Kölner Philharmonie

KölnChor

KölnChor | Lizenz: Creative Commons
Foto: Seelbach
KölnChor | Lizenz: Creative Commons
Foto: Seelbach

Staatsorchester Rheinische Philharmonie
Konzert - Haydn

Wolfgang Siegenbrink, Dirigent

Hanna Zumsande, Sopran
Fabian Strotman, Tenor
Rafael Bruck, Bass


Joseph Haydn
Die Schöpfung Hob. XXI:2 (1796–98)
Oratorium in drei Teilen für Soli, Chor und Orchester. Text von Gottfried van Swieten

Joseph Haydn wurde 1732 in Rohrau (Niederösterreich) geboren. Als Sohn eines Wagenbauers erhielt er ersten Musikunterricht bei seinem Vetter, dem Schulrektor Johann Franck in Hainburg. Später holte ihn der Kapellmeister des Stephansdoms, Georg Reutter, als Sängerknaben nach Wien. Nach dem Stimmbruch musste er sich als Begleiter bei den Gesangsstunden von Nicola Porpora durchschlagen und erhielt hier wahrscheinlich auch Kompositionsunterricht. In den frühen 50er Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden Haydns erste Kompositionen, Kirchenmusik und Divertimenti. 1759 verschaffte ihm Baron von Fürnberg eine Stelle als Musikdirektor des Grafen Morzin in Lukavec bei Pilsen, und hier entstand seine erste (von ca. 106) Sinfonie. Nach Auflösung der Kapelle wurde Haydn 1761 neben Gregor Joseph Werner Vizekapellmeister beim Fürsten Esterhazy in Eisenstadt. 1766 starb Werner, und Haydn wurde sein Nachfolger. 1769 verlegte der Fürst die Residenz nach Esterhaza am Neusiedler See und mit ihr die ca. 30 Musiker umfassende Kapelle. 1790 starb Fürst Nicolaus Joseph, und sein Sohn Anton löste die Kapelle auf, bewilligte Haydn aber eine Jahrespension von 1400 Gulden, die ihn wirtschaftlich weitgehend unabhängig machte. Haydn zog schließlich nach Wien und reiste auf Einladung des Geigers Johann Peter Salomon zweimal nach London. Zu den nachhaltigsten Eindrücken während seiner beiden Aufenthalte in England gehörten für Haydn die Oratorien von Georg Friedrich Händel und die Erfahrung ihrer nach wie vor ungebrochenen Popularität. Händel hatte in England Oratorien komponiert, nachdem seine Opern und Kantaten im italienischen Stil immer weniger Anhänger fanden. Händel unterlegte den Werken geistlichen Inhalts englische Texte, die sich auf verschiedene Personen oder Gruppen verteilten. Die Aufführung erfolgte wie beim Oratorium üblich außerhalb des liturgischen Rahmens und nicht szenisch. Joseph Haydn wurde nun von seinem Londoner Konzertagent auf ein Libretto aufmerksam gemacht, das auf der Grundlage des alttestamentarischen Buches Genesis und in Anlehnung an John Miltons (1608-1674) Versepos "Paradise Lost" in Dialogform die Geschichte der Schöpfung erzählte und das 50 Jahre zuvor für Händel geschrieben worden war, ohne dass dieser es in Musik gesetzt hätte. Für Haydn bedeutete dies eine besondere Herausforderung, ging es doch dabei um nichts Geringeres als darum, das Werk des von ihm bewunderten und verehrten Händel fortzusetzen und zu vollenden. Haydn nahm das Libretto mit nach Wien und ließ es von seinem Wiener Gönner und Freund, dem Diplomaten und Kunstmäzen Baron Gottfried van Swieten, übersetzen und modernisieren und begab sich dann "mit ebenso viel Ausdauer wie Genuß" an die Vertonung des Textes. Baron van Swieten hat das Libretto vermutlich bedeutenden und tiefgreifenden Umformulierungen unterworfen, da die bilderreiche Sprache auch in den "Jahreszeiten", die van Swieten später für Haydn in Verse setzte, deutlich erkennbar ist. Dieses Libretto, das reichhaltige Naturschilderungen und überaus fein differenzierte Nuancen menschlichen Empfindens enthält, kam dem Wesen Haydns sehr entgegen, der die optimistische Weltlichkeit des Aufklärungszeitalters und den kirchlichen Glauben in sich zur Harmonie verband. Haydn gelang eine Verschmelzung von lied- und opernmäßigen Ausdrucksmitteln mit Elementen des klassischen Instrumentalstils. In Arien und Accompagnato-Rezitativen werden die religiösen Empfindungen und Naturschilderungen vertont, während sich die Secco-Rezitative anders als in den meisten Oratorien der Zeit auf wörtlich übernommene Bibeltexte stützen. Die Tonsprache des Werkes fasst die jahrzehntelange kompositorische Erfahrung Haydns zusammen und weist zugleich, vor allem im Orchestersatz und -klang, auf Entwicklungen des 19. Jahrhunderts voraus. Die Uraufführung der "Schöpfung" fand am 19. April 1798 im Wiener Palais des Fürsten Schwarzenberg statt, die erste öffentliche Aufführung ein knappes Jahr später am 19. März 1799 im Burgtheater. Der Erfolg beim Publikum war spektakulär, und er ist dem Werk bis heute treu geblieben.

Das Oratorium besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil schildern die drei Erzengel Gabriel, Uriel und Raphael die Schöpfungsgeschichte der ersten vier Tage. Der zweite Teil befasst sich mit dem fünften und sechsten Tag, also der Entstehung der Tiere und Menschen. Beide Teile enden mit einem gewaltigen Lobgesang auf die Herrlichkeit Gottes. Der dritte Teil befasst sich nur noch mit dem Lob auf Gott. In diesem letzten Teil wird die Geschichte nicht mehr von den Erzengeln, sondern von Adam und Eva erzählt. Das Oratorium endet mit der Erschaffung der ersten Menschen und deren Verherrlichung, also in dem Moment, wo es theologisch bedeutsam zu werden beginnt. Die "Schöpfung" beginnt bei Haydn mit der Vorstellung des Chaos. Die Largo-Einleitung stellt den Zustand der Welt vor dem ordnenden Eingriff Gottes dar. Das volle Orchester beginnt nur mit den Ton c, der in vier verschiedenen Oktaven gespielt wird. Eine tonartliche Zuordnung ist nicht möglich, da Haydn in der Einleitung mit Trugschlüssen, verminderten Akkorden, frei eintretenden Dissonanzen und unerwarteten Modulationen alles sofort in Frage stellt. Nach einem schlichten Rezitativ des Raphael setzt der Chor mit gedämpften Stimmen ein. Bei den Worten "Und es ward Licht" wendet sich die Stimmung zu einem klaren C-Dur des vollen Orchesters. Diese Stelle hat seit der Uraufführung nichts von ihrer überwältigenden Wirkung verloren. Uriel schildert nun in der ersten Arie das Erwachen des Tages in einer lieblichen Melodie. Im Mittelteil wird das Entfliehen der Höllengeister in düsteren Farben dargestellt. Der Chor, der zuerst die Stimmung aufnimmt, entwickelt danach eine kantable Melodie, um die Schönheit der entstehenden Welt zu beschreiben. Der erste Tag ist beendet. Die in Raphaels Rezitativ angedeuteten Naturerscheinungen werden von Haydn in einer genialen Ausnutzung der Klangfarben verarbeitet. Gegeneinander laufende Tonleitern stellen das Fliegen der Wolken dar, Flöten und Klarinetten wirken als feurige Blitze, Streichertremolos zusammen mit Paukenwirbel als Donner. Ein sanfter Regen (Triolen in den Violinen) wird zu einem alles verheerenden Schauer (Tremolofiguren), dem leichter, flockiger Schnee folgt (Staccato der Violinen). Ein gewaltiger Lobgesang von Chor und Gabriel beschließt den zweiten Tag. Am dritten Tag erfolgt die Trennung von Erde und Wasser. Raphael singt vom wogenden Meer, von den Gipfeln der Berge, die sich aus den Wassern erheben, von breiten Strömen und vom leise rauschenden Bach im stillen Tal. Gabriel schildert in der folgenden Koloraturarie die Erschaffung der Pflanzenwelt in einer heiteren Pastoralstimmung. Eine festliche Chorfuge von stark wirkender Polyphonie lobt die Ereignisse dieses Tages. Langgezogene Vorhalteakkorde der Streicher schildern in dem Rezitativ des Uriel die Sonne, die sich aus Nebelschleiern zu strahlender Größe erhebt. Das stille Gleiten des Mondes kann man in den wesenlosen pianissimo-Klängen der Streicher erkennen. Sogar die Sterne werden im zarten Tremolo der Streicher sichtbar. Eines der bekanntesten und beliebtesten Stücke des Werkes beendet den ersten Teil. Obwohl das Eingangsthema nur einmal erklingt, hat das Chorfinale eine einprägsame melodische Gestaltung und eine übersichtliche harmonische und tektonische Faktur. Am Anfang des zweiten Teils entfaltet Haydn in Gabriels Beschreibung der Vogelwelt wieder seine Kunst zur Genremalerei: der Adler, der sich aufschwingt (Emporsteigen von gebrochenen Dreiklangsfiguren), der Lerchengesang in der Klarinette, das Gurren der Tauben im Fagott und als Höhepunkt den Nachtigallengesang der Flöte. Haydns Tonmalereien gewinnen allerdings nie den Eindruck aufdringlicher Affekthascherei, sie stehen immer im Dienst einer urmusikalischen, aus tiefstem und reinstem Empfinden strömenden Melodie. Erkennbar wird dies auch in dem Rezitativ des Raphael, das von den Tieren des Wassers und der Erde handelt: Der Löwe brüllt mit tiefem Kontrafagott-Triller, der Tiger springt mit kurzen, schnellen Streicherläufen empor, der Hirsch wird von Jagdmusik begleitet, das Roß springt dabei in hurtigen Triolen, Rinder und Schafe weiden zu Schalmeienklängen auf grünen Wiesen, während Insekten mit rauschenden Geigentremolos durch die Luft schwirren und das Gewürm in chromatischen Basslinien am Boden kriecht. Auf die Spitze getrieben wird die Tonmalerei an der Textstelle "Den Boden drückt der Tiere Last" in der Arie des Raphael, in der tiefste Töne des Fagotts und des Kontrafagotts mit Fortissimo-Klängen begleitet werden. Ein liebliches Terzett steigert sich als Lobgesang des fünften Tages zu einem glänzenden Chorschluss. Die Erschaffung des Menschen am sechsten Tag wird in einem schlichten Rezitativ von Uriel geschildert. In der Arie wird das Menschenpaar im gleichen C-Dur wie das erste Licht dargestellt. Adam und Eva verbindet dabei ein thematisches Motiv, das zuerst männlichen und im zweiten Teil weiblichen Charakter zeigt. Der abschließende Chorsatz umrahmt ein Terzett der Erzengel, das deutliche Anklänge an das Terzett der drei Knaben in Mozarts "Zauberflöte" zeigt. Der Chor preist das vollendete Werk in einer Doppelfuge. Der dritte Teil des Oratoriums schildert das paradiesische Leben des ersten Menschenpaares vor dem Sündenfall. Adam und Eva sind zum Bewußtsein ihrer selbst gelangt und rufen alle Wesen der Natur zum Lob Gottes auf. Nach einem Rezitativ voll menschlicher Gefühlswärme verbinden sich Adam und Evas Stimmen zum einzigen reinen Duett des Oratoriums, das hier wie die Idealisierung eines opernhaften Liebesduetts wirkt. Die Fuge des Schlußchores beginnt mit einer kurzen, feierlichen Einleitung. Gewaltige Verdichtungen entstehen durch Engführungen, was durch das Hinzutreten der Solistenstimmen, die über den Tonmassen schweben, noch verstärkt wird. Beendet wird das Werk im rein akkordischen Satz im Fortissimo des ganzen Orchesters und des breit angelegten Chores.

DruckenSpielstätteninfo

TERMINE

Momentan sind leider keine Termine in unserer Datenbank hinterlegt.

Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.




Letzte Aktualisierung: 23.07.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln