Kölner Philharmonie

Philharmonia Orchestra London

Paavo Järvi | Dirigent
Foto: Jean-Christophe Uhl
Paavo Järvi | Dirigent
Foto: Jean-Christophe Uhl

Konzert - Beethoven, Schostakowitsch, Rachmaninow

Paavo Järvi, Dirigent

Hilary Hahn, Violine

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Ouvertüre c-Moll zu Heinrich Joseph von Collins Trauerspiel "Coriolan" op. 62 (1807)
für Orchester

Die „Coriolan“-Ouvertüre gehört zu jenen Orchesterwerken, die – einem weitverbreiteten Brauch der Zeit entsprechend – als Einleitungsmusik zu einem Schauspiel gedacht waren. Beethoven schrieb sie als Einleitung für Heinrich Joseph von Collins gleichnamiges Trauerspiel. Die „Coriolan“-Ouvertüre wurde wenige Jahre nach der ebenfalls in c-Moll stehen-den „Eroica“ vollendet und 1807 im Palais Lobkowitz uraufgeführt. Die auf einem antiken Thema basierende Tragödie erzählt vom Schicksal des römischen Feldherrn Coriolan. Aus seiner Heimatstadt verbannt, zieht er mit einem fremden Heer gegen Rom. Dem Flehen seiner Mutter, von dem verräterischen Tun abzulassen, gibt Coriolan zwar nicht nach, doch stürzt es ihn in einen so starken Gewissenskonflikt, dass er den Freitod sucht. Beethovens Ouvertüre schildert dazu die komplizierte Seelenlage des negativen Helden. Die zerklüftete Akkordpassage zu Beginn und das in den Streichern rasch einsetzende, gehetzte Hauptthema künden von der Unruhe und inneren Zerrissenheit Coriolans. Ein kantables Seitenthema, zunächst von den Violinen ausgehend, dann von den Holzbläsern weitergeführt, lässt Gedanken an die nicht ganz verschütteten Gefühle aufkommen, die er für seine Mutter hegt. Indem Beethoven Coriolan nicht einfach als gefühllos denunziert, sondern ihn als schicksalhaft belasteten Menschen zeichnet, weckt er im Hörer Gefühle des Mitleids, die am Ende der Ouvertüre, in den piano verhauchenden Herz-Schlägen des sterbenden Kriegers, nochmals verdichtet werden. Spieldauer: ca. 9 Min.

Sergej Prokofjew (1891 - 1953)
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19 (1916/17)

Prokofjew ist der wohl populärste russische Komponist des 20. Jahrhunderts. Die Eleganz und Schönheit seiner Musiksprache, die immer an der Tonalität und an klar umrissenen musikalischen Formen festhielt, hat sicherlich zu seiner Beliebtheit beigetragen. Dennoch verlief der künstlerische Weg von Prokofjew nicht ohne Brüche. Nach Beendigung seiner Studien vor allem bei Rimski-Korsakow und ersten Kompositionen noch im zaristischen Russland, die ihm wegen ihrer angeblichen Exzentrik scharfe Kritik eintrugen, unternahm er Konzertreisen als Klaviervirtuose nach England und Italien, behielt jedoch seinen russischen Wohnsitz bei. Erst unter dem Eindruck der Oktoberrevolution emigrierte er nach Paris, wo er von der dort ansässigen musikalischen Avantgarde nun jedoch als Konservativer attackiert wurde. Diesem Vorwurf begegnete er mit einer Reihe von Werken, die heute als seine stilistisch modernsten gelten. 1934 kehrte er in die stalinistische Sowjetunion zurück und suchte sich mit den Vertretern des „sozialistischen Realismus“ zu arrangieren. Sein Stil wurde wieder einfacher, volkstümlicher und auch beim breiten Publikum populär. Das dreisätzige Violinkonzert in D-Dur op. 19 entstand in den für Prokofjew unbeschwerten Jahren 1915 bis 1917, die er auf dem von seinen Eltern verwalteten Gut Sonzowka verbrachte. Die vorgesehene Uraufführung in Petrograd wurde durch die Revolution vereitelt, so dass das Werk erstmals am 21.10.1923 in Paris erklang. Wie Prokofjew in seiner Autobiografie berichtet, hätten B. Hubermann und andere berühmte Geigenvirtuosen es abgelehnt, den Solopart einzustudieren, so dass dieser schließlich dem Konzertmeister des Orchesters übertragen werden musste. Die Kritik sei zwiespältig gewesen; „Mendelssohnismen“ habe ein Kritiker tadelnd angemerkt. Ohne ein neoklassizistisches Werk zu sein, wie die etwa gleichzeitig komponierte „Symphonie classique“, ist dieses Violinkonzert doch der Tradition verhaftet. Schon die gewählte Tonart stellt es in die Reihe der Violinkonzerte, die mit Mozarts Violinkonzert KV 216 beginnt und mit Igor Strawinskys Violinkonzert „in D“ endet. In formaler Hinsicht weicht Prokofjew allerdings vom herkömmlichen Schema ab. Der erste und dritte Satz tragen die Tempobezeichnungen Andantino und Moderato. Sie beginnen und enden jeweils in lyrischer Kantabilität und haben einen bewegteren Mittelteil. Der Kopfsatz folgt formal in etwa der Form des Sonatenhauptsatzes, während der Finalsatz von großer formaler Freiheit ist. Der knappe Mittelsatz (Scherzo vivacissimo) ist ein wild bewegtes, genial instrumentiertes und hochvirtuoses Stück, das Prokofjew selbst mit Hauptrichtungen seines Schaffens in Verbindung bringt, die er im Gegensatz zum Lyrischen (der beiden umrahmenden Sätze) als „die des Neuerers“ und als „die motorische“ bezeichnet.
Spieldauer: ca. 22 Min.

Sergej Rachmaninow (1873 - 1943)
Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27 (1906–07)

Der russische Komponist und Pianist Sergej Rachmaninow stammte aus einer musikalischen Familie und studierte von 1882-85 am Petersburger Konservatorium. 1885 ging er dann auf Anraten seines Vetters Alexander Siloti nach Moskau, wo er zusammen mit Alexander Skrjabin Komposition bei Tanejew und Arenskij studierte. Nach Abschluss seines Studiums wurde er Anfang der 1890er Jahre als Pianist in Russland schnell bekannt. 1893 erhielt er eine Stelle als Klavierlehrer am Martynow-Institut, 1897/98 dirigierte er dort. Von 1904-06 dirigierte Rachmaninow dann am Bolschoi-Theater in Moskau, von 1906 bis 1909 lebte er in Dresden und reiste dann zum ersten Mal in die USA, wo er ab 1935 auch lebte. Kurz vor seinem Tode wurde er amerikanischer Staatsbürger. Zu seinen Lebzeiten stand der Komponist Rachmaninow oft im Schatten der glänzenden Pianisten seiner Zeit, wie z. B. Chopin, Liszt und Skrjabin. Heute stehen vor allem seine Klavierkonzerte, die „Paganini-Variationen“ und die Klavierstücke im Blickfeld, während seine Opern (Aleko, Francesca da Rimini), seine Sinfonien, Orchester- und Chorkompositionen eher in den Hintergrund rücken. Die heute zu hörende 2. Sinfonie e-Moll op. 27 komponierte Rachmaninow 1906/07 in Dresden. Im Vergleich zur ersten Sinfonie verfolgt Rachmaninow hier nicht die Entwicklung eines sinfonischen Kosmos aus einem einzigen Kernmotiv. Es geht vielmehr – wie auch bei dem zur gleichen Zeit entstandenen zweiten Klavierkonzert – um die Beschaffenheit sinfonischer Zusammenhänge mithilfe dynamischer Entwicklung. Dies ist bereits in der „Largo“-Einleitung zu erkennen, die kaum mehr die traditionelle „klassische“ Funktion hat, auf den folgenden Sonatensatz vorzubereiten, sondern mit ihren statischen Bläserklängen und ihrer absteigenden, sich expressiv und klangdynamisch weiter verdichtenden Streichern bereits den ersten sinfonischen Entwicklungsbogen darstellt.
Der folgende Sonatensatz (Allegro moderato) präsentiert als Hauptthema einen schwelgerischen, weitgezogenen Streicherklang. Dementsprechend bildet das Seitenthema mit seinen Holzbläser-Terzen keinen Ausdrucksgegensatz, sondern es setzt, wie die folgende Cello-Melodie, nur den schwelgerischen Klangfluss fort. Der Durchführungsteil beschränkt sich auf weitere klanglich-dynamische Intensivierung und in der Reprise wird das Seitenthema nun zur höchsten Intensität gesteigert. Die Coda dagegen steht im Zeichen des Hauptgedankens, den Satz energisch, fast martialisch beschließend. Das folgende „Allegro molto“, ein fünfteiliges Rondo, wird durch ausdrucksstarke Kontraste der Themen bestimmt. Das erste Thema in a-Moll hat geistvoll-kapriziösen Charakter, das zweite in C-Dur ist wieder eine breite Streichermelodie. Im Zentrum dieses Satzes, der Wiedereinführung des ersten Themas, steht eine brillantes Fugato. Demgegenüber schwelgt das „Adagio“ in gefühlvollem A-Dur. Mittelpunkt ist das gleich zu Beginn von den Geigen angestimmte und von der Klarinette fortgeführte lange Hauptthema. Trotz des späteren Einsatzes eines Motivs aus der Largo-Einleitung ist der Satz durch eine „morbide“ Klanglyrik, einen um sich selbst kreisenden, monothematischen „kalkulierten Gefühlsrausch“ geprägt. Das Finale zeichnet sich wieder durch kraftvollen Themenkontrast aus. Das Hauptthema wird von einem energischen Triolenrhythmus bestimmt, das breit angelegte Seitenthema der Violinen scheint zunächst im Sande zu verlaufen. Die Durchführung wird von der Bewegung des Hauptthemas vorangetrieben, das zu Beginn der Reprise triumphal wiederkehrt, um dann der großen Schluss-Hymne des Streicher-Seitenthemas Raum zu geben. Die Uraufführung des Werkes, die der Komponist selbst dirigierte, fand am 26. Januar 1908 in St. Petersburg statt.
Spieldauer: ca. 55 Min.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 23.03.2019 18:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln