Kölner Philharmonie

B'Rock Orchestra

B'Rock Orchestra | Philharmonie
Foto: Mirjam Devriendt
B'Rock Orchestra | Philharmonie
Foto: Mirjam Devriendt

Nicolas Altstaedt, Violoncello
Konzert - Schubert, Haydn


René Jacobs, Dirigent

Franz Schubert (1797-1828)
Sinfonie Nr. 5 B-Dur D 485 (1816)

Franz Schubert wurde am 31. Januar 1797 in Lichtental bei Wien als Sohn eines Lehrers geboren. 1808 gelangte er als Chorsänger an die Hofburg und als Schüler an das städtische Konvikt in Wien. Um 1801 entstanden seine ersten Versuche in der Komposition, die ihn u.a. Antonio Salieri lehrte. Nach einer Ausbildung am Lehrerseminar wurde er 1814 Hilfslehrer. 1818 und 1824 war er Musiklehrer beim Grafen Esterházy in Ungarn. Er starb am 19. November 1828 in Wien. Schubert hinterließ in seinem kurzen Leben neben zahlreichen Liedern und Kammermusik an Orchesterwerken acht Sinfonien und weitere Fragmente, Ouvertüren, Schauspielmusiken und einzelne konzertante Stücke.
Schuberts sinfonisches Schaffen gipfelt nach übereinstimmender Einschätzung von Publikum und Kritik in der „Unvollendeten“ und in der großen C-Dur-Sinfonie. Die diesen Gipfelwerken der Gattung vorangehenden Sinfonien gelten demgegenüber nicht selten als zweitrangige „Jugendwerke“, in denen Schubert die Errungenschaften der Wiener Klassik zwar mit satztechnischer Meisterschaft, aber mit wenig schöpferischer Eigenständigkeit imitiert habe. Solche ästhetischen Urteile stehen in der Tradition einer aus dem 19. Jahrhundert übernommenen Sichtweise, „die die große instrumentale Form nur dann als vollwertig gelten lässt, wenn sie zu radikaler Bekenntnismusik sich aufschwingt, wenn sie zum weltumspannenden Kosmos sich verdichtet“ (Rzehulka). Erst die Abkehr von einer solchen Sichtweise lässt die Eigenart und den Reiz der sechs „Jugendsinfonien“ Schuberts erkennbar werden. Innerhalb dieser Sinfonien nimmt die fünfte eine Ausnahmestellung ein. Sie ist der künstlerische Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung Schuberts mit Mozart, besonders der späten g-Moll-Sinfonie. Sie ist Schuberts Hommage an Mozart. Die Sinfonie entstand im Wesentlichen während des Septembers 1816 und wurde kurz nach ihrer Vollendung durch ein Liebhaberorchester in Wien uraufgeführt. Schubert verzichtete für die Instrumentierung – wie Mozart in der g-Moll-Sinfonie – auf Klarinetten, Trompeten sowie Pauken und schrieb neben den Streichern nur eine Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte und zwei Hörner vor.
Der erste Satz („Allegro“) ist nach dem Schema des Sonatensatzes gebaut, doch wird das musikalische Material in Gestalt der reizenden Themen mit einer solchen Leichtigkeit gehandhabt, dass die geschickte und kunstvolle Konstruktion überspielt wird. Auch das wunderbare „Andante con moto“ ist ein Beispiel dafür, wie sich hinter scheinbarer Schlichtheit eine hohe satztechnische Virtuosität verbirgt: Melodische Einfälle verbinden sich mit sorgfältig geplanten Proportionen, einer hohen Sensibilität für orchestrale Klangfarben und kontrapunktischen Feinheiten. Einen deutlichen Kontrast bildet das kräftige Menuett („Allegro molto“), das überraschenderweise in g-Moll steht. Ihm kontrastiert wiederum das in G-Dur stehende Trio mit seinem gelösten Aussingen der Melodie. Der Finalsatz („Allegro vivace“) greift mit seinem Hauptthema auf Haydn, mit dem Seitenthema allerdings wieder auf Mozart zurück. Die Sinfonie endet als heiterer und unbeschwerter Kehraus.

Joseph Haydn (1732-1809)
Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur Hob. VIIb:1 (1761–65)

Joseph Haydn wurde 1732 in Rohrau (Niederösterreich) geboren. Als Sohn eines Wagenbauers erhielt er ersten Musikunterricht bei seinem Vetter, dem Schulrektor Johann Franck in Hainburg. Später holte ihn der Kapellmeister des Stephansdoms, Georg Reutter, als Sängerknaben nach Wien. Nach dem Stimmbruch musste er sich als Begleiter bei den Gesangsstunden von Nicola Porpora durchschlagen und erhielt hier wahrscheinlich auch Kompositionsunterricht. In den frühen 50er-Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden Haydns erste Kompositionen, Kirchenmusik und Divertimenti. 1759 verschaffte ihm Baron von Fürnberg eine Stelle als Musikdirektor des Grafen Morzin in Lukavec bei Pilsen, und hier entstand die erste seiner ca. 106 Sinfonien. Nach Auflösung der Kapelle wurde Haydn 1761 neben Gregor Joseph Werner Vizekapellmeister beim Fürsten Esterházy in Eisenstadt. 1766 starb Werner und Haydn wurde sein Nachfolger. 1769 verlegte der Fürst die Residenz nach Esterháza am Neusiedler See und mit ihr die ca. 30 Musiker umfassende Kapelle. 1790 starb Fürst Nicolaus Joseph, und sein Sohn Anton löste die Kapelle auf, bewilligte Haydn aber eine Jahrespension von 1400 Gulden, die ihn wirtschaftlich weitgehend unabhängig machte. Haydn zog schließlich nach Wien und reiste zweimal nach London.
Die Anzahl der Cellokonzerte Haydns war lange umstritten. Von den ursprünglich neun ihm zugeschriebenen Werken sind nur zwei als zweifelsfrei authentisch übrig geblieben. Vom Cellokonzert in C-Dur, dessen Existenz lange Zeit lediglich durch einen Hinweis in Gestalt einer Eintragung als Konzert „Per il Violoncello“ mit Themenanfang in Haydns so genanntem „Entwurf-Katalog“ bezeugt war, wurde erst 1961 in einer tschechoslowakischen Bibliothek eine Abschrift wiederentdeckt. Komponiert wurde es wahrscheinlich um 1765 in Eisenstadt als erstes der Cellokonzerte Haydns. Das Datum der Uraufführung ist unbekannt. Die Erstaufführung nach der Wiederentdeckung fand am 19. Mai 1962 in Prag statt, unter der Leitung des Dirigenten Charles Mackerras. In diesem Konzert vermischt sich das Erbe des Barock mit den Errungenschaften des neuen Stils. Der Kopfsatz („Moderato“) bringt im einleitenden Orchester-Ritornell das gesamte thematische Material. Die Exposition des Soloinstruments verändert das Seitenthema stark. In der vom Tutti des Orchesters eingeleiteten Durchführung fallen die etüdenartigen Figuren des Soloinstruments auf. Insgesamt hat der Satz eher improvisatorischen Charakter und entbehrt einer strengen thematisch-motivischen Entfaltung. Zu Beginn des folgenden „Adagio“ spielt die Violine ein 16-taktiges Thema von großer melodischer Schönheit. Das Soloinstrument, während des ganzen Satzes in hoher Lage spielend, nimmt das Thema auf. Der Satz weist drei Teile auf, wobei der ebenfalls aus dem Hauptthema gebildete Mittelteil dieses lediglich in die Dominante transponiert: ein Beispiel für Haydns schon früh ausgeprägte Neigung zur thematischen Reduktion. Das Finale („Allegro molto“) ist von einfacher formaler Bauart, es wird beherrscht von einer vorwärtstreibenden Bewegung.

Franz Schubert
Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 (1822)

Im Jahr 1822 komponierte Schubert neben der Messe in As-Dur auch die „Unvollendete“. Sein Autograph dieser Sinfonie trägt den Hinweis „30. Octob. 1822“. Außer diesem als Kompositionsbeginn gedeuteten Datum fehlen alle Hinweise, die Aufschluss geben könnten über die Hintergründe der Entstehung dieser Sinfonie, über ihren Auftraggeber oder ihren Widmungsträger oder über Aufführungen zu Lebzeiten des Komponisten. Überliefert ist das Werk zweisätzig, deswegen der Beiname. Vom Scherzo liegen immerhin noch neun instrumentierte Takte vor, und eine erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Klavierskizze führt das Scherzo seiner musikalischen Idee nach noch einmal sieben Takte weiter. Insgesamt ist die Entstehungsgeschichte dieser unvollendet gebliebenen Sinfonie bis heute unaufgeklärt. Jedoch: „Auch wenn die Sinfonie nicht beendet ist, vollendet ist sie allemal.“ (Kraemer) Die Uraufführung der „Unvollendeten“, die erstmals 1865 veröffentlicht wurde, fand im Dezember des gleichen Jahres im großen Redoutensaal der Wiener Hofburg unter der Leitung des damaligen Hofkapellmeisters Johann Herbeck statt. Um die damals gängigen Normen der Gattung zu erfüllen, wurde das zweisätzig überlieferte Werk bei der Uraufführung ergänzt durch den Finalsatz aus Schuberts dritter Sinfonie.
Zum Motor der Entwicklung im Kopfsatz („Allegro moderato“) wird eine achttaktige Bassfigur im Pianissimo, die zunächst nur in der Introduktion auftaucht. Die Exposition wird durch zwei Themen bestimmt. Das Hauptthema in der Haupttonart wird von Oboe und Klarinette vorgetragen. Ein Hornruf leitet zum ländlerartigen Seitenthema über, das instrumental von den tiefen Streichern bestimmt wird. Nach einer Generalpause beginnt die Durchführung, die zunächst mit einer motivischen Abspaltung des Nebenthemas gestaltet wird. Doch dann setzt sich immer stärker die Introduktionsfigur des Beginns durch, so dass die eigentliche Durchführung auf der mannigfachen Zergliederung und Veränderung dieser Figur beruht. In einer weiteren Verwandlung bestimmt diese Figur auch die abschließende Coda, nachdem zuvor die Reprise das thematische Material der Exposition leicht verändert wieder aufgegriffen hat. Der in Tempo und Taktart dem Kopfsatz verwandte zweite Satz („Andante con moto“) gliedert sich in zwei große Abschnitte, in eine Exposition und eine Reprise unter Verzicht auf eine Durchführung. Aus einer zweitaktigen Phrase zu Beginn des Satzes entwickelt Schubert durch beständige Wiederholung und Verwandlung eine seiner „unendlichen“ Melodien über 32 Takte. Ein kraftvolles Seitenthema bildet in seiner harmonischen Vielfalt ein markantes Gegenstück zum ersten Thema. Es verliert sich dann allerdings bald in ziellosen Modulationen. Holzbläser und Horn leiten die Reprise ein, die über lange Strecken die Exposition notengetreu wieder aufnimmt. Im Pianissimo verklingt der Satz.


Heidi Rogge

DruckenSpielstätteninfo

TERMINE

Momentan sind leider keine Termine in unserer Datenbank hinterlegt.

Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.




Letzte Aktualisierung: 05.07.2020 19:30 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln