Theater im Bauturm

La Traviata oder: Doro, ich krieg keine Luft mehr

Letzte Worte Carusos an seine Ehefrau
Oper - Giuseppe Verdi

La Traviata, die berühmteste und meistgespielte Oper der Welt, ist ein dreiaktiges Todesmelodram für eine Kurtisane der Pariser Upper Class, frei nach Alexandre Dumas' berühmtem Roman "Die Kameliendame". Nirgendwo sonst stirbt eine Figur so ausführlich und detailliert - und doch gelingt es Verdi, aus der intimen Geschichte um die unmögliche Liebe zwischen einer kranken Edelprostituierten und dem vielversprechenden jungen Erben einer wohlhabenden Familie ein Maximum an Emotion zu destillieren. Rauschende Ballszenen stehen neben heroischen Arien, dramatischen Zweierszenen und bisweilen kammermusikalischem Orchestersatz. In zwei Stunden durchschreitet Verdi gemeinsam mit seinem Librettisten Francesco Maria Piave ein Panorama der großen Gefühle: Es geht schlichtweg in jeder Minute um Leben, Liebe und Tod.

Trotz fortgreifender Rationalisierung und Entzauberung in allen Lebensbereichen hat die Oper noch immer ungebrochene Konjunktur. Mehr noch als das: Gerade in Zeiten der angeblichen Kalkulierbarkeit unseres Gefühlslebens durch immer präzisere Logarhythmen scheint die unbezähmbare und durch die Klangmöglichkeiten des Orchesters amplifizierte Emotionalität der Oper wieder an Reiz zu gewinnen. Die Sehnsucht nach dem großen Gefühl nehmen Sebastian Kreyer und Matthias Buss, die am Bauturm bereits in "Trude Herr, oder: Es ist besser, in der Sahara zu verdursten, als in Köln-Lindenthal zu sitzen und auf die Rente zu warten" zu sehen waren, in ihrer Version von La Traviata genauer unter die Lupe. In der Zusammenarbeit mit dem Musiker Valerij Lisac und dem Ausstattungs-Duo Maria Roers / Thomas Dreissigacker entsteht ein überdimensionierter Abend über Divenverehrung, unzeitgemäßen Gigantismus und die ja letztlich doch nie zu leugnende Macht der Musik. Im Transfer der größten und ausladendsten Theatergattung in den mikroskopisch kleinen Raum des Bauturm wird die riesige Oper zur beobachtbaren Amöbe unseres Empfindens, getreu dem Wort von Alexander Kluge: "Die Evolution hat ihre größten Chancen auf der Seite der kleinen Lebewesen. Unsere Vorfahren waren Baumkletterer, Spitzmäuse. Ihr Vorteil war ihre geringe Größe, aber auch dass sie warmblütig waren. Das konnten die Dinosaurier (vergleichbar mit einem 196-Mann-Orchester in Bayreuth) von sich nicht behaupten. Ihre Rieseneier, die sie von der Sonne heizen ließen, waren ideale Eiweißapotheken für unsere Vorfahren, wenn sie sie anzapften. Auch für die Oper sind Miniaturen die Form der Erneuerung."

Mit: Matthias Buss, Sebastian Kreyer

Regie: Sebastian Kreyer

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Letzte Aktualisierung: 23.07.2019 08:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln