Kölner Philharmonie

Orchestre de Chambre de Paris

Orchestre de Chambre de Paris
Foto: Jean Baptiste-Millot
Orchestre de Chambre de Paris
Foto: Jean Baptiste-Millot

Konzert - Mozart, Ibert, Ravel, Beethoven

Douglas Boyd, Dirigent

Emmanuel Pahud, Flöte


Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Fantasie über "Die Zauberflöte" (Bearbeitung für Flöte und Orchester)

Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren. Er war der Sohn des Violinisten, Komponisten und Lehrers Leopold Mozart. Wolfgang begann als Dreijähriger, Klavier zu spielen und begab sich bereits mit 6 Jahren, gemeinsam mit seiner elfjährigen Schwester Nannerl, auf Konzertreisen nach München und Wien. Von 1763 an unternahmen Vater Leopold und Sohn Wolfgang eine dreieinhalbjährige Konzertreise durch Europa, auf der sie große Erfolge feierten. Zwischen 1769 und 1773 folgten weitere Reisen durch Italien, jedoch mit zunehmend weniger Erfolgen. Die Zeiten zwischen den Reisen nutzte Mozart zum Komponieren. Nach 1773 nahm er in Salzburg die Stellen als Hoforganist und Kaiserlicher Kammerkomponist an. Er starb verarmt in Wien am 5. Dezember 1791. Mozart komponierte das Singspiel „Die Zauberflöte“ nach einem Text von Emanuel Schikaneder, dem bekannten Schauspieler, Sänger und Theaterdirektor, den Mozart 1790 kennenlernte und der ihm ein Jahr später den Auftrag zur Komposition einer „Zauberoper“ erteilte. Der Held der Geschichte, Tamino, wird von einer Zauberflöte sicher durch viele Gefahren geleitet. Auf seinem abenteuerlichen Weg begegnet er Pamina, in die er sich verliebt. Am 30. September 1791, knapp 2 Monate vor Mozarts Tod, wurde „Die Zauberflöte“ in Schikaneders „Freihaus-Theater“ oder „Theater auf der Wieden“ mit großem Erfolg uraufgeführt; dieser steigerte sich bei jeder nachfolgenden Aufführung und letztlich war es diese Oper, die vor allem dazu beigetragen hat, Mozarts Werk in der ganzen Welt bekanntzumachen. Und wer die Opernmelodien zu Hause hören wollte, musizierte nach Transkriptionen. Solche kunstfertigen Bearbeitungen wurden aber auch zum Konzertrepertoire. Und so entführt die kantabel-virtuose Fantasie für Flöte und Orchester in die faszinierende Welt der „Zauberflöte“. Sie stammt aus der Feder des 1939 geborenen belgischen Komponisten Robert Fobbes, der sie als Geburtstagsgeschenk für den befreundeten Flötisten Marc Grauwels erstellte

Jacques Ibert (1890-1962)
Flötenkonzert

Jacques Ibert wurde am 15.08.1890 in Paris geboren. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er von seiner Mutter. Von 1910 bis 1914 besuchte er eine Kompositionsklasse an dem von Gabriel Fauré geleiteten Conservatoire in Paris. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine künstlerische Tätigkeit. Doch nach der Entlassung aus dem Militärdienst in der Marine bewarb sich Ibert um den begehrten Rompreis, den er auf Anhieb 1919 zugesprochen erhielt. Der dreijährige Aufenthalt in der Villa Medici, der mit diesem Preis verbunden war, gab ihm Anregungen für eine Vielzahl von Kompositionen. Nach Paris zurückgekehrt, lebte Ibert als freischaffender Komponist. Seit 1937 gehörte er dem Direktorium der Académie de France (Villa Medici) an. 1955 übertrug man ihm das ehrenvolle Amt des Direktors der Réunion des Théâtres Lyriques in Paris, das er jedoch bald wieder aufgab, weil er sich durch die mit diesem Amt verbundene Verwaltungstätigkeit in seiner künstlerischen Freiheit beeinträchtigt fühlte. Trotz weiter Reisen und mancher Aufenthalte in Italien blieb doch Paris der Mittelpunkt seines Lebens, wo er auch am 5. Februar 1962 starb. Ibert hat ein vielfältiges kompositorisches Werk hinterlassen, das allerdings außerhalb Frankreichs wenig bekannt ist. Dazu gehören Ballette und Opern, große Orchesterwerke, Kammermusik, Konzerte für verschiedene Soloinstrumente, Lieder und Klavierstücke. Eine stilistische Einordnung ist bei Ibert nicht möglich. „Alle Stilrichtungen sind gut, vorausgesetzt, daß man sie verwendet, um Musik zu machen.“, erklärte er. So werden in seinem Werk die Stilmittel stets dem musikalischen Geschehen untergeordnet. Zudem sagte er: „Meine Musik ist der direkte Ausdruck meiner Gedanken. Ich arbeite aufgeschlossenen Sinnes und wünschte, die Leute würden meine Musik in gleicher Weise aufnehmen.“ Das Konzert für Flöte und Orchester vollendete Ibert 1933. Durch seinen Geist, seine Ironie und die Innigkeit des Ausdrucks sowie durch die Virtuosität des Flötenparts wurde das Stück zu einem der beliebtesten Flötenkonzerte des 20. Jahrhunderts. Nach einem kraftvollen Auftakt des gesamten Orchesterapparates eröffnet die Flöte mit einer kapriziösen Spielfigur den ersten Satz. Der Solist trägt auch das zweite Thema, eine wundervolle Kantilene, vor. Mit überraschenden Klangkombinationen werden beide Themen abgewandelt. Im folgenden Satz spielt der Solist eine innige Melodie vor, die über Auszierungen zu einem leidenschaftlichen Höhepunkt führt. Dann verklingt der Satz im zarten Pianissimo. Der Finalsatz ist tänzerisch elegant; das Orchester bringt dazu derbe dynamische Akzente.

Maurice Ravel (1875-1937)
Le Tombeau de Couperin

Maurice Ravel wurde am 7. März 1875 in Ciboure, einem kleinen Ort in den Pyrenäen geboren und begann nach seinem Studium am Pariser Konservatorium (u.a. bei Gabriel Fauré) eine Laufbahn als Pianist und Dirigent. Misserfolge bei seinen Bemühungen um den Rompreis vermochten Ravels Selbstvertrauen nicht zu erschüttern. Seine Begegnung mit Eric Satie hinterließ nachhaltigen Eindruck auf den jungen Komponisten. Es folgten erste größere Erfolge, aber auch Skandale. 1912/13 arbeitete er mit den von Sergeij Diaghilew geleiteten Ballets Russes (Auftragswerk „Daphnis et Chloé“) und mit Igor Strawinskij (Orchestrierung von Mussorgskijs „Chowanschtschina“). Dann trat er in den Wehrdienst ein; 1920 bezog er eine kleine Villa bei Paris. Es folgten Konzertreisen, u.a. nach Wien, in die Niederlande, nach Venedig, England sowie in die USA. Ab 1933 spürte er erste Anzeichen eines Gehirnleidens; Lähmungserscheinungen machten ihm in den letzten Jahren seines Lebens jegliches Schaffen unmöglich. Er starb am 28. Dezember 1937 in Paris. Für sein „Tombeau de Couperin“ griff Ravel 1914 auf die alte, vor allem in Frankreich gepflegte Tradition der Tombeau zurück, dem Errichten musikalischer oder literarischer Denkmäler. Er wollte mit dem Werk weniger eine persönliche Ehrung an Francois Couperin (1668-1733) schreiben, sondern vielmehr eine Hommage an die französische Musik des 18. Jahrhunderts. So entstand in den Jahren 1914-17 eine Klaviersuite mit sechs Stücken, die jeweils dem Andenken eines gefallenen Kriegskameraden gewidmet sind. Nach der erfolgreichen Uraufführung im April 1919 arrangierte Ravel vier der sechs Sätze als Orchestersuite. Drei dieser Sätze fasste Ravel zudem zu einem Ballett zusammen. Die Orchesterfassung besteht aus einem Prélude und drei Tänzen, so dass die Form einer typischen Barocksuite entsteht. Das „Prélude“ („Vif“), das Leutnant Jacques Charlot gewidmet ist, erinnert mit seiner dünnen Klangstruktur, raschen Ornamentierungen und der ständigen Bewegung an Cembalowerke von Rameau, Couperin oder Scarlatti. Ravel übernahm jedoch keine Zitate der alten Meister, sondern schrieb die Melodien in ihrem Geiste. Die Idee zu der Komposition hatte Ravel bei der Transkription einer „Forlane“ aus Couperins Kammermusik für die „Concerts royaux“, für deren Programmgestaltung er verantwortlich war. Der zweite Satz der Orchesterfassung ist nun auch eine „Forlane“ („Allegretto“), die in Klangfülle, Rhythmus, Ornamentierung und Struktur Ähnlichkeiten mit der „Forlane“ Couperins aufweist. Melodie und Harmonie stammen jedoch aus dem 20. Jahrhundert. In den letzten Takten des Leutnant Gabriel Deluc gewidmeten Satzes stellt Ravel alte und neue Elemente nebeneinander. Das Menuett („Allegro moderato“) schrieb Ravel im Andenken an Jean Dreyfus. Hier ist wie in den anderen Sätzen das melodische Material hauptsächlich auf Streicher und Holzbläser, gelegentlich auf Trompete und Horn, verteilt. Der überschäumende Anfang des „Rigaudon“ („Assez vif“) wird von einem langsamen, pastoralartigen Teil abgelöst, bevor die wörtliche Reprise einsetzt. Dieser Satz ist zwei Freunden Ravels aus der Kindheit gewidmet, Pierre und Pascal Gaudin.

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sinfonie Nr. 2

Ludwig van Beethoven wurde am 16. Dezember 1770 in Bonn geboren. Er stammte aus einer aus dem Flämischen eingewanderten Musikerfamilie und wurde sehr früh zunächst vom Vater musikalisch ausgebildet, später dann von Christian Gottlob Neefe (ab 1782). Sein erstes öffentliches Konzert gab er – wie Mozart als „Wunderkind“ angepriesen – 1778 in einem Kölner Akademiekonzert, ab 1783 veröffentlichte er erste Werke und arbeitete als Organist und Cembalist bei der Bonner Hofkapelle. 1787 begegnete er Mozart während eines Aufenthaltes in Wien, wohin Beethoven auch 1792 übersiedelte. Seit 1793 nahm er u. a. Unterricht bei Joseph Haydn. Parallel zu seinem steigenden Ruhm stellte sich ab 1798 ein rasch wachsendes Gehörleiden ein, welches 1819 zur völligen Ertaubung führte. Er starb am 26. März 1827 in Wien. Obwohl die zweite Sinfonie nur rund zwei Jahre vor der dritten, der „Eroica“ entstand, gehört sie doch noch in den Kreis der Orchesterwerke, in denen Beethoven übernommene Strukturen nutzt, um in ihrem Rahmen neue Gestaltungsweisen im Einzelnen auszuarbeiten und neue Ausdrucksbereiche zu erschließen. Und in neuerer Zeit wird die Sinfonie immer wieder im Zusammenhang mit der „Zauberflöte“ gesehen. Das ist biographisch belegbar und erscheint aus der Partitur plausibel, bei der eine außergewöhnliche „Mozart-Nähe“ unüberhörbar ist. Die langsame Einleitung ist umfangreicher als noch in der ersten Sinfonie. Beethoven gestaltet hier als Ausgangspunkt für das gesamte Geschehen den Gegensatz von gebieterischem Ernst und edlem, innigem Gesang. Auffallend ist der Dialogcharakter von Streicher- und Holzbläserpassagen in den ersten Takten. Triller in Flöten und Violinen bereiten das Hauptthema vor, das laut Beethoven von „frohgemutem, unternehmungslustigem, freundlichem und weltaufgeschlossenem Charakter“ sein soll. Nach kurzer modulatorischer Überleitung folgt das zweite Thema eher kämpferischen Charakters. Es erklingt zunächst leise, doch der Wechsel von Dur nach Moll, veränderte Dynamik und neue harmonische Beleuchtung rücken es immer mehr in ein heroisches Licht und machen seine Bindung an die Tradition der französischen Revolutionsmusiken deutlich. So ergibt sich eine neue „regelwidrige“ Themenexposition. Das lyrische, beschwingte Thema steht entgegen der Tradition an erster Stelle und das kämpferisch-energische nimmt den Platz des üblicherweise kantablen, innigen zweiten Themas ein. Beide Themen geben das Bild einer Persönlichkeit, die durchaus in Beziehung zur idealistischen Gestalt des Mozart-Prinzen Tamino gebracht werden könnte. Drohende Anklänge aus dem Hauptthema und ein gebieterisches Moll im Gleichklang des gesamten Orchesters stauen die Energien kurz vor Ende der Exposition mit typisch Beethovenschen Akzentuierungen und leiten zur Themendurchführung über. Während der Endphase werden immer deutlicher Signal- und Marschcharaktere der Themen hervorgekehrt und zu einem siegesfrohen, frischen Schluss geführt. Der zweite Satz („Larghetto“) ist „die instrumentale Gestaltung des Eintritts von Tamino und Pamina in den Tempel der Eingeweihten“. Der sanft dahin schreitende Gesang des Hauptthemas erweist sich als Ableitung aus dem Seitenthema des ersten Satzes. Er, wie auch das innig schwärmende Seitenthema, sind Ausdruck reinen Glücks. Mit der Wiedereinführung des Hauptthemas wird eine besonders lyrisch-edle, fast schon erlösende Wirkung erzielt. Zum ersten Mal bei Beethoven trägt der dritte Satz einer Sinfonie die Bezeichnung „Scherzo“. Er ist von kräftigem und derbem Humor geprägt, was vielleicht ein Hinweis auf die Natur des Papageno sein könnte. Humorvoll gibt sich schon das Hauptthema mit seinen Echo-Wirkungen und der wechselnden Instrumentation, die die drei Noten des Grundmotivs spielerisch durch das ganze Orchester springen lässt. Mozartscher Gestus ist vor allem in den verschlungenen Violinfiguren zu beobachten. Das Trio, der zweite Teil des Scherzos, lebt vom vergnüglichen Kontrast zwischen dem fröhlich-unbeschwerten Gesang der Oboen, Hörner und Fagotte und einem heftigen Donnerwetter der Streicher. Im Miteinander von Streichern und Bläsern wird schließlich der Friede wiederhergestellt. Drastisch und überraschend beginnt der Finalsatz („Allegro molto“) mit dem sehr abrupt einsetzenden Hauptthema, dessen munter plappernder Nachsatz durchaus Assoziationen zur musikalischen Welt Papagenos und Papagenas in sich birgt. Es herrscht ein ausgesprochener Buffo-Ton, und so endet die Sinfonie in einem quirligen musikalischen Spiel.

Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 23.03.2019 18:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln