze Reihe rätselhafter und geheimnisvoller Fragen. Die größte ist sicherlich, warum das Werk nicht vollendet wurde. Waren die zwei Sätze nur ein Experiment? Die Komposition trägt nach aktuellem Stand der Forschung in der Reihe von Schuberts Sinfonien die Nr. 7. Dies war aber nicht immer so: Zunächst wurde die Sinfonie als Nr. 8 gezählt. Auch auf vielen CD-Veröffentlichungen trägt sie bis heute die Nr. 8. 1822 arbeitete Franz Schubert an dieser h-Moll-Sinfonie, die als „Unvollendete“ in die Musikgeschichte eingehen sollte. Diesen Beinamen erhielt sie, weil der Komponist sie zunächst - wie seine übrigen Sinfonien auch - viersätzig konzipierte, jedoch nur die beiden ersten Sätze vollständig instrumentierte. Die Fragment-Überlieferung gab und gibt immer wieder Anlass zu Spekulationen, warum Schubert sein Opus nicht vollendete, ob er die „Unvollendete“ in dieser Gestalt nicht etwa bereits als „vollendet“ ansah. Eindeutige Antworten auf diese Fragen werden sich kaum finden lassen, einig ist man sich heute jedoch in einer Hinsicht: Schuberts Siebte ist ein Meisterwerk, sie mag äußerlich ein Fragment geblieben sein, vollendet aber ist sie allemal. Dafür, dass der Komponist die Arbeit an der Sinfonie für beendet hielt, spricht, dass er das Werk in seiner zweisätzigen Form dem Steiermärkischen Musikverein zur Aufführung überreichte. Danach war die Partitur der Sinfonie viele Jahre in Privatbesitz, das Werk geriet in Vergessenheit. Erst 1865 erfolgte die (erfolgreiche) Wiener Erstaufführung. Das Rätsel der Entstehung hat bis heute an Faszination nicht verloren. Das vor allem melodisch so schöne Werk besticht durch innere Geschlossenheit, die enge Verwandtschaft der beiden Sätze, die wie Variationen eines musikalischen Grundgedankens wirken und dennoch eigenständige Charaktere entwickeln. Wenn auch inhaltlich eher unkonventionell, hält Schubert sich im formalen Aufbau der Sätze an tradierte Muster. Der erste (Allegro moderato) entspricht, leicht abgewandelt, der Sonatenhauptsatzform, der zweite (Andante con moto) gliedert sich in zwei kontrastierende Abschnitte. Die Uraufführung der „Unvollendeten“, die erstmals 1865 veröffentlicht wurde, fand im Dezember des gleichen Jahres im großen Redoutensaal der Wiener Hofburg unter der Leitung des damaligen Hofkapellmeisters Johann Herbeck statt. Um die damals gängigen Normen der Gattung „Sinfonie“ zu erfüllen, wurde das zweisätzig überlieferte Werk bei der Uraufführung durch den Finalsatz aus Schuberts dritter Sinfonie ergänzt.
Spieldauer: ca. 22. Min. (Sätze 1 und 2)



Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 21.04.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln