Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1

Tristan und Isolde

Francois-Xavier Roth | Dirigent
Foto: Marco Borggreve
Francois-Xavier Roth | Dirigent
Foto: Marco Borggreve

Die Geschichte zweier von Leidenschaft füreinander getriebener Menschen
Oper - Richard Wagner

Musikalische Leitung: François-Xavier Roth
Inszenierung: Patrick Kinmonth
Bühne: Darko Petrovic
Kostüme: Annina von Pfuel
Licht: Andreas Grüter
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Georg Kehren


Zur Herkunft des Stoffes – mittelalterliche Fassungen
Die europäische Kultur der Neuzeit hat bekanntlich im Mittelalter entscheidende Weichenstellungen erfahren, die bis in die Gegenwart nachwirken. Eine dieser Weichenstellungen ist eng verbunden mit dem Aufstieg einer Kriegerkaste, einer militärischen Elite zur adligen Führungsschicht an den weltlichen Höfen, die sich bei aller Verschiedenheit der Lebensgestaltung am gemeinsamen Leitbild des adligen Ritters orientiert. Diese adlige Gesellschaft fördert die Literatur in den Volkssprachen als ein wichtiges Forum der Selbstdarstellung und der Selbstdeutung. Damit werden alte, auf einer langen mündlichen Überlieferung beruhende Erzählstoffe literaturfähig. Sie liefern über einen langen Zeitraum hinweg das Material für spezifisch „mittelalterliche Mythen“ und entfalten bis in die Gegenwart eine erstaunliche Vitalität. Es handelt sich dabei um Erzählstoffe mit teils festen, teils aber auch variablen Elementen, die im Rückgriff auf eine ferne Vergangenheit sich als Folien für die Deutung jeweils aktueller Erfahrungen anbieten. Die Geschichte von Tristan und Isolde ist neben der vom heiligen Gral oder jener von König Artus und den Rittern seiner Tafelrunde eine der literarischen Mythen, aus denen sich die Literatur und Kunst Europas bis heute in vielfältiger Weise speist. Immer wieder haben sich Autoren dieses Stoffes mit seiner konfliktträchtigen Grundkonstellation bemächtigt und ihr künstlerisches Können an seiner Gestaltung bewährt. Umgekehrt ließe sich mit gleicher Berechtigung sagen, dass gerade diese vielfältigen Gestaltungen das reiche Potential und die fortdauernde Anregungskraft der Geschichte von der verbotenen Liebe zwischen einem Ritter und der Ehefrau seines Gebieters und Verwandten bezeugen. Nach den religiösen und gesellschaftlichen Anschauungen des Mittelalters handelt die Geschichte von Tristan und Isolde von einem Skandal, von einem unerhörten Vorgang. Vielleicht liegt das Faszinosum der Geschichte, das seine Popularität bezeugt, gerade in diesem Skandal: Zwei Menschen – ein Mann und eine Frau – reklamieren bedingungslos und ohne Rücksicht auf die Gesellschaft für sich individuelle Glückserfüllung in wechselseitiger Liebe. Das Skandalöse dieser außerehelichen Liebe, die gegen alle ethischen und gesellschaftlichen Normen der Zeit verstößt, wird – im Interesse der Institution der Ehe - abgemildert durch den Umstand, dass sich diese Liebe einem Zaubertrank verdankt. Neben französischen, italienischen und spanischen Fassungen des „Tristan“ hat vor allem der deutsche Überlieferungsstrang eine besondere Bedeutung. Eine erste Fassung der Geschichte stammt noch aus dem 12. Jahrhundert (Eilhart von Oberg oder Oberge). Doch den ästhetischen Höhepunkt im breiten mittelalterlichen Überlieferungsstrom des Tristan-Stoffes bildet unbestritten die gereimte Roman-Fassung des Gottfried von Straßburg aus dem frühen 13. Jahrhundert. Das 19548 Reimpaarverse umfassende Werk ist in 11 vollständigen Handschriften und 18 Fragmenten überliefert. Diese für das Mittelalter durchaus ansehnliche Zahl an Textzeugen spricht für die Popularität des Werkes. Keine Einbusse erfährt diese Popularität durch den Umstand, dass der Roman unvollendet blieb. Er bricht ab inmitten eines Monologs, der die Zerrissenheit von Tristans Liebe offenbart. Gottfrieds unvollendet gebliebener Roman hat jedoch noch vor dem Ende des 13. Jahrhunderts Autoren auf den Plan gerufen, die die Erzählung fortsetzen und zum Abschluss bringen.

Wagners Version des Tristan-Stoffes
Dass die Geschichte von Tristan und Isolde – wenigstens in groben Zügen – heute noch geläufig ist, ist nicht Gottfrieds großem Versroman zu verdanken, sondern – wie bei anderen aus dem Mittelalter stammenden Stoffen – vor allem dem Opernschaffen Richard Wagners. Wagner hat als sein eigener Librettist allerdings die überlieferte episodenreiche Geschichte auf drei Schlüsselmomente reduziert: der Liebestrank und die Entdeckung der wechselseitigen Liebe zwischen Tristan und Isolde (1. Akt); die Entdeckung ihres ehebrecherischen Verhältnisses durch Marke (2. Akt); der Tod als die endgültige Vereinigung der Liebenden (3. Akt). Dass Wagner sich gerade den Tristan-Stoff als Vorlage wählte, hat auch Gründe, die in seiner damaligen Lebenssituation wurzeln: Denn während der Arbeit an dem Werk durchlebt er seine eigene Tristan-Geschichte in der Liebe zu der mit einem anderen, ihrem „Marke“, in Zürich verheirateten Mathilde Wesendonck.

Zur Opernhandlung: Vorgeschichte
Tristan, der Neffe König Markes von Cornwall, hat im letztlich siegreichen Zweikampf mit dem irischen Ritter Morolt durch dessen vergiftete Waffe eine schwere Verwundung davongetragen. Morolt war der Verlobte der irischen Königstochter Isolde gewesen. Nur diese Isolde und ihre gleichnamige Mutter aber waren imstande, Tristans Wunde zu heilen. Doch niemals hätten sie sich ihres verwundeten Feindes angenommen. Also musste sich Tristan einen anderen Namen und eine andere Identität zulegen. Und in einer Verkleidung unter dem Namen Tantris gelang es ihm, von Isolde und ihrer Mutter gesund gepflegt zu werden. In der Kopfwunde des getöteten Morold aber hatte Isolde einen Splitter der für diesen tödlichen Waffe gefunden: Und als sie feststellte, dass dieser Splitter genau in die Scharte des Schwertes ihres Patienten Tantris passte, musste sie erkennen, wer dieser in Wirklichkeit war. Dennoch brachten es Isolde und ihre Mutter nicht über sich, die gebotene Blutrache zu vollziehen und ihren Patienten zu töten. Im Blick auf den Fortgang der Geschichte liegt die Vermutung nahe, dass die Königstochter schon zu dem ihrer Pflege anvertrauten Tristan eine gewisse Zuneigung gefasst hatte.

Erster Akt
Tristan, König Markes Verwandter und treuer Diener, der sich seine Liebe zu Isolde nicht eingestehen will, ist nach Irland gesegelt, um die irische Königstochter nach Cornwall zu bringen, wo sie Marke heiraten soll. Isolde und ihre Vertraute Brangäne, die sie begleitet, erkennen in Tristan jenen Ritter Tantris wieder, den Isolde einst gesund gepflegt hatte. Dass er jetzt als Brautwerber für Marke nach Irland zurückkehrt, empfindet Isolde als Schmach, zumal Kurwenal und Tristans Männer Brangäne, welche die Vorgeschichte nicht kennt, auch noch verspotten (Herr Morold zog zu Meere her). Isolde will sich rächen und befiehlt Brangäne, ihr und Tristan den Sühne- und Todestrank zu bringen, den zu leeren sich auch Tristan schließlich bereit findet. Doch Brangäne vertauscht zwei Tränke und reicht beiden den eigentlich für Marke und Isolde bestimmten Liebestrank. Statt gemeinsam zu sterben, entbrennen Tristan und Isolde in Liebe zueinander. Das Schiff landet in Cornwall; Kurwenal, Tristans Gefolgsmann und Freund, meldet die bevorstehende Ankunft des Königs. Als jedoch Brangäne ihrer Herrin die Verwechslung der beiden Tränke gesteht, sinkt diese ohnmächtig in Tristans Arme.

Zweiter Akt
Marke hat die Ohnmacht seiner Braut den Anstrengungen der Reise zugeschrieben. Brangäne jedoch war es nicht entgangen, dass Melot, ein weiterer Freund Tristans, die Situation anders und damit „richtig“ gedeutet hat. Sie vermutet, dass es Melot nicht ehrlich meint, und warnt ihre Herrin vor der Gefahr einer Entdeckung ihrer Beziehung zu Tristan. Doch Isolde schlägt alle Warnungen in den Wind und hat sich mit Tristan um Mitternacht im Park vor ihren Gemächern verabredet, nachdem Marke und seine Begleitung angeblich zu einem Jagdzug aufgebrochen sind. Mit einer Fackel in der Hand hält Brangäne Wache, bis die Jagdhörner in der Ferne verklingen. Isolde kommt aus der Burg, löscht die Fackel und gibt damit das verabredete Zeichen. Tristan und Isolde sinken einander in die Arme, in Liebe vereint möchten sie nie mehr getrennt werden. (O sink hernieder, Nacht der Liebe). Der Welt entrissen, hören sie nicht Brangänes Ruf. (Einsam wachend in der Nacht). Tristan und Isolde wünschen sich eine ewige Nacht der immerwährenden Vereinigung, die höchste Vollendung ihrer Liebe im Tod (So stürben wir, um ungetrennt?). Von Melot geführt, erscheint der König mit seinen Begleitern auf der Szene. Bestürzt erkennt Marke den Treuebruch seines Neffen und treuesten Dieners (Tatest du's wirklich?), der sich nicht verteidigen kann und will. Als Tristan Isolde fragt, ob sie mit ihm in den Tod gehen wolle und sie auf die Stirne küsst, stürzt sich Melot auf ihn. Tristan zieht sein Schwert, als wolle er sich verteidigen, lässt sich jedoch dann ohne weitere Gegenwehr in das Schwert des Verräters fallen. Verzweifelt stürzt sich Isolde über den zu Boden sinkenden, von Kurwenal gehaltenen schwer verletzten Geliebten.

Dritter Akt
Kurwenal hat Tristan in die halb verfallene Burg seiner Väter, Kareol, in der Bretagne gebracht, wo er den Schwerverwundeten pflegt. Die Wunde will nicht heilen, wiederum könnte nur Isolde Tristan retten. Deswegen hat Kurwenal nach ihr geschickt. Tristan, von Schmerzattacken und Wahnvorstellungen gequält, erwartet sehnsüchtig die Geliebte. Ein alter Hirte soll ihr Kommen mit einer fröhlichen Schalmeimelodie ankündigen Endlich ertönt statt der traurigen Weise ein fröhliches Lied, das die Landung von Isoldes Schiff meldet. Tristan schleppt sich mit letzter Kraftaufbietung der Geliebten entgegen. Isolde fängt ihn auf und umarmt ihn. Tristan sinkt zu Boden und stirbt, den Namen der Geliebten auf den Lippen. Da meldet der Hirte die Ankunft eines zweiten Schiffes. Kurwenal vermutet Feinde und verriegelt das Tor der Burg. Marke mit seinen Begleitern verlangt Einlass, den Kurwenal jedoch verweigert. Als das Tor gewaltsam geöffnet wird, erschlägt Kurwenal den Verräter Melot, fällt dann aber selbst im Kampf mit der Gefolgschaft des Königs. Marke, der von Brangäne zu spät von dem verhängnisvollen Trank erfahren hat und die Liebenden vereinen wollte, steht erschüttert vor den Toten. (Tot denn alles! Alles tot!). Isolde stirbt vor Schmerz an Tristans Leiche (Mild und leise wie er lächelt).

Die Oper stand zuletzt im Jahre 2009 auf dem Spielplan der hiesigen Oper. Damals hatte der Brite David Pountney die Inszenierung besorgt, noch unter den Bedingungen eines funktionierenden und technisch wohlausgerüsteten Opernhauses. Man darf gespannt sein, wie der durch seine „Tannhäuser“- und „Ring“-Inszenierungen bereits bewährte Patrick Kinmonth als Regisseur der neuen Produktion mit den Bedingungen eines Provisoriums zurechtkommt, das Einschränkungen bedingt, zugleich aber auch – wenigstens gelegentlich – kreative Lösungen zeitigt. Auch GMD François-Xavier Roth setzt in dieser Produktion seine Beschäftigung mit dem Werk Richard Wagners fort.



Handlung in drei Aufzügen

Dr. Hans-Gerhard Neugebauer

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Letzte Aktualisierung: 15.10.2019 19:30 Uhr     © 2019 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln