Kölner Philharmonie

Gürzenich-Orchester Köln

Gürzenich-Orchester Köln | Philharmonie
Foto: Holger Talinski
Gürzenich-Orchester Köln | Philharmonie
Foto: Holger Talinski

Konzert - Aperghis, Bruckner

Emilio Pomàrico, Dirigent

Teodoro Anzellotti, Akkordeon


Georges Aperghis (*1945)
Konzert für Akkordeon und Orchester (2015)

Georges Aperghis wurde 1945 in Athen (Griechenland) geboren. Sein Vater, ein Bildhauer, und seine Mutter, eine Malerin, gaben ihm die künstlerische Prägung im Nachkriegs-Griechenland. Sie erlaubten ihm eine Freiheit, die zur Basis seiner eigenen späteren künstlerischen Entwicklung als Komponist führte. Größtenteils autodidaktisch erlernt, teilte Aperghis seine künstlerischen Vorlieben zunächst in Malerei und Musik. In Athen wusste er zunächst wenig von europäischer Avantgarde, aber er studierte Partituren vom Repertoire und hörte Werke von Schönberg, Bartók und Strawinsky. Die ersten Experimente der französischen Komponisten Pierre Schaeffer und Pierre Henry mit ihrer musique concrete allerdings wurden für Aperghis zu einer Offenbarung. Ab 1963 gab er die Malerei auf und zog nach Paris, um sich dem Studium der Musik zu widmen. Seine ersten Kompositionen, Antistixis für drei Streichquartette, Anakroussis für sieben Instrumente (1967) und Bis für zwei Orchester zeigen den Einfluss des Serialismus und den seines griechischen Komponistenkollegen Iannis Xenakis. Auf der Suche nach einer persönlicheren musikalischen Sprache gelangte er in den Einflussbereich der Arbeiten von John Cage und Mauricio Kagel. Letzterer brachte ihn durch seine Arbeit auch in die Nähe des Theaters, dem er auch durch seine Frau, der Schauspielerin Edith Scob, verbunden wurde. Es folgten weitere Kompositionen, die sich nun zunehmend auch mit der Beziehung zwischen Musik, Wörtern und Bühne beschäftigten. Nach Gründung des Atelier Théâtre et Musique (ATEM) veränderte er das Wesen seiner Kompositionen. Er begann Aufführungen zu schaffen, die sowohl Schauspieler als auch Musiker zugleich erforderten. Bis heute hat er über 100 verschiedene Werke komponiert, die sich mit Bewegung, Stimme, Instrumenten und Schauspielerei beschäftigen. Durch seine inhomogene Beschäftigung mit Musik und Schauspielerei entzieht er sich einer eindeutigen Zuordnung. Mit dem Akkordeon als Soloinstrument verwendet Aperghis in seinem einsätzigen Konzert für Akkordeon und Orchester ein Instrument, das nur selten in der zeitgenössischen Musik Verwendung findet. Aperghis hatte angefangen sich mit dem Akkordeon zu beschäftigen, weil sich der Akkordeonist Frédéric Daverio an ihn gewandt hatte und ihn um Kompositionen bat. Dabei spielte er Aperghis einige Werke aus seinem Repertoire vor, um ihn für das Instrument zu begeistern. Die Rechnung ging auf, der Komponist war von nun an von den Klängen und Klangmöglichkeiten des Instruments sehr angetan. Daraus entstanden zunächst zwei Werke für Akkordeon, Tingel-Tangel und Jojo. Später sollte er noch weitere Akkordeonisten treffen, unter anderem auch den Solisten des heutigen Abends, Teodoro Anzellotti. So entstand schließlich nach und nach die Idee für ein größeres Akkordeonkonzert. Laut Aperghis hat ihn die klangliche Verbindung gereizt, die zwischen den Instrumenten „Akkordeon“, „Harmonium“, „Harmonika“ und „Orgel“ bestehen und die er gerne in seinem Werk verweben wollte. Und da in München (wie auch heute in Köln) eine schöne Orgel im Konzertsaal vorhanden ist, hat er auch der Orgel einen großen Teil seines Konzertes eingeräumt. Sie ist der „link“, die Verbindung zwischen Akkordeon und Orchester. Aufseiten des Akkordeons hat Aperghis zwar dem Soloinstrument eine zeitgenössische Klangsprache verordnet, dabei wollte er allerdings dem Akkordeon seinen volkstümlichen Klancharakter nicht komplett nehmen. Der Aufbau des Werkes selbst besteht aus unterschiedlichen kompositorischen Ideen, die lose aneinandergereiht sind und nicht unmittelbar zusammen gehören. Am Ende ergibt sich laut Aperghis dann „eine Art Mosaik“. Immer wieder sind auch kammermusikalische Strukturen zu vernehmen – vom Quintett oder Oktett kehrt es aber dann immer wieder zum großen Orchester zurück, das sich nicht selten mit voller Orchesterstärke durchsetzt. Das Konzert für Akkordeon und Orchester stammt aus dem Jahre 2015 und ist ein Kompositionsauftrag der musica viva des Bayerischen Rundfunks und von Casa da Música Porto. Die Uraufführung fand am 26. Februar im Herkulessaal der Residenz München mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Emilio Pomàrico statt. Der Solist am Akkordeon war wie im heutigen Konzert Teodoro Anzellotti.
Spieldauer: ca. 30 Min.

Anton Bruckner (1824-1896)
Sinfonie Nr. 6 A-Dur (1879-81)

Der im oberösterreichischen Dörfchen Ansfelden als Sohn eines Schulmeisters geborene, als Sängerknabe am Augustiner-Chorherrenstift St. Florian ausgebildete, dort sowie in Linz als Organist tätige und seit 1868 als Professor am Wiener Konservatorium wirkende Anton Bruckner widmete sich in besonderem Maße der Kirchen- und der sinfonischen Musik. Wenn Bruckner auch in späteren Jahren manche öffentliche Ehrung erfuhr, konnte sich sein sinfonisches Werk in Wien doch nur mühsam durchsetzen. Das Wiener Publikum der Zeit liebte die Musik des Norddeutschen Johannes Brahms, widersetzte sich jedoch vehement dem Werk seines Landsmannes Anton Bruckner. Ein besonderes editorisches und aufführungstechnisches Problem bedeuten bis heute die zahlreichen Um- und Überarbeitungen, die Bruckner an seinen Werken, vor allem seinen Sinfonien, aus eigenem Antrieb oder auf Rat wohlmeinender Freunde vornahm. In der durchaus honorigen Absicht, die angeblich unspielbaren Werke „spielbar“ zu machen, haben diese Freunde unter Bruckners Schülern und Dirigenten gelegentlich sogar eigenmächtig Änderungen vorgenommen, und es ist keineswegs in allen diesen Fällen gesichert, dass diese „Verbesserungen“ auch den Intentionen des Komponisten entsprachen. Eine gewisse Ausnahme bildet die sechste Sinfonie, weil sie das erste Werk ist, das der Komponist nach der Fertigstellung 1881 keiner Umarbeitung mehr unterzog. Dennoch wies die 1899 erfolgte Druckausgabe auch dieses Werkes zahlreiche Verfälschungen auf, die erst 1935 durch die Edition der „Originalfassung“ rückgängig gemacht wurden. Zu Lebzeiten des Komponisten wurden nur die beiden Mittelsätze des viersätzigen Werkes 1883 in Wien öffentlich aufgeführt, die beiden Ecksätze hatte Bruckner nur in einer Durchspielprobe der Wiener Philharmoniker gehört. Gelegentlich hat man das Werk einen „Lobgesang auf die Schönheit der Erde“ genannt und in Anlehnung an Beethovens sechste Sinfonie als „Bruckners Pastorale“ bezeichnet. Vom dritten Takt des Kopfsatzes (Maestoso) an intonieren Celli und Kontrabässe das Hauptthema, das sich als ein markantes Gebilde in der für Bruckner charakteristischen Kombination von rhythmischen Zweier- und Dreierwerten darstellt. Dieselbe rhythmische Kombination prägt auch das allerdings bedeutend langsamere Seitenthema. Aus einem energisch rhythmisierten, kaskadenartig niederstürzenden Unisono-Motiv entwickeln sich neue Steigerungen, bevor die Exposition gemessen ausklingt. Die Durchführung wird wesentlich bestimmt von der Umkehrung des Hauptthemas, während die anschließende Reprise sich regelhaft entwickelt. In der abschließenden Coda fallen „romantisch“ klingende Hornabdunkelungen auf. Sie zögern das in eine strahlende Trompeten-Apotheose mündende Finale hinaus. „Der Satz muss als einer der übersichtlichsten, organischsten Kopfsätze Bruckners gewertet werden.“ (Beaujean) Der zweite Satz (Adagio. Sehr feierlich) wird von drei Themenkomplexen getragen: einer ruhigen und ausdrucksvollen Violinkantilene auf der G-Saite, einer von den Celli intonierten und von den Violinen fortgeführten ausschwingenden und empfindungsvollen Melodie und - im Kontrast hierzu - einem trauermarschähnlichen Gedanken in c-Moll. Ein Durchführungsteil fehlt, stattdessen wird die Entwicklung der drei Themenkomplexe wiederholt und variiert. Eine stimmungsvolle Coda beschließt den Satz, der sich wiederum klar gegliedert und formal konzentriert präsentiert. Das Scherzo der 6. Sinfonie (Nicht schnell - Trio. Langsam) unterscheidet sich markant von den Scherzi anderer Bruckner-Sinfonien. Trumpfen diese im rustikalen Stil des Ländlers auf, so herrscht hier die Schwerelosigkeit zarter und schwebender Motivlinien vor. Im Trio folgt (auf ein dem Wechsel von Violinpizzicato und Hörnern zu verdankendem Motiv) überraschenderweise das Hauptthema des Kopfsatzes aus der fünften Sinfonie. Das thematische Material des Finalsatzes (Bewegt, doch nicht zu schnell) greift auf die Themen des Kopfsatzes zurück und ist von diesen abgeleitet. Der damit erreichte Vorteil größerer Geschlossenheit des gesamten Werkes ist erkauft um den Preis einer geringeren Individualität der Themen dieses Finales. Den markanten Schlusspunkt des Werkes setzt auf dem Höhepunkt der abschließenden Coda noch einmal das Hauptthema des ersten Satzes.
Spieldauer: ca. 60 Min




Christoph Prassser

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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln