Kölner Philharmonie

Oslo Philharmonic Orchestra

Leif Ove Andsnes | Dirigent
Foto: Gregor Hohenberg
Leif Ove Andsnes | Dirigent
Foto: Gregor Hohenberg

Vasily Petrenko, Klavier Leif Ove Andsnes, Dirigent
Konzert - Nordheim, Grieg, Rachmaninow

Arne Nordheim (1931 – 2010)
Canzona (1960) für Orchester

Der norwegische Komponist Arne Nordheim wurde 1931 in Larvik geboren. Hierzulande ist er nur sehr wenig bekannt, im norwegischen Musikleben spielte er aber eine große Rolle: Neben seiner Komponistentätigkeit war er vor allem auch als Mitglied zahlreicher musikalischer Organisationen und Gremien populär. Nordheim studierte 1948 bis 1952 Theorie und Orgel am Konservatorium in Oslo, später nahm er dort Kompositionsunterricht bei Karl Andersen, Bjarne Brustad, Conrad Baden und auch bei Vagn Holmboe in Kopenhagen. Nordheim war einer der ersten norwegischen Komponisten, der sich den zeitgenössischen Strömungen nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete. 1955 befasste er sich in Paris mit Musique concrète und 1959 in Bilthoven mit Elektronischer Musik. Letztere sollte sein Werk insbesondere in den 1960er-Jahren dominieren. 1960 bis 1968 schrieb er Musikkritiken für die Osloer Zeitung Dagbladet. 1967 bis 1972 arbeitete Nordheim wiederholt am Studio Eksperymentale in Warschau, wo er mehrere seiner elektroakustischen Arbeiten realisierte. Ab den 1980er-Jahren entstanden vermehrt auch Werke für Orchester.
Das Werk „Canzona“ stammt aus dem Jahre 1960 und verhalf Nordheim zu seinem internationalen Durchbruch. Das Werk wurde beim Bergen Festival uraufgeführt. Diese Veranstaltung war eng mit der Verleihung des ersten Festivalpreises an den damals 30-jährigen Komponisten verbunden. Der Begriff „Canzona“ hat seine Wurzeln in der französischen Musik des 12. Jahrhunderts. Im Italien des 15. Jahrhunderts wurde diese Form dann vor allem von dem berühmten Giovanni Gabrieli weiterentwickelt, der Klanggruppen innerhalb eines Instrumentalensembles herausarbeitete. Arne Nordheim versuchte nun wiederum, sein Material durch Variationen herauszuarbeiten und die musikalische Kontinuität in bestimmte Abschnitte zu unterteilen. Die drei Teile von „Canzona“ folgen dem Muster langsam, schnell, langsam, wobei die ersten beiden drei klare Unterteilungen haben, während der letzte Teil eine Rückkehr zur Stimmung der Anfangstakte ist. Die Aufnahme von „Solo“-Passagen für ein Cello-Quartett, ein Streichquartett und andere Instrumente schafft Kontraste und Annäherungen zwischen Kammermusik und orchestralem Klang.
Spieldauer: ca. 14 Min.

Edvard Grieg (1843 - 1907)
Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16 (1868)

Edvard Grieg wurde am 15.6.1843 in Bergen (Norwegen) geboren. Nach häuslichem Unterricht ging er 1858 an das Leipziger Konservatorium, wo er bei Ignaz Koscheres Klavierspiel, bei Moritz Hauptmann Musiktheorie und bei Karl Reinecke Komposition studierte. Später setzte er sein Studium in Kopenhagen fort, fand aber auch dort nicht, was er unausgesprochen und unbestimmt suchte. Dies wurde ihm erst klar, als er in seiner Heimat mit Rikard Nordråk in Verbindung kam. „Erst durch ihn lernte ich die norwegischen Volksweisen und meine eigene Natur. Wir verschworen uns gegen den Mendelssohn-verweichlichten Skandinavismus und schlugen mit Begeisterung neue Wege ein:“ Diese Aussage versteht man besser, wenn man weiß, dass die Begründer einer eigenständigen Musik in den skandinavischen Ländern zum Teil aus Deutschland kamen, oder unter dem Einfluss deutscher Meister standen, in erster Linie eben der beiden Romantiker Felix Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann. Von diesen Meistern übernahmen sie wohl die „Romantik“, reicherten sie aber mit ihrer eigenen Vielfalt an musikalischen Einfällen an. Daraus wäre wohl ein „Skandinavismus“ entstanden, dem die Substanz zu einer selbstständigen Weiterentwicklung gefehlt hätte, wenn nicht die skandinavischen Länder Talente wie Grieg hervorgebracht hätten, die diese Gefahr erkannten und sie zu steuern wussten. Über genügende Musikalität verfügten sie spielerisch, um auf Nachahmung verzichten zu können. Später bereiste Grieg noch Rom und lernte auch Franz Liszt kennen. Henrik Ibsen, der auf literarischem Gebiet die gleichen Wege beschritt, wurde sein Freund und bescherte uns so die zwei wundervollen Peer Gynt-Suiten, die Grieg heute weltweit populär halten. Diese Suiten – und vor allem sein einziges Klavierkonzert – gehören zu seinen bekanntesten Werken.
Im Sommer 1868 – mit fünfundzwanzig Jahren – machte er sich in der Abgeschiedenheit eines Gartenhauses im dänischen Sölleröd (nahe Kopenhagen) an die Arbeit zu seinem Klavierkonzert in a-Moll. Seine gerade zwei Monate alte Tochter Alexandra und seine Frau Nina, eine bedeutende Interpretin seiner Vokalwerke, begleiteten ihn in die dänische Sommeridylle. Griegs Plan, bis zum Herbst die Komposition abgeschlossen zu haben, um das Konzert an Weihnachten uraufführen zu können, erfüllte sich allerdings nicht. Es schaffte in diesem Sommer nur die Skizzen und Entwürfe zu diesem Werk und der Kompositionsprozess zog sich bis weit ins Jahr 1869 hin. Die Form und der Stimmungsgehalt des dreisätzigen Klavierkonzerts op.16 erinnern zum Teil an Robert Schumann, die Durchführung aber mehr an Franz Liszt; dennoch handelt es sich um eine völlig eigenständige, norwegische Musik des Komponisten. Der erste Satz beginnt vollgriffig mit einem für Grieg typischen absteigenden Motiv. Dann folgt das Hauptthema, anfänglich rhythmisch markant, dann sanglich-lyrisch; auch das Seitenthema der Celli ist stark lyrisch. Nach einer rhapsodischen Durchführung folgt eine große Kadenz mit kurzer Coda, die die Einleitung wiederholt. Der zweite Satz (Adagio) bringt eine ruhige, breit angelegte Melodie, die das Klavier zu einer mächtigen Steigerung führt. Dieser Satz lädt den Zuhörer, wie wenig andere in der Konzertliteratur, zum Träumen ein. Gerade der Satzbeginn und das langsam einsetzende Klavier entfalten den vollen Zauber spätromantischer Musik, gepaart mit skandinavischem Charme. Im unmittelbar anschließenden Finale trägt das Klavier norwegische Tanzrhythmen vor. Eine Flötenkantilene folgt, dann setzt nach einer kurzen Kadenz eine Stretta ein, die mit dem lyrischen Seitenthema fortissimo triumphierend ausklingt.
Spieldauer: ca. 30 Min.

Sergej Rachmaninow (1873 - 1943)
Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27 (1906–07)

Der russische Komponist und Pianist Sergej Rachmaninow stammte aus einer musikalischen Familie und studierte von 1882-85 am Petersburger Konservatorium. 1885 ging er dann auf Anraten seines Vetters Alexander Siloti nach Moskau, wo er zusammen mit Alexander Skrjabin Komposition bei Tanejew und Arenskij studierte. Nach Abschluss seines Studiums wurde er Anfang der 1890er Jahre als Pianist in Russland schnell bekannt. 1893 erhielt er eine Stelle als Klavierlehrer am Martynow-Institut, 1897/98 dirigierte er dort. Von 1904-06 dirigierte Rachmaninow dann am Bolschoi-Theater in Moskau, von 1906 bis 1909 lebte er in Dresden und reiste dann zum ersten Mal in die USA, wo er ab 1935 auch lebte. Kurz vor seinem Tode wurde er amerikanischer Staatsbürger. Zu seinen Lebzeiten stand der Komponist Rachmaninow oft im Schatten der glänzenden Pianisten seiner Zeit, wie z. B. Chopin, Liszt und Skrjabin. Heute stehen vor allem seine Klavierkonzerte, die „Paganini-Variationen“ und die Klavierstücke im Blickfeld, während seine Opern (Aleko, Francesca da Rimini), seine Sinfonien, Orchester- und Chorkompositionen eher in den Hintergrund rücken.
Die heute zu hörende 2. Sinfonie e-Moll op. 27 komponierte Rachmaninow 1906/07 in Dresden. Im Vergleich zur ersten Sinfonie verfolgt Rachmaninow hier nicht die Entwicklung eines sinfonischen Kosmos aus einem einzigen Kernmotiv. Es geht vielmehr – wie auch bei dem zur gleichen Zeit entstandenen zweiten Klavierkonzert – um die Beschaffenheit sinfonischer Zusammenhänge mithilfe dynamischer Entwicklung. Dies ist bereits in der „Largo“-Einleitung zu erkennen, die kaum mehr die traditionelle „klassische“ Funktion hat, auf den folgenden Sonatensatz vorzubereiten, sondern mit ihren statischen Bläserklängen und ihrer absteigenden, sich expressiv und klangdynamisch weiter verdichtenden Streichern bereits den ersten sinfonischen Entwicklungsbogen darstellt. Der folgende Sonatensatz (Allegro moderato) präsentiert als Hauptthema einen schwelgerischen, weitgezogenen Streicherklang. Dementsprechend bildet das Seitenthema mit seinen Holzbläser-Terzen keinen Ausdrucksgegensatz, sondern es setzt, wie die folgende Cello-Melodie, nur den schwelgerischen Klangfluss fort. Der Durchführungsteil beschränkt sich auf weitere klanglich-dynamische Intensivierung und in der Reprise wird das Seitenthema nun zur höchsten Intensität gesteigert. Die Coda dagegen steht im Zeichen des Hauptgedankens, den Satz energisch, fast martialisch beschließend. Das folgende „Allegro molto“, ein fünfteiliges Rondo, wird durch ausdrucksstarke Kontraste der Themen bestimmt. Das erste Thema in a-Moll hat geistvoll-kapriziösen Charakter, das zweite in C-Dur ist wieder eine breite Streichermelodie. Im Zentrum dieses Satzes, der Wiedereinführung des ersten Themas, steht eine brillantes Fugato. Demgegenüber schwelgt das „Adagio“ in gefühlvollem A-Dur. Mittelpunkt ist das gleich zu Beginn von den Geigen angestimmte und von der Klarinette fortgeführte lange Hauptthema. Trotz des späteren Einsatzes eines Motivs aus der Largo-Einleitung ist der Satz durch eine „morbide“ Klanglyrik, einen um sich selbst kreisenden, monothematischen „kalkulierten Gefühlsrausch“ geprägt. Das Finale zeichnet sich wieder durch kraftvollen Themenkontrast aus. Das Hauptthema wird von einem energischen Triolenrhythmus bestimmt, das breit angelegte Seitenthema der Violinen scheint zunächst im Sande zu verlaufen. Die Durchführung wird von der Bewegung des Hauptthemas vorangetrieben, das zu Beginn der Reprise triumphal wiederkehrt, um dann der großen Schluss-Hymne des Streicher-Seitenthemas Raum zu geben. Die Uraufführung des Werkes, die der Komponist selbst dirigierte, fand am 26. Januar 1908 in St. Petersburg statt.
Spieldauer: ca. 55 Min.

Christoph Prasser

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Die Termine

So.

13

Okt.

Kölner Philharmonie | 13.10.2019 | 20.00 Uhr - 22.10 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 15.09.2019 09:31 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln