Kölner Philharmonie

Orchestre Philharmonique de Strasbourg

Orchestre Philharmonique du Luxembourg
Foto: Blitz
Orchestre Philharmonique du Luxembourg
Foto: Blitz

Konzert - Boulanger, Tschaikowsky, Rimskij-Korsakow

Marko Letonja, Dirigent

Nobu Tsujii, Klavier


Lili Boulanger (1893 – 1918)
D'un soir triste

Nur 24 Jahre alt wurde die französische Komponistin Lili Boulanger, bevor sie an einem Lungenleiden starb, an dem sie bereits seit ihrer Geburt zu leiden hatte. Das ist auch für die Musikgeschichte tragisch, denn ihr stand als Komponistin eine große Karriere bevor. Denn sie gewann als erste Frau überhaupt den begehrten „Prix de Rome“, also den mit einem Rom-Aufenthalt verbundenen großen Preis der Pariser Musikakademie. Diese Ehre wurde 1913 der blutjungen Lili Boulanger zuteil, der vielleicht begabtesten französischen Komponistin des 20. Jahrhunderts. Mit einem Schlag wurde sie weltberühmt. Keine 5 Jahre nach der Preisverleihung war Lili Boulanger aber bereits tot, gestorben an besagtem Lungenleiden. Trotz ihres kurzen Lebens hat sie über 50 Werke komponiert. Diese zeigen die zeitüblichen Einflüsse – Wagner, Fauré, Saint-Saëns und Debussy –, sind aber zugleich ganz eigenständig in ihrer oft altertümlich-modalen Harmonik und den oft fragilen Melodielinien. „Ich begreife, dass ich niemals das Gefühl haben werde, das getan zu haben, was ich wollte. Denn ich kann nichts ohne Unterbrechungen tun, und die sind länger als meine Arbeitsphasen selbst!“ schrieb sie einmal selbst über sich. Das Stück des heutigen Konzertes hat sie 1918, wenige Wochen vor ihrem Tod, vollendet. Es trägt einen poetischen Titel, in dem Naturstimmung zum Ausdruck kommt: „D’un matin de printemps“ („Von einem Frühlingsmorgen“). In der spätromantischen Intensität der Naturschilderung geht es über den zeitgenössischen Impressionismus hinaus. Es ist ein impressionistisches Tonbild, das trotz des einen unaufgeregten Tagesbeginn signalisierenden Titels auch kräftige Farben nicht scheut. Da scheint sich nach einem lebhaften Beginn ein Unwetter anzukündigen, das sich in einem abrupten Schlussakkord entlädt. m Gegensatz zu vielen ihrer anderen Werke, die in Charakter und Harmonie dunkler sind, ist „D'un matin de printemps“ voller frischem und freudigen Charakter – und wirkt wie ein vitales Aufbäumen gegen ihren nahenden frühen Tod.
Spieldauer: ca. 5 Min

Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 - 1893)
Klavierkonzert Nr. 1

Peter Tschaikowsky wurde 1840 im russischen Wotinsk geboren und schlug erst einmal die Beamtenlaufbahn ein: 1859 nahm er eine Sekretärsstelle im Finanzministerium in St. Petersburg an. Diese gab er – zum Glück für die Musikwelt! – im Jahr 1863 auf und trat in das Konservatorium ein, das von Anton Rubinstein geleitet wurde. Dort wurde er später auch Theorielehrer und es entstanden seine ersten Sinfonien. Tschaikowsky gilt als der große Sinfoniker Russlands. Seine an der westlichen Kunstmusik orientierte Musiksprache zielt auf internationale Geltung, ohne ihre nationale Komponente zu verleugnen. Was auf der einen Seite als Unentschiedenheit des künstlerischen Charakters und auf der anderen Seite als kosmopolitischer Zug seines Schaffens bewertet wird, ist der scheinbar unerschöpfliche Reichtum einer musikalischen Natur, die in weitgehender Ungebundenheit subjektiven Ausdrucksgehalten Form verleiht. Trotz freundschaftlicher Beziehung zu der nationalrussischen Gruppe um Rimskij-Korsakow war Tschaikowskis Ästhetik deren Grundideen entgegengesetzt. Welch großer Beliebtheit sich das heutige Klavierkonzert erfreut zeigt auch die Tatsache, dass eine Einspielung durch den Pianisten Van Cliburn als Schallplatte Ende 1961 mehr als eine Million Mal verkauft wurde, ein bis dahin von keinem anderen klassischen Werk erreichter Rekord. Die Begeisterung für das Werk dürfte maßgeblich durch das Eingangsthema des ersten Satzes geprägt sein, das vom Klavier mit wuchtigen, über alle 7½ Oktaven reichenden Akkorden begleitet wird. Mit weitausladender großartiger Geste beginnt der 1. Satz des Klavierkonzerts (Allegro non troppo e molto maestoso), das zu den bekanntesten Schöpfungen des Komponisten zählt. Ein Seitenthema wird als Kontrast herangezogen. Eine große Kadenz schließt mit sinfonischem Schwung den Satz ab, der drei Fünftel des Konzerts einnimmt, was die Kritiker übel vermerkten, ohne die Begeisterung der Pianisten und des Publikums beeinträchtigen zu können. Der 2. Satz (Andantino semplice) beginnt mit einer solistischen Melodie in der Querflöte, die vom Klavier aufgegriffen wird. Er ist zärtlich lyrisch und bringt die Weise eines französischen Chansons: „Man muss sich amüsieren, tanzen und lachen“ („Il faut s’amuser, danser et rire“). Der 3. Satz (Allegro con fuoco) ist in Form eines Rondos angelegt, seine Themen haben ihren Ursprung in ukrainischen Volkstänzen. Das erste Thema kehrt im Wechselspiel zwischen Klavier und Orchester immer wieder. Dazwischenliegende Passagen aus Läufen und akkordischen Sprüngen verlangen dem Solisten einiges an Können ab und verleihen dem Schlusssatz seine Brillanz.
Spieldauer: ca. 35 Min

Nikolai Rimskij-Korsakow (1844-1908)
Scheherazade op. 35

Rimskij-Korsakow galt und gilt vor allem als Meister der Orchestrierung. In seiner sinfonischen Dichtung „Scheherazade“ aus dem Jahre 1888 hat er die virtuose Behandlung der Instrumente auf die Spitze getrieben. Rimskijs farbenreiche Suite übernimmt ihre Rahmenhandlung aus der Märchensammlung „Tausendundeine Nacht“: Ein vom schönen Geschlecht enttäuschter Sultan pflegt jede Frau schon nach der ersten Liebesnacht zu töten. Doch die kluge Scheherazade - bei Rimskij-Korsakow verkörpert durch die Solovioline – rettet ihren Kopf, indem sie dem Sultan Nacht für Nacht eine fesselnde Geschichte erzählt und so seine Neugier auf die nächste weckt. Die Entstehungsgeschichte der Suite „Scheherazade spiegelt auch die Fragestellung „Programmmusik“ oder „absolute Musik“ wider, die charakteristisch für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist. Zunächst sollten die vier Sätze ganz inhaltsneutrale Bezeichnungen tragen, nämlich Prelùde, Ballade, Adagio und Finale. Davon rieten Freunde ab, und Rimskij-Korsakow gab nun genauere Hinweise zu den einzelnen Sätzen, die lauteten: „Das Meer und Sindbads Schiff / Die Geschichte vom Prinzen Kalender / Vom Prinzen und der jungen Prinzessin / Fest in Bagdad; Das Meer; Das Schiff treibt gegen den Magnetberg und versinkt“. Um allzu detaillierte Interpretationen des Inhalts seiner Musik abzuwehren entschloss sich der Komponist aber schließlich, diese Angaben wieder zu löschen und zu Beginn der Partitur lediglich die Rahmenhandlung zu notieren: „Der Sultan Schahriar, überzeugt von der Falschheit und Untreue der Frauen, hatte geschworen, jede seiner Frauen nach der ersten Nacht töten zu lassen. Aber die Sultanin Scheherazade rettete ihr Leben, indem sie sein Interesse fesselte durch die Märchen, die sie ihm während 1001 Nacht erzählte. Unter dem Eindruck der Spannung schob der Sultan von Tag zu Tag die Vollstreckung des Todesurteils an seiner Frau auf, und endlich ließ er seinen grausamen Beschluss völlig fallen.“ Diese Rahmenhandlung ist es, die die Einleitung des Werkes darstellt. Die Bläser und tiefen Streicher intonieren im Unisono das wuchtige Thema des Sultans. Dem wird das Thema der Scheherazade als anmutige Arabeske der Soloviolinen zu Harfenakkorden entgegengestellt. Diese taucht in ähnlicher Form noch einmal zu Beginn des zweiten und vierten sowie in der Mitte des dritten Satzes auf und umschließt so die einzelnen Episoden, ganz im Sinne der Programmsinfonie von Berlioz, die dem Protagonisten eine „idée fixe“ zuordnet, welche sich im Laufe der Handlung und mit unterschiedlichen Erfahrungsbereichen verändert. Rimskij-Korsakow meinte selber: „Leitmotive, die durchgehend stets mit ein und denselben poetischen Ideen und Vorstellungen verbunden sind, wird man in meiner Suite vergeblich suchen. Die vermeintlichen Leitmotive sind vielmehr nichts anderes als rein musikalisches Material oder Motive zur sinfonischen Verarbeitung.“ Der erste Satz zeigt innerhalb seines Verlaufes, was damit gemeint ist. Das Thema des Sultans wird zum Hauptgedanken, während das Scheherazade-Thema als Seitenepisode auftaucht, die sich mit dem Hauptgedanken auf immer innigere Weise verbindet. Der zweite Satz tritt an die Stelle des Scherzos. Vom Fagott werden burleske Themen in immer neuem Klanggewand intoniert und wiederholt. Dazwischen sind aber auch rhapsodisch-rezitative Partien und Trompetensignale zu hören. Der dritte, langsame Satz erklingt als eine zarte Idylle im pastoralen Gewand und einem 6/8-Takt. Prinz und Prinzessin haben fast die gleiche Melodie und werden von einer rhythmischen Hintergrundmusik begleitet. Das Finale wird mit einem heftigen Zwist zwischen Sultan und Scheherazade eröffnet. Der Wirbel eines orientalischen Festes, zunächst nur im Hintergrund zu hören, dann aber immer mehr in den Vordergrund tretend, reißt die Streithähne auseinander. Es kommt zu einer Zusammenfassung aller wichtigen Gedanken und Themen der vorangegangenen Sätze, die Rimskij-Korsakow aber nicht inhaltlich, sondern rein dramatisch gedeutet wissen möchte. Alles strebt auf einen dramatischen Höhepunkt zu, Schlagzeugwirbel signalisieren eine nahende Katastrophe. Der Epilog schließlich zeigt den Sultan besänftigt, Scheherazade hat es mit weiblicher Raffinesse erreicht, das letzte Wort zu behalten.
Spieldauer: ca. 47 Min.
Christoph Prasser

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Die Termine

Mo.

27

Mai

Kölner Philharmonie | 27.05.2019 | 20.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln