Kölner Philharmonie

Konzertchor Köln

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Foto: Konzertchor Köln
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Neues Rheinisches Kammerorchester Köln
Konzert - Mendelssohn Bartholdy

Jonas Manuel Pinto, Dirigent

Katharina Leyhe, Sopran
Sharon Carty, Alt
Bernhard Schneider, Tenor
Richard Logiewa, Bass



Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Paulus op. 36 (1832–36)
Oratorium nach Worten der heiligen Schrift für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel. Texte von Adolph Bernhard Marx, Julius Fürst, Julius Schubring, Felix Mendelssohn Bartholdy u.a.

Felix Mendelssohn Bartholdy entstammte einer reichen, kulturell interessierten und engagierten jüdischen Familie. Alles, was in Berlin oder als Besucher dieser Stadt Rang und Namen hatte, traf sich im Palais der Mendelssohns, wo die beliebten „Sonntagsmusiken“ stattfanden. Hier konnten der junge Felix und seine nicht minder begabte Schwester Fanny mit ersten Werken experimentieren. Gleichwohl jedoch sollte er zunächst Bankier werden, allenfalls Jurist. Dennoch erhielt er die beste musikalische Ausbildung, u.a. bei Karl Friedrich Zelter. Mendelssohn war ein musikalisches Wunderkind. Bereits der 16-Jährige war als Pianist, als Komponist und als Dirigent eine Berühmtheit. 1836 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig, 1843 übernahm er am neu gegründeten Leipziger Konservatorium eine Kompositionsklasse. Besonderes Ansehen genoss er jedoch als Orchestererzieher und Organisator. Er betrieb als erster eine systematische Pflege alter Musik, setzte einen Pensionsfond für die Musiker des von ihm viele Jahre geleiteten Gewandhaus-Orchesters durch und entdeckte und förderte junge Talente wie das „Geigen-Wunder“ Joseph Joachim. Durch den plötzlichen Tod seiner Schwester Fanny erschüttert, starb er 1847 in Leipzig an den Folgen eines Gehirnschlags. Sein erstes Oratorium „Paulus“ komponierte Felix Mendelssohn Bartholdy unter dem Eindruck der Wiederaufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, die er 1829 geleitet hatte. Schon vier bis fünf Jahre vor der Uraufführung des „Paulus“ 1836 in Düsseldorf kreisten Mendelssohns Gedanken um die Arbeit an einem Oratorium. In einem Brief an einen Freund berichtete er 1832: „Ich soll für den Cäcilienverein ein Oratorium machen. Der Gegenstand soll der Apostel Paulus sein. Die Worte wollte ich aus der Bibel und Gesangbuch hauptsächlich und dann Einzelnes frei haben.“ Mendelssohn stellte als Erster keine alttestamentlichen Geschichten oder Aspekte aus dem Leben Jesu, sondern einen Apostel in das Zentrum eines Oratoriums. „Paulus“, der für Protestanten wichtigste Apostel, sollte Mendelssohns dezidiertes Bekenntnis zum evangelischen Glauben vor aller Welt deutlich machen. Für die Texte hatten der bibelfeste Komponist und sein Freund Julius Schubring fast ausschließlich auf die Apostelgeschichte, die Apostelbriefe und das Alte Testament zurückgegriffen. Bekannte protestantische Choräle ergänzten das Libretto – sehr ungewöhnlich für ein Oratorium. Das Werk schildert im ersten Teil die Wandlung vom Christenverfolger Saulus zum Christen Paulus: die Steinigung des ersten christlichen Märtyrers Stephanus, Saulus’ Verfolgung der ersten christlichen Gemeinden und seine Bekehrung vor Damaskus. Im zweiten Teil stehen die Missionsreisen des Apostels im Mittelpunkt. Mendelssohn vertont hier nicht so dramatische Szenen wie im ersten Teil. Stattdessen erzählt er vom Staunen über die Wunder Gottes, etwa bei der Wunderheilung des Lahmen von Lystra, und dem Abschied von Paulus von seiner Gemeinde. Die Erweckung von Saulus ist Leitfaden und eigentliches Thema des Oratoriums. Dieses Thema ist gleich zu Beginn der Ouvertüre zu hören, wenn Streicher und Bläser den Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ intonieren. Die Wandlung vom Saulus zum Paulus war für Mendelssohn wohl weniger ein interessanter historischer Stoff als vielmehr Synonym für seine eigene Auseinandersetzung mit seiner unvergessenen jüdischen Herkunft und seinem tiefen christlichen Glauben. Der Tod des Vaters 1835 gab dieser persönlichen Thematik noch einmal neue Brisanz – der Sohn arbeitete daraufhin das Werk in vielen Teilen um. Die Uraufführung 1836 beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und machte den 27-jährigen aufstrebenden Musiker vollends berühmt. Robert Schumann lobte sein „meisterliches Spielen mit allen Formen der Setzkunst“. Binnen zwei Jahren hörten Besucher in allen wichtigen musikalischen Hochburgen Deutschlands sowie in vielen europäischen Ländern und in den USA das Werk. In England feierte man den „Paulus“ als würdigen Nachfolger von Händels Oratorien. Wie der „Elias“ zehn Jahre später setzte auch der „Paulus“ einen Markstein in der Geschichte des deutschen Oratoriums. Von den Passionen Bachs und den Oratorien Händels inspiriert, folgt Mendelssohn zwar in vielen der 45 Rezitativen, Arien und Chorsätzen barocken Vorbildern, kopiert sie jedoch nie. Vielmehr versteht er es kongenial, Bachs Dramatik und Händels Monumentalität mit der Empfindsamkeit des 19. Jahrhunderts zu verbinden. Die Haupthandlung wird musikalisch durch die Rezitative des traditionellen Erzählers vermittelt. Den Chören kommt nicht nur eine kommentierende Rolle zu, sondern sie sind auch aktiv an der Handlung beteiligt. Wie später im „Elias“ komponierte Mendelssohn die Chorsätze, die allein 23 der 45 Nummern ausmachen, sehr variationsreich: Schlichte Sätze stehen neben lyrischen Chören und kunstvollen Fugen. Die fünf Choräle bilden zusätzliche reflektierende Ruhepunkte. Aus dem „Paulus“ spricht die Spannung zwischen einem „Historismus“, der Mendelssohn immer wieder zum Vorwurf gemacht wurde, und der Moderne von 1836. Er wagte es etwa, bei der musikalischen Gestaltung der Damaskus-Szene die Worte des Auferstandenen einem vierstimmigen Frauenchor anzuvertrauen. „Saul! Saul! Was verfolgst du mich? Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst!“ Eingebettet in lichte fis-Moll-Akkorde der Holzbläser scheint dieser Ruf wie aus mystischer Ferne zu kommen. Dieses Wagnis befremdete etliche Zeitgenossen, ebenso wie die Einbeziehung der Choräle in die Partitur, die in einem Oratorium, das nicht für den gottesdienstlichen Gebrauch bestimmt war, unüblich sind. In den Chorälen ist diese Spannung am besten zu spüren: Erstmals spielt das Orchester Choralsätze auch ohne Chor. Die Choräle werden mit den reichen Klangfarben des modernen Sinfonieorchesters ausgeleuchtet und behalten gleichzeitig ihren archaischen Charakter.

Heidi Rogge

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So.

26

Mai

Kölner Philharmonie | 26.05.2019 | 11.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln