Kölner Philharmonie

Gürzenich-Orchester Köln

Michael Nagy | Bariton
Foto: David Maurer
Michael Nagy | Bariton
Foto: David Maurer

Konzert - Schumann, Chopin, von Zemlinsky

Pablo González, Dirigent

Jennifer Holloway, Sopran
Michael Nagy, Bariton
Yeol Eum Son, Klavier


Robert Schumann (1810 - 1856)
Ouvertüre c-Moll aus: »Genoveva« op. 81 (1847/48)

Der in Zwickau geborene Sohn eines Buchhändlers und Verlegers war bereits als Zehnjähriger zum ersten Mal öffentlich als Pianist zu hören. Dennoch verlief seine künstlerische Entwicklung keineswegs geradlinig, da er sich lange nicht zwischen Musik und Literatur entscheiden konnte. So studierte er zunächst Jura und wurde Klavier- und Kompositionsschüler bei Friedrich Wieck, dessen künstlerisch hochbegabte Tochter Clara später gegen den Willen des Vaters seine Frau wird. Reisen in die Schweiz und nach Italien brachten Schumann mit berühmten Virtuosen seiner Zeit zusammen und festigten seinen Entschluss, nun doch die musikalische Laufbahn einzuschlagen. Die angestrebte Karriere als Pianist musste er allerdings aufgeben, da er sich durch fehlerhaftes Training eine Versteifung der rechten Hand zugezogen hatte. Stattdessen widmete er sich nun ganz der Komposition und der Musikkritik, etwa im Rahmen der 1834 von ihm mitbegründeten und rasch berühmt gewordenen „Neuen Zeitschrift für Musik“. 1850 wurde Schumann nach Düsseldorf berufen, wo er als städtischer Musikdirektor für drei Jahre die Sinfoniekonzerte leitete. Doch schon 1854 musste er dieses Amt niederlegen, weil sich ein bereits früher aufgetretenes Nervenleiden immer stärker bemerkbar machte. Seine beiden letzten Lebensjahre verbringt er so nach einem missglückten Versuch der Selbsttötung in geistiger Umnachtung in einer Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn. Wenn das Schaffen Schumanns auch einen Schwerpunkt im Bereich der Klaviermusik und Lieder aufweist, so verdienen natürlich auch seine anderen Werke Aufmerksamkeit. Dazu zählt sicherlich auch „Genoveva“ op. 81 – die einzige Oper die Schumann je geschrieben hat. Komponiert hat er sie zwischen April 1847 und August 1848. Sowohl der Text als auch die Musik stammen von Schumann selbst. Am 25. Juni 1850 wurde sie unter der Leitung des Komponisten im Stadttheater Leipzig uraufgeführt. Ihre Bedeutung liegt vor allem in der Weiterentwicklung der sogenannten Nummernoper zum Musikdrama. Das ganze Werk ist durchkomponiert, lange bevor Wagner solches wagte. Vorbild für die Handlung ist die mittelalterliche französische Sage der „Genoveva von Brabant“. Im 18. Jahrhundert zählte ihre Geschichte zu den bekanntesten volkstümlichen Stoffen neben denen des „Faust“ und des „Don Juan“. Die negative Kritik in der Presse nach der Uraufführung war wohl ausschlaggebend dafür, dass Schumann keine weiteren Opern mehr schrieb. Zuerst hatte sich Schumann für seinen Freund Robert Reinick, einem Dichter und Maler ohne jegliche Bühnenerfahrung, als Librettisten entschieden, der einen Text auf Basis von Ludwig Tiecks „Leben und Tod der heiligen Genoveva“ von 1799 lieferte, der Schumann jedoch zu lyrisch war. Da man sich nicht auf den Text einigen konnte, schrieb Schumann einen eigenen Text, in dem er in einigen Teilen den originalen Wortlaut der 1843 veröffentlichten Tragödie „Genoveva“ von Friedrich Hebbel übernahm. Von Reinicks Urversion blieben nur rund 200 Verse übrig. Trotzdem ist Schumanns Version eigenständig und unterscheidet sich inhaltlich von den ursprünglichen Vorlagen, so z. B. im „Happy End“.
Obwohl es die Oper „Genoveva“ niemals ins Standardrepertoire der Opernhäuser dieser Welt geschafft hat, kann man ihre Ouvertüre schon seit über 150 Jahren im Konzertsaal hören. Mit ihrem intensiven Schwung und ihrer Virtuosität ist sie für viele Dirigenten ein Lieblingsstück.
Spieldauer: ca. 9 Min.

Frédéric Chopin (1810 - 1849)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 f-Moll op. 21 (1829-30)

Chopin wurde 1810 auf dem 50 km westlich von Warschau gelegenen Landgut der Grafen Skarbek geboren, wo sein Vater als Hauslehrer tätig war. Nur wenige Monate nach seiner Geburt jedoch zog die Familie nach Warschau, wo der Vater Französischlehrer am Lyzeum wurde und später zum Professor an der Artillerie- und Ingenieursschule avancierte. Das Klavierspiel erlernte der junge Chopin bei dem böhmischen Pianisten Adalbert Zywny, der früher Hofpianist bei Stanislaus II. und inzwischen Professor am Konservatorium war. Dieser vorzügliche Pädagoge verstand es, seinen Schüler für Bach und Mozart zu begeistern, was damals durchaus nicht selbstverständlich war. Kompositionsunterricht erhielt Chopin am Warschauer Konservatorium von dem Schlesier Joseph Elsner, der als Begründer der sog. „polnischen Schule“ hohes Ansehen genoss. Seit seinem achten Lebensjahr konzertierte Chopin regelmäßig, zunächst in Warschau und auf den Landsitzen des polnischen Adels, später in Berlin, Wien und anderen europäischen Städten. Am 2. November 1830 verließ er Warschau, und zwar, wie sich herausstellte, für immer, um eine zweite Konzerttournee in Wien anzutreten. Dort erreichte ihn die Nachricht vom Ausbruch der Revolution in Polen. Chopin zog weiter nach Paris, wo er nach anfänglichen Schwierigkeiten mit seinem Klavierspiel wie mit seinen Kompositionen bald zum Liebling des Publikums avancierte. Wer etwas auf sich hielt in der Pariser Gesellschaft, nahm ungeachtet des stolzen Preises von 20 Francs in Gold bei Chopin Klavierunterricht, und auch die Verleger zahlten ihm nun beachtliche Summen. Zwischen 1838 und 1847 war Chopin mit der damals ebenso berühmten wie umstrittenen Schriftstellerin George Sand liiert, auf deren Landgut im mittelfranzösischen Berry und in der melancholischen Hügellandschaft am Ufer des Flüsschens Indre viele seiner großen Kompositionen entstanden. Im Februar 1848 gab Chopin ein letztes, viel umjubeltes Konzert in Paris. Denn der wenig später erfolgende Ausbruch der Revolution in Frankreich veranlasste ihn, nach England und Schottland zu reisen. Das dortige Klima und die Anstrengung zahlloser Konzerte untergruben jedoch seine ohnehin angegriffene Gesundheit. Wenige Wochen nach seiner Rückkehr aus England starb Chopin in Paris. In seinen Kompositionen beschränkte sich Chopin zeit seines Lebens auf sein ureigenstes Feld, das Klavier. Das Orchester hat er nur in einigen seiner frühen Werke herangezogen, zur Begleitung seiner beiden Klavierkonzerte und einiger Konzertstücke. Chopin komponierte die beiden Klavierkonzerte noch in Warschau, in den Jahren 1829 und 1830. Zuerst entstand das als op. 21 veröffentlichte Konzert in f-Moll (Herbst 1829 bis Frühjahr 1830), dann das Konzert in e-Moll op. 11 (April bis August 1830). Beide Konzerte stellen die einzigen Exemplare einer ansonsten im heutigen Repertoire verschwundenen Gattung dar, dem Virtuosenkonzert. Bei diesem Typus geht es weder um ein differenziertes Wechselspiel, ein „concertare“ zwischen Orchester und Soloinstrument noch um satztechnische Finessen. Vielmehr dient dieser Konzerttyp ausschließlich der möglichst effektvollen Präsentation des Solisten, der neben sich keinen gleichrangigen Partner in Gestalt des Orchesters duldet. Das Orchester erfüllt untergeordnete Funktionen und beschränkt sich darauf, zu begleiten und die Auftritte des Solisten durch Einleitungen und Zwischenspiele vorzubereiten. Setzt das Klavier ein, so tritt das Orchester sogleich in den Hintergrund. Beide Konzerte sind traditionell dreisätzig, in der Abfolge schnell-langsam-schnell. Beide wenden die Molltonart, die den Kopfsatz dominiert, im weiteren Verlauf in das hellere Dur. Im f-Moll-Konzert vollzieht sich der Wechsel erst innerhalb des Finalsatzes. Er wird dort theatralisch eingeleitet durch ein Signalhorn. Die langsamen Mittelsätze markieren Zwischenstufen: Sie stehen in Dur, haben aber noch nicht den strahlenden Charakter der Finalsätze, sondern bleiben in ihrem verhangenen Charakter den voraufgehenden Moll-Sätzen verbunden. Der Kopfsatz des Konzertes zielt auf Repräsentation und große Gestik. Er dient gleichsam dem Auftritt des Virtuosen, der sich, der Tradition entsprechend, pathetisch und großartig gibt. Der langsame Satz (Larghetto) erscheint als Träger intimerer Empfindungen, er stellt den emotionalen Mittelpunkt des Werkes dar und beginnt mit einem von Chopins schönsten Nocturnes. Der Schlusssatz, ein äußerst virtuos gehaltener Konzertwalzer in Rondo-Form, vermischt mit Elementen volkstümlicher polnischer Tanzmusik, hat demgegenüber die Funktion eines heiteren Kehraus und steht in deutlichem Kontrast zum Anfangssatz.
Spieldauer: ca. 30 Min

Alexander von Zemlinsky (1871 - 1942)
Lyrische Symphonie in 7 Gesängen nach Rabindranath Tagore op. 18 für Sopran, Bariton und großes Orchester (1922-23)

Das Leben und musikalische Wirken Alexander Zemlinskys, der 1871 in Wien geboren wurde und 1942 im amerikanischen Exil in der der Nähe New Yorks starb, fällt in die Zeit eines großen Umbruchs in der jüngeren Musikgeschichte. Stand der erste Kompositionsunterricht des jungen Zemlinsky am Wiener Konservatorium noch ganz in der Tradition von Johannes Brahms, so reichte das musikalische Spektrum später bis hin zur Vertonung amerikanischer Lyrik und, aufgrund der finanziellen Notlage des Komponisten, sogar zu Versuchen in der Unterhaltungsmusik. Als Mitglied des überaus einflussreichen Wiener Tonkünstlervereins, dem er nach Abschluss seiner Studien am Konservatorium 1893 beigetreten war, erzielte Zemlinsky frühe Achtungserfolge mit seiner Kammermusik. Ein frühes Klarinetten-Trio mit der Opuszahl 3 wurde sogar ein ausgesprochener Erfolg und gewann ihm die Anerkennung und Förderung von Johannes Brahms. 1895 lernte Zemlinsky Arnold Schönberg kennen, dem er Lehrer und Förderer und Lehrer war, dessen Schwager er im Jahre 1901 durch die Heirat seiner Schwester Mathilde mit Schönberg wurde und dem er lebenslang in Freundschaft verbunden blieb. In Gustav Mahler, dem damaligen Hofoperndirektor, fand er seinerseits einen wichtigen Förderer, der auch seine zweite Oper „Es war einmal“ aufführte. Nachdem Zemlinsky im Jahre 1904 die Stelle des Ersten Kapellmeisters an der Volksoper in Wien angetreten hatte, begann seine Karriere als Dirigent, die ihn über die Hofoper (1907/08), das Deutsche Landestheater in Prag (seit 1911) an die berühmte Kroll-Oper in Berlin (1927-1930) führte. Daneben wirkte er als Gastdirigent in vielen Musikzentren Europas. 1933 verließ er Berlin, um wieder nach Wien zurückzukehren und sich dort seinem kompositorischen Schaffen zu widmen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs emigrierte er als Halbjude über Prag in die Vereinigten Staaten, wo er allerdings künstlerisch nicht mehr so richtig Fuß zu fassen vermochte. Zemlinsky entwickelte einen Stil, der sich musikalisch zwischen Spätromantik und Wiener Schule bewegt, der die Harmonik bis an ihre Grenzen ausreizt, jedoch stets an den Gesetzen der Tonalität festhält. Zemlinskys „Lyrische Sinfonie“ stammt aus dem Jahre 1923 und zählt zur Gattung des Orchesterliedes. Diese Gattung entwickelte sich im Laufe seiner Zeit zu einer zentralen Gattung des „Fin de siècle“, allerdings war ihr von Anfang an eine eigentümliche Zwitterexistenz eigen. Neben dem immanenten Widerspruch zwischen der Intimität eines Liedvortrags und der Öffentlichkeit großer Orchesterbesetzungen wurde sie durch die Zweiteilung von Eigenständigkeit der literarischen Vorlage und Anspruch an die zyklische Geschlossenheit der musikalischen Formgebung geprägt. Nach der Jahrhundertwende vollzog sich ein musikalisch-literarischer Prozess, der das Orchesterlied zum bevorzugten Medium der Sprachkomposition werden ließ. Die Kompositionen besaßen einen besonderen Stellenwert, erlaubten sie doch dem Komponisten eine Auseinandersetzung mit der europäischen „Fin de siècle“-Dichtung, wie sie ihm nur noch in den Opern „Eine florentinische Tragödie“, „Der Zwerg“ und „Der Kreidekreis“ gelang. Zemlinskys „Lyrische Sinfonie“ trägt deutliche Zeichen einer traditionsbildenden Gefolgschaft gegenüber dem bewunderten Vorbild Mahlers. Bereits die Wahl der Stimmgattungen erweist sich als Umkehrung der Konstellation in Mahlers „Lied von der Erde“; dem Bariton als „Mann“ der imaginären Liebeshandlung steht das „Mädchen“ (Sopran) gegenüber. Trotz aller Gemeinsamkeiten der Werkgestalt spiegelt jedoch Zemlinskys Textwahl ein gewandeltes Verhältnis zum musikalischen Exotismus, das für die Werkstruktur bedeutsam werden sollte. Die Textwahl für die sieben Gedichte aus der Gedichtsammlung „Der Gärtner“ (London 1913, deutsch von Hans Effenberger) von Rabindranath Tagore (1861 - 1941), kann als Entscheidung für eine exotische und bewusste Imitation des „Lieds von der Erde“ verstanden werden. Die europäische Wirkung des Nobelpreisträgers Tagore wird deutlich, vergegenwärtigt man sich, dass so verschiedene Komponisten wie Szymanowski, Janácek und Alfano seine Lyrik vertonten; Zemlinsky befand sich mit dem literarischen Zeitgeschmack durchaus in Harmonie. Die vertonten Gedichte lauten: Ich bin friedlos - Mutter, der junge Prinz - Du bist die Abendwolke - Sprich zu mir, Geliebter - Befrei' mich von den Banden - Vollende denn das letzte Lied - Friede, mein Herz.
Spieldauer: ca. 47 Min.



Christoph Prasser

DruckenSpielstätteninfo

TERMINE

Momentan sind leider keine Termine in unserer Datenbank hinterlegt.

Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.




Letzte Aktualisierung: 20.01.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln