Staatenhaus am Rheinpark, Saal 2

Written on Skin

Oper - George Benjamin

Opera in Three Parts
Libretto von Martin Crimp basierend auf »Guillem de Cabestanh – Le Cœur Mangé«
(anonymer Text aus dem 13. Jahrhundert)
Musik von George Benjamin (* 1960)


Musikalische Leitung: François-Xavier Roth, Harry Ogg (5. Dez.)
Inszenierung: Benjamin Lazar
Bühne & Kostüme: Adeline Caron
Licht: Nicol Hungsberg


Personen der Handlung:
Der Protector
Agnes
1. Engel / Der Junge
2. Engel / Mary
3. Engel / John

Erster Teil:
Der Protector, ein Großgrundbesitzer, ist mit Agnes verheiratet. Er ist ein strenger Mann, der zu Gewalt neigt und für den seine Frau nicht mehr als etwas ist, das er besitzt. Agnes ist von einfacher Natur und kann weder lesen noch schreiben. Der Protector möchte seine Heldentaten verewigt wissen und benötigt hierfür einen Zeichner. Drei Engel haben die beiden beobachtet und wissen um den Wunsch des Protectors. Der erste Engel betritt das Haus als "Der Junge" und bietet seine Dienste an. Der Protector ist sehr angetan, Agnes bleibt zunächst skeptisch. Der Junge soll ein Buch über den Protector illustrieren. In einer Nacht schleicht sich Agnes in das Zimmer des Jungen und schaut sich dessen Arbeiten an. Sie hat so etwas noch nie gesehen und ist fasziniert. Der Junge zeigt ihr ein Bild der biblischen Eva. Agnes versteht dies nicht, kann sich aber der erotischen Spannung zwischen ihr und dem Jungen nicht entziehen. Die beiden anderen Engel betreten das Haus in der Gestalt von Agnes Schwester Mary und deren Mann John. Sie wettern gegen den Jungen, denn sie wissen um das Verhältnis beider. Der Protector lässt sich aber nicht überzeugen, denn er ist von den Bildern seiner Großtaten begeistert. Der Junge besucht Agnes und eröffnet ihr die Vorstellung Teil eines Bildes zu sein. Sie ist angetan und verfällt dem Jungen immer mehr. Beide schlafen miteinander.

Zweiter Teil:
In der Nacht hat der Protector Albträume, die ihm die beiden Engel bescheren. Sie zeigen ihm eine verborgene Seite in dem in Auftrag gegebenen Buch, die Agnes und den Jungen in einem geheimen Bett darstellen. Der Protector erwacht aufgewühlt aus seinem Traum und findet Agnes am Fenster vor. Sie betrachtet draußen die furchtbaren Gewalttaten, die ihr Mann an seinen Untergebenen vollziehen lässt. Der Protector verbietet ihr aus dem Fenster zu schauen. Sie wendet sich ihrem Mann zu und verlangt nach körperlicher Zuwendung. Der Protector und der Junge treffen im Wald aufeinander. Der Protector stellt den Jungen zur Rede und fragt ihn ob er ein Verhältnis mit Agnes habe. Der Junge weicht aus und äußert, er werde dem Protector nichts tun, was ihm schade, denn er liebe und schütze ihn. Die Situation eskaliert und der Protector übt Druck auf den Jungen aus. Dieser behauptet, er habe ein Verhältnis mit Agnes Schwester Mary. Agnes sucht den Jungen auf. Sie hat davon erfahren, dass dieser angeblich ein Verhältnis mit ihrer Schwester habe und sie ist eifersüchtig. Sie fordert vom Jungen ein Bild, das ihre Lieben zeigt anzufertigen. Sie will den Protector damit quälen. Zögerlich willigt der Junge ein.

Dritter Teil:
Der Junge zeigt dem Protector das fertige Buch. Er präsentiert eine gemalte Grausamkeit nach der anderen. Agnes fragt provozierend nach der Seite, die die Liebe von ihr und dem Jungen zeigen soll. Der Jung gibt ihr schließlich eine Seite, auf der kein Bild, sondern nur Schrift zu sehen ist. Agnes kann dies nicht lesen. Dafür liest der Protector diese Seite, mit all ihren anzüglichen Details vor. Der Protector ist am Boden zerstört. Die Engel erscheinen und fordern ihn auf dem Jungen in den Wald nachzugehen, er solle ihn dort umbringen. Agnes und ihr Mann sitzen beim Abendessen. Er fordert sie immer wieder auf zu essen und erkundigt sich betont oft danach, wie es ihr schmecke. Nach einer Weile eröffnet er Agnes, dass sie die ganze Zeit das Herz des Jungen verspeist. Die Situation eskaliert und der Protector greift Agnes mit einem Messer an, diese flüchtet und springt aus dem Fenster. Sie stirbt.

Zum Werk:
Der Komponist George Benjamin (*1960) gehört heute zu den gefragtesten Komponisten unserer Tage. Zu seinen Lehrern zählt unter anderem Olivier Messiaen, bei dem er in Paris studierte. Nach Erfahrungen mit elektronischer Musik, die er nach eigenen Aussagen als „frustrierend“ empfand, wandte er sich einem klassischen Instrumentarium zu und schuf zahlreiche Werke in den verschiedensten Besetzungen, von Kammermusik bis zur symphonischen Werken. Benjamins Musik ist trotz aller Freiheit in der Harmonik in seinen Bühnenwerken im höchsten Maße der Dramatik verpflichtet. Effektvoll bemüht Benjamin einen umfangreichen Orchesterapparat und lässt hier große Ausbrüche genau so geschehen, wie er in feinen, fast kammermusikalischen Momenten stilistisch an fernere, romantische Zeiten erinnert. Da schimmert mal etwas Debussy, mal etwas Britten und man meint manchmal einen ganz feinen Wagner zur hören. Trotz der mittelalterlichen Vorlage verweigert sich Benjamin weitestgehend Anklängen an mittelalterliche Musik. Dennoch kreiert der Komponist immer wieder fast surreale Klänge durch den Einsatz beispielsweise einer Gambe oder einer Glasharmonika und kontrastiert sensible Momente mit disharmonischen Akzenten. Die Orchestrierung begleitet im wesentlichen den Sprechtext, nur selten werden dem Orchester größere Freiräume gegeben.„Written on Skin“ wurde unter großem Erfolg 2012 beim Festival in Aix-en-Provence uraufgeführt und seitdem an zahlreichen Häusern nachgespielt. Kritiker beurteilten das rund 90minütige Werk als eine der besten Opern seit Alban Bergs „Wozzeck“. Der Titel des Werks erinnert an eine Zeit, in der ein Buch auf Pergament, eben wirklich „auf Haut geschrieben“ wurde und etwas Seltenes und Wertvolles, ja ein Kunstwerk war. Aus dieser Zeit stammt auch die historische Vorlage: Eine archaische Erzählung um ein tödlich endendes Dreiecksverhältnis aus dem 13. Jahrhundert bildet die Grundlage für das Libretto. Crimp ergänzt diese um drei Engel, die – ähnlich dem Chor in der griechischen Tragödie – das Geschehen kommentieren. Sie bilden eine Rahmenhandlung, in der sie quasi die Geschichte um Agnes, ihren Mann und den Jungen erfinden, gleich, wie der Junge auch die Seiten in seinem Buch „erfindet“.



Sebastian Jacobs

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Letzte Aktualisierung: 27.10.2020 19:30 Uhr     © 2020 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln