Kölner Philharmonie

Gürzenich-Orchester Köln

Pierre-Laurent Aimard - Klavier
Foto: Marco Borggreve
Pierre-Laurent Aimard - Klavier
Foto: Marco Borggreve

Alleyn Freiheit Die neue Akademie - eine Beethoven-Séance
Konzert - Beethoven, Cage, Lachenmann, Zimmermann u.a

François-Xavier Roth, Dirigent

Pierre-Laurent Aimard, Klavier
Jörg Weinöhl, Choreographie
Die neue Akademie – eine Beethoven-Séance

Im heutigen Konzert nähert sich das Gürzenich-Orchester unter ihrem Dirigenten François-Xavier Roth und dem Star-Pianisten Pierre-Laurent Aimard dem Jubilar Beethoven auf eine ganz persönliche Art und Weise. Das Konzert taucht ein in Beethovens musikalisches Universum, indem es eindringliche Momente seiner Klavier- und seiner Orchestermusik besonderen zeitgenössischen Kompositionen gegenüberstellt. So wie Beethoven seinerzeit in seinen legendären Akademie-Konzerten mit Namen "Eine musikalische Akademie" bunte Mischungen sehr unterschiedlicher Werke und Besetzungen präsentierte, oft auch mit neuesten Werken, so stellt auch das heutige Konzert moderne Kompositionen den Werken Beethovens gegenüber. Dabei erläutert François-Xavier Roth selbst, welche Intention ihn bei der Zusammenstellung des heutigen Konzertes bewegte:

"Beethoven hat für mich aus vielen Gründen schon immer eine große Bedeutung. In meinem Heimatland Frankreich war er schon immer eine wichtige Persönlichkeit. Er war vielleicht der erste Komponist in der Geschichte der Musik, der sich eine bessere Art des Seins vorstellte und eine genaue Vorstellung davon hatte, wie Musik Menschen helfen kann, zusammen zu leben. Dieses utopische Ideal ist stark in der französischen Kultur, weil die Französische Revolution, wie wir wissen, Beethoven stark beeinflusst hat. In den letzten Jahren hatte ich als Generalmusikdirektor des Gürzenich-Orchesters Köln die wunderbare Gelegenheit, in Beethovens Heimatregion zu leben und zu musizieren (er wurde in Bonn geboren). Es ist ein ganz besonderes Gebiet und ich fühle mich Beethoven noch näher, weil er so intensiv hier gearbeitet hat und ich das Privileg hatte, sein Haus mehrmals zu besuchen. Er liegt mir sehr am Herzen. Beethovens Humanismus ist sowohl ein Aspekt seiner Persönlichkeit als auch seiner Einstellung zur Musik. Musik ist durch Beethoven keine Kunst mehr, die das Leben nur färbt - sie kann den Menschen tatsächlich verändern. Dieses Konzept ist in der heutigen Welt äußerst wichtig und ich denke immer an den Weg, den Beethoven uns zeigt. Durch die Künste können wir größere Erwartungen an das Zusammenleben und das haben, was wir individuell werden können. Beethoven war maßgeblich an der Konzeption des Konzerts beteiligt. Zu der Zeit wurden sie 'Akademien' genannt und das Hauptprinzip war, dass sie nur moderne Musik präsentierten. Wenn man sich die Programme dieser Veranstaltungen anschaut, ist es erstaunlich, mit welcher Kreativität Beethoven so viele verschiedene Musikformen zusammengestellt hat: Kammermusik, Sinfonie und Solo sowie Opernarien. Bei der Planung unserer Konzerte zum 250-jährigen Jubiläum Beethovens haben wir den zentralen Gedanken vom Beethoven der Moderne berücksichtigt, der die Grenzen der musikalischen Sprache so weit wie möglich verschieben und eine tiefe Resonanz in seinem Publikum hervorrufen wollte. Es war uns wichtig, Beethoven nicht wie in einem Museum zu feiern, sondern dem Publikum zu zeigen, wie revolutionär er wirklich ist. Dies veranlasste uns, seine Musik mit der von Komponisten unserer Zeit zu kombinieren. Ich habe Francesco Filidei und Isabel Mundry gebeten, etwas zu schreiben, und wir werden auch Werke von Bernd Alois Zimmermann, der eine sehr wichtige Figur in Köln war und Helmut Lachenmann spielen. Wie in Beethovens Akademien wird die Rolle seines eigenen Instruments – des Klaviers, das von Pierre-Laurent Aimard gespielt wird – eine zentrale Rolle spielen, wenn wir uns durch seine Musik und die der anderen Komponisten bewegen. Wir experimentieren auch mit einer anderen Art der Konzertpräsentation. Ich habe den Choreografen Jörg Weinöhl gebeten, mit den Musikern zusammenzuarbeiten, wie sie sich bewegen und auf der Bühne agieren sollen, und Isabel Mundry hat Übergänge komponiert, die uns von einem Stück zum nächsten führen. Es ist wichtig, dass es ein Gefühl des Dramas gibt, eine Show zu sein. Neue Formate können dem Publikum helfen, einen Konzertsaal mit einer frischen Einstellung zu betreten. Dies ist eine der aufregendsten Herausforderungen von heute: den Akt, in einen Konzertsaal zu kommen und Teil eines musikalischen Abenteuers zu sein, neu zu erfinden. Dabei müssen wir der Musik als höchste Kunstform vertrauen, die etwas über uns aussagen kann, das wir nicht unbedingt selbst kennen. Dies zu tun ist eine äußerst optimistische Geste, die Fragen dazu stellt, wie wir auf dieser Erde zusammenleben und was wir erleben wollen. Wollen wir wirklich etwas, das wir alle seit Jahren kennen, auf die gleiche Weise wiederholen und wiederholen? Wenn wir Beethoven-Sinfonien unser ganzes Leben lang bis zu unserem Tod zuhören wollen, brauchen wir neue Kontexte und Perspektiven. In Beethovens Zeit, als es um Musik ging, interessierten sich die Menschen nur für Neuheiten - sie interessierten sich nicht für etwas Altes. Heute ist es fast umgekehrt: Die Menschen haben Angst vor Innovationen, und wenn sie ein Konzert besuchen, wollen sie sich mit Musik, die sie bereits kennen, sicher fühlen. Ich bin jedoch froh zu sagen, dass sich diese Tendenz ändert. Wenn ich Konzerte in Köln und an anderen Orten programmiere, versuche ich, der Neugier des Publikums Raum zu geben. Wenn Sie darauf vertrauen, dass sie intelligent und offen für Neues sind, funktioniert es. Dies ist ein langfristiges Projekt, und ich bin sehr glücklich, dass ich in Köln diese Neugierde bei meinem Publikum geweckt habe. Leute, die zu unseren Konzerten kommen, vertrauen uns normalerweise und wissen, dass sie eine gute Erfahrung machen werden, auch wenn sie nicht alle Noten kennen, die im Vorfeld des Konzerts aufgeführt werden. Wenn man versucht, etwas neu zu erfinden, kann man ein bisschen faul sein und sagen: 'Aber vorher war es besser' oder 'Das will ich nicht hören, weil ich die Regeln kenne und ich mich mit ihnen sicher fühle.' Wenn Sie die Regeln ändern, geraten Sie in Gefahr, aber mit dem Gürzenich-Orchester Köln und allen Orchestern, mit denen ich zusammenarbeite, möchten sowohl die Spieler als auch unser Publikum, dass wir es wagen, dies zu tun. Es ist eine Frage des Lebens. Wir wollen nicht, dass Sinfonieorchester als alte Institutionen betrachtet werden. Musiker wollen ihre Arbeit heute besser machen als gestern und die Sinfonie, die wir 500 Mal gespielt haben, auf andere Weise spielen – um das alte Werk wiederzuentdecken. Wir wollen mit neuen Augen und Einstellungen spielen, sonst ist es langweilig. Beethoven verstand das besser als jeder andere. Während seines ganzen Lebens wagte er es, sich selbst in Gefahr zu bringen, seine Ideen voranzutreiben, Regeln zu brechen, Musik neu zu erfinden und das Publikum zu zwingen, anders zu denken und zu hören. Aus diesem Grund haben wir anlässlich des 250-jährigen Bestehens von Beethoven kein konventionelles Programm zusammengestellt. Es ist abenteuerlich und experimentell, und ich bin sehr stolz und glücklich darüber, weil ich Beethoven als modernen Komponisten feiern möchte und was er für die Musikgeschichte und für die Menschheit getan hat."

Die Besucher dürfen sich also vom heutigen Konzert überraschen lassen – sowohl in der Werkauswahl, als auch in der Form der Präsentation. Zu hören sein werden das 5. Klavierkonzert Beethovens sowie Höhepunkte seiner Sonaten und Sinfonien. Darüber hinaus Erstaufführungen von Isabel Mundry und Francesco Filidei, sowie Werke von John Cage, Helmut Lachenmann und Bernd Alois Zimmermann.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 02.07.2020 14:31 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln