Kölner Philharmonie

Kölner Kammerorchester

Horacio Ferreira | Klarinette
Foto: Joao Messias
Horacio Ferreira | Klarinette
Foto: Joao Messias

Vollendug und Abschied
Konzert - Haydn, Mozart

Christoph Poppen, Dirigent

Horácio Ferreira, Klarinette


Joseph Haydn (1732 - 1809)
Sinfonie Es-Dur Hob.I:43
»Merkur«

„Haydn ist der Liebling unserer Nation, dessen sanfter Charakter sich jedem seiner Stücke aindrücket. Sein Satz an Schönheit, Ordnung, Reinheit, eine feine und edle Einfalt, die schon eher empfunden wird, als die Zuhörer noch dazu vorbereitet sind. (…) In Symphonien ist er ebenso männlich stark als empfindsam, in Kantaten reizend, einnehmend und natürlich.“ Dieses zeitgenössische Zitat (von De Luca) ist weniger wissenschaftlich, doch gibt es einen Eindruck der großen Beliebtheit Haydns, die ihn zum größten Komponisten seiner Zeit machte. Haydns etwa 104 Sinfonien, die ihm allerdings nicht alle mit Sicherheit zugeschrieben werden können, sind Ausgangspunkt und erster Höhepunkt dieser Gattung; ohne ihn sind Mozarts und Beethovens sinfonische Anfänge nicht zu denken. Die Sinfonie kam, wie dies für die meisten neuen Musikformen des 17. und 18. Jahrhunderts gilt, aus Italien. Ursprünglich als Einleitungsstück für die Oper verwendet, begann sie gegen 1750 ihren Siegeszug als selbstständiges Musikstück. In Wien hatte man zwar schon etwas früher Sinfonien komponiert, die von der Oper losgelöst waren, aber erst 1755, also kurz vor Haydns erster Sinfonie, setzte eine ausgesprochene „Sinfonie-Welle“ ein. Haydns frühe Sinfonien der 1760er-Jahre sind noch typische Vertreter dieser an die Opern-Sinfonia angelehnten Werke. Die heute zur Aufführung kommende Sinfonie Nr. 43 in Es-Dur allerdings emanzipiert sich bereits stark von dieser Form und geht ihrer eigenen Haydn’schen Form nach, die die Gattung Sinfonie erheblich voranbringen sollte. Entstanden ist sie in den Jahren 1770/71 auf Schloss Eszterháza, wo Haydn zu jener Zeit in Diensten des Fürsten stand. Der Beiname „Merkur“ bleibt bis heute ein Rätsel, fest steht aber, dass er nicht von Haydn selbst stammt. Es könnte sein, dass die Namensgebung einer gewissen Modeerscheinung jener Zeit entsprach, derzufolge kammermusikalische Sinfonien mit den Namen klassischer Götter belegt wurden, ohne dass sich dahinter konkrete programmatische Inhalte erkennen ließen. Im 1. Satz („Allegro“) entwickelt sich nach einer Einleitung mit kantablen Streicher-Zwischenspielen eines der längsten Themen, das Haydn jemals an den Anfang einer Sinfonie stellte. Laut dem Musikwissenschaftler und Haydn-Forscher James Webster weigere sich Haydn „etwas zu tun, so dass wir zunehmend unruhig werden, mehr und mehr das Bedürfnis haben, etwas neues zu hören.“ Wie ein verspätetes Geschenk künden im Forte herabstürzende Sechzehnteltremoli dann schließlich doch vom Ende des Themas und leiten mit einer energiegeladenen Passage in den lyrischen Seitensatz hinüber. Von hier aus führt uns der Weg durch eine Region wilder Skalen. Nach jener Tour de force gleicht das Adagio des 2. Satzes mit seinem geradezu rhapsodisch verströmenden Ausdruck der Empfindsamkeit dem Publikum „wie ein Quell erfrischend kühlen Wassers“. Mit einem lebhaften Menuett nimmt die Komposition im 3. Satz wieder an Fahrt auf. Für eine Überraschung sorgt hier das Trio, das sich in seiner motivischen Gestalt gleichsam tänzerisch wie rhythmisch instabil verhält. Ausgesprochen populär geht es im Finalsatz zu, einem singenden „Allegro“ mit an den zweiten Wiederholungsteil angehängter 41-taktiger Coda: „Die Zeit scheint aufzuhören, die Notenwerte werden immer langsamer. Schließlich verhallen alle Klänge – bis auf die erste Geige, die sich zu einem rätselhaften ges“ hinaufschwingt. Es folgt eine von Haydns „wunderbaren Stillen“, dann stürzt sich die Musik in ein letztes Tutti und führt diese elegante Kammersinfonie zum Schluss.
Spieldauer: ca. 25 Min.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Konzert A-Dur KV 622
für Klarinette und Orchester

Die Klarinette hat nicht nur relativ spät Eingang ins Orchester gefunden, sondern wurde auch lange Zeit nicht für tauglich gehalten, als Soloinstrument herzuhalten. Das sollte sich ändern, als Mozart 1778 zu Besuch in Mannheim war und dort Sinfonien von Carl Stamitz hörte. Begeistert schrieb er darauf hin an seinen Vater: „Ach wenn wir nur Clarinetti hätten“. Von diesem Zeitpunkt an bemühte sich Mozart, die Klarinette auch in Österreich fest ins Orchester zu integrieren – was ihm auch gelang. Drei Wochen vor seinem Tod vollendete er noch ein Klarinettenkonzert in A-dur, das letzte Solokonzert von ihm überhaupt. Es zählt heute zu den beliebtesten Konzerten aus Mozarts Feder – vor allem der betörend schöne langsame 2. Satz. Gewidmet ist das Werk seinem Freund Anton Stadler. Der galt in Wien nicht nur als der beste Klarinettenvirtuose, sondern er betätigte sich auch leidenschaftlich als Experimentator in der Bauweise von Klarinetten. So entwickelte er selbst eine Bassklarinette, die sog. Bassettklarinette, auf der man im Vergleich zur normalen Klarinette vier zusätzliche Halbtöne im Bassregister spielen konnte. Für eine solche Bassettklarinette ist Mozarts Klarinettenkonzert nach Auffassung der Musikhistoriker denn auch ursprünglich geschrieben worden, obwohl es heute meist auf einer „normalen“ A-Klarinette gespielt wird. Wieder einmal nutzt Mozart die ganze Palette der instrumentalen Möglichkeiten: hohe Virtuosität neben schmachtenden Passagen, Wechsel vom höchsten ins tiefste Register, Schattierungen zwischen warmer Klanggebung und kecken Stakkati. Dabei verzichtet er auf allen überflüssigen Aufputz. Alles klingt kunstvoll und natürlich zugleich. Um es mit Mozarts eigenen Worten auszudrücken: es ist „schwer, aber man kennt nicht, dass es schwer ist, man glaubt, man kann es gleich nachmachen, und das ist das Wahre...“ Der 1. Satz „Allegro“ des dreisätzigen Werkes stellt im Orchester ein Thema vor, das vom Soloinstrument über weite Strecken des Satzes bearbeitet und variiert wird, oft nur begleitet von den Violinen und Violen des Orchesters. Ein eigentliches zweites Thema fehlt, ebenso die obligatorische Kadenz des Soloinstruments. Der wunderbare und berühmte 2. Satz „Adagio“, in seiner formalen Anlage dreiteilig, lebt ganz von der Gesanglichkeit des Soloinstruments. Wie Strophen sind die einzelnen „Gesänge“ der Klarinette aneinandergereiht, getrennt nur durch knappe „Blöcke“, die vom gesamten Orchester bestritten werden. Den größten Umfang hat der Finalsatz (Allegro). Er hat die Form eines Rondos. Auch hier ist alles auf die Virtuosität des Soloinstrumentes gestellt, wobei noch stärker als in den beiden vorangegangenen Sätzen der Klangreichtum der Klarinette vom tiefen Register bis zu den Spitzentönen ausgenutzt wird. Aufgrund des Vergleichs zu den ebenfalls von der Klarinette begleiteten Arien der späten Opera seria „Titus“ hat man immer wieder den „gestisch-vokalen Charakter der Solostimme“ herausgestellt, der viele Interpreten bei diesem Satz an eine Opernszene denken lässt, in der das Soloinstrument die Partie des Vokalsolisten vertritt. „Was die Meisterschaft dieses Konzertes ausmacht, ist [ ... ] eine Fülle von Details, deren Zusammenwirken erst die unverwechselbare Charakteristik dieses weich-sehnsüchtigen, vollendet ausgewogenen Klanges ausmacht.“ (Konold)
Spieldauer: ca. 28. Min.

Joseph Haydn (1732 - 1809)
Sinfonie fis-Moll Hob.I:45
»Abschiedssinfonie«

Die „Abschieds-Sinfonie“ ist neben der ihr vorausgehenden „Trauer-Sinfonie“ (Sinfonie Nr. 44 in e-Moll) die wohl bekannteste Sinfonie aus Haydns sog. „Sturm-und-Drang-Zeit“. Nach intensivem Studium der Werke Bachs und Händels war ihm eine Synthese barocker Kompositionstechniken mit dem Stil der Wiener Sinfonik gelungen. Der englische Haydn-Forscher H. C. Robbins Landon spricht in diesem Zusammenhang von einer „wunderlichen Ehe zwischen alter Form und neuem Stil“. Die Sinfonie Nr. 45 entstand 1772 (wie bereits zuvor die Sinfonie Nr. 43) in Eszterháza. Ihren heute geläufigen Beinamen verdankt die Sinfonie der eher albernen Legende, mit dem Schlusssatz, in dem ein Instrument nach dem anderen mit dem Spielen aufhört, hätten die Musiker des Fürsten ihrem Dienstherren ihren Wunsch nach Urlaub musikalisch Aus- und Nachdruck verleihen wollen. Diese rührselige Legende ist eher geeignet, die Bedeutung dieser Sinfonie, die zu den wichtigsten Orchesterkompositionen Haydns gehört, zu bagatellisieren. Der Kopfsatz (Allegro assai) ist schon von der Bauform her ungewöhnlich. Ein einziges düsteres Thema bestimmt den Ausdrucksgestus. Erst am Ende des Durchführungsteils taucht das eigentlich „regelgerecht“ schon für die Exposition benötigte zweite Thema auf, das aber nach 33 Takten quasi „stehen bleibt“, um formgemäß von einer Reprise abgelöst zu werden. Der langsame 2. Satz (Adagio) in A-Dur stützt sich fast ausschließlich auf die Streicher, die „con sordino“ eine schlichte und auf einfache Weise begleitete Melodie vortragen. An dritter Stelle steht an Menuett (Menuett: Allegretto), das in seiner eher düsteren Tonart Fis-Dur den Ausdruckscharakter des Kopfsatzes erneut aufgreift. Auch das ebenfalls in Fis-Dur gehaltene Trio kann die Schwermut dieses Satzes nur wenig aufhellen. Streng kontrapunktisch durchgearbeitet ist der Finalsatz (Finale: Presto - Adagio). Wiederum wird das einzige Thema zunächst unisono vorgestellt, harmonisch eingefärbt und dann kontrapunktisch verdichtet. Wie eine Variante des zweiten Satzes wirkt die langsame Coda des Finalsatzes, in der programmgemäß zuerst die Bläser und dann nacheinander die verschiedenen Gruppen der Streicher zu spielen aufhören, bis nur noch zwei Soloviolinen übrig bleiben, die in einem wiederum eher düster klingenden Duo den Satz zu einem etwas schwermütigen Ende bringen.
Spieldauer: ca. 26 Min.

Mozarts Klarinettenkonzert ist eine seiner letzten und reifsten Kompositionen und zugleich das wohl bedeutendste und auch beglückendste konzertante Werk für dieses Holzblasinstrument überhaupt. Wo sonst darf die Klarinette derart ausdrucksvoll »singen«? Nachdem Horácio Ferreira dieses Konzert mit dem Kölner Kammerorchester schon in seiner portugiesischen Heimat gespielt hat, wird er nun auch in Köln sein Können unter Beweis stellen. Zwei Sinfonien des „mittleren“ Haydn, darunter die berühmte »Abschiedssinfonie«, mit der er bei seinem Fürsten den Urlaub seiner Musiker musikalisch angemahnen wollte, lassen wieder einmal Haydns Genie bestaunen.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln