Kölner Philharmonie

Kölner Kammerorchester

Kölner Kammerorchester
Foto: Kölner Kammerorchester
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Früh und vollendet
Konzert - Mozart, Beethoven, Schubert


Joseph Moog, Klavier
Christoph Poppen, Dirigent

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Serenade D-Dur KV 239
für zwei Violinen, Viola, Kontrabass, Streicher und Pauke
„Serenata notturna“

Die Serenade Nr. 6 D-Dur, „Serenata notturna“ (KV 239), wurde von Mozart im Januar 1776 für die Karnevalsfeiern in Salzburg geschrieben. Sie knüpft an die barocke Tradition der Concerti grossi an. Und zwar formal in ihrer Gegenüberstellung eines Solostreichquartetts –, eines sog. „Serenadenquartetts“ – das an die Stelle des im Streichquartett üblichen Cellos einen Solokontrabass setzt, und eines Streichorchesters mit Pauken. Vor allem die Pauken geben dem Stück eine ganz individuelle Klangfarbe, weil sie hier nicht mehr nur den Bass für helle Blasinstrumente abgeben, sondern in ungewöhnlichem Ausmaße und in vielfältiger Weise hervortreten. Das in Paris aufbewahrte Autograph des Werkes trägt die Überschrift „Serenata notturna“ in der Handschrift von Mozarts Vater, versehen mit dem Zusatz „di Wolfgango Amadeo Mozart. nel Gianaio 1776“ von der Hand des Komponisten selbst. Obwohl Mozart für Serenaden fünf oder mehr Sätze bevorzugte, war die Satzzahl nicht normiert, und dieses Werk begnügt sich mit drei Sätzen. Auf den einleitenden Marsch (Marcia. Maestoso) folgt unmittelbar das Menuett (Menuetto. Trio), dem sich ein Rondo-Finale anschließt (Rondeau. Allegretto). Der feierliche Einleitungssatz ist subtil orchestriert und besticht durch rhythmische Nuancen. Trotz der eingestreuten Fanfarenstöße und Marschrhythmen hat er wenig von einem gewöhnlichen Marsch, er trägt vielmehr sinfonischen Charakter und wendet sich offensichtlich an ein Publikum von Kennern und Liebhabern. Kaum weniger feierlich als der einleitende Marsch erscheint das folgende Menuett mit seinen punktierten Lombardischen Rhythmen, dem ein eher getragenes, von den Soloinstrumenten gespieltes Trio gegenübersteht. Das Rondo-Thema im 2/4-Takt ist ein munterer Kontretanz, vom Komponisten mit verspielten Verzierungsnoten ausgeschmückt. Ein empfindsamer Adagioteil im 3/4-Takt, eine Art Wiener-Marsch und eine Pizzicato-Passage bilden die Zwischensätze dieses Rondo-Finales.
Spieldauer: ca. 14 Min.

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op.73

Ende Mai 1809 starb in Wien Joseph Haydn. Im selben Monat belagerten und beschossen Napoleons Truppen die Donaumetropole. Beethoven suchte im Keller Schutz und packte sich Kissen auf den Kopf, um den Kanonendonner nicht zu hören; auch der letzte Rest seiner ehemaligen Bewunderung für den Korsen verflog nun. Die Stadt kapitulierte und wurde von den Franzosen besetzt. Lebensmittelknappheit, Schwarzmarkt und Teuerung machten den Menschen zu schaffen. Ende Juli 1809 klagte Beethoven brieflich: „Wir haben ein recht zusammengedrängtes Elend erlebt, wenn ich Ihnen sage, dass ich seit dem 4. Mai wenig Zusammenhängendes auf die Welt gebracht, beinahe nur hier oder da ein Bruchstück. Der ganze Hergang der Sachen hat bei mir auf Leib und Seele gewirkt... Welch zerstörendes, wüstes Leben um mich her! Nichts als Trommeln, Kanonen, Menschenelend in aller Art!“ Die widrigen Lebensumstände mochten den Neununddreißigjährigen zwar von der schöpferischen Arbeit ablenken, aber die Entbehrungen lösten keine Depression aus. Im Gegenteil: In jenem Jahr 1809 entstand das festlich strahlende und heroisch optimistische Es-Dur-Klavierkonzert op. 73. Ein Werk, das den Eindruck erweckt, als habe Beethoven die Kriegswirren mit der Macht und der Pracht seiner Musik übertönen wollen. Kunst als Überwindung der Realität - diese Maxime gilt im Hinblick auf Beethovens grandioses fünftes und letztes Klavierkonzert jedoch nicht nur im äußerlichen, sondern auch in einem tieferen, persönlichen Sinne. Das fortschreitende Gehörleiden hatte Beethoven gezwungen, seine pianistische Laufbahn aufzugeben. Doch obwohl er wusste, dass er seine Schöpfung niemals vor Publikum spielen würde, stattete er den Klavierpart mit allem Glanz, aller Kraft und Herrlichkeit aus. Die Uraufführung überließ er dem Pianisten Friedrich Schneider, der das Werk Ende November 1811 im Gewandhaus zu Leipzig mit triumphalem Erfolg zu Gehör brachte. Erst im folgenden Februar wurde es von Beethovens Schüler Carl Czerny, einem eminenten Klavierspieler, auch in Wien vorgestellt. Das Echo war ungünstig. Theodor Körner, der spätere Freiheitsdichter, berichtete darüber kurz und bündig: „Ein neues Klavierkonzert von Beethoven fiel durch.“ Offenbar erschien es den Zuhörern und den Kritikern als zu lang. In der Tat übertrifft der erste Satz (Allegro) mit seinen 582 Takten sogar noch die ungewöhnliche Dimension des Kopfsatzes der Neunten Sinfonie (547 Takte). Mächtig emporrauschende Klavierpassagen geben dem Werk eine ganz unverwechselbare Einleitung: dabei klammert das Orchester die pompöse Solokadenz durch drei festliche Fortissimo-Akkordschläge zusammen. Dann intonieren die 1. Violinen in der klangvollen tiefen Lage das krafterfüllte, heroische Hauptthema, dessen strahlende Intensität weite Strecken des Satzes beherrscht. Pianissimo erklingt das geheimnisvoll pochende zweite Thema (in es-Moll), das aber von den Hörnern rasch nach Dur aufgehellt wird und dann mancherlei Stimmungsbereiche durchschreitet; es verwandelt sich sogar in einen schneidigen Militärmarsch. Doch immer wieder setzt sich der straffe Hauptgedanke siegreich durch. Wie schon im voraufgegangenen G-Dur-Klavierkonzert op. 58, so verbindet sich auch hier großes Virtuosentum mit einer zuvor unbekannten sinfonischen Vertiefung und Differenzierung des pianistisch-orchestralen Kräftespiels. Einen starken Kontrast zur Macht und Spannung des ersten Allegros (und auch zur Brillanz des Finales) bildet die innige Meditation des langsamen Mittelsatzes (Adagio un poco moto, H-Dur). Beethoven soll hier - laut Czernys Mitteilung - an die Choräle frommer Wallfahrer gedacht haben. Mit beseelter Inbrunst singen die Streichinstrumente eine versonnen schreitende Melodie. Zunächst scheint das Klavier improvisieren zu wollen, es umspielt und variiert das Thema zart, nimmt aber dann doch den unglaublich schönen Gesang auf. Sanft und leise verebbt der Satz. Doch ehe der letzte Ton verklingt, leitet eine kühne harmonische Wendung nach Es-Dur und damit unmittelbar in das bruchlos folgende Final-Rondo (Rondo. Allegro). Erwartungsvoll werden Dreiklangstöne langsam aufeinandergetürmt. Wirkungsvolle Gegensätze bilden ein lyrisch sich wiegendes Seitenthema und ein lebhaftes, punktiertes Motiv, das auch den Schluss des hinreißenden Satzes beherrscht.
Spieldauer: ca. 40 Min.

Franz Schubert ( 1797 - 1828 )
Sinfonie Nr. 1 D-Dur D 82

„Ganz ruhig und wenig beirrt durch das im Konvikte unvermeidliche Geplauder und Gepolter seiner Kameraden um ihn her, saß er am Schreibtischchen...und schrieb leicht und flüssig, ohne viele Korrekturen fort, als ob es gerad so und nicht anders sein müßte.“ So beschreibt Schuberts Mitschüler Albert Stadler, der 1812 in das k. k. Stadtkonvikt in Wien eingetreten war, den komponierenden jungen Schubert. Das Autograf der Ersten (der ersten vollendeten) Sinfonie in D-Dur, deren Niederschrift am 28. Oktober 1813 beendet ist, scheint Stadlers Erinnerung zu bestätigen. Skizzen oder Entwürfe zu diesem Werk sind nicht überliefert, die Partitur zeigt nur wenige Spuren der Arbeit an der Komposition: Mit unbegreiflicher Sicherheit schafft der Sechzehnjährige in der Nachbarschaft Beethovens ein Werk, in dem er das Metier der Kompositionswissenschaft, wie man damals sagte, von Grund auf beherrschte. Schuberts Sinfonie Nr. 1 hat bereits eine eigene Handschrift. Nach dem langsam-feierlichen Eingang nimmt die Musik eine zunehmend mitreißende Bewegung, die sich im letzten Satz in immer neuem Anlauf, fast bedrängend, zum Vorwärtsstürmen steigert. Der zweite Satz, das zarte, innige „Andante“ ist lyrisches Verweilen und musikalisch bereits voller Einfallsreichtum. Das in die Sätze eingesprengte Aufleuchten melodiöser Farbigkeit durch den gekonnten Einsatz der verschiedenen Instrumente, das ist bereits ausgesprochen „Schubertsche“ Musik. Wie auch seine nächsten Sinfonien (Schubert schrieb seine sechs frühen Sinfonien in den Jahren 1813 - 1817/18) ist die Erste weniger für die Öffentlichkeit bestimmt; für die ersten Aufführungen der ersten (und der zweiten) Sinfonie kann man zwar – obwohl Schubert im Schuljahr 1813/14 bereits die Lehrerbildungsanstalt, die „Normal-Hauptschule St. Anna“, besucht – noch das Stadtkonvikt annehmen, dessen Orchester Schubert und einige seiner Freunde lange Zeit angehörten. Der erste, der alle Sinfonien Schuberts in öffentlichen Konzerten zyklisch aufgeführt hat, war August Manns (zwischen 1877 und 1881 im Londoner Crystal Palace). Durchsetzen konnten sich damit aber Schuberts Sinfonien noch nicht. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde meist nur die „Unvollendete“ (Nr. 7) gespielt, auch die Große C-Dur-Sinfonie (Nr. 8), hier und da einmal die Fünfte. Alle anderen haben den Weg in den Konzertsaal erst gefunden, als die Mode der „Gesamtaufnahmen sämtlicher ...“ selbst berühmte Dirigenten veranlasst hatte, sich doch auch mal den „kleineren“ Sinfonien Schuberts zuzuwenden.
Spieldauer: ca. 28 Min.
Christoph Prasser

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Die Termine

So.

15

Sep.

Kölner Philharmonie | 15.09.2019 | 11.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 22.08.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln