Kölner Philharmonie

Mahler Chamber Orchestra

Mitsuko Uchida | Klavier
Foto: Justin Pumfrey
Mitsuko Uchida | Klavier
Foto: Justin Pumfrey

Mitsuko Uchida, Klavier Meesun Hong Coleman, Konzertmeisterin
Konzert - Mozart, Strauss

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Konzert für Klavier und Orchester F-Dur KV 459 (1784) "2. Krönungskonzert"

Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren. Er war der Sohn des Violinisten, Komponisten und Lehrers Leopold Mozart. Wolfgang begann als Dreijähriger, Klavier zu spielen und begab sich bereits mit sechs Jahren, gemeinsam mit seiner elfjährigen Schwester Nannerl, auf Konzertreisen nach München und Wien. Von 1763 an unternahmen Vater Leopold und Sohn Wolfgang eine dreieinhalbjährige Konzertreise durch Europa, auf der sie große Erfolge feierten. Zwischen 1769 und 1773 folgten weitere Reisen durch Italien, jedoch mit zunehmend weniger Erfolgen. Die Zeiten zwischen den Reisen nutzte Mozart zum Komponieren. Nach 1773 nahm er in Salzburg die Stellen als Hoforganist und Kaiserlicher Kammerkomponist an. Er starb verarmt in Wien am 5. Dezember 1791.
„Mozart ist der Schöpfer des modernen Klavierkonzerts. In keinem anderen Genre hat ein einzelner Komponist die gesamte Entwicklung so nachhaltig beeinflusst und so Bedeutendes geschaffen wie er. Dabei gelang es ihm im Laufe von nur wenigen Jahren, die Ebene konventioneller Gebrauchsmusik endgültig zu überwinden und individuell geprägte Kunstwerke zu komponieren, die, da sie aus dem historischen Prozess von Werden und Vergehen hinaustreten, der Interpretation, und zwar ständiger Neuinterpretation, bedürfen. Mit seinen 23 Klavierkonzerten leistete Mozart zudem auch die quantitative Vorarbeit für den späteren enormen Bedeutungszuwachs der Gattung Klavierkonzert im 19. Jahrhundert.“ (Csampai) Die entscheidenden Schritte dieser Entwicklung vollzog Mozart in den insgesamt so überaus produktiven ersten Wiener Jahren: Er komponierte zahlreiche Klavierkonzerte, die er größtenteils dem Publikum im Rahmen der von ihm veranstalteten „Akademien“ auch als Solist selbst vorstellte.
Das F-Dur-Konzert Nr. 19 KV 459 entstand als letztes am Ende des Jahres 1784, in dem Mozart insgesamt nicht weniger als sechs Klavierkonzerte komponierte. Mozart trug die Komposition unter dem Datum des 11. Dezember 1784 in sein persönliches Werkverzeichnis ein. Wann die Uraufführung stattfand, lässt sich nicht mehr nachweisen. Den Grundcharakter dieses Konzertes nennt Csampai „militärisch, schneidig, stolz“, seine Tugenden „die eines Offiziers“. Und Alfred Einstein, der berühmte Mozart-Biograph und –Interpret sieht im Kopfsatz („Allegro“) alle Merkmale eines „idealen Marsches“ vereinigt: „Den festen Schritt, die punktierten Rhythmen, die militärische Haltung.“ Zum Beleg dieser Einschätzung verweist er auf das Hauptthema, das den Kopfsatz mit seiner trommelartig einprägsamen Rhythmik ohne Umschweife eröffnet, und auf eine Reihe von auftrumpfenden Gesten. Neben dem dominierenden Marschthema haben jedoch auch andere und weniger martialisch klingende musikalische Gedanken ihren Platz. Die Reprise ist deutlich verkürzt und erfährt im Zuge weiterer Durchführungsarbeit einige Veränderungen. Auf die brillante, von Mozart auskomponierte Kadenz des Soloinstruments folgt eine knappe Coda. An zweiter Stelle findet sich ein „Allegretto“ im 6/8-Takt und in der Dominant-Tonart C-Dur. Gegenüber dem auftrumpfenden Kopfsatz wirkt es zunächst etwas leichtgewichtig. Chromatische Verdichtungen in der Führung der Stimmen und ein häufiger Wechsel zwischen Dur und Moll geben dem Satz jedoch einen ganz eigentümlichen Charakter des Versonnen-Schwermütigen, der ihn in deutlichen Kontrast zum ersten Satz rückt. Das Finale („Allegro assai“) fand die besondere Bewunderung des bereits erwähnten Alfred Einstein, der von einer „ins Instrumentale transponierten Opera buffa“ spricht, dabei zugleich ein „meisterhaftes Spiel mit der ‘Gelehrtheit’“ sowie die „Verschmelzung von Homophonie und Polyphonie“ rühmt. Alle diese Hinweise gelten einem kompositorisch höchst komplexen Gebilde, in dem formale Elemente des Sonatenhauptsatzes und des Rondos ebenso integriert sind wie polyphone Elemente des Kontrapunkts und der Fugierung – und das auf einem Niveau, das Mozart erst im berühmten Finalsatz der „Jupiter-Sinfonie“ noch einmal überboten hat.

Richard Strauss (1864-1949)
Metamorphosen TrV 290 (1944/45)

Der gebürtige Münchener Richard Strauss erhielt den ersten Musikunterricht von Kollegen seines Vaters, der als hochgeschätzter Hornist dem Hoforchester angehörte und später auch als Professor an der Musikakademie wirkte. Noch bevor seine Gymnasialzeit zu Ende war, wurde Strauss der Münchener Öffentlichkeit als hoffnungsvolles Kompositionstalent vorgestellt. In einem Konzert der Musikakademie dirigierte Hermann Levi die d-Moll-Sinfonie, die Strauss als Sechzehnjähriger komponiert hatte. Strauss‘ Karriere als Dirigent begann in Meiningen, wo er 1885 die Leitung der berühmten herzoglichen Kapelle übernahm. Die ersten nachhaltigen Erfolge als Komponist errang der junge Strauss mit seinen an Berlioz und Liszt anknüpfenden Sinfonischen Dichtungen. Nach den Reiseeindrücken „Aus Italien“ und „Macbeth“ nach Shakespeare schuf er 1888 mit dem „Don Juan“ sein erstes Meisterwerk. Die Verse von Nikolaus Lenau entsprachen dem Lebensgefühl des 24-jährigen Komponisten: „Hinaus und fort nach immer neuen Siegen, solang der Jugend Feuerpulse fliegen.“ Die ein Jahr später entstandene Tondichtung „Tod und Verklärung“ fand sogar den Beifall des Wiener Kritikerpapstes Eduard Hanslick. Um die Jahrhundertwende entstanden die ebenso umjubelten wie heftig umstrittenen Tondichtungen „Also sprach Zarathustra“, „Don Quixote“, „Ein Heldenleben“ sowie die „Sinfonia domestica“. Doch inzwischen hatte sich Strauss erneut der Oper zugewandt, die zum Zentrum seines späteren kompositorischen Schaffens wurde. Er starb am 8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen.
Zutiefst niedergeschlagen von der Zerstörung des kulturellen Lebens durch den Zweiten Weltkrieg zog sich Strauss in den 1940er-Jahren ins Private zurück. Nach seiner letzten Oper „Capriccio“ sah er sein kompositorisches Schaffen als beendet an. Als ihn jedoch Paul Sacher, Leiter des Collegium Musicum Zürich sowie Mäzen und Förderer von neuer Musik, im August 1944 um ein halbstündiges Werk für Streichorchester bat, nahm Strauss die Gelegenheit wahr, seiner „Trauer um München“ – so das Motto zu Beginn der Partitur – Ausdruck zu verleihen. Während der Arbeit erreichten ihn die Nachrichten von der Zerstörung der Berliner Lindenoper und der Dresdner Semperoper, der Stätten der Uraufführung mancher seiner Opern. Drei Wochen vor Kriegsende wurde die Partitur abgeschlossen und am 25. Januar 1946 unter der Leitung von Paul Sacher in der Tonhalle Zürich mit dem Collegium Musicum Zürich zur Aufführung gebracht. Die „Metamorphosen“ wurden zum Klagegesang des über achtzigjährigen Komponisten um die Kultur des Abendlandes; die gebrochene Haltung von Strauss zeigt sich mehrfach: Zum einen verweist der Untertitel „Studie“ darauf, dass hier kein unumstößliches Werk mehr präsentiert wird, sondern nur mehr etwas Skizzenhaftes, Provisorisches. Zum anderen zog sich Strauss, der zu Beginn seines Schaffens mit den monumentalsten Orchesterapparaten gearbeitet hatte, nun mit zehn Geigen, fünf Bratschen, fünf Celli und drei Kontrabässen auf eine äußerst begrenzte Besetzung zurück, bei der zudem jeder Spieler seine Stimme solistisch auszuführen hat. Dadurch aber erreichte er eine beeindruckende Dichte des Klangs und Intensität des Ausdrucks. Den Titel des Werkes, „Metamorphosen“ (also „Verwandlungen“), verwirklichte der Komponist in einem „Adagio“-Satz, der sich zu einem „Agitato“ verdichtet, um schließlich wieder im „Molto lento“ zusammenzusinken und zu erlöschen. Auch die thematischen Andeutungen sind ständigen Umgestaltungen unterworfen, ihre Substanz bleibt aber dieselbe. So begegnen uns Richard-Wagner-Zitate und vor allem eine sich allmählich enthüllende Bearbeitung des Trauermarsches aus Beethovens „Eroica“. Die 23 Einzelstimmen verdichten sich in stetem Verändern und Wechsel bis zur höchsten Polyphonie. An der Stelle, an der schließlich Wehmut und Trauer am stärksten zum Ausdruck kommen und der Beethovensche Trauermarsch-Ausschnitt unverhüllt in den Bässen erscheint, schrieb Strauss in die Noten „in memoriam“.

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester d-Moll KV 466 (1785)

Das Autograph von Mozarts d-Moll-Konzert, das sich heute im Besitz der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien befindet, trägt kein Datum. Mozart selbst trug jedoch die Komposition unter dem Datum des 10. Februar 1785 in sein persönliches Werkverzeichnis ein. An diesem Tag war der Vater Leopold in Wien eingetroffen, um seinen Sohn und seine Schwiegertochter zu besuchen. In einem Brief an seine Tochter berichtete er von der Uraufführung dieses Konzertes am Abend des 10. Februar, die in einem Saal auf der Wiener „Mehlgrube“ vor zahlreichem Publikum stattfand: „ ... dan war ein neues vortreffliches Clavier Concert vom Wolfgang, wo der Copist, da wir ankamen noch daran abschrieb, und dein Bruder das Rondeau noch nicht einmahl durchzuspielen Zeit hatte, weil er die Copiatur übersehen mußte.“ Die Partitur selbst lässt nichts mehr von diesem Zeitdruck ahnen; die Musiker des Orchesters müssen allerdings mit der Tonsprache Mozarts wohl vertraut gewesen sein, sonst hätten der kritische Vater und das nicht minder kritische Wiener Publikum die wenig geprobte Aufführung des komplexen Werkes wohl kaum mit Beifall bedacht. Nur zweimal hat Mozart einem Klavierkonzert eine Molltonart zugrunde gelegt (außer bei KV 466 nur noch beim Klavierkonzert in c-Moll KV 491). Wegen seiner Ausdrucksbreite, der expressiven Chromatik, der mit der Tonart verbundenen Düsternis und Leidenschaftlichkeit avancierte dieses Konzert zu einem Lieblingsstück des 19. Jahrhunderts: Der junge Beethoven hatte dieses Stück in seinem Repertoire und schrieb Kadenzen dafür, nachdem von Mozart selbst keine überliefert sind, ebenso Brahms und Mozarts komponierender Sohn Franz Xaver.
Erstmals in einem Klavierkonzert finden sich hier stimmungsmäßige, atmosphärische Elemente. So besitzt der Kopfsatz, „Allegro“, eigentlich kein „richtiges“ Thema, sondern stellt kurze, abgebrochene Motive gegen und nebeneinander. Besonders auffallend sind die unruhigen Synkopen, die erstmals nach den vielen leise grollenden Schleiferfiguren zu Beginn des Satzes wie Donnerschläge in die Musik einbrechen und die in der Folge immer wieder jede sich andeutende thematische Entwicklung abrupt unterbinden. Im zweiten Satz, einer „Romance“, scheint sich die Stimmung völlig zu ändern. Ruhig entfaltet sich das gesangliche Thema, wobei das Klavier die Führung übernimmt. Doch plötzlich wird die heitere Stimmung unterbrochen, bedrohlich klingende Akkorde und Läufe brechen ohne Vorwarnung in die Musik ein. Auf diesen Mittelteil des Satzes folgt eine knappe Wiederholung des Eingangsthemas. Das abschließende „Rondo. Allegro assai“ kehrt zur Stimmung des Kopfsatzes zurück. Der Satz beginnt entsprechend der Grundtonart in Moll, wechselt in seinem weiteren Verlaufe mehrmals zwischen Moll und Dur und endet – erstaunlicherweise – mit den letzten 75 Takten in D-Dur. Damit bietet er ungeachtet seiner auf die Entwicklung des 19. Jahrhunderts vorausweisenden „Modernität“ doch ebenso ein Beispiel für eine dem 18. Jahrhundert angehörende „Konventionalität“, die mit dem berühmten „lieto fine“ für den unvermeidlichen „glücklichen Ausgang“ eines Musikstückes sorgte.


Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 15.10.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln