Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1

Die tote Stadt

Die tote Stadt | Staatenhaus
Foto: Paul Leclaire
Die tote Stadt | Staatenhaus
Foto: Paul Leclaire

Oper - Erich Wolfgang Korngold

Oper in drei Bildern
frei nach Georges Rodenbachs Roman »Bruges-la-morte« (»Das tote Brügge«)
Musik von Erich Wolfgang Korngold (1897 – 1957)
in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

MUSIKALISCHE LEITUNG Gabriel Feltz
INSZENIERUNG Tatjana Gürbaca
BÜHNE Stefan Heyne
KOSTÜME Silke Willrett
LICHT Andreas Grüter
CHOR Rustam Samedov
DRAMATURGIE Georg Kehren


Korngold, der schon als Dreizehnjähriger die Uraufführung seiner Pantomime "Der Schneewind" an der Wiener Hofoper erlebte, galt in seiner Heimatstadt als Wunderkind. Gemeinsam mit seinem Vater, einem in Wien tätigen bekannten und gefürchteten Kritiker, verfasste er junge Korngold das Libretto zu seiner bekanntesten Oper "Die tote Stadt" nach dem Drama "Le Mirage", zu dem Georges Rodenbach 1897 seinen fünf Jahre zuvor erschienenen Roman "Bruges-la-Morte" umgearbeitet hatte. 1920 wurde die Oper gleichzeitig in Köln (unter Otto Klemperer) und in Hamburg uraufgeführt. Sie fand rasch Verbreitung im In- und Ausland, teilweise mit Spitzenbesetzungen, und bis 1933 wurde sie an mehr als siebzig Bühnen aufgeführt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland und dem Austrofaschismus fand die Karriere des jüdischstämmigen Komponisten im deutschsprachigen Raum ihr jähes Ende. In Hollywood fand Korngold Exil und ein neues Betätigungsfeld. Schon 1934 hatte er für Max Reinhards Verfilmung des "Sommernachtstraums" eine Filmmusik komponiert, die freilich noch stark von Mendelssohns gleichnamiger Schauspielmusik inspiriert war. Doch später avancierte er mit seiner eigenen spätromantischen Klangsprache zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten Hollywoods. Dieser Erfolg hatte freilich seinen Preis: Er beschädigte sein Renommee als seriöser Komponist und erschwerte ihm die Rückkehr in das europäische Musikleben nach dem Ende des Krieges. „Korngold, dessen Hauptwerke wie in einer rituellen Beschwörung des Nicht-Vergessen-Werdens um die Auferstehung kreisen, gehörte wie Zemlinsky, Schreker und andere zu jenen Komponisten, denen zwei Mal das Lebensrecht bestritten wurde: durch die faschistische Verfemung 1933 und durch das musikalische Fortschrittsdenken nach 1945.“ (Schreiber) Selbst den Wiederaufnahmen seiner seinerzeit erfolgreichsten Oper waren nach dem Zweiten Weltkrieg allenfalls Achtungserfolge ohne Nachwirkung beschieden. 1967 wurde "DieTote Stadt" zu postumen Feier von Korngolds 70. Geburtstag wieder gegeben, allerdings nicht einmal mehr in der Staatsoper, sondern „nur“ noch in der Volksoper.

„Roman und Drama Rodenbachs bewegen sich in der dekadent symbolistischen, stark von Edgar Allen Poe beeinflussten Vorstellungswelt des Fin de siècle.“ (Schreiber) In der durch die Versandung des Hafens von der Umwelt abgeschlossene und dahinsiechende flandrische Stadt Brügge lösen sich alle festen Realitäts- und Persönlichkeitsstrukturen auf. Das gotische Ambiente der Stadt mit ihren Kirchen und Klöstern, mit Belfried und Beginenhof, mit ihren Gassen und Kanälen wird auf mannigfache Weise mit dem Schicksal der handelnden Personen verknüpft, so jedenfalls der Roman. In Korngolds Libretto hingegen ist diese wechselseitige Spiegelung von Ambiente und Figuren aufgelöst und aufgeteilt. Zu Beginn und am Ende erleben wir eine realistische Sphäre.
Die eigentliche Handlung nach dem Besuch Mariettas bei Paul erleben wir hingegen als geträumte Vision Pauls: Seine jung verstorbene Frau Marie tritt aus ihrem eigenen Porträt heraus und erinnert ihn mit Mariettas Stimme an das ihr einstmals gegebene eheliche Treueversprechen. Paul wird als Beobachter Zeuge, wie Marietta mit ihrer Komödiantentruppe die Auferstehungsszene einer Nonne aus Meyerbeers Oper "Robert le Diable" probt. In einer an seinem Hause vorüberziehenden Prozession meint er seine tote Frau wiederzuerkennen und erwürgt Marietta schließlich. Danach erwacht Paul aus seinem Traum und sieht sich – für den Zuschauer überraschenderweise - von allen nekrophilen Neigungen befreit. Denn als die Haushälterin Mariettas Rückkehr meldet, die in der ersten Szene Regenschirm und Rosen bei ihrem Besuch liegen gelassen hatte, erklärt Paul seinem Freund Frank, das morbide Brügge nunmehr endgültig verlassen zu wollen.
Die Korngolds eigenem Libretto geschuldete platte Zweiteilung in Realität und Vision, die der Rodenbachschen Vorlage mit ihrer subtilen Verknüpfung von Figuren und Ambiente, von Realität und Vision nicht gerecht wird, hat bei der Rezeption der Oper immer wieder zu Regieexperimenten geführt, um die Sphären der Handlung vorlagengerecht miteinander zu verschränken. Dieser Spur folgt auch Tatjana Gürbaca, die die Oper in Köln neu inszeniert hat: „Realität und Vision sind für Paul nicht mehr zu trennen. Fehlgeleitete Projektion und Wunschdenken bedingen Eifersucht und Hass. Schließlich steigert sich die emotional aufgereizte Auseinandersetzung zwischen Paul und der Tänzerin [Marietta, dem Ebenbild seiner verstorbenen Frau Marie,] bis ins mörderische Extrem. Am Ende – so die läuternde, an psychoanalytische Erkenntnisse der Entstehungszeit angelehnte Auflösung des Geschehens – steht jedoch nicht der Tod, sondern das Bekenntnis zum Leben.“ (Oper Köln)
„Auch musikalisch ist es Korngold mit dem oft überdimensioniert klingenden Orchester trotz des Einsatzes von Celesta, Klavier und Harmonium sowie heftigem Glockengetöne in bestimmter und unbestimmter Tonhöhe kaum gelungen, dem phantasmagorischen Ambiente der toten Stadt Brügge eigenen Klang zu geben. Die eingeschobenen Prozessionen – zu der [ ... ] mit der mittelalterlichen Hymne "Pange Lingua" im 3. Akt kommt noch ein Aufzug von Beginen auf dem Weg ins Kloster als Kontrast zur Frivolität der Theatertruppe um Marietta im 2. – helfen diesem Mangel mehr optisch als akustisch ab. Andrerseits sind die musikalischen Qualitäten der Partitur offenkundig, besonders in dem trotz der hohen Tessitura [dem Bereich des Stimmumfanges, der für den musikalischen Ausdruck nutzbar ist] für die beiden Protagonisten dankbaren Vokalstil. Mariettas im 1. Akt von Paul aufgegriffenes Strophenlied zur Laute "Glück, das mir verblieb "[ ... ] ist ein Ohrwurm geworden [ ... ]. Kaum minder gesanglich sind das Arioso von Pauls Haushälterin Brigitta "Was das Leben ist, weiß ich nicht", eine warm orchestrierte lichte E-Dur-Melodie, und das Pierrot-Lied des mit Wagners Rheinmotiv als Rheinländer apostrophierten Fritz "Mein Sehnen, mein Wähnen", in dessen sentimentale Bewegung eines langsamen Walzers einmal ein achtstimmiger Frauenchor tönt.“ (Schreiber)



Dr. Hans-Gerhard Neugebauer

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Letzte Aktualisierung: 17.09.2021 20:30 Uhr     © 2021 Theatergemeinde KÖLN | Auf dem Berlich 34 | 50667 Köln